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Die Nation bei Benedict Anderson

Konstruktivistische und essentialistische Elemente in seiner Theorie

Title: Die Nation bei Benedict Anderson

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 26 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Benjamin Triebe (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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„Europa hat einen neuen Staat. Die Abgeordneten des Kosovo beschlossen am Sonntagnachmittag in Pristina per Akklamation die Unabhängigkeit der südserbischen Provinz.“1 „Mit Protesten vor französischen Supermärkten und diplomatischen Einrichtungen haben Chinesen in den vergangenen Tagen gegen die Unabhängigkeit Tibets und eine angebliche Unterstützung französischer Unternehmen für exiltibetische Gruppen protestiert.“2 – Der Kampf um staatliche Selbstbestimmung spielt im Jahr 2008 in der Berichterstattung über die internationale Politik offensichtlich einmal mehr eine wichtige Rolle. Aber egal ob es um das Selbstbestimmungsrecht des Kosovo gegenüber Serbien oder Tibets gegenüber China geht, hintergründig haben solche Schlagzeilen immer auch ein Phänomen zum Thema, das im Alltagsbewusstsein und in der medialen Öffentlichkeit – also abseits von wissenschaftlichen Diskursen – als weitgehend selbstverständlich wahr- und hingenommen wird. Gemeint ist hier das Konzept der Nation, durch das sich viele Menschen fraglos einer bestimmten sozialen Gemeinschaft zuordnen. Zudem lässt sich der moderne Staat der Neuzeit als starkes soziales Organisationsprinzip kaum ohne die Nation denken. Und selbst wenn momentan über einen zunehmenden Wandel national verfasster Staatlichkeit spekuliert wird, so orientiert sich ein Großteil der Welt heute weiterhin am Vorbild des starken Nationalstaats, wie er in seiner Blütezeit in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts vorkam.3 Das damit verbundene Bild von Frieden, allgemeiner wirtschaftlicher Prosperität und sozialer Sicherheit mag neben der politischen Selbstbestimmung auch ein Motiv für bestimmte Gruppen von Menschen sein, einen eigenen Staat oder zumindest mehr staatliche Autonomie ein zu fordern. Aber worauf berufen sich Gemeinschaften eigentlich, wenn sie beanspruchen eine Nation zu sein und in diesem Zusammenhang nach staatlicher Selbstbestimmung verlangen, wie es bei den angesprochenen aktuellen Beispielen Kosovo und Tibet der Fall ist? Mit welchen Argumenten werden solche Ansprüche begründet beziehungsweise von anderer Seite abgewehrt?

1 Heithecker, Marcus, Kosovo erklärt sich zum 47. Staat Europas, in: DIE WELT vom 18.02.2008, S. 1.
2 Maass, Harald, Welle des Nationalismus ergreift China, in: Stuttgarter Zeitung vom 21.04.2008, S. 4.
3 Vgl. Leibfried, Stefan/ Zürn, Michael, Von der nationalen zur post-nationalen Konstellation, in: dies. (Hrsg.), Transformationen des Staates?, Frankfurt/M. 2006, S. 19-65, hier S. 23-34.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bestimmung der idealtypischen Richtungen

2.1 Konstruktivismus

2.2 Essentialismus

3. Die Nation bei Anderson

3.1 Die vorgestellte Gemeinschaft oder die „Erfindung“ der Nation

3.2 Konstruktivistische und essentialistische Elemente

3.2.1 Grundannahmen und die Definition der Nation

3.2.2 Die Entstehung von Nationen

3.2.3 Sprache als Merkmal der Nations-Zugehörigkeit

4. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen des Nationsbegriffs bei Benedict Anderson, um zu klären, inwieweit sein Werk, das als Begründung des konstruktivistischen Ansatzes in der Nationalismusforschung gilt, dennoch essentialistische Elemente enthält.

  • Gegenüberstellung von Konstruktivismus und Essentialismus in der Nationalismusforschung.
  • Analyse der Definition der Nation als „vorgestellte Gemeinschaft“ bei Anderson.
  • Untersuchung der Entstehungsprozesse von Nationen unter Berücksichtigung von Zufall und administrativen Strukturen.
  • Kritische Beleuchtung der Rolle der Sprache als ambivalentes Merkmal der nationalen Zugehörigkeit.
  • Einordnung von Andersons Theorie in den wissenschaftlichen Diskurs um nationale Identität.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die vorgestellte Gemeinschaft oder die „Erfindung“ der Nation

Die Motivation Andersons, sich mit dem Thema Nation und Nationalismus zu beschäftigen, rührte Anfang der 1980er daher, dass er als aufgeklärter Marxist miterleben musste, wie zwei sozialistische Staaten in Südostasien Krieg gegen einander führten. Damit erwies „sich der Nationalismus als eine Anomalie des Marxismus“ und Anderson wollte mit seinem Buch „einige Vorschläge für eine befriedigendere Interpretation“ dieser Anomalie machen. Neben der Tatsache, dass der Kommunismus weder das Ende des Nationalstaats noch des Krieges zwischen Nationen bedeutete, stellten Andersons Erfahrungen in Indonesien, wo Menschen sich als „Indonesier“ verstanden, obwohl der Begriff „Indonesien“ noch keine hundert Jahre alt war, einen ebenso zentralen Ausgangspunkt seiner Untersuchung dar. Aus dieser nicht euro-amerikanischen Perspektive erschien „die Nation als eine zufällige, aber dennoch höchst leistungsfähige Form der Gemeinschaftsbildung“, was Anderson zu dem Versuch inspirierte, die „Auseinandersetzung mit dem Nationalismus zu verändern, (…) ihn eher in anthropologischem Sinne zu begreifen (…), als eine Form des In-der-Welt-Seins, der wir alle unterworfen sind, anstatt in ihm eine fremde, lediglich angenommene politische Ideologie zu sehen“.

Der Titel der deutschen Übersetzung gibt dem Buch jedoch eine Richtung, die in ihm so nicht intendiert ist, wie Thomas Mergel in seinem Nachwort zur Neuauflage 2005 anmerkt. Denn anders als bei Hobsbawm ist bei Anderson von einer Erfindung der Nation kaum die Rede. Er geht zwar davon aus, dass es sich bei Nationalität und Nationalismus um besondere Produkte der kulturellen Entwicklung handelt, diese werden aber weniger aktiv hergestellt, wie es das Wort der Erfindung impliziert, sondern sind für ihn vielmehr das Ergebnis historischer Prozesse. Die Nation definiert Anderson schließlich als eine vorgestellte Gemeinschaft, die in der Wahrnehmung ihrer Mitglieder souverän und begrenzt ist. Diese Feststellung, dass die Nation nur eine Imagination im Bewusstsein der Menschen sei, ist eine der Hauptaussagen des Buches, die auch breit rezipiert wurde und den Begriff der imaginierten Gemeinschaft zu einem bekannten Schlagwort gemacht hat.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Konzept der Nation im Kontext aktueller politischer Konflikte und begründet die Relevanz der Untersuchung von Andersons Theorie.

2. Bestimmung der idealtypischen Richtungen: Dieses Kapitel definiert Konstruktivismus und Essentialismus als theoretische Kontrastfolien für die weitere Untersuchung.

3. Die Nation bei Anderson: Der Hauptteil analysiert Andersons Werk hinsichtlich seiner Kernbegriffe, Entstehungsfaktoren von Nationen und der Rolle der Sprache.

4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass Andersons Werk fast ausschließlich konstruktivistische Züge trägt, wobei die Sprache das einzige Element mit essentialistischer Tendenz bleibt.

Schlüsselwörter

Nation, Nationalismus, Konstruktivismus, Essentialismus, Benedict Anderson, vorgestellte Gemeinschaft, Nationalstaat, Identität, Sozialkonstruktivismus, kulturelle Entwicklung, Sprache, politische Gemeinschaft, historische Prozesse, Imagined Communities, nationale Zugehörigkeit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die theoretische Einordnung von Benedict Andersons Werk, insbesondere die Frage, ob sich neben dem konstruktivistischen Ansatz auch essentialistische Elemente in seinem Verständnis von Nation finden lassen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die theoretische Abgrenzung zwischen Konstruktivismus und Essentialismus, die Analyse des Begriffs der „vorgestellten Gemeinschaft“ und die Untersuchung der Entstehungsbedingungen von Nationen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, wie Anderson die Entstehung und Definition der Nation konzeptualisiert und ob diese Konzeption zwangsläufig als rein konstruktivistisch zu bezeichnen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse, bei der Andersons Kernargumente idealtypisch gegen die Definitionen von Konstruktivismus und Essentialismus geprüft und in den Kontext anderer Forschungsliteratur gestellt werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Andersons Grundannahmen (wie die drei Paradoxa), die Rolle administrativer Strukturen bei der Entstehung von Nationen und die Bedeutung der Sprache als ambivalentes Merkmal untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär durch Begriffe wie Nation, Konstruktivismus, Essentialismus, vorgestellte Gemeinschaft und nationale Identität beschreiben.

Warum wird Sprache bei Anderson als ambivalentes Merkmal beschrieben?

Obwohl Sprache eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Nationen spielt, lehnt Anderson deren Deutung als exklusives, essentialistisches Merkmal ab, da Nationen oft sprachenübergreifend existieren oder Schriftsprachen historisch zufällig zur Nationsbildung beitrugen.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor in Bezug auf Anderson?

Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass sich in Andersons Werk fast ausschließlich konstruktivistische Aussagen finden lassen und lediglich die Sprache ein Element enthält, das leicht essentialistisch interpretiert werden könnte.

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Details

Title
Die Nation bei Benedict Anderson
Subtitle
Konstruktivistische und essentialistische Elemente in seiner Theorie
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Politikwissenschaft)
Course
Nationalismus
Grade
1,0
Author
Benjamin Triebe (Author)
Publication Year
2008
Pages
26
Catalog Number
V114627
ISBN (eBook)
9783640153473
ISBN (Book)
9783640155200
Language
German
Tags
Nation Benedict Anderson Nationalismus Erfindung Konstruktivismus Essentialismus Sprache vorgestellt Gemeinschaft Hobsbawm
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Benjamin Triebe (Author), 2008, Die Nation bei Benedict Anderson, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114627
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