In dieser Arbeit soll anhand der geschichtlichen Epoche des Mittelalters aufgezeigt werden, dass ein handlungsorientierter Umgang mit unterschiedlichsten Relikten und Sachverhalten im Museum die Kinder dabei unterstützen kann, ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein aufzubauen.
Dabei soll deutlich werden, dass der handelnde Umgang im Museum Kinder dazu befähigen kann, sich historische Denkweisen und Methoden anzueignen. Hierfür werden exemplarisch Möglichkeiten aufgezeigt. Es soll demzufolge verdeutlicht werden, dass historisches Lernen im schulischen Unterricht durch das Museum ergänzt werden muss, insbesondere im Hinblick auf den handelnden Umgang mit den historischen Objekten und Sachverhalten.
Das historische Lernen in der Grundschule spielt in der modernen Geschichtsdidaktik, im Vergleich mit dem Geschichtsunterricht der weiterführenden Schulen, eine eher untergeordnete Rolle. Dies wird mit der allgemeinen Annahme begründet, dass Kinder im Grundschulalter kognitiv noch nicht dazu bereit sind, sich mit historischen Sachverhalten auseinanderzusetzen. Die Kinder würden geschichtlichen Themen noch hilflos und überfordert gegenüberstehen.
Dieser Irrtum lässt sich damit begründen, dass der Geschichtsunterricht, mit seinem chronologischen Abhandeln von festgeschriebenen Themen, dem historischen Lernen in der Grundschule gleichgesetzt wird. Anzeichen hierfür lassen sich in der Literatur und in den Lehrplänen finden. Der Wandel in der Geschichtsdidaktik, der ab Mitte der 1970er Jahre allmählich einsetzte, muss jedoch als Anlass genommen werden, diese Vorstellungen zu überdenken. In der Grundschule geht es folglich nicht um die rezeptive Vermittlung von wissenschaftlich fundiertem Wissen, sondern vielmehr um die Aneignung von historischen Denkweisen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit und persönliche Motivation
1.2 Methodisches Vorgehen
2 Zur Legitimation historischen Lernens in der Grundschule
2.1 Begriffsklärungen
2.2 Argumente gegen historisches Lernen in der Grundschule
2.2.1 Aspekt der Verfrühung
2.2.2 Vorstellungen von Geschichtsunterricht
2.2.2.1 Traditioneller Heimatunterricht
2.2.2.2 Chronologischer Geschichtsunterricht als Basis der Vorbehalte
2.2.3 Mehr Transparenz für Lehrkräfte
2.3 Argumente für historisches Lernen in der Grundschule
2.3.1 Veränderte Lebensbedingungen der Kinder
2.3.2 Neue Erkenntnisse der Psychologie
2.3.3 Allgegenwärtigkeit von Geschichtskultur
2.3.3.1 Begriffsklärung
2.3.3.2 Gefahren und Risiken
2.3.3.3 Chancen für den Unterricht
2.3.4 Förderung von Geschichtsbewusstsein
2.4 Zusammenfassung
3 Außerschulischer Lernort Museum
3.1 Historisches Lernen braucht die Öffnung der Schule
3.2 Das Museum als Ort historischen Lernens
3.3 Das Museum als notwendige Ergänzung zum Unterricht
3.3.1 Anschaulichkeit und Realbegegnung
3.3.2 Förderung der Motivation
3.3.3 Einschränkungen und Grenzen der musealen Darstellung
4 Das romantische Mittelalter
4.1 Gegenwartsbezug für Grundschulkinder
4.2 Fachwissenschaftliche Auseinandersetzung
4.2.1 Periodisierung und Epochenbegriff
4.2.2 Soziale Struktur und Lebensverhältnisse im Mittelalter
4.2.3 Die Kleidung der Menschen
4.2.4 Das Rittertum
4.2.5 Die Ernährung und der mittelalterliche Markt
5 Handlungsorientierte Verfahren für das historische Lernen im Museum
5.1 Das methodische Prinzip der Handlungsorientierung
5.1.1 Handlungsorientierung als allgemeinpädagogisches Prinzip
5.1.2 Handlungsorientierung als Prinzip historischen Lernens
5.2 Praktische Umsetzungsmöglichkeiten
5.2.1 Das Tragen von mittelalterlicher Kleidung
5.2.2 Das Nachkochen mittelalterlicher Speisen
5.2.3 Das mittelalterliche Turnier als Spielform
5.2.4 Das Marktgeschehen als inszenierter Spielraum
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel aufzuzeigen, wie ein handlungsorientierter Umgang mit Relikten und Sachverhalten im Museum Grundschulkinder dabei unterstützen kann, ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein zu entwickeln. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, inwiefern das Museum als außerschulischer Lernort dazu beitragen kann, Kindern historische Denkweisen und Methoden im Kontext der Epoche des Mittelalters näherzubringen und den schulischen Unterricht sinnvoll zu ergänzen.
- Legitimation historischen Lernens in der Grundschule
- Bedeutung der Geschichtskultur für die kindliche Lebenswelt
- Das Museum als außerschulischer Lernort und dessen methodische Potenziale
- Fachwissenschaftliche Grundlagen zur Epoche des Mittelalters
- Handlungsorientierte Verfahren (Rittertum, Marktgeschehen, Kleidung, Kulinarik)
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Anschaulichkeit und Realbegegnung
Im schulischen Unterricht werden den Kindern historische Sachverhalte mehrheitlich verbal oder bildhaft präsentiert. Die Schulbücher halten hierfür die verschiedensten Abbildungen bereit, die es den Kindern erleichtern sollen den Sachverhalt zu verstehen. Werden Gegenstände oder Begrifflichkeiten nur durch Worte umschrieben, fällt es vor allem Kindern schwer, sich diese gedanklich vorzustellen. Das Problem des historischen Lernens im Unterricht besteht somit darin, die Anschaulichkeit hinsichtlich der Unterrichtsgegenstände herzustellen. Erst durch sinnliche Empfindungen, die durch den direkten Kontakt mit einem Gegenstand ausgelöst werden, kann eine bestimmte Vorstellung hervorgerufen werden. Für Kinder ist es kaum vorstellbar, wie schwer eine Ritterrüstung war und welche Probleme es mit sich gebracht hat, diese zu tragen oder anzuziehen. Die bloßen Abbildungen in den Schulbüchern können die unmittelbaren Erfahrungen nicht ersetzen. Einzelne Bildbeschreibungen zu den Gegenständen liefern zwar einige hilfreiche inhaltliche Informationen, aber ohne den direkten Objektbezug bleibt der Begriff nur eine Hülle ohne wirklichen Inhalt.
Diesen Inhalt gilt es zu füllen, um der geschichtsdidaktischen Forderung, nach der „historisches Lernen von sinnlichen Erfahrungen ausgehen sollte“, gerecht zu werden. Hierfür bietet das Museum mit seinen Ausstellungsstücken eine besondere Möglichkeit. Die Objekte des Museums haben den Vorteil, dass sie in ihrer Dreidimensionalität und ihrer Originalität anzutreffen sind und von den Kindern mit allen Sinnen erfahren werden können. Ein positiver Effekt des direkten und unmittelbaren Kontakts mit den Objekten zeigt sich darin, dass Kinder eine Abbildung im Schulbuch besser verstehen können, wenn sie das abgebildete Objekt in seiner Originalität betrachten und anfassen konnten. Demzufolge werden die Vorstellungen aus den Schulbüchern mit den sinnlichen Erfahrungen im Museum assimiliert. Der Gewinn dieser neuen Erfahrungsdimension und die damit verbundenen positiven Konsequenzen sind nicht zu unterschätzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung hinterfragt die kritische Haltung gegenüber historischem Lernen in der Grundschule und betont die Notwendigkeit, Kindern den Zugang zu historischen Denkweisen zu ermöglichen.
2 Zur Legitimation historischen Lernens in der Grundschule: Dieses Kapitel widerlegt Vorbehalte gegen historisches Lernen durch lernpsychologische Erkenntnisse und diskutiert die Bedeutung der allgegenwärtigen Geschichtskultur.
3 Außerschulischer Lernort Museum: Es wird die Öffnung der Schule zum Museum als notwendige Ergänzung des Unterrichts begründet, um durch Anschaulichkeit und Realbegegnungen nachhaltiges Lernen zu fördern.
4 Das romantische Mittelalter: Dieser Abschnitt bietet einen fachwissenschaftlichen Überblick über das Mittelalter mit einem Fokus auf Themen, die Kinder faszinieren, wie Rittertum und Alltagskultur.
5 Handlungsorientierte Verfahren für das historische Lernen im Museum: Das Kapitel stellt konkrete methodische Prinzipien vor, wie historisches Lernen im Museum praktisch umgesetzt werden kann, um Denkprozesse bei Kindern anzuregen.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die unterstreicht, dass historisches Lernen in der Grundschule durch die Synergie von Schule und Museum erfolgreich gestaltet werden kann.
Schlüsselwörter
Historisches Lernen, Grundschule, Geschichtsbewusstsein, Geschichtskultur, Mittelalter, Museum, Handlungsorientierung, Realbegegnung, Perspektivwechsel, Didaktik, Kindheit, Unterrichtsmethoden, Lernmotivation, Identitätsbewusstsein, Anschaulichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Legitimation und methodischen Umsetzung von historischem Lernen im Grundschulalter unter besonderer Berücksichtigung des außerschulischen Lernorts Museum.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die fachdidaktische Begründung für historisches Lernen in der Grundschule, die Rolle der Geschichtskultur sowie die praktische Anwendung handlungsorientierter Methoden am Beispiel der Epoche des Mittelalters.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch einen handlungsorientierten Museumsbesuch bei Kindern ein reflektiertes Geschichtsbewusstsein gefördert und die Auseinandersetzung mit Geschichte in den Alltag integriert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine fachdidaktische und erziehungswissenschaftliche Analyse, die den aktuellen Diskurs über Geschichtsunterricht in der Grundschule kritisch beleuchtet und mit theoretischen Modellen (z.B. von Pandel) fundiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung für historisches Lernen, die Bedeutung des Museums als Lernort sowie die fachwissenschaftliche Darstellung ausgewählter Aspekte des Mittelalters, inklusive konkreter Umsetzungsbeispiele für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Historisches Lernen, Geschichtsbewusstsein, Handlungsorientierung, Museumspädagogik und Mittelalter charakterisiert.
Warum wird gerade das Mittelalter als Epoche gewählt?
Die Wahl begründet sich durch das hohe Interesse der Kinder an ritterlichen Themen und die ständige Präsenz mittelalterlicher Relikte (Burgen, Märkte) im Alltag, die als Anknüpfungspunkte für historisches Denken dienen.
Welche Rolle spielt die Museumspädagogik für das Ziel der Arbeit?
Die Museumspädagogik bietet die notwendigen methodischen Werkzeuge (inszenierter Spielraum, Realbegegnung), um aus reinem Wissen über Geschichte ein aktives, reflektiertes historisches Denken bei Grundschulkindern zu entwickeln.
- Arbeit zitieren
- Christoph Jaun (Autor:in), 2012, Das Museum als Ort für den Geschichtsunterricht von Grundschülern. Reflexion über die Epoche des Mittelalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146302