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Das Varietätensystem des heutigen Italienisch

Titel: Das Varietätensystem des heutigen Italienisch

Seminararbeit , 2000 , 15 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Thomas Strobel (Autor:in)

Romanistik - Italianistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

“Cum igitur [...] homo sit instabilissimum
atque variabilissimum animal, [nostra loquela]
nec durabilis nec continua esse potest, sed [...]
per locorum temporumque distantias variari oportet.”1

Bereits der „Vater der italienischen Sprache“ Dante Alighieri, der sich – unter anderem – als erster auch theoretisch mit Sprache auseinandersetzte, wies in seiner theoretischen Abhandlung De vulgari eloquentia auf das unbeständige Wesen des Menschen und die damit verbundene örtliche und zeitliche Variation von Sprache hin.
Die vorliegende Arbeit soll den modernen Aspekt der Diskussion um die Questione della lingua in der italienischen Sprachwissenschaft anhand des Varietätensystems untersuchen. Der Begriff des „Varietätensystems“ bringt mich zunächst zu einigen grundlegenden Überlegungen bezüglich der Themenstellung; ist doch von einem „System“ die Rede und nicht etwa vom „Varietätenspektrum“ oder schlicht von den „Varietäten“. Ferner geht es um das Varietätensystem „des heutigen Italienisch“, wobei dadurch einerseits die diachronische Variable eingeschränkt wird und sich andererseits die Frage aufdrängt, ob es denn „das“ heutige Italienisch im Sinne eines einzigen, eines bestimmten gibt. Dies lässt sich eben, aufgrund der Existenz von sprachlichen Varietäten, verneinen.
Einer grundlegenden Annäherung an den Begriff der Varietät, soll, in einem deskriptiven Teil, die Darstellung der synchronen und diachronen Varietäten folgen, die es anhand ausgewählter Beispiele zu verdeutlichen gilt. Weiterhin sollen die Verzahnungen zwischen diesen bisweilen schwer abgrenzbaren, letztlich voneinander untrennbaren Varietäten beleuchtet werden.
Schließlich wird, nach dem von Giovanni Battista Pellegrini entwickelten, traditionell diatopisch ausgerichteten Modell zur Anordnung bzw. Schichtung der komplexen Varietätenvielfalt, ein ausgewähltes aktuelles Modell, nämlich das Francesco Sabatinis, einschließlich dessen Kritik durch Arrigo Castellani vorgestellt. Darauf folgen Untersuchungen zu Bewegungen bzw. Verschiebungen innerhalb des italienischen Sprachrepertoires. In einem abschließenden Teil soll zuletzt über die Bedeutung der einzelnen Varietäten, über ihre Stellung im Vergleich zueinander, reflektiert werden.

1 Dante Alighieri, De vulgari eloquentia, a cura di M. Barbi, E. G. Parodi u.a., Le Opere di Dante, Florenz ²1960, I, ix, 6, S. 304

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Varietätenbegriff

3. Die vier Dimensionen synchroner Variation

3.1 Die diatopische Varietät

3.2 Die diamesische Varietät

3.3 Die diasituative Varietät

3.4 Die diastratische Varietät

4. Zur Abgrenzungsproblematik und Sonderstellung einzelner Varietäten

5. Die diachronische Variable

6. Schichtungsmodelle und Entwicklungen im italienischen Sprachrepertoire

6.1 Das diatopische Modell Pellegrinis

6.2 Sabatinis italiano dell’uso medio

6.3 Castellanis italiano normale

6.4 Tendenzen im italienischen Varietätenspektrum

7. Schlussbemerkungen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das moderne Varietätensystem des Italienischen, um die dynamische Entwicklung der Sprache zwischen Standard, Dialekt und soziolinguistischen Zwischenformen zu analysieren und theoretische Schichtungsmodelle kritisch zu beleuchten.

  • Grundlagen des Varietätenbegriffs in der modernen Linguistik.
  • Analyse der vier Dimensionen synchroner sprachlicher Variation.
  • Darstellung und Kritik von Modellen wie Sabatinis italiano dell'uso medio.
  • Untersuchung von Verschiebungen und Tendenzen im aktuellen italienischen Sprachrepertoire.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die diatopische Varietät

Das Konzept der diatopischen Varietät bezieht sich auf geographische, örtliche Faktoren; mit anderen Worten auf das Gebiet, in dem die Sprache verwendet wird bzw. auf die Region, aus der die Sprecher stammen. Auf dem Territorium der Italoromania divergieren gerade die Dialekte in diesem Maße sicherlich unter anderem aufgrund der zahlreichen Substrate und Superstrate. Eine genaue sprachgeschichtliche Betrachtung kann in diesem Rahmen jedoch nicht erfolgen, zumal ja das „Varietätensystem des heutigen Italienisch“ untersucht werden soll. Auch was die Einteilung der italienischen Dialekte betrifft, kann hier lediglich auf die in der Literatur übliche Grobgliederung in ober- bzw. norditalienische (dialetti settentrionali), mittel- und süditalienische (dialetti centro-meridionali) und schließlich toskanische Dialekte (dialetti toscani) hingewiesen werden.

Wie aber entwickelte sich der Gebrauch des Dialekts einerseits und der Standardsprache andererseits? Unter Standard soll ein neutraler, werturteilsfreier Begriff für die weitgehend verbreitete, (im Gegensatz zur Norm) tatsächlich realisierte und ziemlich homogene Sprachvarietät verstanden werden, die in Opposition zu den sogenannten italiani regionali steht. Betrachtet man die Tendenzen im Bereich der dialettofonia, so lässt sich ein Übergang von einer ausgeprägten Verwendung des (lokalen) Dialekts zu einem intensiveren Gebrauch der Standardsprache bzw. auch der verschiedenen italiani regionali im Laufe der letzten 20-30 Jahre feststellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Auseinandersetzung mit sprachlicher Variation ein und erläutert die Zielsetzung der Untersuchung des heutigen italienischen Varietätensystems.

2. Der Varietätenbegriff: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Sprachvarietät vor dem Hintergrund der Abkehr von der Homogenitätsannahme der Saussureschen Langue und führt wichtige Konzepte wie Ideolekt und Register ein.

3. Die vier Dimensionen synchroner Variation: Hier werden die zentralen Dimensionen diatopische, diamesische, diasituative und diastratische Variation detailliert beschrieben und ihre Bedeutung für das Diasystem erörtert.

4. Zur Abgrenzungsproblematik und Sonderstellung einzelner Varietäten: Dieses Kapitel beleuchtet die Schwierigkeiten bei der scharfen Trennung von Varietäten, da diese in der Realität eng miteinander verzahnt auftreten.

5. Die diachronische Variable: Hier wird der Blick auf die zukünftige Entwicklung und die Spannung zwischen präskriptiver Soll-Norm und deskriptiver Ist-Norm gerichtet.

6. Schichtungsmodelle und Entwicklungen im italienischen Sprachrepertoire: Das Kapitel vergleicht verschiedene linguistische Modelle, insbesondere den traditionellen Ansatz von Pellegrini sowie die neueren Ansätze von Sabatini und Castellani.

7. Schlussbemerkungen: Der abschließende Teil reflektiert die abnehmende Bedeutung rein diatopischer Modelle zugunsten komplexerer, situativer und diastratischer Analyseperspektiven.

Schlüsselwörter

Italienisch, Varietätenlinguistik, Varietätensystem, Dialekt, Standardsprache, Diatopik, Diamesik, Diasituativ, Diastratik, Italiano dell'uso medio, Italiano normale, Sprachwandel, Soziolinguistik, Normbegriff, Sprachrepertoire.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit dem Varietätensystem des heutigen Italienischen und der Art und Weise, wie die italienische Sprache durch verschiedene soziale, geografische und situative Faktoren differenziert wird.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen der Varietätenbegriff, die Beschreibung synchroner Variationsdimensionen sowie die Analyse von Sprachschichtungsmodellen und die aktuelle Dynamik im italienischen Sprachrepertoire.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Komplexität des heutigen italienischen Sprachgebrauchs zu erfassen und zu untersuchen, wie sich das Verhältnis zwischen Standardsprache und anderen Varietäten durch theoretische Modelle erklären lässt.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Die Arbeit nutzt einen deskriptiven und soziolinguistischen Ansatz, um bestehende Modelle zur Strukturierung der Varietätenvielfalt, wie die von Pellegrini, Sabatini und Castellani, zu vergleichen und kritisch zu diskutieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der vier Variationsdimensionen, die Abgrenzungsproblematik sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Modellen zur Schichtung des italienischen Sprachsystems.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen das Varietätensystem, die vier Dimensionen der Variation (diatopisch, diamesisch, diasituativ, diastratisch), das italiano dell'uso medio und der italiano normale.

Welche Kritik übt Arrigo Castellani an Francesco Sabatini?

Castellani lehnt Sabatinis Konzept des italiano dell'uso medio als eigenständige Varietät ab und argumentiert, dass es sich lediglich um ein Sprachregister innerhalb der bereits existierenden, toskanisch geprägten Norm handle.

Was versteht man unter dem Begriff "Schiacciamento" im Varietätenspektrum?

Der Begriff beschreibt eine Nivellierung, bei der sich die extremen Varietäten (hoch und niedrig) annähern und zum Zentrum des Sprachgebrauchs hin konvergieren, was zu einer Reduktion des Abstands zwischen den Varietäten führt.

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Details

Titel
Das Varietätensystem des heutigen Italienisch
Hochschule
Universität Passau  (Lehrstuhl für Romanische Sprachwissenschaft)
Veranstaltung
Proseminar "Die Questione della lingua von Dante bis heute"
Note
1,0
Autor
Thomas Strobel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2000
Seiten
15
Katalognummer
V114586
ISBN (eBook)
9783640153343
ISBN (Buch)
9783640155101
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Varietätensystem Italienisch Proseminar Questione Dante
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Thomas Strobel (Autor:in), 2000, Das Varietätensystem des heutigen Italienisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114586
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Leseprobe aus  15  Seiten
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