Wer war Martin Luther? Was war das Besondere seiner Zeit? Welche Verdienste für unsere heutige Schriftsprache lassen sich auf ihn zurückführen?
Häufig wird Martin Luther als die zentrale Figur der deutschen Sprachentwicklung beschrieben, beinahe glorifiziert, denn erst durch ihn und seine Bibelübersetzung ist eine Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache möglich geworden. Gern möchte ich dies auf den folgenden Seiten expliziter aufzeigen.
Jedoch muss diese Aussage auch differenziert betrachtet werden. Deshalb soll die folgende Arbeit Luthers Sprachschaffen kritisch begutachten und vor allem die Hintergründe, vor welchen die Vereinheitlichung geschah, als zentralen Gegenstand betrachten.
Viele verschiedene Faktoren, zum Teil auch „nur“ glückliche Zufälle, trugen zur enormen Resonanz der Bibelübersetzung bei, welche somit als Grundstein für eine vereinheitlichte deutsche Schriftsprache dienen konnte – auch diese finden im Verlauf meiner Arbeit Erläuterung.
Und am Ende soll das Resultat des Zusammenwirkens dieser unterschiedlichen Faktoren dargestellt werden.
Da der Einfluss Luthers auf die Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache Gegenstand dieser Arbeit sein soll, soll gleich darauf hingewiesen werden, dass, wann immer im Folgenden von „Sprache“ gesprochen wird, die Schriftsprache gemeint ist.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1 Martin Luther und seine Zeit
1.1 Die Person Martin Luther
1.1.1 Luthers Leben und seine Ausbildung
1.1.2 Das literarische Schaffen Martin Luthers
1.2 Die Sprachsituation Anfang des 16. Jahrhunderts in Deutschland
1.3 Luthers günstige Ausgangsbedingungen
1.3.1 Luthers sprachliche Herkunft
1.3.2 Die Verbreitung des Buchdrucks
1.3.3 Kirchenpolitik
2 Sprache
2.1 Luthers Einordnung in die Schriftlichkeit seiner Zeit
2.2 Übersetzungspraxis
2.2.1 Die Sprache des „gemeinen“ Mannes
2.2.2 Einfachheit
2.2.3 Sprachausgleich
2.2.4 Arbeit an der äußeren Sprachform
2.3 Luthers Sprachmächtigkeit
2.3.1 Wortschatz und Wortbildungen
2.3.2 Semantische Unterschiede
2.3.3 Syntax
2.3.4 Orthographie
3 Wirkung Martin Luthers
3.1 Die Bibelübersetzung
3.1.1 Entstehung
3.1.2 Verbreitung und Wirkung
4 Martin Luther – ein Glücksfall in der deutschen Sprachgeschichte?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss Martin Luthers auf die Entwicklung der deutschen Schriftsprache. Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, inwiefern Luthers Bibelübersetzung als maßgeblicher Grundstein für eine vereinheitlichte Schriftsprache diente und welche historischen sowie soziokulturellen Rahmenbedingungen diesen Prozess begünstigten.
- Historischer Kontext von Luthers Leben und Wirken
- Die Rolle der Bibelübersetzung im Sprachausgleich
- Sprachliche Merkmale (Syntax, Wortschatz, Orthographie)
- Die Bedeutung der Buchdruckerkunst für die Verbreitung der Schriftsprache
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Die Sprache des „gemeinen“ Mannes
Luther arbeitete nach einer eigenwilligen und besonderen Übersetzungsphilosophie, in dem er nicht Wort-für-Wort-Übersetzungen anfertigte, sondern die Sprache des „gemeinen“ Mannes in den Vordergrund rückte.
So schrieb Luther in seinem „Sendbrief vom Dolmetschen“: „Als wenn Christus spricht: <Ex abundantia cordis os loquitur.> Wenn ich den Eseln sol folgen, die werden mir die buchstaben furlegen und also dolmetzschen: <Auß dem Vberflus des hertzen redet der mund.> Sage mir, Ist das deutsch geredt? Welcher deutsche versteht solchs? [...] sondern also redet die mutter ym haus vnd der gemeine man: <Wes das hertz vol ist, des gehet der mund vber>, das heist gut deutsch geredt, des ich mich geflissen vnd leider nicht all wege erreicht noch troffen habe, Denn die lateinischen buchstaben hindern aus der massen seer, gut deutsch zu reden.“
Bewusst und gezielt hat Martin Luther bei seinem äußerst unfangreichen literarischen Schaffen Allgemeinverständlichkeit und Volkstümlichkeit angestrebt und deshalb stets dem Volk „auff das maul gesehen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Martin Luther und seine Zeit: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über Luthers Leben, seine Ausbildung sowie die sprachgeographischen und politischen Rahmenbedingungen des 16. Jahrhunderts.
2 Sprache: Hier wird Luthers Übersetzungspraxis analysiert, wobei besonders sein Bestreben nach Allgemeinverständlichkeit, Sprachausgleich und seine spezifische Arbeit an Syntax und Orthographie im Vordergrund stehen.
3 Wirkung Martin Luthers: Dieses Kapitel widmet sich der Erfolgsgeschichte der Bibelübersetzung und zeigt deren enorme Verbreitung sowie die damit einhergehende Festigung der deutschen Schriftsprache auf.
4 Martin Luther – ein Glücksfall in der deutschen Sprachgeschichte?: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Rolle Luthers differenziert als Kettenglied in einem komplexen Prozess der Sprachvereinheitlichung.
Schlüsselwörter
Martin Luther, Bibelübersetzung, deutsche Schriftsprache, Sprachgeschichte, Frühneuhochdeutsch, Sprachausgleich, Reformation, Buchdruck, Volkssprache, Sendbrief vom Dolmetschen, Syntax, Orthographie, Sprachwandel, Sprachnormierung, Sprachmächtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Martin Luther und insbesondere seiner Bibelübersetzung für die Herausbildung einer einheitlichen deutschen Schriftsprache im 16. Jahrhundert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Luthers Übersetzungsphilosophie, der Rolle der Drucktechnik, dem soziolinguistischen Hintergrund des 16. Jahrhunderts und der sprachlichen Regelbildung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Luthers Einfluss kritisch zu hinterfragen und zu zeigen, dass die Sprachvereinheitlichung nicht allein sein Verdienst war, sondern durch ein Zusammenspiel von Luthers Leistung und günstigen historischen Faktoren ermöglicht wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine analytische Vorgehensweise, indem sie Luthers Schriften und die zeitgenössische Sprachsituation auf Basis historischer und linguistischer Fachliteratur untersucht und vergleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Sprachsituation, die konkrete Übersetzungspraxis, Luthers sprachliche Innovationen (Wortschatz, Syntax, Orthographie) und die Wirkungsgeschichte der Bibel.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Sprachausgleich, Bibelübersetzung, Volkssprache, Buchdruck, Schriftsprachentwicklung und der "gemeine Mann".
Warum betont Luther die Sprache des „gemeinen Mannes“?
Er wollte eine lebendige, allgemeinverständliche Sprache schaffen, die sich vom lateinisch geprägten und unverständlichen kirchlichen Sprachgebrauch abhebt, um die Gläubigen direkt zu erreichen.
Welche Rolle spielte der Buchdruck für den Erfolg der Bibel?
Der Buchdruck ermöglichte eine Massenproduktion, die den Text flächendeckend verfügbar machte, die Kosten senkte und Luthers Ideen gegen kirchenpolitischen Widerstand schützte.
Was bedeutet der „Sprachausgleich“ bei Luther?
Luther bemühte sich, regionale sprachliche Besonderheiten zu mildern und durch eine Mischung aus ostmitteldeutschen und oberdeutschen Elementen eine überregional verständliche Schriftsprache zu etablieren.
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- Katharina Giers (Author), 2008, Die Sprache Martin Luthers, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114686