Der Einfluss Neuer Medien auf die öffentliche Meinung. Im digitalen Zeitalter von Fake News und Social Bots


Hausarbeit, 2020

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
II.1 Digitaler Wandel und die Entstehung von Fake News
II.2 Einfluss von Fake News und Social Bots auf die politische Öffentlichkeit

III. Fazit

I Einleitung

„Das wird die Demokratie verändern.“ (Hegelich in Meier 2016, 1) Mit diesen durchaus ernsten und eindringlichen Worten spricht der Wissenschaftler und Professor an der Hochschule für Politik an der Technischen Universität München Simon Hegelich von Fake News, Social Bots und anderen Arten manipulativen Techniken in den sozialen Medien und zeigt damit zugleich, welch großen Einfluss diese zu haben scheinen.

Eine Demokratie lebt, wie es der Begriff schon impliziert, von der Partizipation des Volkes an politischen Entscheidungen und der Festlegung gesellschaftlicher Rahmenbedingungen. Da die Herrschaft also vom Volk ausgeht, stellen Presse- und Meinungsfreiheit (Artikel 5 Grundgesetz) die Grundlagen zur politischen Willensbildung dar.

Klassische Massenmedien wie Zeitung und Fernseher, die primär der objektiven Berichterstattung und Versorgung mit Informationen dienten, werden im Zeitalter der Digitalisierung mehr und mehr von neuen Medien abgelöst und verlagern sich vor allem in das Internet. So viele Vorteile dies auch zu haben scheint, birgt es jedoch auch die Gefahr von unbewussten oder bewusst generierten Fehlinformationen und anderen manipulativen Maßnahmen, die allgemein zu Verwirrungen und noch deutlich drastischeren Folgen führen können.

Durch den großen Einfluss der Medien und das Vertrauen, das die Menschen diesen normalerweise entgegenbringen ist es umso schwerer, zu erkennen, ob es sich um einen Fakt oder einen Fake handelt. Hinzu kommt die große Abhängigkeit des Einzelnen von Massenmedien, ohne die sich eine Meinungsbildung und folglich die Teilhabe an politischen Prozessen als fast unmöglich darstellt.

In dieser Arbeit soll untersucht werden, welche Rolle neu eingesetzten Manipulationstechniken wie Fake News und Social Bots bei der öffentlichen Meinungsfindung in einem demokratischen System zukommt und inwiefern sie einen direkten oder indirektem Einfluss auf politische Prozesse und das Funktionieren einer Demokratie ausüben. Dazu wird zunächst der Begriff Fake News geklärt und die Entwicklungen aufgezeigt, die die Entstehung und Verbreitung von Fake News begünstigt haben. Dabei wird auch ein Blick auf die Veränderungen im Mediensystem geworfen, die sich aus diesen Entwicklungen ergeben haben. Schließlich werden die Folgen dieser Entwicklungen für die politische Öffentlichkeit und die Meinungsbildung aufgezeigt.

II Hauptteil

II.I Digitaler Wandel und die Entstehung von Fake News

„Demokratische Systeme stellen zwei zentrale Anforderungen an ihre Bürger: politische Informiertheit und politischer Meinungsaustausch“ (Schweiger 2017, 1) Ohne diese beiden grundlegenden Voraussetzungen ist es nur schwer möglich, sich am politischen Diskurs zu beteiligen und in ausreichendem Maße Gebrauch von der Repräsentation durch Politikerinnen und Politiker zu machen, die die eigenen Ansichten und Haltungen vertreten sollen. Bei Wahlen wird sich für die Parteien entschieden, mit dessen Erwartungen und Ansichten man sich am besten identifizieren kann.

Den Prozess der Entscheidungsfindung unterstützen auf ganz entscheidende Weise die Massenmedien wie Presse, Radio und Fernsehen, sowie das Internet und das Social Web. Davon gehen sowohl die Politik im Allgemeinen als auch die Medien selbst und vor allem die Öffentlichkeit aus. Man ist sich einig, dass sie einen „unverzichtbaren Beitrag zum Funktionieren einer Demokratie“ (Bonfadelli 2016, 1) leisten.

Um die demokratischen Prinzipien eines Staates zu gewährleisten, müssen die Medien durch sachliches Informieren über die Parteienpolitik den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit zur Meinungsbildung und Partizipation am politischen Geschehen geben. So berichten sie über Vorgänge, die in für das Volk unzugänglichen Gremien stattfinden oder geben Erklärungen zu meist komplexen politischen Ereignissen. Als Vermittler zwischen Politik und Volk besitzen die Medien zudem eine wichtige Kontrollfunktion. Durch ihren intensiven Journalismus ist es ihnen auch möglich, auf kritische Entwicklungen aufmerksam zu machen und den Medienkonsumenten somit indirekt bei ihrer Meinungsbildung zu unterstützen (bpb 2016). Im Anschluss an die Leistung der Medien, ist es den Menschen möglich, sich in der Öffentlichkeit miteinander auszutauschen, eine Diskussion zu starten und auch kritisch zu agieren (Bonfadelli 2016).

Immer mehr Menschen ziehen sich diese nötigen Informationen aus dem Internet, insbesondere aus den sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Twitter. In Deutschland zum Beispiel waren es im Jahr 2018 bereits über 45%, die ihre Nachrichten aus den sozialen Medien bezogen haben (vgl. Hölig/Hasebrink 2019, 45). Durch die weitere Entwicklung von Mobilität und Zugriffsmöglichkeiten auf das Internet wird diese Zahl tendenziell noch stark ansteigen. Vor allem junge Menschen greifen auf diese Art der Informationsbeschaffung zurück und nennen sie als Hauptquelle aller Nachrichten, die sie aufnehmen (vgl. ebd. 37ff). Diese im Gegensatz zu früher ganz neue Art von Mediennutzung führt dabei zu einer Ausdifferenzierung der Bevölkerung (vgl. Köhler 2020, 14) und damit einhergehend zu einem stark individualisiertem Medienangebot. Dies zusammen mit der Schnelligkeit des Zugriffes auf die sozialen Medien und die Einfachheit der Bedienung sind nur einige der Eigenschaften, die Grund für die hohe Attraktivität von neuen Medien sind.

„Im traditionellen Idealbild einer offenen, demokratischen Gesellschaft entsteht auf diese Weise eine Öffentlichkeit, die jederzeit Zugriff auf die für Meinungsbildung und Entscheidungsfindung notwendigen Informationen hat.“ (Lorenz-Meyer 2020, 24)

Im Gegensatz zu den klassischen Massenmedien wie Fernsehen und Zeitung entsteht eine neue Möglichkeit zur Nutzung, die in den letzten Jahren von nahezu jedem Nutzer in Anspruch genommen wird. Dies ist neben der Rezeption von bestehenden Inhalten nun auch die Produktion eigener Gedanken, die von Tausenden von Menschen zur Kenntnis genommen werden können. Die Möglichkeiten zur Teilhabe haben sich somit enorm verändert, sodass jeder Nutzer in einem frei zugänglichen Kommunikationsraum wie den sozialen Medien oder in Foren und Blogs eigene Inhalte für jeden sichtbar veröffentlichen kann. So können sogar Bürgerinnen und Bürger mit Politikern oder anderen Akteuren aus Politik und Wirtschaft in Kontakt miteinander treten (Bonfadelli 2016).

Zusammen mit vielen weiteren Begleiterscheinungen des digitalen Wandels, auf die hier nicht weiter eingegangen werden soll, haben vor allem die eben genannten zu einem Transformationsprozess der Medienlandschaft geführt. Dazu zählen vor allem die Reorganisation von Redaktionsstrukturen, der Einbindung neuer Medien in die klassischen Angebote, Algorithmen und künstliche Intelligenz sowie weitere Umstrukturierungen der Nachrichtenproduktion (vgl. ebd., 15). So ist es bekanntermaßen üblich, dass beispielsweise auch Medienhäuser, die zuvor nur das Fernsehen oder Printmedien als primäres Sprachrohr verwendet haben, auch in den sozialen Medien und im Internet vertreten sind. Grund dafür sind vor allem die Veränderung des Journalismus unter der Konkurrenz von internetbasierte Medien und dem Drang wettbewerbsfähig zu bleiben (Schweiger 2017, 14ff.).

Daran wird deutlich, dass die Grenzen der journalistischen Darstellungsformen nicht mehr klar voneinander zu trennen sind und sich auch zwischen den einzelnen Medien ebenfalls mehr und mehr auflösen (vgl. Sängerlaub 2020, 105). Nachrichten in Form von tatsachenorientierte Berichterstattung lassen sich weiterhin größtenteils noch von nutzergeneriertem Content wie Meinungen abgrenzen. In den sozialen Medien hingegen kommt es zu einer viel stärkeren Variierung in Form und Darstellung, was zu einer zunehmenden Intransparenz führt. (vgl. Schweiger 2017, 15).

Neben dem großen Potential, das diese neue Art des Austausches auf den sozialen Medien und der Wandel in der gesamten Medienwelt mit sich bringt, dürfen die damit verbundenen Risiken nicht außer Acht gelassen werden.

Zum einen ist es aufgrund der unzähligen Mengen an Usern und Beiträgen kaum möglich jeden einzelnen zu überprüfen und so kann es auch zur Verbreitung radikaler, sexistischer, rassistischer oder auf andere Weise unpassender Beiträge kommen.

Es tritt eine weitere Problematik auf, die eine der wichtigsten Grundsätze der klassischen Massenmedien ins Gegenteil verkehrt. Während die Medien normalerweise einer strikten Sachlichkeit unterliegen und damit der Bevölkerung reine Fakten zur Verfügung stellen sollen (bpb 2016, 1), werden in den sozialen Medien primär die individuellen Sichtweisen der User verbreitet. So kommt es immer stärker zu einer Vermischung von Meinungen und Fakten, die zur allgemeinen Verunsicherung und Verzerrung der Meinungsbildung führen kann (Köhler 2020, 14).

Ein drittes wesentliches Risiko, das durch den Medienwandel und die eben genannten Punkte begünstigt wird und dem in dieser Arbeit besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden soll, stellen Fake-News dar.

„You are Fake News“ (Trump in Sängerlaub 2020, 99) bezeichnete Donald Trump einen Nachrichtensprecher von CNN und verweigert mit dieser Begründung die Beantwortung einer Frage, die ihm während einer Pressekonferenz gestellt wurde (vgl. Sängerlaub 2020, 99). Der Begriff Fake News, durch Donald Trump in der Wahlkampagne 2016 entscheidend geprägt und innerhalb der Diskussion um den Brexit vielfach rezipiert, ist nun auch hierzulande eine anerkannte Bezeichnung für Falschmeldungen, die mittlerweile viel zu oft in den sozialen Medien zu finden sind.

Fake News sind jedoch kein ganz unbekanntes Phänomen. Bereits im Jahr 1848 nach der Märzrevolution kam erstmals der Begriff der Lügenpresse auf, der vor allem verwendet wurde, um technische und gesellschaftliche Weiterentwicklung als Verschwörungstheorien zu betiteln und somit zu diskreditieren (vgl. Probst 2016, 1). 2001 wurde der Begriff speziell in neonazistischen Kreisen wiederentdeckt und nach erneuter Verwendung in Pegida- und AfD-Kreisen schließlich 2016 zum Unwort des Jahres erklärt. Zuerst noch in etwas allgemeinerer Form für Gruppierungen verwendet, die dem bewährten, konservativen Standpunkt widersprachen, unterscheiden sich Fake News nach dem heutigen Verständnis davon vor allem durch ihre Reichweite, Wirkung und den bewussten Einsatz zu manipulativen Zwecken (vgl. Sängerlaub/Meier/Rühl 2018, 11ff.).

Aufgrund der vielen unterschiedlichen Formen von Fehlinformationen im Netz ist auch der Begriff an sich nicht eindeutig. Erst im Jahr 2017 in den Duden aufgenommen, wird der Begriff „Fake News“ nach dortigem Verständnis als „in den Medien und im Internet, besonders in den Social Media, in manipulativer Absicht verbreitete Falschmeldungen“ (Duden: Fake News, Fake­News, Fakenews) bezeichnet. In ähnlicher Weise definiert die Berliner Think Tank Stiftung Neue Verantwortung den Begriff als „gezielt verbreitete falsche oder irreführende Informationen, die jemandem (Person, Gruppe oder Organisation) Schaden zufügen soll.“ (Sängerlaub/Meier/Rühl 2018, 11.).

Gemeinsam ist diesen beiden Definitionen der bewusste Einsatz, die gezielte Ausrichtung auf ein bestimmtes Ziel und die Intention des Schadens. Damit sind sie von den oft synonym verwendeten Begriffen wie Falschmeldungen, Hoax, Enten oder auch der Satire zu differenzieren, die entweder unbeabsichtigte Fehlinformationen umfassen oder zwar bewusst eingesetzt, aber eher zum Scherz als zum mutmaßlichen Schaden angewendet werden und für gewöhnlich auch als solche wahrgenommen werden. Lediglich der Begriff „Desinformation“ ist ein tatsächliches Synonym für Fake News (vgl. Sängerlaub 2020, 100).

Der Diskurs über Fake News und Fehlinformationen in der Berichterstattung ist ein unbestreitbares Symptom für den grundlegenden Transformationsprozess des Mediensystems, der mit Beginn des digitalen Zeitalters eingesetzt hat und die Öffentlichkeit in die neuen Formen des Digitalen projiziert.

II.2 Einfluss von Fake News und Social Bots auf die politische Öffentlichkeit

Aufgrund der äußerst bedeutenden Rolle der Medien für das gesamte politische System, bleiben auch die Auswirkungen von Fake News auf diese natürlich nicht aus. Diese lassen sich in zwei wesentliche Gesichtspunkte klassifizieren. Zum einen der indirekte Einfluss von Fake News auf das Medienverhalten der Bürgerinnen und Bürger und zum anderen die direkten Auswirkungen auf politische Prozesse.

Eine wesentliche negative Auswirkung von Fake News ist der bewusst provozierte Verlust von Vertrauen und Seriosität im Volk gegenüber einzelner Medien. Die bewusste Diskreditierung und Diffamierung etablierter Medien, die nicht den eigenen Ansichten einer Gruppierung oder einer Politikerin bzw. eines Politikers entsprechen, ist hier ganz im Sinne des zuvor angesprochenen Begriffs der „Lügenpresse“ zu verstehen (vgl. Sängerlaub 2020, 103).

In den letzten Jahren war eine zunehmende Verbreitung von Verschwörungstheorien und Fake News zu verzeichnen, die sich sogar oft erfolgreicher verbreiteten als seriöse Beiträge traditioneller Medien (vgl. Köhler 2020, 14).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss Neuer Medien auf die öffentliche Meinung. Im digitalen Zeitalter von Fake News und Social Bots
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Medienerziehung und politische Bildung
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
20
Katalognummer
V1146256
ISBN (eBook)
9783346526434
ISBN (Buch)
9783346526441
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fake News, Politik, Social Media, Medien, Medienerziehung, Internet, Manipulation, Beeinflussung, Propaganda, Digitales Zeitalter
Arbeit zitieren
Gabriel Bott (Autor:in), 2020, Der Einfluss Neuer Medien auf die öffentliche Meinung. Im digitalen Zeitalter von Fake News und Social Bots, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146256

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