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Versprecher als Daten für ein Sprachproduktionsmodell

Title: Versprecher als Daten für ein Sprachproduktionsmodell

Seminar Paper , 2004 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Thomas Strobel (Author)

Speech Science / Linguistics
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Bei Versprechern (engl. slips of the tongue, speech errors) handelt es sich um kein
pathologisches, sondern um ein ganz alltägliches Phänomen, vor dem kein Sprecher sicher
ist. Die Untersuchung von Versprechern im Rahmen der Psycholinguistik ist dem Bereich
der Sprachproduktion und nicht dem der Sprachperzeption zuzuordnen. Wie ein
Verständnis dieser ungewollt missglückten Äußerungen von Seiten des Hörers unter dem
Blickwinkel der Sprachperzeption dennoch möglich ist und abläuft soll in der
vorliegenden Arbeit weitgehend ausgeklammert bleiben. Die sprachwissenschaftliche
Untersuchung von Versprechern gibt nicht nur Aufschluss über physiologische,
psychische, mentale und kognitive Vorgänge bei der Sprachproduktion, sondern kann
auch einen Nachweis für die psychische Realität linguistischer Einheiten und Prozesse
liefern. Dies soll und kann hier jedoch ebenfalls nicht näher behandelt werden.
Nach einer kurzen Darstellung einiger wichtiger, bahnbrechender Werke in der
Versprecherforschung soll eine Definition von Versprechern versucht und einige Hinweise
zu Versprechern als Datentyp gegeben werden. Daran schließt sich die Diskussion einer
möglichen Klassifikation von Versprechern an. Nach Betrachtungen zur Häufigkeitsverteilung
von Versprechern auf die unterschiedlichen, im Rahmen des Klassifikationsversuchs
vorgestellten Kategorien und einer (im gegebenen Rahmen notwendigerweise)
auswahlartigen Darstellung von Regularitäten, denen das Auftreten von Versprechern
unterliegt, sollen schließlich Konsequenzen aus den Versprecherdaten für die Architektur
eines möglichen Sprachproduktions- bzw. Sprachplanungsmodell dargestellt werden. Den
Abschluss bilden einige Ausführungen zu Reparaturen von Versprechern, die sowohl auf
Eigeninitiative des Sprechers als auch auf Initiative des Hörers hin oder in Interaktion der
beiden Gesprächspartner miteinander entstehen können.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Meilensteine der (psycho-)linguistischen Versprecherforschung

3. Definition von Versprechern

4. Versprecher als empirische Daten: Methodologische Grundsätze und Problematik der Versprecherdaten

5. Zur Klassifikation von Versprechern

5.1 Größe der modifizierten Einheit

5.2 Deskription

5.3 Explikation

6. Häufigkeitsverteilung und Regelmäßigkeiten bei Versprechern

7. Konsequenzen für ein Modell der Sprachproduktion

7.1 Versprecherbeeinflussende Faktoren und mentales Lexikon

7.2 Zur Architektur eines Sprachproduktions- bzw. Sprachplanungsmodells

8. Korrekturen von Versprechern

9. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Versprecher als wertvolle empirische Datenquelle, um Rückschlüsse auf die kognitiven Prozesse und Strukturen der normalen, fehlerfreien Sprachproduktion zu ziehen und entsprechende Modelle zu evaluieren.

  • Historische Entwicklung der Versprecherforschung
  • Methodologische Abgrenzung und Definition von Versprechern
  • Klassifikationssysteme für sprachliche Fehlleistungen
  • Analyse von Regelmäßigkeiten und Häufigkeitsverteilungen
  • Architektur von Sprachproduktionsmodellen und Reparaturmechanismen

Auszug aus dem Buch

5. Zur Klassifikation von Versprechern

Die Grundlage für die Klassifikation von Versprechern bildet der Vergleich des tatsächlichen, fehlerhaften Äußerungsresultats mit der intendierten Äußerung. Diese beabsichtigte, aber irrtümlicherweise nicht realisierte Äußerung ist zwar nicht direkt zugänglich, in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle lässt sie sich jedoch erschließen. Oft korrigiert sich auch der Sprecher selbst und erleichtert dadurch Rückschlüsse auf die Äußerungsabsicht.

Ihre volle Aussagekraft entfalten Versprecher weniger als Einzelfälle, sondern als Klassenphänomene. Aufgrund dieser Erkenntnis werden einzelne Versprecher durch eine systematische Erhebung über einen längeren Zeitraum hinweg zu Fehlerkorpora gebündelt. Es besteht jedoch ein großes Ungleichgewicht in der Verteilung der Versprechersammlungen auf die verschiedenen Sprachen: Zu einer auffälligen Konzentration auf indoeuropäische Sprachen kommt noch eine besonders intensive Datenerhebung im Englischen. Diese Unausgewogenheit ist deswegen ein Problem, weil nicht automatisch davon ausgegangen werden kann, dass die Verarbeitungsprinzipien in allen Sprachen gleich sind.

Die wichtigsten Kategorien von Versprechern sind im nachfolgenden dreidimensionalen Klassifikationsraster zusammengestellt:

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein und erläutert, dass Versprecher als alltägliches Phänomen für die psycholinguistische Erforschung der Sprachproduktion von zentraler Bedeutung sind.

2. Meilensteine der (psycho-)linguistischen Versprecherforschung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historischen Anfänge der wissenschaftlichen Versprecheranalyse, beginnend bei Meringer und Mayer bis hin zur modernen psycholinguistischen Forschung.

3. Definition von Versprechern: Hier wird eine präzise Definition von Versprechern erarbeitet, wobei diese als nicht-geplante Performanzfehler von kompetenten Sprechern von anderen sprachlichen Phänomenen abgegrenzt werden.

4. Versprecher als empirische Daten: Methodologische Grundsätze und Problematik der Versprecherdaten: Es wird die methodische Legitimation untersucht, aus Fehlleistungen auf die funktionelle Struktur mentaler Sprachprozesse zu schließen, inklusive der Herausforderungen bei der Datenerhebung.

5. Zur Klassifikation von Versprechern: Das Kapitel stellt ein dreidimensionales Klassifikationsraster vor, das zwischen der Größe der betroffenen Einheit, der deskriptiven Fehlerform und der interpretativen Explikation unterscheidet.

6. Häufigkeitsverteilung und Regelmäßigkeiten bei Versprechern: Hier werden quantitative und qualitative Regelmäßigkeiten analysiert, die aufzeigen, dass das Auftreten von Versprechern nicht willkürlich, sondern durch strukturelle Faktoren bedingt ist.

7. Konsequenzen für ein Modell der Sprachproduktion: Dieses Kapitel verknüpft die Erkenntnisse aus Versprecherdaten mit der Architektur von Sprachproduktionsmodellen und untersucht die Rolle des mentalen Lexikons.

8. Korrekturen von Versprechern: Es wird detailliert dargelegt, wie Sprecher ihre Fehler wahrnehmen und durch verschiedene Arten von Reparaturmechanismen korrigieren.

9. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Bilanz der gewonnenen Erkenntnisse und unterstreicht den Nutzen von Versprecherdaten für die Modellierung der menschlichen Sprachproduktion.

Schlüsselwörter

Versprecher, Psycholinguistik, Sprachproduktion, Sprachmodell, Fehleranalyse, mentale Prozesse, mentale Lexik, Performanzfehler, Klassifikation, Antizipation, Perseveration, Kontamination, Selbstkorrektur, Sprachplanung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Untersuchung von Versprechern als Mittel, um die Funktionsweise der normalen Sprachproduktion beim Menschen zu verstehen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Feldern gehören die Definition und Klassifikation von Fehlleistungen, die statistische Auswertung von Versprecher-Mustern und die Entwicklung von Modellen zur Sprachplanung.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Hauptziel ist es, auf Basis von Versprecherdaten Rückschlüsse auf die fehlerfreie Sprachproduktion zu ziehen und Theorien über den Sprachproduktionsprozess zu evaluieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?

Es wird die Methode der Fehleranalyse eingesetzt, bei der systematisch erhobene Fehlerkorpora genutzt werden, um funktionelle Strukturen mentaler Prozesse abzuleiten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Klassifikation von Versprechern, deren Regelmäßigkeiten in der Häufigkeitsverteilung, Konsequenzen für Produktionsmodelle sowie die Mechanismen der Fehlerkorrektur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Sprachproduktion, Psycholinguistik, Versprecher, mentale Lexik, Fehleranalyse und Sprachplanungsmodelle.

Warum sind Versprecher keine Zufallsprodukte?

Versprecher unterliegen, wie die Forschung zeigt, spezifischen Regularitäten und Regeln der Sprachverarbeitung; sie treten häufiger in bestimmten Kontexten auf, was ihre systematische Erforschung ermöglicht.

Wie unterscheidet sich die Deskription von der Explikation bei Fehlern?

Die Deskription beschreibt das beobachtbare Resultat des Fehlers (z.B. Addition oder Substitution), während die Explikation versucht, die zugrunde liegende psycholinguistische Ursache, wie Antizipation oder Perseveration, zu erklären.

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Details

Title
Versprecher als Daten für ein Sprachproduktionsmodell
College
University of Passau  (Lehrstuhl für Allgemeine Linguistik)
Course
Proseminar "Psycholinguistik: Sprachperzeption"
Grade
1,0
Author
Thomas Strobel (Author)
Publication Year
2004
Pages
23
Catalog Number
V114603
ISBN (eBook)
9783640161911
ISBN (Book)
9783640163847
Language
German
Tags
Versprecher Daten Sprachproduktionsmodell Proseminar Psycholinguistik Sprachperzeption
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Strobel (Author), 2004, Versprecher als Daten für ein Sprachproduktionsmodell, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114603
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