Die Hausarbeit handelt von den Persönlichkeitsmerkmalen der Anhänger der QuerdenkerInnen-Bewegung in der Covid-19-Pandemie und ob diese den Merkmalen des autoritären Charakters nach Adorno entsprechen.
Seit Beginn der Pandemie hat sich aus den anfangs kleinen Gruppierungen eine bundesweite Bewegung entwickelt: die QuerdenkerInnen. Ziel dieser ist die „Wiederherstellung der Grundrechte nach dem deutschen Grundgesetz, die der Menschenrechte und der Grundrechte der EU“, da diese durch die Infektionsschutzgesetze ausgesetzt würden. Zudem werden seither zahlreiche Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie durch AnhängerInnen der QuerdenkerInnen-Bewegung bekundet und verbreitet. Immer mehr PolitikerInnen, als auch VerfassungsschützerInnen sehen in der Protestbewegung eine Gefahr für die Demokratie, da diese antidemokratische Tendenzen aufweise. So beschreibt der Antisemitismusbeauftragte Michael Blume „Wer es jetzt noch nicht sehen will, wie gefährlich diese Bewegung ist und wie die sich radikalisiert, der möchte es offensichtlich gar nicht wahrnehmen“.
Es stellt sich die Frage, wer die Menschen sind, die an Protesten gegen die Infektionsschutzmaßnahmen teilnehmen und welchem Persönlichkeitstypus die AnhängerInnen einer solchen Bewegung zuzuordnen sind. Hierfür soll die Theorie des autoritären Charakters nach Adorno herangezogen werden, um zu prüfen, ob sich mithilfe dieser die Beschaffenheit und Funktionsweise der QuerdenkerInnen-Bewegung erklären lässt. Die Fragestellung, welcher wir nachgehend Betrachtung schenken lautet also:
Entsprechen die Persönlichkeitsmerkmale der Anhänger der QuerdenkerInnen-Bewegung in der Covid-19-Pandemie den Merkmalen des autoritären Charakters nach Adorno?
Inhaltsverzeichnis
1. Eine Einführung in die aktuelle Relevanz des autoritären Charakters nach Adorno
2. Die Ideale der QuerdenkerInnen
3. „Nach oben buckeln und nach unten treten“: Der autoritäre Charakter
3.1 Die Subskalen der F-Skala
4. Das Forschungsprojekt: Politische Soziologie der Corona-Proteste
5. Transfer der F-Skala auf das Forschungsprojekt der Universität Basel
5.1 Konventionalismus
5.2 Autoritäre Unterwürfigkeit
5.3 Autoritäre Aggression
5.4 Anti-Intrazeption
5.5 Aberglaube, Stereotypie und Projektivität
5.6 Machtdenken und „Kraftmalerei“
5.7 Destruktivität und Zynismus
5.8 Sexualität
6. Zusammenfassung der Ergebnisse und Rückführung auf die Fragestellung der Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit die Persönlichkeitsmerkmale der Anhänger der QuerdenkerInnen-Bewegung während der Covid-19-Pandemie mit dem Konzept des autoritären Charakters nach Theodor W. Adorno korrespondieren.
- Analyse der QuerdenkerInnen-Bewegung unter Einbeziehung soziologischer Daten
- Darstellung der Theorie des autoritären Charakters und der F-Skala
- Systematischer Abgleich der F-Skala mit aktuellen Forschungsergebnissen zur Corona-Protestbewegung
- Untersuchung von Verschwörungsmentalität, Regierungskritik und Autoritätsgläubigkeit in der Eigengruppe
- Kritische Reflexion über die Schwierigkeiten bei der Identifizierung faschistischer Tendenzen in modernen Gesellschaften
Auszug aus dem Buch
3. „Nach oben buckeln und nach unten treten“: Der autoritäre Charakter
Deutschland, Anfang der 30er Jahre: Die nationalsozialistische Bewegung in Deutschland erfährt einen besorgniserregenden Auftrieb und in Italien übernimmt eine faschistische Partei die Regierung. Das Beobachten dieser Entwicklungen motiviert das Frankfurter Institut für Sozialforschung zu einer ersten empirischen Untersuchung. Untersucht werden sollen hierbei die politischen Einstellungen und Strukturen des Charakters von ArbeiterInnen und Angestellten (vgl. Benicke 2016: 11). Hervorgeht Fromms sozialpsychologische Theorie. In der Studie über „Autorität und Familie“ skizziert Erich Fromm einen ersten Entwurf einer autoritären Persönlichkeit. Bezeichnet wird diese als „autoritär-masochistische“ oder „sadomasochistische Charakterstruktur“ (vgl. Benicke 2016: 12).
Fromm sieht die Rolle der Familie als fundamental für die Herausbildung einer autoritären Charakterstruktur. Er bezeichnet die Familie als „psychologische Agentur der Gesellschaft“ (vgl. Benicke 2016: 12). Die Autorität werde dem Kind vor Allem durch die Figur der Eltern verkörpert, wobei vor Allem der Vater eine enorme Rolle spiele. Dieser verkörpere dem Kind gegenüber das „Abbild der Gesellschaftlichen Realität“ (vgl. Benicke 2016: 12). Folglich scheint ebenso die Gesellschaftsstruktur fundamental zu sein. Dabei fördere vor Allem der Kapitalismus als Gesellschaftsform die Herausbildung des autoritären Charakters, da diese durch eine lustvolle Unterwerfung unter Autoritäten geprägt sei (vgl. Benicke 2016: 13). Eine Autorität müsse jedoch nicht zwingenderweise menschlicher Natur sein. Autorität könne auch in Form einer Institution oder durch gesellschaftliche Normen verkörpert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Eine Einführung in die aktuelle Relevanz des autoritären Charakters nach Adorno: Vorstellung des Themas vor dem Hintergrund der Corona-Proteste und Formulierung der zentralen Forschungsfrage.
2. Die Ideale der QuerdenkerInnen: Analyse des Selbstverständnisses und der zentralen Forderungen der Bewegung, insbesondere im Kontext von Grundrechten und Regierungskritik.
3. „Nach oben buckeln und nach unten treten“: Der autoritäre Charakter: Theoretische Herleitung des Begriffs durch die Frankfurter Schule sowie Definition der F-Skala.
4. Das Forschungsprojekt: Politische Soziologie der Corona-Proteste: Erläuterung der empirischen Basis und Methodik des untersuchten Forschungsprojektes der Universität Basel.
5. Transfer der F-Skala auf das Forschungsprojekt der Universität Basel: Detaillierter Abgleich der verschiedenen Subskalen der F-Skala mit den erhobenen Daten der Studie.
6. Zusammenfassung der Ergebnisse und Rückführung auf die Fragestellung der Arbeit: Fazit zur Anwendbarkeit der Adorno-Theorie auf die untersuchte Gruppe und Reflexion über die Komplexität der Einordnung.
Schlüsselwörter
Autoritärer Charakter, QuerdenkerInnen, Corona-Pandemie, Adorno, F-Skala, Verschwörungstheorien, Rechtspopulismus, Faschismus, Regierungskritik, Sozialpsychologie, Konventionalismus, autoritäre Aggression, Aberglaube, Politische Soziologie, Demokratiegefährdung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob Persönlichkeitsmerkmale von Anhängern der QuerdenkerInnen-Bewegung Ähnlichkeiten mit dem Konzept des autoritären Charakters nach Theodor W. Adorno aufweisen.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Einordnung der Querdenker-Bewegung, die Theorie des Autoritarismus und die Analyse von Verschwörungsmentalität sowie politischer Entfremdung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet: Entsprechen die Persönlichkeitsmerkmale der Anhänger der QuerdenkerInnen-Bewegung in der Covid-19-Pandemie den Merkmalen des autoritären Charakters nach Adorno?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der eine qualitative Einordnung durch den Abgleich bestehender quantitativer Umfragedaten (Universität Basel) mit der klassischen F-Skala nach Adorno erfolgt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden nacheinander die einzelnen Subskalen der F-Skala – wie Konventionalismus, autoritäre Unterwürfigkeit und Aggression – auf die Empirie der Corona-Proteste übertragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Autoritärer Charakter, QuerdenkerInnen, F-Skala, Verschwörungstheorien, autoritäre Aggression und politischer Extremismus.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Verschwörungstheorien?
Die Arbeit identifiziert eine starke Tendenz zur Verschwörungsmentalität, die die Anhänger für rechtes Gedankengut anfällig macht, auch wenn diese sich teilweise nicht explizit als rechtsextrem bezeichnen.
Warum ist eine klare Einordnung der Bewegung so schwierig?
Die Schwierigkeit liegt in der Heterogenität der Gruppe und der Tatsache, dass sich die Protestierenden antiautoritär gegenüber dem Staat zeigen, aber innerhalb ihrer eigenen Gruppe autoritäre Strukturen bilden.
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- Anonym (Author), 2021, Persönlichkeitsmerkmale von Anhänger der Querdenker-Bewegung in der Covid-19-Pandemie. Merkmale des autoritären Charakters nach Adorno, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1146999