Schattenkinder und Hilfsangebote der Heilpädagogischen Familienhilfe


Hausarbeit, 2020

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Heilpädagogische Familienhilfe
2.1 Unterschiede zur sozialpädagogischen Familienhilfe
2.2 Leistungsempfänger
2.3 Verlauf

3. Die Situation von Geschwistern chronisch kranker oder behinderter Kinder
3.1 Schwierigkeiten im Umgang mit dem erkrankten Geschwister
3.2 Probleme in der Beziehung zu den Eltern

4. Risiken für die Entwicklung und Gesundheit des nichtbehinderten Kindes

5. Schlussfolgerung für die Heilpädagogische Familienhilfe
5.1 Hilfsangebote für Geschwister von Kindern mit Behinderung
5.2 Fallbeispiele
5.2.1 “Für ihn tun sie alles, für mich nichts.”
5.2.2 “Ich will nicht das zweite Sorgenkind meiner Eltern sein.”
5.2.3 “Anmeckern darf ich sie nicht.”

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Sie werden als “Schattenkinder”1 bezeichnet – Geschwister von Kindern mit Behinderung oder chronischer Erkrankung stehen im Schatten ihres Bruders oder ihrer Schwester, die sich häufig im Mittelpunkt des Familienlebens befinden. Das Kind mit Behinderung zieht viel Aufmerksamkeit, Zuwendung und Unterstützung von seinem Umfeld auf sich, das Geschwisterkind hingegen bleibt häufig im Hintergrund. Die Geburt eines Kindes mit Behinderung oder eine im Verlauf der Kindheit auftretende chronische Erkrankung bringt einen tiefen Einschnitt und schwerwiegende Veränderungen im Leben einer Familie mit sich. Für die Ängste und Probleme der Eltern finden sich zahlreiche Hilfsangebote und Gespräche mit Ärzten und Therapeuten richten sich häufig ausschließlich an die Eltern. Geschwister „als Helfer und zu Stützende werden […] häufig übersehen.“2 Geschwister von Kindern mit Behinderung werden daher auch “vergessene Angehörige” genannt. Entscheidungen, die auch das Leben des Geschwisters betreffen, werden über deren Köpfe hinweg getroffen, obwohl sie zu dem kranken Kind durch das Aufwachsen in einer Geschwisterbeziehung eine besondere Nähe und Verständnis entwickelt haben.3 Die Situation eines betroffenen Geschwisterkindes gestaltet sich jedoch als ähnlich und mindestens genauso schwierig wie die ihrer Eltern und benötigt dementsprechend ebenfalls Unterstützung. Probleme spielen sich hierbei auf einer anderen Ebene ab. Geschwister in einer Familie mit einem behinderten Kind stellen durch ihr „Schattendasein“ eine besondere Risikogruppe dar. Sie können von Entwicklungsrisiken, emotionaler Vernachlässigung und der Entwicklung einer psychischen Erkrankung durch sämtliche Belastungen in diesem Kontext betroffen sein.4

Die nachfolgende Arbeit soll dementsprechend die Situation des Geschwisterkindes und nicht die eigentliche Behinderung beziehungsweise chronische Erkrankung eines Kindes beleuchten. Darüber hinaus sollen mögliche Hilfsangebote der Heilpädagogischen Familienhilfe für betroffene Familien erarbeitet werden.

2. Heilpädagogische Familienhilfe

Heilpädagogische Familienhilfe stellt das einzelne Kind in den Mittelpunkt, verfolgt einen kindzentrierten Ansatz und geht mit heilpädagogischen Methoden über Beratung weit hinaus. Die Arbeit beinhaltet nicht nur Hilfsangebote innerhalb einer Familie, sondern auch außerhalb in deren sozialen Umfeld.5 Hier gilt Paul Moors heilpädagogischer Leitsatz: “Wir haben nie nur das entwicklungsgehemmte Kind als solches zu therapieren, sondern immer auch seine Umgebung.”6 Die Heilpädagogische Familienhilfe passt sich den aktuellen Bedürfnissen jedes Familienmitgliedes an, das bedeutet, sie ist immer wieder veränderbar. Jedes Familienmitglied soll individuell die Angebote mitgestalten, damit jeder und jede für sich einen Gewinn daraus ziehen kann, sowie Selbstwirksamkeit zu erfahren kann. Um dies bewerkstelligen zu können, setzt die Familienhilfe mindestens zwei verbindlich zugeordnete Fachkräfte pro Familie ein, hinter denen ein Team mehrerer Fachkräfte steht. Zudem werden “Kontakte zu anderen Institutionen wie Schulen, Kindertagesstätten, Jugendzentren, Vereinen, behandelten Ärzten und Therapeuten werden hergestellt beziehungsweise unterstützt.”7 Wesentliches Merkmal der Arbeit der Heilpädagogischen Familienhilfe ist die heilpädagogische Grundlage: „Nicht für den Fehler, sondern für das Fehlende.“ (Paul Moor)8

2.1 Unterschiede zur sozialpädagogischen Familienhilfe

Heilpädagogische Familienhilfe ist neben der Sozialpädagogischen Familienhilfe §31 in den Hilfen zur Erziehung § 27 im SGB VIII nicht aufgeführt. Sie versteht sich als Erweiterung der SPFH und baut auf deren Grundlagen auf.9 Die Heilpädagogik kommt zur Anwendung, wenn die “Schwesterdisziplin Sozialpädagogik” an die Grenzen ihres Durchschnittsmaßes, wie bei Behinderungen mit erheblichen erschwerten Bedingungen, gelangt.10 Laut Gesetz ist die „SPFH […] auf längere Dauer angelegt“ (§31 SGB VII), dauert jedoch häufig maximal zwei Jahre. Die HPFH bietet, vor allem aufgrund der Komplexität der Probleme ihrer Klienten, langfristige Hilfen an.11 Die HPFH zeichnet sich durch spezifisches Fachwissen über Behinderungen und Erkrankungen und heilpädagogische Methodenvielfalt aus. Sie verfolgt den verstehenden Ansatz „Erst verstehen – dann erziehen.“ (Paul Moor). In der heilpädagogischen Familienhilfe stehen folglich die Kinder, in der sozialpädagogischen Familienhilfe häufig die Eltern im Zentrum der Hilfe. Dementsprechend arbeitet die SPFH von den Eltern zum Kind, die HPFH von dem Kind zu den Eltern.12

2.2 Leistungsempfänger

Zu den Leistungsempfängern der Heilpädagogischen Familienhilfe gehören außer Familien mit Bedarf an Erziehungshilfen und konstanter Unterstützung im Alltag auch Kinder und Jugendliche mit Behinderungen und Schwierigkeiten in schulischen Angelegenheiten wie beispielsweise Schulabsentismus. Die Heilpädagogische Familienhilfe unterstützt außerdem deprivierte, traumatisierte und Kinder und Jugendliche aus schwierigen Lebensverhältnissen. Zu letzterem gehören ein verwahrlostes Umfeld und Eltern oder Angehörige mit psychischen Störungen oder Suchterkrankungen. Darüber hinaus gehören Kinder und Jugendliche, die aufgrund von unklaren Diagnosen keine Unterstützung von anderen Hilfsangeboten bekommen oder keinen Zugang zu diesen finden, zu den Leistungsempfängern. Auch Zwangskontext ist in der heilpädagogischen Familienhilfe kein Ausschlusskriterium.13

2.3 Verlauf

Das erste Kennenlernen von Familie und Familienhelfern kann, wenn möglich, als erster Hausbesuch in vertrauter Umgebung stattfinden. Die heilpädagogische Anamnese wird als Einstieg genutzt, um alle relevanten Daten zu erfassen. Im Anschluss wird mit der Familie gemeinsam ausgehandelt und festgelegt, wie sich die Termine gestalten sollen. Das Setting passt sich den aktuellen Bedarfen und Wünschen der Familie an und wird somit gemeinsam erarbeitet. Der Bezugsbetreuer entwickelt ein individuelles und regelmäßiges Beziehungs- und Aktivitätsangebot für das Kind. Desweiteren bietet die Heilpädagogische Familienhilfe neben heilpädagogischer Diagnostik und Gesprächsangeboten auch praktische Hilfen im Haushalt an.14

3. Die Situation von Geschwistern chronisch kranker oder behinderter Kinder

Ein Geschwister eines chronisch kranken oder behinderten Kindes lebt in einem ständigen Spannungsfeld zwischen Familie, den eigenen Gefühlen und dem sozialen Umfeld.15 Es ist auf vielfältige Weise von der Behinderung betroffen. Studien zum Familiensystem mit einem kranken Kind ergaben „Veränderungen in der Statushierarchie und einem Privilegienentzug auf der Seite des gesunden Geschwisters“16. Das Bedürfnis eines jeden Kindes nach Aufmerksamkeit und Zuwendung seiner Eltern gestaltet sich bereits bei Kindern ohne zeitintensive Pflege und Hilfe durch eine Behinderung häufig schwierig. Spannungen und Konflikte zwischen den einzelnen Familienmitgliedern sind unvermeidbar. 17

[...]


1 Strebel 2018.

2 Schmid et al. 2004.

3 ebd.

4 Möller et al. 2016,S.14.

5 Leginovic 2014,S.65.

6 Moor 1974.

7 Leginovic 2014,S.63.

8 ebd.S.62.

9 Leginovic 2019.

10 Kiessl.95

11 Leginovic 2014.

12 Leginovic 2019.

13 Leginovic 2014,S.22.

14 ebd.,S.67.

15 Möller et al. 2016,S.69.

16 Möller et al. 2016,S. 68.

17 ebd.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Schattenkinder und Hilfsangebote der Heilpädagogischen Familienhilfe
Hochschule
Evangelische Hochschule Nürnberg; ehem. Evangelische Fachhochschule Nürnberg
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
12
Katalognummer
V1145871
ISBN (eBook)
9783346530387
ISBN (Buch)
9783346530394
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schattenkinder, hilfsangebote, heilpädagogische, familienhilfe
Arbeit zitieren
Christina Bonfig (Autor:in), 2020, Schattenkinder und Hilfsangebote der Heilpädagogischen Familienhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1145871

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