„Vom Umgang mit der Zunahme psychischer Störungen und Erkrankungen im Tätigkeitsfeld der Beratung in der Sozialen Arbeit“


Seminararbeit, 2008
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Problemaufriss
2.1 Begriffsdefinitionen psychischer Störungen und Krankheiten

3 Soziale Diagnostik
3.1 Erläuterungen zur sozialen Diagnose
3.2 Welchen Sinn macht Soziale Diagnose bei KlientInnen mit psychischen Störungen und Krankheiten in der Sozialen Arbeit?

4 Soziale Netzwerkarbeit
4.1 Umsetzung der Sozialen Netzwerkarbeit im Kontext psychisch beeinträchtigter Menschen

5 Empowerment
5.1 Elemente des Empowermentprozesses in der sozialarbeiterischen Beratungsarbeit mit psychisch beeinträchtigten Menschen
5.2 Selbsthilfe in Gruppen: Am Beispiel der Erfurter Psychosegespräche

6 Schlussfolgerungen

7 Literaturverzeichnis

8 Internet-Referenzen.

1 Einleitung

Da psychische Störungen und Krankheiten in unserer Gesellschaft allgegenwärtig sind und dem Anschein nach stetig zunehmen, ist es für SozialarbeiterInnen hilfreich, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Diese Erkenntnis ziehe ich aus meinem zweiten Praxissemester, welches ich in der Allgemeinen Sozialberatung der Caritasregion Mittelthüringen in Erfurt absolvierte. Da ich schon in meinem ersten Praxissemester in dieser Beratungsstelle tätig war, konnte ich die Zunahme an Beratungsgesprächen im Kontext mit psychischen Defiziten im zunehmenden Maße beobachten. Oft hatten wir in der Beratung mit den psychisch belasteten KlientInnen das Problem, befriedigende Diagnosen zu erstellen. Aufgrund der mangelnden Diagnose war es für uns schwierig oder besser gesagt kaum möglich gewesen, geeignete Hilfemaßnahmen zur Verbesserung und Behebung der vorhandenen psychischen Defizite sowie der daraus resultierenden Probleme der Betroffenen zu finden.

Wir als SozialarbeiterInnen sind in vielen Bereichen der Praxis mit Menschen konfrontiert, die psychisch belastet aber dennoch kein Fall für die Psychiatrie, den Sozialpsychiatrischen Dienst oder Ähnliches sind. Doch welche Möglichkeiten hat die Soziale Arbeit zur Verbesserung der Lebensqualität dieser betroffenen Menschen?

2 Problemaufriss

Da die Allgemeine Sozialberatung der Caritas in Erfurt eine niederschwellige Beratungsstelle ist, kam eine Vielfalt an KlientInnen mit unterschiedlichsten Problemen zur sozialarbeiterischen Beratung. In dieser Ausarbeitung möchte ich mich mit den KlientInnen beschäftigen, welche mit psychischen Defiziten und Belastungen zu uns kamen. Unter ihnen gab es KlientInnen, die sich selbst als psychisch labil bezeichneten, einige die mit sich selbst überfordert waren und andere die ihre psychischen Belastungen herunterspielten. Dennoch hatten sie eines gemeinsam, sie suchten die Beratungsstelle auf, um Rat und Hilfe für ihre gegenwärtige unbefriedigende Lebenssituation zu bekommen. Einige der betroffenen KlientInnen hatten schon Psychotherapien in Anspruch genommen, empfanden diese auch meist als hilfreich aber nicht ausreichend für die Verbesserung ihrer Lebenssituation. Andere zogen eine Psychotherapie in Betracht, Tauten sich aber nicht, diese umzusetzen. Es gab aber auch KlientInnen, für die der Gang zum Psychologen unvorstellbar war, die psychische Belastung für die KlientInnen aber spürbar und gegenwärtig zu sein schien. Wir versuchten in solchen Situationen informativ vorhandene Ängste vor Psychotherapien abzubauen und ihre mögliche Wirkung auf die jeweilige psychische Belastung im positiven Sinne zu vermitteln. Dennoch reicht eine Psychotherapie bei vielen betroffenen KlientInnen, aufgrund der Überforderung im Alltag nicht aus. Hier lag es nun an den SozialarbeiterInnen der Allgemeinen Sozialberatung, die KlientInnen nach bestem Wissen und Gewissen zu diagnostizieren und ihnen entsprechende qualitative Hilfe zu geben oder sie in geeignete Maßnahmen zu vermitteln. Bei vielen KlientInnen, die psychische Defizite aufwiesen, diese sich aber nicht massiv einschränkend auf ihre Lebensstruktur auswirkten, konnte die Beratungsstelle häufig ihrem Anspruch, geeignete sozialarbeiterische Unterstützungsprozesse zu aktivieren, nicht gerecht werden. In den Augen der SozialarbeiterInnen hatten sie nur begrenzte Möglichkeiten, die betroffenen KlientInnen zu unterstützen. Die vorhandenen Unterstützungssysteme in Erfurt waren aufgrund der noch zu geringen psychischen Defizite oft nicht geeignet und dritte Instanzen, die sich solcher Fälle annehmen, nicht ersichtlich gewesen. Da in solchen Fällen keine geeigneten Hilfemaßnahmen für diese Personengruppe erkennbar war, wurden die betroffenen KlientInnen in der Beratungsstelle als „grenzwertig“ psychisch gestört oder krank bezeichnet.

Doch aus welchem Grund bezeichnen professionell tätige Personen oder auch die betroffenen Menschen sich selbst als psychisch gestört oder krank?

2.1 Begriffsdefinitionen psychischer Störungen und Krankheiten

„Normalität wird in unserer Gesellschaft häufig als Maß aller Dinge aufgefasst. Entspricht ein Mensch auffälliger Weiser dieser „Normalität“ nicht, gilt er häufig als verrückt oder krank.“[1] Obwohl die Gesellschaft solche Urteile fällt gibt es in diesem Kontext keine allgemeingültige Definition für die Begriffe psychische Störungen und Krankheiten. Dennoch möchte ich diese Begriffe zum besseren Verständnis deklarieren:

„Psychische Störungen sind erhebliche Abweichungen vom Erleben oder Verhalten psychisch (seelisch) gesunder Menschen. Konkret betroffen sind die Bereiche des Denkens, Fühlens und Handelns. Als weiteres Kriterium für eine Diagnose psychischer Störungen wird heute neben der Abweichung von der Norm häufig auch psychisches Leid auf Seiten der Betroffenen vorausgesetzt.“[2]

Andras Knuf beschreibt in seinem Buch „Empowerment in der psychiatrischen Arbeit“ den Gesundungsprozess psychisch kranker Menschen. Kehrt man diese Beschreibung um, so kann man psychische Krankheit wie folgt definieren: Psychisch kranke Menschen die erkrankt sind, sind Menschen, die zu viele ihrer kranken Seiten leben oder ihre Erkrankung nicht beeinflussen können, sodass die Krankheit ihr Leben beherrscht.[3] „Hingegen ist Gesundheit ein Zustand des völligen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens.“[4] Ist ein Zustand dieser Aussage gestört, so wäre man als krank zu bezeichnen. Dieser Aussage kann aus dem Grund nicht zugestimmt werden, da keinem Menschen ein vollkommenes Wohlbefinden auf Dauer zugeschrieben werden kann und wir alle somit dauerhafte Kranke wären.

In dem Artikel der Zeitschrift „Psychologie Heute“: „Sind wir nicht alle ein bisschen bluna?“ von Ursula Nuber, kann man lesen: „Ein normaler Mensch ist ein durchschnittlicher Menscher, er verhält sich so, wie man es erwartet, akzeptabel, moralisch richtig, verantwortungsvoll, sozial angepasst. Er wird mit dem Leben fertig und ist in Kontakt mit der Realität. Normalität ist eine Anpassungsleistung. Ein Mensch gilt dann als seelisch gesund, wenn sein Geisteszustand dem der gesellschaftlichen Mehrheit entspricht, selbst dann, wenn es objektiv betrachtet verrückt ist.[5]

Anhand der vorangegangenen Definitionen lässt sich erkennen, dass eine Kategorisierung eines Menschen als psychisch krank, mit psychischen Störungen behaftet oder auch „grenzwertig“ psychisch gestört von Fachkräften aufgrund der subjektiven, spärlich eingegrenzten Auslegbarkeit kaum vorgenommen werden dürfte. Letztendlich kann eigentlich nur der Betroffene selbst sein Defizit als Belastung oder starke Behinderung des eigenständigen Lebens einstufen und Hilfestellung wünschen bzw. einfordern. Dennoch ist die Praxis im Alltag eine andere und es werden Diagnosen bezüglich eines Klienten im Arbeitsalltag von Fachkräften wie unter anderem auch von uns SozialarbeiterInnen gestellt. An dieser Stelle drängt sich mir als angehender Sozialarbeiterin zwangsläufig die Frage auf: „Welchen Sinn macht soziale Diagnose bei KlientInnen mit psychischen Störungen und Krankheiten in der Sozialen Arbeit?“

3 Soziale Diagnostik

Um in der Sozialen Arbeit vom Erhebungsinstrument der sozialen Diagnose Gebrauch zu machen und diese in die fachliche Arbeit einfließen zu lassen, muss man wissen, dass soziale Diagnose nicht mit der medizinischen Diagnose gleichgesetzt werden kann. Die medizinische Diagnose wird als Verfahren eines Arztes zur Krankheitsbestimmung genutzt. Hier wird die Erhebung körperlicher Symptome als Diagnose zur Krankheitsbestimmung aufgefasst. In der Sozialen Arbeit hingegen ist die Begriffsbestimmung der sogenannten sozialen Diagnose komplexer. Nach längeren Recherchen in der Fachliteratur und im Internet konnte ich zu dem Begriff „Soziale Diagnostik/Diagnose“ keine direkte Begriffsbestimmung finden. Dennoch möchte ich im Folgenden einen kurzen Erklärungsversuch von sozialer Diagnose darlegen.

3.1 Erläuterungen zur sozialen Diagnose

Peter Pantucek beschreibt in seinem Buch „Soziale Diagnostik“ als ein diagnostisches Verfahren, welches sinnvoll in die sozialarbeiterischen Unterstützungsprozesse von KlientInnen eingesetzt werden kann. Dieses Verfahren soll die Unterstützungsprozesse befördern, möglichst nicht stigmatisierend sein und für den sozialarbeiterischen Handlungsraum relevante Sachverhalte erfassen.[6] Soziale Diagnostik erhebt den Problemkontext, „verhandelt“ die Problemdefinition mit den Beteiligten, versucht Ressourcen aufzuspüren, sucht nach Bearbeitungs- und Lösungsmöglichkeiten, macht „Wirkungen“ und „Nebenwirkungen“ von Aktionen und Interventionen verhandelbar, veranschaulicht problemrelevante Zusammenhänge, ermöglicht Entscheidungen zur Problembearbeitung für KlientInnen und dient zur Interventionsplanung der SozialarbeiterInnen.[7]

[...]


[1] Ursula Nuber (2006). Psychologie Heute. Sind wir nicht alle ein bisschen bluna?, 33 Jg. (2006) H. 2, S. 20.

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Psychische_St%C3%B6rung/di am 22.04.2008.

[3] Vgl. Andreas Knuf: Basiswissen: Empowerment in der psychiatrischen Arbeit. Bonn 2006, S. 12.

[4] http://www.euro.who.int/document/hoh/gdoc12.pdf/di am 22.04.2008.

[5] Vgl. Nuber, a.a.O., S. 22.

[6] Vgl. Peter Pantucek: Soziale Diagnostik. Verfahren für die Praxis Sozialer Arbeit. Fachhochschule St. Pölten (Hg.), Böhlau 2006, S. 19.

[7] Ebd., S. 63.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
„Vom Umgang mit der Zunahme psychischer Störungen und Erkrankungen im Tätigkeitsfeld der Beratung in der Sozialen Arbeit“
Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Veranstaltung
Methoden der Sozialen Arbeit: Seminar Psychosegespräch
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V114673
ISBN (eBook)
9783640165438
ISBN (Buch)
9783640165575
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umgang, Zunahme, Störungen, Erkrankungen, Tätigkeitsfeld, Beratung, Sozialen, Arbeit“, Methoden, Arbeit, Seminar, Psychosegespräch
Arbeit zitieren
Veronika Wehner (Autor), 2008, „Vom Umgang mit der Zunahme psychischer Störungen und Erkrankungen im Tätigkeitsfeld der Beratung in der Sozialen Arbeit“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114673

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