Diese Arbeit hat das Ziel, einen Überblick über die Geschichte der Kybernetik zu geben, und ist dabei auf der Suche nach einer geeigneten Definition des Begriffes. Kybernetik beschäftigt sich mit den vielen Aspekten, die das Wesen dieser Theorie, die den Anspruch einer Universalwissenschaft auftritt, dargestellt.
Die Kybernetik hatte einen kurzen und ereignisreichen Auftritt in der Geschichte der Wissenschaftslandschaft. Sie entstand kurz nach dem Zweiten Weltkrieg und erlebte Ende der 70er Jahre ihren Niedergang. In der historischen Rückschau ist es dabei nicht einfach, die Kybernetik als einheitliche Wissenschaft zu sehen, denn trotz ihres kohärenten Anspruchs gab es zwischen den verschiedenen Vertretern große Unterschiede
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Anfänge der Kybernetik
a. Wichtige Begriffe und grundlegende Konzepte der Kybernetik
2. Der kybernetische Anspruch oder die Mathematisierung des Menschen
a. Gescheiterte Visionen einer universellen Wissenschaftslandschaft
3. Der Fall der Kybernetik
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das historische Phänomen der Kybernetik, beleuchtet deren Entstehung nach dem Zweiten Weltkrieg, ihren Anspruch als universelle Wissenschaft zur Mathematisierung menschlicher Prozesse sowie die Gründe für ihren späteren Niedergang.
- Historische Entwicklung und die Bedeutung der Macy-Konferenzen
- Zentrale kybernetische Konzepte wie Feedback, Blackbox und Modellbildung
- Der kybernetische Anspruch der Mathematisierung des Menschen
- Die technokratische Debatte und die Kritik an der Kybernetik in den 70er Jahren
- Das Erbe der Kybernetik in heutigen Technologien und der Wissenschaft
Auszug aus dem Buch
Die Anfänge der Kybernetik
Die Kybernetik als Wissenschaft ist nach dem zweiten Weltkrieg auf den „macy-conferences“ entstanden. Auf diesen Konferenzen, an denen die im Folgenden wichtigsten Vertreter der Kybernetik teilgenommen haben, entstanden unter dem Vorsitz von Warren McCulloch die wichtigsten kybernetischen Prinzipien. Das Thema der macy-conferences lautete: „circular causal, and feedback mechanisms in biological and social systems.“ Sie fanden von 1946 bis 1953 statt.
Die historischen Wurzeln der Kybernetik liegen jedoch weiter zurück. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert wurden fundamentale Begriffe und Konzepte der Kybernetik begründet. So stellte Dampfmaschinenerfinder James Watt 1769 den ersten automatischen Regelkreis mit Rückkopplung her, um die Dampfzufuhr zu regulieren, die eine seiner Maschinen antrieb.
Dabei verzichtete er auf eine menschliche Regulierung, da diese Tätigkeit sehr monoton war. James Clerk Maxwell, der Entdecker der Wellentheorie des Lichts, stellte bereits im 19. Jahrhundert eine erste Feedback-Theorie auf. Diese beiden Beispiele zeigen, dass elementare kybernetische Prinzipien bereits vor den macy-conferences existiert haben. Sie wurden jedoch erst dort in einen Zusammenhang gebracht, der die Kybernetik zu dem machen sollte, was man eine Universalwissenschaft nennt. Diese Zusammenhänge wurden in den grundlegenden Theorien der Kybernetik ergründet, die sich auf den macy-conferences herauskristallisierten.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung skizziert den zeitlichen Rahmen der Kybernetik, verdeutlicht die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition und führt in das Ziel der Arbeit ein, das Wesen der Kybernetik und ihr Menschenbild zu untersuchen.
1. Die Anfänge der Kybernetik: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung der Kybernetik während der Macy-Konferenzen, ihre historischen Wurzeln in der Regelungstechnik sowie die grundlegenden Konzepte wie Feedback, Blackbox und Modellbildung.
2. Der kybernetische Anspruch oder die Mathematisierung des Menschen: Hier wird der Versuch der Kybernetik analysiert, den Menschen durch eine universelle Mathematisierung zu verstehen und als technisches, berechenbares System neu zu verorten.
3. Der Fall der Kybernetik: Das Kapitel analysiert das Scheitern der universellen Ansprüche, die kritische Technokratiedebatte der 70er Jahre und die gesellschaftliche Ablehnung gegenüber der Vorstellung einer Steuerung durch Computer.
4. Fazit: Das Fazit resümiert den gescheiterten Anspruch der Kybernetik als allumfassende Wissenschaft, hebt jedoch ihre Bedeutung als Ideengeber für die moderne Wissenschaft und Alltagstechnologie hervor.
Schlüsselwörter
Kybernetik, Macy-Konferenzen, Feedback, Regelkreis, Mathematisierung, Blackbox, Universalwissenschaft, Modellbildung, Technokratie, Mensch-Maschine-Verhältnis, Informationstheorie, Systemtheorie, Automatisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte, den wissenschaftlichen Grundannahmen und dem Aufstieg sowie Fall der Kybernetik im 20. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Kybernetik?
Die zentralen Themen sind die mathematische Beschreibung von Systemen, das Konzept des Feedbacks (Rückkopplung), die Modellierung von Organismen als Maschinen und der interdisziplinäre Austausch.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das kybernetische Menschenbild und den Anspruch der Disziplin als Universalwissenschaft kritisch zu durchleuchten und die Ursachen für ihr Ende zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische und wissenschaftstheoretische Analyse, die Fachliteratur sowie zeitgenössische Quellen auswertet, um die theoretische Entwicklung der Kybernetik nachzuvollziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Genese der Kybernetik, die Analyse zentraler Fachbegriffe, den Anspruch der Mathematisierung des menschlichen Denkens und die Kritik an der Technokratie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Feedback, Modellcharakter, Mathematisierung, Macy-Konferenzen und die Technokratiedebatte der 1970er Jahre.
Wie definiert die Arbeit den Begriff der „Blackbox“?
Eine Blackbox ist ein System, bei dem man durch Beobachtung von Input und Output operieren kann, ohne die internen, komplexen Prozesse im Detail verstehen oder kennen zu müssen.
Warum wird die Kybernetik im Fazit als „gescheitert“ bezeichnet?
Sie scheiterte an ihrem eigenen Anspruch, eine universelle Wissenschaft zu sein, die sämtliche Disziplinen unter einem mathematischen Nenner vereint, da die Realität der Spezialisierung und die gesellschaftlichen Widerstände zu groß waren.
Welche Rolle spielte der Zweite Weltkrieg für die Kybernetik?
Der Krieg wirkte als Geburtshelfer, da technischer Bedarf an automatischer Zielerfassung und Kriegsführung sowie die Suche nach neuen, moralisch kohärenten Wissenschaftskonzepten die Entwicklung der Kybernetik vorantrieben.
- Arbeit zitieren
- Martin Wiertel (Autor:in), 2008, Kybernetik. Die Mathematik vom Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146652