Die Strukturationstheorie von Anthony Giddens

und in wieweit sie in der Lage ist, den Onlinejournalismus vom traditionellen Journalismus abzugrenzen


Seminararbeit, 2006

17 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundzüge der Strukturationstheorie
2.1 Das Stratifikationsmodell des Handelnden
2.2 Die Dualität von Struktur

3 Die Strukturationstheorie in der Journalismusforschung
3.1 Journalistisches Handeln
3.2 Strukturen im Journalismus

4 Onlinejournalismus und Strukturationstheorie
4.1 Aufkommen des Onlinejournalismus
4.2 Besondere Möglichkeiten im Onlinejournalismus
4.3 Handeln und Strukturen im Onlinejournalismus

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Anthony Giddens, einer der wichtigsten Soziologen der heutigen Zeit, veröffentlichte 1997 sein Werk „Die Konstitution der Gesellschaft. Grundzüge einer Theorie der Strukturierung“. Dieses Werk beinhaltet die ausführlichste Version seiner Strukturationstheorie. Diese, ursprünglich als Sozialtheorie konzipierte Theorie, fand sowohl in der Soziologie als auch in anderen akademischen Disziplinen große Aufmerksamkeit.

„Die Menschen machen ihre eigene Geschichte, aber sie machen sie nicht aus freien Stücken, nicht unter selbstgewählten, sondern unter unmittelbar vorgefundenen, gegebenen und überlieferten Umständen“ (Marx/Engels, 1972, S.308). Dieser Ausspruch Karl Marx’ stimmt mit Giddens’ Vorstellungen überein, und wird essentiell für die spätere Strukturationstheorie: „In dieser Figur der aktiven Produktion und gleichzeitigen Reproduktion gesellschaftlicher Strukturzusammenhänge, der ständigen Neuschöpfung des Sozialen aus Altbewährtem, findet Giddens seinen Ausgangspunkt, um über Struktur und Handeln sowie den Zusammenhang von Sozial- und Systemintegration nachzudenken“ (Lamla, 2003, S.17).

In dieser Arbeit sollen nun die Grundzüge dieser Theorie dargestellt werden, um anschließend die Anwendbarkeit der Strukturationstheorie auf dem Feld der Journalismusforschung, und im speziellen auf den Onlinejournalismus überprüfen zu können.

2 Grundzüge der Strukturationstheorie

Die Strukturationstheorie ist eine sehr komplexe und vielschichtige Theorie, die im Rahmen dieser Arbeit nicht in ihrer vollen Breite und Tiefe diskutiert werden kann. Im folgenden Teil sollen deshalb lediglich die Grundzüge der Theorie dargelegt werden. Begonnen wird mit dem Stratifikationsmodell des Handelnden, das die Handlungsdimension in Giddens’ Theorie darstellt. Es folgt eine Erläuterung zur Dualität der Struktur; hier wird die Strukturdimension näher behandelt. Diese beiden essentiellen Inhalte sollten ausreichen, um einen Überblick über die Strukturationstheorie zu geben.

2.1 Das Stratifikationsmodell des Handelnden

Handeln ist laut Giddens „in die Welt einzugreifen bzw. einen solchen Eingriff zu unterlassen mit der Folge, einen spezifischen Prozess oder Zustand zu beeinflussen“ (Giddens, 1997, S.65). Das Stratifikationsmodell des Handelnden ist eines der wichtigsten Elemente in der Strukturationstheorie von Anthony Giddens. Er verdeutlicht mit diesem Modell, dass ein Akteur immer versucht, sein Handeln reflexiv zu kontrollieren und zu steuern. Strukturelle Anforderungen wie beispielsweise Erwartungen von anderen, bringen einen Akteur dazu, seine Handlungen auf Konsistenz zu prüfen und ihnen, teilweise auch erst nachträglich, einen Sinn zu verleihen (Wyss, 2004, S.309). Sowohl seine Handlungsbedingungen, einschließlich der sozialen Kontexte, unter denen er handelt, als auch die Konsequenzen seines Handelns wollen vom Akteur kontrolliert werden. Jedoch können die sozialen Kontexte, die den Akteur umgeben, nie völlig von ihm kontrolliert werden. Der Akteur ist laut der Strukturationstheorie mit Einsichtsfähigkeit und Handlungsvermögen ausgestattet. Er entwickelt ein theoretisches Verständnis für die Gründe seines Handelns, das Giddens als Handlungsrationalisierung bezeichnet. Der Akteur ist meist dazu in der Lage, dieses auch zu erklären. Die reflexive Handlungssteuerung macht deutlich, dass Handeln einer bewussten und zielgerichteten Steuerung unterliegt, und nicht passiv geschieht. Aber obwohl dies so ist, ist der Akteur nicht in der Lage, sämtliche Handlungsbedingungen und Handlungsfolgen zu erkennen. Hier kommt der Begriff des handlungspraktischen Wissens ins Spiel. Reflexive Handlungssteuerung erfolgt auf der Basis von eben diesem handlungspraktischen Wissen. Dieses Wissen ist dem Akteur nicht zwangsläufig bewusst, und er muss auch nicht in der Lage sein dieses zu erklären. Routinisiertes Handeln läuft aufgrund des handlungspraktischen Wissens ab. Routinehandlungen entspringen dem praktischem Bewusstsein, und nicht dem diskursiven Bewusstsein. (Wyss, 2002, S.55f)

Das praktische Bewusstsein (practical consciousness) beinhaltet all das, was Handelnde stillschweigend darüber wissen, wie in den Kontexten des gesellschaftlichen Lebens zu verfahren ist, ohne daß (sic!) sie in der Lage sein müssten, all dem einen direkten diskursiven Ausdruck zu verleihen (Giddens, 1997, S.36).

Die Konzeption des praktischen Bewusstseins macht deutlich, dass Handeln nicht immer mit Zielen, bzw. Intentionen verbunden sein muss. Das, was ein Akteur tut, muss nicht zwangsläufig das sein, was er beabsichtigt. Es ist zwar möglich, dass ein Akteur mit Intentionen und nach festgelegten Zielen handelt. „Für ihn kann Handeln aber immer auch unter unerkannten Bedingungen erfolgen und immer auch unbeabsichtigte Handlungsfolgen zeitigen“ (Wyss, 2002, S.56).

Dadurch, dass sich der Akteur in seinem Handeln an gewisse Routinen hält, die in seinem praktischen Bewusstsein verankert und durch Erfahrung und Sozialisation entstanden sind, reproduziert er diese Strukturen. In dieser Tatsache drückt sich die Rekursivität von Handlung und Struktur aus. Strukturen sind sowohl Input als auch – intendiertes oder nicht-intendiertes – Output jedes Handelns.

Nachdem nun die Dimension des Handelns aus Giddens Theorie dargestellt worden ist, soll im Anschluss auf die Dimension der Struktur eingegangen werden.

2.2 Die Dualität von Struktur

Unter Struktur bzw. Strukturen versteht Giddens „Regeln und Ressourcen, die in rekursiver Weise in die Reproduktion sozialer Systeme einbezogen sind“ (Giddens, 1997, S.432). Es gibt Regeln der Sinnkonstitution, die die Verständigung steuern (Signifikation), und Regeln der Sanktionierung, die zur Legitimation von korrektem Handeln dienen. Die Ressourcen teilen sich nach Giddens in die allokativen und die autorativen Ressourcen der Herrschaft. Allokative Ressourcen bezeichnen die Möglichkeit für Akteure, Kontrolle über materielle Aspekte wie Geld, Personal und Technik auszuüben. Autorative Ressourcen beziehen sich dagegen auf die Fähigkeiten und Kapazitäten, Macht über andere Menschen auszuüben (Wyss, 2004, S.314).

Diese drei Dimensionen von Struktur, nämlich Signifikation, Herrschaft und Legitimation, sind durch Vermittlungsmodalitäten wie Normen, interpretative Schemata und autorative sowie allokative Machtmittel mit den Dimensionen der Handlung, die da wären Kommunikation, Macht und Sanktion, verbunden.

Strukturen begrenzen Handeln nicht nur, durch ihre Existenz ermöglichen sie Handlungen erst. Umgekehrt werden Strukturen durch menschliches Handeln erzeugt, bestimmen aber gleichzeitig auch das Handeln der einzelnen Akteure. Es handelt sich hier um ein rekursives Konstitutionsverhältnis von Handlung und Struktur. Rekursivität und Zirkularität von Handlung und Struktur sind essentiell in Giddens’ Strukturationstheorie. Genauso bedeutend ist, dass es sich bei den beiden Aspekten nicht um einen Dualismus handelt, sondern im Gegenteil um eine Dualität. Handlung und Struktur werden von Giddens als zwei Momente desselben Geschehens bezeichnet.

Konstitution von Handelnden und Strukturen betrifft nicht zwei unabhängig voneinander gegebene Mengen von Phänomenen – einen Dualismus –, sondern beide Momente stellen eine Dualität dar. Gemäß dem Begriff der Dualität von Struktur sind die Strukturmomente sozialer Systeme sowohl Medium wie Ergebnis der Praktiken, die sie rekursiv organisieren (Giddens, 1997, S.77).

Struktur existiert nur in Form von Erinnerungsspuren, sie besitzt keine Existenz unabhängig von dem Wissen, das die Akteure von ihrem Alltagshandeln haben (Giddens, 1997, S.77f). Das bedeutet, dass diese Strukturen nur in sozialen Praktiken, also im Handeln und in Erinnerungsspuren wirklich werden. Genau diese Verknüpfung von Struktur und Handlung ist es, die Giddens Theorie den Namen gab. Der Neologismus Strukturation soll die Prozesshaftigkeit der rekursiven Reproduktion von sozialen Praktiken im Handeln andeuten (Wyss, 2004, S.316). Struktur manifestiert sich dadurch, dass sich Akteure in ihrem Handeln auf Regeln und Ressourcen beziehen, und diese dadurch reproduziert werden. Genauso können diese Regeln und Ressourcen aber auch durch das Handeln der Akteure modifiziert werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Die Strukturationstheorie von Anthony Giddens
Untertitel
und in wieweit sie in der Lage ist, den Onlinejournalismus vom traditionellen Journalismus abzugrenzen
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung)
Veranstaltung
Neuere Theorieansätze: Journalismusforschung
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V114612
ISBN (eBook)
9783640161980
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strukturationstheorie, Anthony, Giddens, Neuere, Theorieansätze, Journalismusforschung
Arbeit zitieren
Kathrin Aldenhoff (Autor:in), 2006, Die Strukturationstheorie von Anthony Giddens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114612

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Strukturationstheorie von Anthony Giddens



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden