In der vorliegenden Hausarbeit wird die Assimilation des un-Präfixes bei Adjektiven untersucht. Die Assimilation ist von daher interessant, da sie als mündliches Phänomen eigentlich nicht in unser schriftliches Sprachbild passt oder passen sollte. Dennoch kommt sie vor, wie in den folgenden Kapiteln gezeigt werden soll. Hierfür werden zwei Korpora näher betrachtet, deren Textsorten in unterschiedlicher Nähe zum Schriftlichen stehen. Dazu werden ausschließlich Daten aus COSMAS II verwendet. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit sich dieses spezielle Phänomen der Präfix-Assimilation in den verschiedenen Korpora (Wikipedia-Diskussionskorpus/Zeitungskorpus) beobachten lässt und ob sich dabei eventuell signifikante Unterschiede feststellen lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was versteht man unter Assimilation?
2.1 Definition
2.2 Kontextbedingungen für die Assimilation des un-Präfixes
3. Assimilation – ein ausschließlich mündliches Phänomen?
3.1 Begründung der These
3.2 Korpusauswahl
4. Korpusuntersuchung
4.1 Die Suche nach Adjektiven mit assimiliertem un-Präfix
4.1.2 Auswertung der Ergebnisse des Zeitungskorpus
4.1.3 Auswertung der Ergebnisse des Wikipedia-Diskussionskorpus
5. Vergleich beider Korpora
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die phonologische Assimilation des un-Präfixes bei Adjektiven in der geschriebenen Sprache. Ziel ist es, anhand von Korpusanalysen zu prüfen, ob sich dieses eigentlich als mündlich geltende Phänomen in Abhängigkeit von der Textsorte und deren Nähe zum Schriftlichen in korpuslinguistischen Daten nachweisen lässt.
- Analyse von Präfix-Assimilationen in zwei unterschiedlichen Textsorten.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Schriftlichkeit/Mündlichkeit und Assimilationshäufigkeit.
- Einsatz des Korpus-Management-Systems COSMAS II für die Datenanalyse.
- Vergleich zwischen einem Zeitungskorpus und einem Wikipedia-Diskussionskorpus.
- Diskussion der Bedeutung von Einzelwörtern für die Gesamtfrequenz der Assimilation.
Auszug aus dem Buch
3.1 Begründung der These
„Assimilationen sind die in den Sprachen der Welt am häufigsten vorkommenden phonologischen Prozesse“ (Hall 2000: 90). Warum also sollte sich dieses Phänomen nicht auch schon schriftlich manifestiert haben? Man spricht nicht wie man schreibt und schreibt nicht wie man spricht, zumindest ist dies ein gerne gepriesener Grundsatz. Aber wie es scheint, sind die Grenzen bei der Assimilation so fließend, dass sie für den Laien nur schwer zu erkennen sind.
Die Vermutung, dass die Assimilation nicht mehr nur ein ausschließlich mündliches Phänomen ist, lässt sich durch eine einfache Google Suchanfrage stützen. Wenn man z.B. nach Wörtern wie umbedingt (4.560.000 Ergebnisse), umbekannt (8.850 Ergebnisse) oder umproblematisch (8.570 Ergebnisse) sucht, findet man eine Vielzahl an Ergebnissen. Dadurch wird ersichtlich, dass zumindest eine Unsicherheit in Bezug auf die richtige Schreibweise oder auch Nutzung bestehen muss. Unter den ersten Ergebnissen kann man auch solche finden, die sich explizit in Foren mit der Frage beschäftigen, ob un-bedingt oder um-bedingt die richtige Form ist.
Natürlich bietet diese Google Suchanfrage nur einen groben Überblick über die Existenz dieser speziellen Präfix-Assimilation, ohne dabei etwas über die tatsächliche Häufigkeit auszusagen. Sie soll an dieser Stelle auch nur einen ersten Eindruck vermitteln und zeigen, dass das Phänomen sich vom mündlichen auch in den schriftlichen Bereich ausgeweitet zu haben scheint.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage zur Assimilation des un-Präfixes und der methodischen Vorgehensweise mittels zweier ausgewählter Korpora.
2. Was versteht man unter Assimilation?: Theoretische Definition des lautlichen Angleichungsprozesses sowie Erläuterung der spezifischen Kontextbedingungen für das un-Präfix.
3. Assimilation – ein ausschließlich mündliches Phänomen?: Diskussion der Hypothese, dass dieses Phänomen nicht nur mündlich auftritt, sowie Vorstellung der verwendeten Korpora.
4. Korpusuntersuchung: Detaillierte Beschreibung des Suchvorgangs nach assimilierten Formen und getrennte Analyse des Zeitungskorpus sowie des Wikipedia-Diskussionskorpus.
5. Vergleich beider Korpora: Gegenüberstellung der gewonnenen Daten und Interpretation der Unterschiede bezüglich der Nähe zur Schriftlichkeit.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Ausblick auf weiterführende Forschungsmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Assimilation, un-Präfix, Korpuslinguistik, COSMAS II, Zeitungskorpus, Wikipedia-Diskussionskorpus, Schriftlichkeit, Mündlichkeit, Ortsassimilation, Lemma-Types, Phänomen, Sprachwandel, Präfix-Assimilation, Adjektive, Sprachgebrauch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob und inwieweit das normalerweise mündliche Phänomen der Assimilation des un-Präfixes bei Adjektiven auch in der geschriebenen Sprache auftritt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind die phonologische Theorie der Assimilation, die Analyse von Sprachdaten in Korpora und der Einfluss der Textsorte auf die sprachliche Schreibung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist festzustellen, ob die Häufigkeit assimilierter Formen (z.B. um- statt un-) mit dem Grad der Mündlichkeit oder Schriftlichkeit einer Textsorte korreliert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine korpuslinguistische Untersuchung durchgeführt, bei der Daten aus dem System COSMAS II quantitativ ausgewertet und verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen definiert, dann die Korpora ausgewählt und anschließend die gefundenen Belege in Zeitungsartikeln und Wikipedia-Diskussionen statistisch analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Assimilation, Präfix, Korpuslinguistik, Schriftlichkeit, Mündlichkeit und Textsortenvergleich.
Welche Rolle spielt das Wort „umbedingt“ bei der Analyse?
„Umbedingt“ zeigt eine besonders hohe Frequenz im Wikipedia-Diskussionskorpus und hat einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesamtergebnisse der Untersuchung.
Warum ist das Ergebnis im Diskussionskorpus „vielfältiger“?
Es wurde eine deutlich höhere Anzahl an unterschiedlichen Lemma-Types mit um-Präfix gefunden als im Zeitungskorpus, was auf die größere Nähe des Diskussionskorpus zur gesprochenen Sprache zurückgeführt wird.
- Arbeit zitieren
- Lisa Schmidt (Autor:in), 2014, Korpusuntersuchung. Die Assimilation des un-Präfixes bei Adjektiven, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146479