Die Erdölpolitik der USA unter der Administration von George W. Bush


Diplomarbeit, 2008
101 Seiten, Note: 1,1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Endlichkeit der Ressource Erdöl
2.1. Die Ressource Erdöl und seine Bedeutung für die Weltwirtschaft
2.2. Die globalen Ölreserven und die globale Ölproduktion
2.3. Die globalen Ölentdeckungen
2.4. Das globale Ölproduktionsmaximum (Peakoil)
2.5. Die Folgen von Peakoil

3. Die USA und die Ressource Erdöl
3.1.Die Abhängigkeit der USA von der Ressource Erdöl
3.2. Die Abhängigkeit der USA von Ölimporten
3.3. Die Auswirkungen der Öl- und Importabhängigkeit

4. Die Erdölpolitik der Bush-Administration
4.1. Der Baker-Bericht und der Cheney-Report
4.2. Das Energiegesetz von 2005
4.3. Das Energiegesetz von 2007
4.4. Ölwährung und Dollarhegemonie
4.5. Die personellen Verflechtungen der Bush- Administration mit der Öl- und Energieindustrie

5. Die Synthese von Erdöl- und Militärpolitik
5.1. Die Militärausgaben der Bush-Administration
5.2. Der militärisch-industrielle Komplex der USA
5.2.1. Die ideologischen Beweggründe für die Begünstigung von Militär und Rüstungsindustrie
5.2.2. Die individuellen Beweggründe für die Begünstigung von Militär und Rüstungsindustrie
5.2.3. Der Lobbyismus der Rüstungsindustrie
5.2.4. Der neue militärisch-industrielle Komplex unter der Bush-Administration
5.2.5. Rüstungsexporte
5.3. Das Militär und das Erdöl

6. Fazit

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung:

Die Untersuchung geht der Frage nach, welche politischen, ökonomischen und militärischen Strategien die US-Administration unter George W. Bush verfolgt und anwendet, um die Versorgungssicherheit der USA mit Erdöl zu gewährleisten.

Die Versorgungssicherung mit Erdöl ist für die USA und ihre ökonomische Überlebensfähigkeit entscheidend. Da die eigene Erdölproduktion immer weiter zurückgeht, der Verbrauch aber immer weiter ansteigt, müssen die USA immer mehr Erdöl importieren. Die Sicherung der Energieversorgung erlangt also höchste Priorität in der US-Politik.

Ziel der vorgelegten Diplomarbeit ist es, den gegenwärtigen Charakter der US-amerikanischen Erdölpolitik zu erörtern und die Motivation der Bush-Administration für die durchgeführte Erdölpolitik zu erklären. Zudem soll deutlich gemacht werden, dass die aktuelle US-amerikanische Erdölpolitik Teil eines hegemonialen außenpolitischen Konzepts ist, welches Diplomatie, Handels-, Währungs- und auch die Militärpolitik mit einbezieht.

Zunächst wird analysiert (2.), wie elementar Erdöl für die Weltwirtschaft und somit auch für die USA als führende Wirtschaftsmacht ist und welche Folgen auftreten, wenn es zu einer Verknappung dieser Ressource kommt. In den letzten Jahren wurde deutlich, dass die Endlichkeit der Ressource Erdöl absehbar ist und das Produktionsmaximum (Peakoil) in den kommenden Jahren eintreten wird. Die Konsequenzen sind weit reichend und die Konkurrenz um die verbliebenen Ölquellen wird härter. Die erkennbare Endlichkeit der Ressource Erdöl hat also unmittelbare Auswirkungen auf die Erdölpolitik der Bush-Administration.

Das nächste Kapitel (3.) untersucht die Bedeutung der Ressource Erdöl für die USA und das Ausmaß der US-amerikanischen Abhängigkeit vom Erdöl. Im Zentrum stehen zunächst drei Fragen, die die Motivation der US-amerikanischen Erdölpolitik verdeutlichen sollen: Wie viel Öl benötigen die USA, um ihre Ökonomie zu versorgen? Wie viel Öl produziert das Land auf eigenem Territorium und welche Menge an Erdöl muss gegenwärtig und in Zukunft eingeführt werden, um den Bedarf zu decken? Schließlich erläutert das Kapitel die Konsequenzen, die die Bush-Administration aus der zurückgehenden eigenen Ölproduktion verbunden mit einem wachsenden Bedarf und steigenden Ölimporten gezogen hat.

Im folgenden Kapitel (4.) wird konkret auf die derzeitige US-amerikanische Erdölpolitik eingegangen. Hierbei werden alle wichtigen Regierungsdokumente und –berichte zur Erdölpolitik geprüft und analysiert, die seit dem Amtsantritt von George W. Bush veröffentlicht wurden. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen: Welche Interessen leiten die Bush-Administration? Inwieweit konnten sich die Interessen der Öl- und Energiewirtschaft bei der Gesetzgebung und der Erstellung der Berichte durchsetzen? Und wird die Problematik der Ölimportabhängigkeit mit hinreichenden Maßnahmen bekämpft oder wird nur auf die Verbesserung der Angebotsseite gesetzt? Zudem wird untersucht, inwieweit die Ölwährung „US-Dollar“ als globales Herrschaftsinstrument dient.

Das abschließende Kapitel (5.) beschäftigt sich mit der Frage, inwieweit es zu einer Synthese von Erdöl- und Militärpolitik unter der Bush-Administration gekommen ist und ob dies zu einer Militarisierung der Außenpolitik beigetragen haben könnte. In vielen Studien wird davon ausgegangen, dass die politökonomische Strategie zur Erhöhung der Erdölversorgungsicherheit und die politisch-militärstrategische Vorgehensweise zur Erlangung US-amerikanischer Vorherrschaft voneinander getrennt sind. Die Untersuchung analysiert, inwiefern sich beide Konzepte sogar ergänzen und welche Rolle der militärisch-industrielle Komplex in diesem Zusammenhang spielt.

Die politische Relevanz des gewählten Themas besteht vor allem darin, dass die USA in zunehmendem Maße auf eine militärpolitische Aneignung der Ressource Erdöl setzen und somit neue Konflikte schaffen oder vorhandene Konflikte verschärfen.

2. Die Endlichkeit der Ressource Erdöl:

2.1. Die Ressource Erdöl und seine Bedeutung für die Weltwirtschaft:

Die kapitalistische Weltwirtschaft und somit die Existenz unserer heute bestehenden Industriegesellschaften ist in großem Maße abhängig vom Rohstoff Erdöl. Öl ist der „Lebenssaft der modernen Ökonomien“(Altvater 2005a: 142), ohne diesen Rohstoff würde die Weltwirtschaft innerhalb kurzer Zeit zusammenbrechen. „Wir haben es soweit kommen lassen, dass wir praktisch bei allem, was wir tun, auf Öl angewiesen sind. 90 Prozent unserer Transportmittel, sei es zu Lande, zu Wasser oder in der Luft, werden mit Öl angetrieben. 95 Prozent der Waren in den Geschäften sind unter Einsatz von Öl hergestellt worden. Für 95 Prozent unserer Nahrungsmittel braucht man Öl. Die Aufzucht einer einzigen Kuh und ihr Transport zum Abnehmer verschlingt sechs Barrel Erdöl[1] […]“(Leggett 2006a: 27). Der Rohstoff Erdöl ist also auf der momentanen Entwicklungsstufe kapitalistischer Industriegesellschaften unverzichtbar.

Welche Folgen für die Industriestaaten auftreten, wenn es zu einer Unterbrechung des Ölflusses kommt, haben die Ölkrisen der 1970er Jahre gezeigt. In den westlichen Industrienationen löste die Kombination aus einer von der OPEC[2] initiierten Drosselung der Erdölförderung verbunden mit einer hohen Steigerung des Ölpreises eine tiefe Wirtschaftskrise aus. Während der beiden Energiekrisen 1973 und 1979 verzehnfachte sich der Ölpreis und es kam zu erheblichen Wachstumsverlusten, vermehrter Arbeitslosigkeit sowie einer enormen Steigerung der Inflationsrate[3]. Allein durch die zweite Energiekrise 1979 gingen nach Angaben der OECD sechs Prozent des Weltwirtschaftswachstums verloren[4]. Die zeitweilige Unterbrechung der Versorgung war die Hauptursache für diese Ölpreisentwicklung.

Im Jahr 2008 ist aber nicht eine künstliche Verknappung des Angebots die Ursache für die Preisentwicklung beim Öl, sondern starke Nachfrageschübe vor allem aus den USA und China oder auch aus Indien sowie Brasilien verbunden mit sinkenden Ölreserven sind die Hauptgründe für einen Ölpreis von mehr als 100 $ pro Barrel[5]. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass etwa ab dem Jahr 2020 die weltweite Nachfrage das globale Angebot an Erdöl übersteigen wird, so dass der Bedarf nicht mehr gedeckt werden kann. Deshalb und aufgrund von knapper werdenden Ölvorräten sieht das Wirtschaftsforschungsinstitut den Ölpreis langfristig auf 250 $ pro Barrel steigen[6]. In der Vergangenheit hatte eine signifikante Steigerung des Ölpreises stets eine weltweite, ökonomische Rezession zur Folge[7]. Zudem gehören eine Verminderung der Erdölförderung oder ein abrupter Stopp des Versorgungsstroms zu den größten Gefahren für die Entwicklung der Weltwirtschaft[8].

Nachfrage und Verbrauch des Rohstoffs Erdöl wachsen beständig weiter. Die „Internationale Energieagentur“(IEA)[9] geht in ihrem jüngsten „World Energy Outlook 2007“ davon aus, dass „die Welt bis 2030 einer von fossilen Brennstoffen geprägten Zukunft“ entgegensieht. Nach ihren Angaben wird der Ölverbrauch auf 116 Millionen Barrel pro Tag (mb/d) ansteigen, das sind 32 mb/d bzw. 37 Prozent mehr als im Jahr 2006[10]. Doch im Gegensatz zur IEA sind andere Institutionen wie die „Energy Watch Group“[11] oder der Ölexperte und Geologe Jeremy Leggett der Auffassung, dass die Ölindustrie gar nicht in der Lage sein wird, diese hohe Nachfrage zu decken, da der Rohstoff Erdöl immer knapper wird[12].

2.2. Die globalen Ölreserven und die globale Ölproduktion:

Studien und Untersuchungen über die Größe der weltweiten Ölreserven gehen weit auseinander. Ursache hierfür sind unterschiedliche Definitionen und Meinungen über die Art und Weise der Berechnung von Ölreserven. Zwar gibt es in der wissenschaftlichen Theorie relativ eindeutige Definitionen bei der Kategorisierung von Ölreserven[13], doch in vielen Studien ist trotzdem unklar, wie die Daten und Zahlen hergeleitet wurden. Oft sind die Untersuchungen wenig wissenschaftlich und von wirtschaftlichen und politischen Interessen beeinflusst. „Reserves estimation is a bit like a blindfolded person trying to judge what the whole elephant looks like from touching it in just a few places. […]. Specialists who estimate reserves use an array of technical methodologies and a great deal of judgment. Thus, different estimators might calculate different reserves from the same data. Sometimes self-interest influences reserves estimates, e.g., an oil field owner may provide a high estimate in order to attract outside investment, influence customers, or further a political agenda”(Hirsch 2005: 2).

Nach Angaben der Öl- und Energiewirtschaft bzw. einem seiner größten Vertreter auf dem Weltmarkt, nämlich BP (British Petroleum), betrugen die weltweit nachgewiesenen Erdölreserven Ende des Jahres 2006 1.208 Milliarden Barrel[14]. Der von BP jährlich im Juni herausgegebene „Statistical Review of World Energy“ „wird in vielen Kreisen als maßgeblich angesehen und dürfte die prominenteste Informationsquelle über Ölreserven und Ölförderung sein“(Global Challenges Network 2002: 166). Doch die vom „Statistical Review of World Energy“ veröffentlichten Daten zu den noch vorhandenen Erdölreserven gelten bei vielen Institutionen und Experten als zu hoch angesetzt und damit als unglaubwürdig[15]. BP verwendet in seinen jährlichen Berichten nicht einmal eigene Daten und Zahlen, sondern benutzt eine „Kombination aus primären offiziellen Quellen und den Angaben Dritter aus dem OPEC-Sekretariat […]“(BP 2007: 6). Zudem ist das US - amerikanische „Oil & Gas Journal“ eine der wichtigsten Quellen für den Bericht von BP. Auch die Zahlen dieser Zeitschrift zu den nachgewiesenen Ölreserven sind wenig wissenschaftlich und glaubwürdig[16].

Die Zahlen von BP sind also „nur eine Zusammenstellung der Zahlen anderer Leute. Und ein Großteil davon stammt auch noch aus zweiter Hand“(Leggett 2006a: 49). BP verfügt über eine hundertjährige Geschichte im Ölgeschäft, förderte Erdöl rund um den Globus und hat trotzdem kein eigenes Wissen über die Ölreserven der Erde?

Wie unglaubwürdig die von BP veröffentlichten Zahlen wirklich sind, zeigt das folgende Zitat aus dem Bericht selbst: „Die Zahlen über nachgewiesene Öl- und Gasreserven im BP Statistical Review of World Energy June 2007 entsprechen nicht unbedingt den Definitionen, Richtlinien und der Praxis […] der US – amerikanischen Börsenaufsichtsbehörde für nachgewiesene Reserven, außerdem stellen sie nicht unbedingt die Meinung von BP über die nachgewiesenen Reserven pro Land dar“(BP 2007: 2). Mit anderen Worten gesagt, veröffentlicht BP Daten und Zahlen, die erstens nicht seriös sind und die zweitens auch für das Unternehmen selbst nicht glaubwürdig sind. Der Geologe Jeremy Leggett, der mehr als zehn Jahre für die Ölindustrie gearbeitet hat, kommentiert den jährlichen Bericht von BP wie folgt: „Die glauben nicht einmal die Zahlen, die sie selbst veröffentlichen! Dennoch wird die Veröffentlichung weltweit in der Forschung als Energiebibel benutzt. Geologie – Studenten im Grundstudium zitieren daraus, als handele es sich um die reine Wahrheit. Journalisten führen sie in Legionen von Artikeln als Evangelium an. Und immer ohne die entsprechenden Warnungen“(2006a: 49).

Nach Angaben von BP stiegen die weltweit nachgewiesenen Ölreserven in den letzten Jahrzehnten immer weiter an (von ungefähr 600 Milliarden Barrel im Jahr 1973 auf ca. 1.200 Milliarden Barrel Ende des Jahres 2006)[17]. Im Diskurs über die Endlichkeit der Ressource Erdöl wird die angeblich ständige Zunahme der Reserven dazu benutzt, zu behaupten, dass auch bei einem starken Anstieg des Ölverbrauchs kein Versorgungsproblem auftreten wird. Neoklassische und neoliberale Ökonomen sind der Auffassung, dass mit Hilfe des technischen Fortschritts bei der Exploration immer „neue Lagerstätten“(Weizsäcker 2004: 8) gefunden werden. Sie „tun sich schwer zu begreifen, dass ökonomische Prozesse naturgebunden sind. Produktion und Konsumtion sind ja auch Prozesse der Transformation von Stoffen und Energien, und sie finden in Zeit und Raum statt. Sie verstehen die Selbstverständlichkeit nicht, dass die Erde endlich ist, dass irgendwann die Erdkruste durchlöchert wie ein Schweizer Käse ist und keine neuen Reserven gefunden werden […]“(Altvater 2005a: 146f.).

Der signifikante Anstieg der nachgewiesenen Ölreserven beim „BP Statistical Review of World Energy“ lässt sich auf wenige Jahre eingrenzen und kann einigen wenigen Staaten zugeordnet werden. Zwischen 1985 und 1990 erhöhten einige Länder, ausnahmslos Mitglieder der OPEC, ihre nachgewiesenen Reserven um 40 Prozent (über 300 Milliarden Barrel[18])[19], obwohl in dieser Zeitspanne nur knapp zehn Milliarden Barrel neu entdeckt wurden[20]. Die Staaten, welche die größten Erdölproduzierenden Länder darstellen, gaben als Grund für die Erhöhung an, dass die Schätzungen der Reserven in der Vergangenheit zu niedrig angesetzt waren. Doch die eigentliche Ursache für die erhebliche Anhebung ihrer Ölreserven ist eine andere: „OPEC production quotas are set according to reserves and also other factors. Therefore, there was an incentive for each country to defend their quota by keeping up with reserves. It is not transparent what the real reserves of OPEC are, especially since reserves have not been adjusted since then in spite of significant production. However, critical observers speak of “political reserves” in this context.” (Energy Watch Group 2007: 30). Die Länder, die ihre Ölreserven erhöhten, durften somit mehr Erdöl fördern. Es kam also zu einer allgemeinen künstlichen Anhebung der Reserven durch die einzelnen OPEC-Mitgliedsstaaten[21]. Jedes Land wollte bei einem hohen Ölpreis höhere Förderquoten erreichen. Die Erdölexportierenden Staaten im Mittleren Osten traten sogar in eine Art Wettkampf bei der Erhöhung ihrer Reserven. Nachdem Kuwait seine Reserven 1985 von ca. 64 Milliarden Barrel auf exakt 90 Milliarden Barrel erhöhte, antworteten der Iran und die Vereinigten Arabischen Emirate mit leicht darüber liegenden Zahlen[22]. Daraufhin antwortete der Irak unter Saddam Hussein, der keine guten Beziehungen zu seinen Nachbarstaaten pflegte und sich nicht übervorteilen lassen wollte, mit einer Verdoppelung seiner Ölreserven (von ca. 47 Milliarden Barrel auf runde 100 Milliarden Barrel)[23]. Ein weiterer Grund für die OPEC-Staaten höhere Ölreserven anzugeben, sind zinsgünstigere und höhere Kredite, ihre allgemeine Kreditwürdigkeit verbessert sich also. Bereits 1983 hatte der Irak seine Ölreserven von knapp 30 Milliarden Barrel auf 41 Milliarden Barrel erhöht, um seinen Krieg gegen den Iran finanzieren zu können[24].

Die Ölreserven der OPEC-Länder im Mittleren Osten sind nach Angaben von BP seit dem enormen Anstieg in den Jahren 1985 bis 1990 konstant oder sogar weiter im Steigen begriffen. Nicht nur die Summe der Ölreserven des Mittleren Ostens, sondern auch die der einzelnen Staaten dort sind konstant oder weiter ansteigend. „Das bedeutet, dass die Milliarden Barrel Öl, die jedes Jahr neu entdeckt werden, genau mit den Milliarden Barrel Öl übereinstimmen, die jedes Jahr in den einzelnen Ländern der OPEC-Mitglieder im Nahen Osten gefördert werden, und das seit über einem Jahrzehnt“(Leggett 2006a: 51). Der jährliche Bericht von BP „fordert uns dazu auf, all das zu glauben“(Leggett 2006a: 51).

Realistischere Angaben über die Höhe der weltweiten Ölreserven stammen von anderen Einrichtungen. Die „Energy Watch Group“ geht davon aus, dass die weltweit nachgewiesenen Erdölreserven nur noch ca. 854 Milliarden Barrel betragen[25]. Auch die „Association for the Study of Peak Oil and Gas“[26] (ASPO) und ihr Gründer Colin J. Campbell, der unter anderem für BP, Texaco und Shell als Explorationsgeologe tätig war, haben Zahlen veröffentlicht. Sie sind der Auffassung, dass noch ungefähr 773 Milliarden Barrel an konventionellem Erdöl[27] als nachgewiesene Reserven vorhanden sind[28]. Dies würde bedeuten, dass mehr als die Hälfte der weltweiten Ölvorkommen verbraucht worden sind, da bis heute ca. 950 Milliarden Barrel Erdöl gefördert wurden[29].

Sowohl die „Energy Watch Group“ als auch die ASPO gehen davon aus, dass vor allem die Angaben der OPEC-Staaten (Mittlerer Osten) zu ihren Reserven nicht der Wahrheit entsprechen. Im Gegensatz zu BP und zum „Oil & Gas Journal“ belegen sie ihre Zahlen mit eigenen Berechnungen[30]. BP und das „Oil & Gas Journal“ nehmen an, dass die fünf Länder mit den weltweit größten Erdölreserven (Saudi Arabien, Iran, Irak, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate) zusammen mehr als 700 Milliarden Barrel Erdöl besitzen[31]. Wohingegen die ASPO und die „Energy Watch Group“ bei ihren Berechnungen nur ungefähr auf die Hälfte dieses Wertes kommen[32]. Auch andere Energieexperten wie der Berater der Weltbank für Ölfragen, Dr. Mamdouh Salameh, sind der Ansicht, dass die Ölreserven der OPEC-Staaten bei weitem zu hoch angegeben sind[33]. „A downward revision of Opec reserves and sustainable production capacity are bound to impact on global oil prices. Opec is supposed to be the ‘global swing producer’ of last resort, with so much spare capacity that it can flood the oil market any time. The revelation that its proven reserves are overstated by 300bn barrels could have a huge psychological impact on the global oil market and could trigger a sharp rise in the oil prices. Deducting 300bn barrels from Opec reserves is equivalent to taking a major oil producer like Saudi Arabia out of the global oil markets”(Salameh 2004: 29).

Doch nicht nur die Ölreserven der wichtigsten Erdölproduzierenden Länder scheinen ein Problem darzustellen, sondern auch die Produktion selbst. Es mehren sich die Anzeichen, dass Saudi Arabien und seine staatseigene, größte Erdölfördergesellschaft der Welt, „Saudi Aramco“, in der Zukunft nicht mehr in der Lage sein werden, das hohe Produktionsniveau zu halten oder weiter zu steigern. Die Debatte wurde ausgelöst von Matthew R. Simmons, einem Investmentbanker und ehemaligen Energieberater von Präsident George W. Bush. Simmons, der für seine Studie mehr als 200 technische Analysen zur Ölproduktion in Saudi Arabien bewertete, kommt zu dem Schluss, dass in den nächsten drei bis fünf Jahren 30 bis 40 Prozent der saudischen Ölförderung einbrechen könnten[34]. Saudi Arabien förderte im Jahr 2006 rund 11 Millionen Barrel Erdöl am Tag. Dies entspricht 13,1 Prozent der gesamten Weltölproduktion, die bei 81,66 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2006 lag[35]. Das größte Ölfeld der Erde, genannt Ghawar, spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Produktionsrate Saudi Arabiens. Allein aus diesem Ölfeld werden ca. 5 Millionen Barrel am Tag gefördert, also beinahe die Hälfte der Gesamtproduktion. Doch Ghawar ist mittlerweile über 50 Jahre alt und Wasser muss in das Feld hineingepumpt werden, um die Produktionsrate beizubehalten[36]. In naher Zukunft wird die Produktionsrate dieses Feldes wahrscheinlich zurückgehen wie auch die der drei nächst größeren Ölfelder (Safaniyah, Hanifa und Khafji), die ebenfalls ca. 50 Jahre alt sind. Nach Angaben der „Energie Watch Group“ wird die Produktionsrate des saudischen Öls Jahr für Jahr um ca. zwei Prozent zurückgehen[37].

Zusammenfassend ist anzumerken, dass die globalen Ölreserven höchstwahrscheinlich geringer sind als dies von der Öl- und Energiewirtschaft und ihnen nahen stehenden Einrichtungen und Organisationen dargestellt wird. „Weil von den Reserven einer Ölgesellschaft der Börsenwert abhängt, ist die Versuchung groß, die Schwierigkeiten der Ausbeutung zu unter- und die möglichen Reserven zu überschätzen. Wenn vom Börsenwert des Konzerns noch die Management – Gehälter abhängig sind, wirken sich Fälschungen oder überhöhte Angaben von Reserven in klingende Münze aus.“(Altvater 2005a: 148)[38].

Außerdem ist es zweifelhaft, ob die heutige globale Ölproduktionsrate bei stetig wachsender Nachfrage langfristig aufrechterhalten bzw. sogar gesteigert werden kann.

2.3. Die globalen Ölentdeckungen:

Vor mehr als 50 Jahren wurden die größten Ölfelder der Erde entdeckt. Bereits in den 1960er war der Höhepunkt der weltweiten Ölentdeckungen erreicht. Seitdem wird immer weniger Erdöl neu entdeckt, trotz des technischen Fortschritts und verbesserter Explorationsmethoden. In der Dekade von 1960 bis 1969 wurden laut der US- amerikanischen „Task Force on Strategic Unconventional Fuels“ weltweit noch 460 Milliarden Barrel an Erdöl gefunden und nur 166 Milliarden Barrel konsumiert, wohingegen sich die Vorhersage für das heutige Jahrzehnt (2000 – 2009) ins Gegenteil verkehrt hat. In diesem Zeitraum werden voraussichtlich nur noch insgesamt 68 Milliarden Barrel entdeckt, aber 245 Milliarden Barrel Erdöl konsumiert. Das nächste Jahrzehnt (2010 – 2019) wird noch eine weitaus größere Diskrepanz zwischen Erdölentdeckungen und Verbrauch aufweisen. Nach Angaben der US- amerikanischen Task Force werden 366 Milliarden Barrel Erdöl konsumiert und nur 39 Milliarden Barrel neu entdeckt[39]. „Das letzte Jahr, in dem wir mehr Öl entdeckten als verbrauchten, liegt über ein Vierteljahrhundert zurück. Seit damals haben wir trotz Generationen eifriger und indoktrinierter Geologen zunehmend mehr verbrannt und zunehmend weniger gefunden“(Leggett 2006a: 60). Die „Energy Watch Group“ datiert 1980 als das Jahr, wo der jährliche Ölkonsum erstmals die jährlichen Ölentdeckungen übertraf[40].

Nicht einmal die Ölindustrie selbst glaubt daran, dass in Zukunft wieder mehr Erdöl gefunden wird. Im November 2004 sagte Francis Harper, der ehemalige Reservenkoordinator und Explorationsexperte bei BP, bei einer Konferenz des „Energy Institute“ in London: „Weltweit geht die Häufigkeit, mit der große Ölvorkommen gefunden werden, seit Jahrzehnten zurück, und diese Entwicklung wird sich auch nicht mehr umkehren. Wir haben die Welt mehrfach abgesucht. Ich würde sagen, da gibt es keine zweite Nordsee. Und ganz sicher kein zweites Saudi – Arabien”[41].

2.4. Das globale Ölfördermaximum (Peakoil):

Dem Höhepunkt der[42] weltweiten Ölentdeckungen muss zwangsläufig der Höhepunkt der globalen Ölförderung (Peakoil) folgen, da nur das Erdöl gefördert werden kann, was zuvor gefunden wurde[43]. „Nach dem Peak ist der Zuwachs der Reserven geringer als die jährliche Entnahme. Mit zunehmender Ausbeute eines Ölfeldes wird die Extraktion schwieriger und mithin teurer. Dies hat vor allem mit dem abnehmenden Druck zu tun, mit dem das Öl an die Oberfläche gepresst wird. Der Druckabfall muss ausgeglichen werden, indem neues Wasser ins Gestein gepresst oder das Öl energieaufwendig an die Oberfläche gepumpt wird. Den Druckabfall auf diese Weise auszugleichen, kann ökonomisch so teuer werden, dass sich die Förderung nicht mehr lohnt und Ölfelder aufgegeben werden“(Altvater 2005a: 151).

Es ist eine historische Tatsache, dass die meisten der großen Ölfelder weltweit ihr Produktionsmaximum überschritten haben und in Zukunft immer weniger Erdöl fördern werden[44]. 12 der 18 größten Ölfelder der Erde mussten einen Produktionsrückgang vermelden[45]. Da immer mehr Ölfelder in der Welt ihr Fördermaximum überschritten haben, sind ganze Ölförderregionen bzw. ganze Staatsgebiete von einem stetigen Rückgang ihrer Produktionsraten betroffen. Die Spitze der Produktion wurde in allen OECD-Staaten zusammen im Jahre 1997 erreicht. Seitdem hat sich die Produktionsrate um ca. neun Prozent verringert[46]. Bereits im Jahr 1970 hatten die USA ihr Ölfördermaximum erreicht und haben seitdem einen stetigen Produktionsrückgang zu verzeichnen[47]. Die USA förderten 2006 zwar noch acht Prozent der weltweiten Ölproduktion, doch dies deckte bei weitem nicht einmal ihren eigenen Bedarf[48]. Wichtige Erdölförderländer wie Indonesien (1977), Venezuela (1998), Großbritannien (1999), Norwegen (2001) und Mexiko (2004), die im Jahre 2006 zusammen noch 15 Prozent zur globalen Ölproduktion beitrugen, haben ihr Produktionsmaximum lange überschritten[49]. Nach Angaben der „Energy Watch Group“ wird auch Russland, der weltweit zweitgrößte Produzent von Erdöl[50], in naher Zukunft (höchstwahrscheinlich 2010) das Fördermaximum erreicht haben[51]. Auch für die größte Förderregion der Erde, den Mittleren Osten wird angenommen, dass die Produktion in wenigen Jahren zurückgehen wird[52]. Insgesamt lässt sich konstatieren, dass bereits im Jahr 2005 33 der 48 weltweit größten Erdölproduzierenden Staaten ihr Fördermaximum überschritten haben[53]. „Da die Förderung der Post-Peak und At-Peak-Regionen tendenziell zurückgeht, müssen die Fördermengen der Pre-Peak-Regionen gesteigert und der Transport in die Verbrauchszentren gesichert werden, um die Verluste auszugleichen“(Altvater 2005a: 152).

Wann der Höhepunkt der weltweiten Ölförderung genau erreicht sein wird, ist umstritten. Gründe dafür sind, die oben schon besprochene unterschiedliche Bewertung der weltweiten Ölreserven sowie der zukünftigen Ölentdeckungen. Weitere Ursachen dafür sind, die ebenfalls oben beschriebene unterschiedliche Bewertung des technischen Fortschritts bei der Exploration von Erdöl und der Wirkung von Investitionen im Erdölsektor. Es ist schwierig genaue Prognosen über den Zeitpunkt des globalen Ölfördermaximums abzugeben, da die Daten und Zahlen (vor allem die der Ölreserven) aus drei Gründen verfälscht sind. Erstens sind die Daten oft im Besitz der Ölkonzerne, zweitens werden sie in den größten Erdölproduzierenden Staaten als Staatsgeheimnis behandelt und drittens sind die Daten nicht selten aus politischen und/oder wirtschaftlichen Motiven manipuliert[54].

Einige Experten und Organisationen gehen davon aus, dass das globale Peakoil vor kurzem stattgefunden hat, gerade jetzt stattfindet oder kurz bevorsteht. Die „Energie Watch Group“ benennt das Jahr 2006 als das weltweite Ölfördermaximum (mit einer Förderrate von 81 Millionen Barrel pro Tag)[55] und Kenneth S. Deffeyes, ehemaliger Ölgeologe bei Shell und emeritierter Professor an der Princeton University, veranschlagt den Zeitpunkt auf Ende 2005 oder Anfang 2006[56]. Der kürzlich verstorbene, ehemalige Vizepräsident der „National Iranian Oil Company“ (NIOC), Dr. Ali S. Bakhtiari, ist ebenfalls der Meinung, dass das Jahr 2006 den Zeitpunkt des globalen Fördermaximums markiert[57]. Nach Angaben eines Forschungsinstituts der US-Streitkräfte, des „U.S. Army Engineer Research and Development Center“(ERDC) steht das globale Produktionsmaximum kurz bevor[58]. Die weltweite Verknappung von Erdöl und der damit verbundene rasante Preisanstieg sprechen für dieses Szenario.

Andere Experten und Einrichtungen sind der Auffassung, dass das weltweite Erdölfördermaximum um das Jahr 2010 eintritt. Die „Association for the Study of Peak Oil and Gas“ (ASPO) sieht die globale Förderspitze um das Jahr 2011 erreicht[59] und der US-amerikanische Physiker und Vizepräsident des „California Institute of Technology“(Caltech), David Goodstein, noch vor 2010[60].

Eine weitere Gruppe von Experten und Organisationen vertritt die Ansicht, dass das globale Produktionsmaximum um das Jahr 2015 erreicht sein wird. In einer für das US-Energieministerium verfassten Studie, dem sog. „Hirsch-Report“[61], gehen die Autoren davon aus, dass das weltweite Peakoil spätestens im Jahr 2015 eintritt[62]. Ähnlicher Auffassung ist die US-amerikanische Investmentbank „Merrill Lynch“, eine der weltweit führenden Finanzdienstleistungsunternehmen. Die Bank sieht das weltweite Fördermaximum um das besagte Jahr 2015 stattfinden[63]. Auch der ehemalige Vizepräsident der saudischen Ölgesellschaft „Saudi Aramco“, Sadid al Husseini, benennt 2015 als den Zeitpunkt der globalen Förderspitze[64].

Eine andere Gruppe sieht den Höhepunkt der weltweiten Produktion erst ab dem Jahr 2020 oder sogar nach 2030 erreicht. Anhänger dieser „späten Förderspitze“ stehen zumeist der Öl- und Energieindustrie nahe, wenn sie ihr nicht sogar angehören oder sind staatlichen Behörden zuzuordnen[65]. Der Ölkonzerne Total geht davon aus, dass das globale Produktionsmaximum um das Jahr 2020 eintreten könnte[66] und das Ölunternehmen Shell sieht diesen Zeitpunkt 2025 oder später kommen[67]. Eines den Energiekonzernen nahe stehendes Forschungsinstitut, genannt CERA („Cambridge Energy Research Associates“), ist der Auffassung, dass „die Peakoil -Theorie Müll ist“[68] und dass wenn überhaupt irgendwann einmal das weltweite Produktionsmaximum erreicht sein sollte, dies erst nach dem Jahr 2030 geschehen werde[69]. Die gleiche Ansicht vertritt das US- Energieministerium (nach 2030)[70], obwohl der „Hirsch-Report“, der wie oben schon angesprochen vom US- Energieministerium in Auftrag gegeben wurde, Peakoil schon um mindestens 15 Jahre früher eintreten sieht.

Viele Anhänger der „späten Förderspitze“ berufen sich bei ihrer Argumentation auf eine Studie der Geologischen Forschungsbehörde der USA (USGS- United States Geological Survey) aus dem Jahre 2000[71]. Die Autoren der Studie geben an, dass das weltweite Gesamtpotenzial an Erdöl (estimated ultimate recovery = EUR) - also das Öl, was noch förderbar ist - insgesamt 3.003 Milliarden Barrel beträgt[72]. „Auf Grundlage dieser Zahlen sagt die US Energy Information Administration erst für das Jahr 2037 eine Förderspitze voraus, wobei sie von einer Steigerung der Nachfrage um zwei Prozent pro Jahr ausgeht“(Leggett 2006a: 65). Doch die Berechnungen der USGS gelten bei vielen Experten und Organisationen als „unrealistisch“ und „hemmungslos übertrieben“(Altvater 2005a: 144). Die Studie wird als wissenschaftlich fragwürdig und als wenig glaubwürdig angesehen[73].

Und dann gibt es da noch die Gruppe, die anzweifelt, bestreitet oder sogar verneint, dass es je einen Höhepunkt der globalen Erdölförderung geben wird oder dass man diesen annährend bestimmen kann. Sie besteht zum größten Teil aus neoliberalen und neoklassischen Ökonomen sowie aus Konzernen der Öl- und Energieindustrie. Ökonomen wie Carl Christian von Weizsäcker vertreten die Ansicht, dass „Verknappungserscheinungen“ nichts mit einer natürlichen Begrenztheit von Erdöl zu tun haben, sondern allein durch fehlenden wirtschaftlichen „Kapazitätsaufbau“ hervorgerufen werden. Durch den Einsatz von „massiven“ Investitionen sind Probleme bei der Versorgung mit Erdöl zu lösen, so Weizsäcker (2004: 7). Auch ein anderer Ökonom Michael C. Lynch[74] ist von der Unendlichkeit des Erdöls überzeugt und erkennt „kein Anzeichen“(2004: 3) eines weltweiten Produktionsmaximums in der Zukunft. Der Energiekonzern ExxonMobil vertritt eine ähnliche Meinung. „With abundant oil resources still available […] peak production is nowhere in sight” (ExxonMobil 2007). Ein wenig vorsichtiger argumentiert das Ölunternehmen BP. BP ist der Auffassung, dass es unmöglich ist, vorherzusagen wann das globale Produktionsmaximum erreicht sein wird[75].[76] Die OPEC hingegen verneint, dass das Problem der weltweiten Förderspitze überhaupt existiert. „Their denial cannot be physically based, because it is well established that production from individual oil fields reaches a peak and then goes into decline and that regions composed of many oil fields behave similarly”(Department of Energy/National Energy Technology Laboratory 2007: 9).

Es ist unwiderlegbar, dass in der Zukunft das weltweite Ölfördermaximum erreicht sein wird, da Erdöl eine endliche Ressource ist und viele ölreiche Regionen der Erde bereits einen Produktionsrückgang zu verzeichnen haben. „Vieles spricht dafür, dass der Höhepunkt der weltweiten Ölförderung spätestens im Verlauf des kommenden Jahrzehnts überschritten sein wird, und nicht erst in 40 Jahren oder noch später. […]. Das Ende des fossilen Zeitalters findet also nicht im kommenden Jahrhundert statt, sondern möglicherweise hier und heute. Auch wenn Peakoil später eintreten sollte, kann daraus kein Argument für dessen Irrelevanz für unser heutiges Tun abgeleitet werden. Es ist nicht erheblich, ob das Ereignis in einem Jahr oder in zehn Jahren eintreten wird, da bislang keinerlei Vorbereitungen für die Zeit danach getroffen werden“(Altvater 2005a: 153).

2.5. Die Folgen von Peakoil:

Die Folgen des globalen Peakoil werden weit reichend sein. Peakoil bedeutet in der Realität, dass die Halbzeit des Ölzeitalters erreicht ist. „In der ersten Hälfte war Öl billig und ausreichend vorhanden. Nun wird es knapp. Die globale Produktion wird jährlich um 2,5 Prozent zurückgehen[77], die Preise werden explodieren. Der Ölpeak ist ein unglaublicher Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit. Die Ökonomen sagen immer: Die Steinzeit ging nicht an einem Mangel an Steinen zu Ende, sondern weil die Steine vom Fortschritt verdrängt wurden: Bronze statt Steinen, Eisen statt Bronze. Es gab noch massenhaft Steine, aber man fand bessere Materialien. Dieses mal aber werden die Steine weniger, ohne das etwas Besseres in Sicht ist“[78], so Colin Campbell.

Der republikanische Politiker James R. Schlesinger[79], ehemaliger US- Energieminister unter Präsident Carter und US- Verteidigungsminister unter Präsident Nixon und Ford, ist der Auffassung, dass es aufgrund von Peakoil zu einem schweren weltwirtschaftlichen Schock kommen wird, der auch das politische System erschüttern könnte. In der neokonservativen US- Zeitschrift “The National Interest” äußerte er sich wie folgt: “The inability readily to expand the supply of oil, given rising demand, will in the future impose a severe economic shock. Inevitably, such a shock will cause political unrest - and could impact political systems”[80].

Durch die Verknappung des Erdöls wird der Ölpreis enorm ansteigen. Nach Angaben der Investmentbank „Goldman Sachs“ bergen die Ölversorgung und der damit verbundene Ölpreis das größte Risikopotential für die Weltwirtschaft[81]. Es wird angenommen, dass sich das Wirtschaftswachstum in den Industriestaaten um 0,5 Prozent verringert und in den Entwicklungsländern um 0,75 Prozent oder mehr, wenn der Ölpreis dauerhaft um 10 $ pro Barrel ansteigt[82]. Allein im Jahr 2007 ist der Ölpreis um 64 Prozent gestiegen, was mittelfristig nicht ohne Auswirkung für die weltweite Konjunktur bleibt[83].

Dem „Hirsch-Report“ zufolge wird mit Peakoil ein „ernstes Treibstoffproblem“ für den Transport- und Verkehrssektor entstehen und somit auch für die weltwirtschaftliche Entwicklung an sich, denn die Globalisierung beruht zu einem großen Teil auf günstigen Transportkosten[84]. Durch Kostenintensivierung und Mangel an Erdöl könnte es zu einer Einschränkung des globalen Handels und Transports kommen[85]. „Motor vehicles, aircraft, trains, and ships simply have no ready alternative to liquid fuels. Non-hydrocarbon-based energy sources, such as solar, wind, photovoltaics, nuclear power, geothermal, fusion, etc. produce electricity, not liquid fuels, so their widespread use in transportation is at best decades away”(Hirsch et al. 2005: 64f.).

Die Verteuerung und Verknappung des Erdöls wird auch die Landwirtschaft betreffen, was bedeutet, dass die weltweite Hungerproblematik zunehmen wird. Seit dem Beginn des Erdölzeitalters und der „Grünen Revolution“[86] in den 1960er Jahren hat sich die Produktivität der Landwirtschaft enorm gesteigert und dies vor allem mit Hilfe von Erdöl[87]. Durch die Motorisierung der Landwirtschaft und deren ölgetriebener Verteilung sowie der Einführung dieselbetriebener Bewässerung wurde Erdöl unverzichtbar. Auch bei der Herstellung von synthetischen Düngemitteln, Pflanzenschutzmitteln und Bioziden werden enorme Mengen an Erdöl verbraucht, ohne den Einsatz dieser Mittel ginge die Nahrungsmittelproduktion stark zurück. Die USA benötigen allein für die Düngemittelproduktion jährlich 100 Millionen Barrel Erdöl und zur Produktion von Nahrungsmitteln auf nur einem Hektar Land verbrauchen die USA 1.000 Liter Erdöl (6,4 Barrel)[88]. Wird Erdöl also immer teurer und knapper, so wird dieses landwirtschaftliche Produktionsmodell auch immer kostenintensiver, was zur Folge hat, dass die Lebensmittelpreise weiter ansteigen[89]. In den Industriestaaten sind ungefähr nur noch zwei bis drei Prozent der Bürger in der Landwirtschaft tätig[90]. Dies ist eine unmittelbare Folge der auf Erdöl basierenden und dadurch hochproduktiven Landwirtschaft. Es ist nicht klar, ob dieser kleine Anteil an der Gesamtbevölkerung in Zukunft in der Lage sein wird, genügend Nahrungsmittel zu produzieren, wenn kein kostengünstiges Erdöl mehr vorhanden ist.

Bis heute ist das weltweite Wirtschaftswachstum untrennbar mit einer Steigerung des Ölverbrauchs verbunden. Wuchs die Wirtschaft in der Vergangenheit, so stiegen auch die Nachfrage und der Verbrauch von Erdöl. „Mit einer Fortdauer des Wirtschaftswachstums“ wird „der Ölverbrauch […] weiter stark wachsen […].Denn gerade in Ländern wie den Vereinigten Staaten oder China werden wenig Versuche unternommen, Öl effizienter einzusetzen“(Braunberger 2008). Nach Schätzungen der „Internationalen Energieagentur“(IEA) wird die Nachfrage von Erdöl bis 2030 jährlich um 1,3 Prozent zunehmen[91]. Doch der Bedarf an Erdöl wird in absehbarer Zukunft nicht mehr gedeckt werden können und ein von Erdöl abgekoppeltes Wirtschaftswachstum ist nicht in Sicht. Das “Oil Depletion Analysis Centre”(ODAC) analysiert das Problem folgendermaßen: „[…] after the peak, many forecasters expect global oil production to fall at about 3% a year, meaning that the deficit between the oil we want and the oil we get will expand by more than 4% a year. Within 10 years we could have just half the oil supply required to sustain economic growth. This is likely to lead to large spikes in the oil price, which in turn could cause deep recessions. Whatever alternative energy sources we decide to use in place of crude oil - conservation, efficiency, electric cars - they are likely to take decades to implement fully”(2007: 2). Um eine andauernde Rezession nach dem Ölfördermaximum zu verhindern, müsste der Bedarf an Erdöl jährlich um die von Experten prognostizierte Abnahme der globalen Ölproduktion zurückgehen. „Die Kongruenz von Kapitalismus und Fossilismus erweist sich nun als eine Falle. Das reale Wachstum kann gar nicht so hoch sein, dass alle monetären Ansprüche (Renditen und Profite) aus dem real produzierten Surplus und ohne illegitime und kriminelle Aneignung befriedigt werden können. Denn fossile Energien haben immerhin ein natürliches Maß, nämlich ihre Verfügbarkeit und die Tragfähigkeit der natürlichen Sphären für die Verbrennungsprodukte, vor allem das CO2; das gesellschaftliche System des Kapitalismus dagegen ist autoreferenziell und daher maßlos“(Altvater 2006).

Nach Auffassung des „Hirsch-Reports“ stellt Peakoil eine Problematik mit einer nie da gewesenen Dimension dar: „The world has never faced a problem like this. Without massive mitigation more than a decade before the fact, the problem will be pervasive and will not be temporary. Previous energy transitions (wood to coal and coal to oil) were gradual and evolutionary; oil peaking will be abrupt and revolutionary” (Hirsch et al. 2005: 64). Doch es ist nicht unwahrscheinlich, dass kein Jahrzehnt mehr Zeit bleibt, um mildernde Gegenmaßnahmen einzuleiten, denn wie oben beschrieben sind viele Experten der Ansicht, dass Peakoil kurz bevor steht. Ein weiteres Problem ist der Widerstand der Mächtigen in Politik und Wirtschaft gegen eine Energiewende. „Die herrschenden Klassen halten an ihrer Herrschaft fest, und diese basiert wesentlich auf der Verfügung über Öl, Gas und Atom, auch wenn diese auf Dauer illusionär ist. […]. Die bequeme Kongruenz von Kapitalismus und Fossilismus wird von denen, die dadurch begünstigt sind, zäh verteidigt. […]. Und doch gibt es auf der Straße des fossilen Energieregimes keine Zukunft. […]. Am Ende des fossilistischen Kapitalismus kann nur ein erneuerbares Energieregime weiterhelfen. Das ist nur möglich, wenn ihm die soziale Formation des Kapitalismus angepasst wird. Das ist eine tiefere und umfassendere Revolution als es die französische oder russische gewesen sind“(Altvater 2005a: 84).

3. Die USA und die Ressource Erdöl:

3.1. Die Abhängigkeit der USA von der Ressource Erdöl:

Die Bedeutung des Erdöls für die Welt wurde dargelegt. Nun ergeben sich folgende Fragen, welche die Motivation der US-amerikanischen Erdölpolitik erklären helfen: Wie abhängig sind die USA vom Erdöl? Wie viel Öl produzieren und verbrauchen die USA? Und wie viel Öl muss importiert werden, um den eigenen Bedarf zu decken?

Das weltweit erste Land, das mit dem Beginn seiner Förderung im Jahre 1859 eine groß angelegte Ölindustrie hervorbrachte, waren die USA[92]. In den vergangenen ca. 150 Jahren spielte die amerikanische Ölindustrie eine zentrale Rolle beim Wachstum der US-Wirtschaft[93]. Diese Entwicklung verschaffte den USA eine weltweite Führungsposition in der auf Erdöl basierenden Industrie, vor allem in der Automobil- und (Petro-) Chemiebranche[94].

Erdöl ist die Hauptenergiequelle der USA und der Schlüsselfaktor beim Wachstum der amerikanischen Wirtschaft. Das US-Energieministerium beschreibt die Rolle des Erdöls wie folgt: „Oil is the lifeblood of America’s economy“[95]. Mehr als 40 Prozent ihres gesamten Energiehaushalts decken die USA mit Erdöl und bei 99 Prozent ihrer Transportmittel wird Erdöl benötigt[96]. Keine andere Energiequelle besitzt eine solch herausragende Stellung[97].

Doch Erdöl ist nicht nur ein ausschlaggebender Faktor in der US-amerikanischen Ökonomie, sondern es spielt auch eine entscheidende Rolle in der nationalen Sicherheit. Denn die Mobilität der US-Armee, sei es zu Land, zu Wasser oder in der Luft hängt vom Treibstoff Erdöl ab[98]. Während des Irak-Kriegs setzten die US-Streitkräfte beispielsweise ihren Hauptkampfpanzer, den M1, ein, der allein 212 Liter an Treibstoff pro Stunde verbraucht. Eine Infanteriedivision benötigte im Verlauf eines Tages im Irak 2,8 Millionen Liter Treibstoff und die gesamten Streitkräfte der Koalitionstruppen verbrauchten pro Tag insgesamt 57 Millionen Liter[99].

Für eine lange Zeitspanne innerhalb des Erdölzeitalters, genau genommen von 1860 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, waren die USA der weltweit größte Ölproduzent. Die USA waren sogar in der Lage den größten Teil des Ölbedarfs ihrer Alliierten im Zweiten Weltkrieg zu decken und nach Beendigung des Krieges die Ökonomien in Europa und Japan mit Erdöl zu versorgen, so dass sich ihre Wirtschaftsräume schnell erholen konnten[100].

[...]


[1] Ein Barrel Erdöl sind 159 Liter.

[2] Die OPEC (Organization of the Petroleum Exporting Countries) wurde im September 1960 in Bagdad von den Staaten Iran, Irak, Kuwait, Saudi Arabien und Venezuela gegründet. Bis heute haben sich acht weitere Staaten der OPEC angeschlossen (Katar (1961), Libyen (1962), Indonesien (1962), die Vereinigten Arabischen Emirate (1967), Algerien (1969), Nigeria (1971), Angola (2007) und Ecuador (2007)). Die OPEC verfolgt das Ziel einer gemeinsamen, koordinierten Ölpolitik, die unter anderem dazu dient, einen Verfall des Erdölpreises zu verhindern. Mit dem Mittel der Festlegung von Fördermengen für die einzelnen Mitgliedsstaaten (die Förderquoten richten sich nach der Größe der jeweiligen, nationalen Ölreserven) soll die Ölproduktion reguliert und der Preis des Öls beeinflusst werden. „Wichtigstes Ziel der OPEC war und ist es, den Preis für Öl zu kontrollieren. Die Mitglieder wollen keine niedrigen Preise. Das würde ihr Einkommen reduzieren. Sie wollen aber auch keine zu hohen Preise. Das könnte die abhängigen Länder auf die Idee bringen, sich nach Alternativen umzusehen“(Leggett 2006: 50).

[3] vgl. May 1991: 10-16

[4] vgl.: Fried, Edward R. 1988: 60

[5] Der hohe Ölpreis wird zum Teil auch durch Spekulationen an den Rohstoffbörsen hervorgerufen. Zudem sorgen politische Krisen (z. B. der Konflikt zwischen der Türkei und der PKK im Grenzgebiet zum Irak oder Unruhen in Nigeria), Terroranschläge oder auch Umweltkatastrophen in ölreichen Regionen (wie z. B. Hurrikane Katrina) für kurzfristige Ausschläge beim Ölpreis.

[6] Nach Angaben des DIW steigt der Ölpreis in fünf Jahren wahrscheinlich auf 150 $ und in zehn Jahren auf 200 $ pro Barrel. Vgl. Spiegel Online, 3.1.2008, www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,526322,00.html

[7] Neben den beiden schon beschriebenen Ölpreiskrisen in den 1970er Jahren kam es noch zu drei weiteren „Ölpreispitzen“: 1990 mit dem Zweiten Golfkrieg, 1997 mit der asiatischen Finanz- und Wirtschaftskrise und im Jahr 2000 mit dem sog. „Platzen der dot.com Blase“. Vgl. Leggett 2006b

[8] vgl. The Economist, 27.08.2005, S. 57-58

[9] Die IEA wurde 1973 von 16 Industrienationen gegründet, um gegen die damalige Ölkrise vorzugehen. Seit 1974 ist die IEA eine autonome Einheit der OECD mit Sitz in Paris. Die Daten der IEA sind jedoch oft nicht glaubwürdig, da sie sich auf die Angaben der Ölkonzerne berufen (Kutter 2004). Die „Energy Watch Group“ wirft der IEA sogar Interessenpolitik zugunsten der Energiewirtschaft vor (www.energywatchgroup.org).

[10] vgl. International Energy Agency: World Energy Outlook 2007 (deutsche Zusammenfassung): 4

[11] Mit dem Anspruch objektive Informationen über das Thema Energiepolitik zu veröffentlichen, gründete der deutsche Parlamentarier Hans Josef Fell (Bündnis 90/DIE GRÜNEN) mit Hilfe weiterer Parlamentarier aus anderen Staaten die „Energy Watch Group“. Träger ist die Ludwig-Bölkow-Stiftung.

[12] vgl. Leggett 2006a: 27

[13] Es existieren drei Kategorien von Ölreserven. Die erste Kategorie wird als nachgewiesene Reserven (Proven Reserves) oder F 95 bezeichnet. Hierbei handelt es sich um die Menge an Erdöl, die mit den heutigen technischen Möglichkeiten und Mitteln mit einer Wahrscheinlichkeit von 95 % gefördert werden kann. Die zweite Kategorie sind die sog. wahrscheinlichen Reserven (Probable Reserves) oder F 50. Dies ist Erdöl, welches mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 % gefördert werden kann. Bei der dritten Kategorie handelt es sich um die sog. möglichen Reserven (Possible Reserves) oder auch F 5 genannt. Diese Reserven können nur mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 % gefördert werden (vgl. Energy Watch Group 2007: 25f.).

[14] vgl. BP Statistical Review of World Energy June 2007: 6

[15] vgl. Energy Watch Group 2007; Global Challenges Network 2002; Leggett 2006

[16] Die jährlich im Dezember veröffentlichten Zahlen des „Oil and Gas Journal“ sind in „Wirklichkeit […] eher Schätzungen, die bei staatlichen und privaten Ölfirmen abgefragt werden. Den Firmen bleibt selbst überlassen, was sie angeben. Oft sind das Jahr für Jahr die gleichen Zahlen. Beispielsweise haben 1998 60 Länder äußerst unglaubhafte, weil unveränderte Zahlen veröffentlicht. Entweder hatten sie ihre Studien nicht auf den neuesten Stand gebracht oder zögerten zuzugeben, dass die Reserven gesunken waren. Die Qualität der Daten wird von niemandem geprüft – wer sollte dies auch tun. Deren Gültigkeit zu beurteilen, würde eine Redaktion schlicht überfordern“(Global Challenges Network 2002: 166).

[17] vgl. BP 2007

[18] 300 Milliarden Barrel Öl sind ein Viertel der von BP angenommenen Weltölreserven. Nach derzeitigem Weltölverbrauch reicht diese Menge für ca. zehn Jahre.

[19] vgl. BP 2006

[20] vgl. Williams 2003

[21] vgl. Seifert/Werner 2005: 241

[22] Der Iran erhöhte seine Reserven von 48,8 Milliarden Barrel auf 92,8 Milliarden Barrel und die Vereinigten Arabischen Emirate von 31 Milliarden Barrel auf 92,2 Milliarden Barrel. Vgl. Campbell 1998

[23] vgl. Campbell 1998

[24] vgl. ebd.

[25] vgl. Energy Watch Group 2007: 31

[26] Die „Association for the Study of Peak Oil and Gas” ist ein internationales Netzwerk aus Wissenschaftlern, das sich seit seiner Gründung im Jahr 2000 mit der Problematik der Endlichkeit von Öl- und Gasvorkommen beschäftigt (www.peakoil.net).

[27] Es wird zwischen konventionellem und unkonventionellem Erdöl unterschieden. Konventionelles Erdöl ist kostengünstiges, schnell verfügbares Erdöl. Bei 95 Prozent der derzeitigen Weltölförderung handelt es sich um konventionelles Erdöl. Es ist durch seine geografisch günstige Lage und seine geringe Zähigkeit (Viskosität) relativ einfach und daher mit geringem Kostenaufwand zu fördern. Bei unkonventionellem Erdöl handelt es sich um kostenaufwändiges und technisch schwierig zu förderndes Erdöl. Zum unkonventionellen Erdöl zählen Ölschiefer, Ölsand (auch Teersand genannt), Schwer- und Schwerstöl sowie Flüssiggas (NGL) und Kondensat. Nach ökonomischen Gesichtspunkten sind auch Tiefseeöl und polares Öl unkonventionelles Erdöl, da sie nur unter erheblich höheren Kosten als konventionelles Erdöl gefördert werden können; doch nach geologischen Gesichtspunkten besitzen diese Ölvorkommen oft die gleichen Eigenschaften (Viskosität, Dichte) wie konventionelles Erdöl. In den meisten Statistiken werden sie deshalb als konventionelles Erdöl dargestellt. „Die Abbaumethoden“ unkonventionellen Erdöls „sind viel stärker mit dem Erz- und Mineralienabbau verwandt als mit der konventionellen Erdölförderung. Somit kann die Produktion nicht so schnell erhöht werden wie bei der konventionellen Ölförderung. Nach dem Überschreiten des Fördermaximums der konventionellen Ölförderung kann dieser Produktionsrückgang also nicht durch eine entsprechend schnelle Erhöhung des Abbaus unkonventioneller Ölreserven ausgeglichen, geschweige denn übertroffen werden. Ohne NGL beträgt der Anteil der unkonventionellen Öle an der Weltölförderung heute etwa 5 Prozent“(Global Challenges Network 2002: 89). Konventionelle Erdölreserven werden „unsere Hauptversorgungsbasis bleiben. Alle anderen Reserven sind im Vergleich hierzu unerheblich“(Campbell 2000).

[28] vgl. ASPO Newsletter, 83, November 2007: 2

[29] vgl. Seifert/Werner 2005: 240

[30] vgl. ASPO Newsletter, 62, February 2006; ASPO Newsletter, 63, März 2006; Energy Watch Group 2007: 52-54

[31] Sie stützen sich bei ihren Zahlen wie oben schon erwähnt vor allem auf die Angaben der staatlichen Ölgesellschaften. Vgl. BP 2007: 6; Oil & Gas Journal, 19. Dezember 2005

[32] Die ASPO hat einen Wert in Höhe von 387 Milliarden Barrel Erdöl berechnet und die „Energy Watch Group“ einen in Höhe von 340 Milliarden Barrel für diese fünf Länder. Vgl. ASPO Newsletter, 62, February 2006; Energy Watch Group 2007: 53

[33] Er geht davon aus, dass die Reserven um ca. 300 Milliarden Barrel übertrieben sind. Vgl. Salameh 2004: 27

[34] vgl. Simmons 2005

[35] vgl. BP 2007: 8

[36] vgl. Simmons 2005

[37] vgl. Energy Watch Group 2007: 54

[38] Einige der größten Energiekonzerne weltweit wie Royal Dutch/Shell oder ExxonMobil mussten in den vergangenen Jahren ihre angegeben Ölreserven herabsetzen, denn diese waren viel zu hoch bewertet worden. „Das lag nicht daran, dass Irren menschlich ist, sondern an bewusster Irreführung. Denn die Bedingungen der Exploration und Förderung neuer Vorräte sind immer schwieriger geworden. „Neue Ressourcen befinden sich in immer größeren Wassertiefen und schwierigeren Umgebungen“, heißt es bei Exxon“(Altvater 2005a: 148).

[39] vgl. Task Force on Strategic Unconventional Fuels 2007: I-8

[40] vgl. Energy Watch Group 2007: 47

[41] zit. nach Leggett 2006a: 62

[42] Geologen verstehen Erdöl als eine endliche Ressource in der Erdkruste und an einem bestimmten Zeitpunkt wird die Weltölproduktion ihr Maximum (Peakoil) erreicht haben. Danach wird sie nach und nach zurückgehen. “This logic follows from the well-established fact that the output of individual oil reservoirs rises after discovery, reaches a peak and declines thereafter. Oil reservoirs have lifetimes typically measured in decades, and peak production often occurs roughly a decade or so after discovery. It is important to recognize that oil production peaking is not “running out.” Peaking is a reservoir’s maximum oil production rate, which typically occurs after roughly half of the recoverable oil in a reservoir has been produced. In many ways, what is likely to happen on a world scale is similar to what happens to individual reservoirs, because world production is the sum total of production from many different reservoirs” (Hirsch et al. 2005: 11). Der erste, der „die naturgesetzliche Begrenztheit nicht erneuerbarer Ressourcen […] bei der Prognose der Reichweite von Ölvorräten“(Altvater 2005a: 152) berücksichtigte, war Marion King Hubbert in den 1950er Jahren. Er war Geologe bei Shell und später leitender Geophysiker der US-Bundesbehörde für Geologie (United States Geological Survey - USGS). Anhand von Untersuchungen der amerikanischen Erdölförderung, stellte er fest, dass die Förderung einzelner Ölquellen als auch die Gesamtförderung vieler Ölquellen einer Kurve entspricht, d. h. sie ähnelt einer Glockenkurve (die sog. „Hubbert-Kurve“). Mit Hilfe dieser Erkenntnis prognostizierte Hubbert 1956 das Ölfördermaximum der USA auf die Jahre 1966 bis 1972 und er sollte Recht behalten. Im Jahr 1970 war der Höhepunkt der US-amerikanischen Erdölförderung erreicht (vgl. Heinberg 2004a: 153ff.).

[43] vgl. Heinberg 2004b: 26

[44] vgl. Zittel/Schindler 2002: 30

[45] vgl. Skrebowsky 2006: 17

[46] vgl. ebd. : 18

[47] vgl. Department of Energy/Energy Information Administration 2007c: xxIII

[48] vgl. ebd. : 125

[49] Die Zahlen in den Klammern stellen das jeweilige Jahr des Ölfördermaximums dar. Vgl. IHS 2006

[50] Russland trug im Jahr 2006 12,3 Prozent zur gesamten Weltölproduktion bei. Vgl. BP 2007: 8

[51] vgl. Energy Watch Group 2007: 52f.

[52] Die „Association for the Study of Peak Oil and Gas“ (ASPO) ist der Auffassung, dass 2015 die Spitze der Ölförderung im Mittleren Osten erreicht ist. Vgl. ASPO Newsletter, 83, November 2007: 2

[53] vgl. Hirsch 2005: 5. Das Energiekomitee der „Royal Swedish Academy of Sciences“ sieht die Lage noch etwas kritischer: „Already 54 of the 65 most important oil-producing countries have declining production and the rate of discoveries of new reserves is less than a third of the present rate of consumption”(2005: 2).

[54] vgl. Department of Energy/National Energy Technology Laboratory 2007: 7

[55] vgl. Energy Watch Group 2007: 67f.

[56] vgl. Deffeyes 2005: 3

[57] vgl. King 2007

[58] Die Studie wurde im September 2005 veröffentlicht. Vgl. Westervelt/Fournier 2005: 1

[59] vgl. ASPO Newsletter, 80, August 2007

[60] vgl. Goodstein 2004

[61] Die Studie ist nach dem Projektleiter Dr. Robert L. Hirsch benannt, der bei der „Science Applications International Corp.“ (SAIC) im kalifornischen San Diego tätig ist. Er war u. a. auch bei ExxonMobil beschäftigt.

[62] vgl. Hirsch 2005 et al.: 5

[63] vgl. Traviati et al. 2005

[64] vgl. Motavalli 2006

[65] Jeremy Leggett bezeichnet diese Gruppe als „late topper“. Diese Gruppe ist der Meinung, dass noch 2000 Milliarden Barrel oder mehr an Erdöl aus bekannten Reserven und zukünftigen Entdeckungen gefördert werden kann. „This camp includes almost all oil companies (Einige Ölkonzerne bezweifeln sogar, dass Peakoil vorhersehbar ist, da es eine solche Fülle an Ölvorkommen gebe. - Anmerkung des Autors), governments and their agencies, most financial analysts, and most business journalists. As you might expect, given this lineup, the late toppers hold the ascendancy in the argument as things stand” (Leggett 2006b).

[66] vgl. Bergin 2006

[67] vgl. Department of Energy/National Energy Technology Laboratory 2007: 15

[68] zit. nach Morrison 2006

[69] vgl. CERA 2006

[70] vgl. Department of Energy/National Energy Technology Laboratory 2007: 15

[71] Sowohl Studien der „Energy Information Administration“(EIA) (siehe z. B. Long Term World Oil Supply 2000 und 2004) des US- Energieministeriums als auch Untersuchungen der „International Energy Agency“(IEA) (siehe z. B. jährlicher World Energy Outlook) gründen ihre Berechnungen auf die Studie der USGS. „The projections presented by USGS, EIA and IEA regarding the future availability of oil give reason to grave concerns because the comforting messages of these studies unfortunately are not based on valid arguments. These studies ignore future limitations in the supply of oil which are meanwhile apparent, and by doing this they send misleading political signals. It should also be noted how these studies build on each other. The supporting ground floor has been built by the USGS 2000 study: it describes, how much oil the world has at its disposal - it just needs to be found. On this the EIA has built a first floor which describes the future production potential. The result is that in fact any conceivable future growth of production will be possible - with growth rates exceeding everything that could be observed in the past. On top of this, the IEA constructs a second floor: the predicted growth in oil demand for the next decades will not be restricted by any limits of supply. This is a house of cards” (Energy Watch Group: 91).

[72] vgl. USGS 2000

[73] vgl. Energy Watch Group 2007: 75-91; Global Challenges Network 2002: 168-171; Leggett 2005a: 65

[74] Michael C. Lynch ist Präsident und Direktor von „Strategic Energy & Economic Research Inc.“ (SEER), einer US- amerikanischen Firma, die ihre Kunden in Energiefragen berät.

[75] vgl. BP 2007; www.deutschebp.de/sectiongenericarticle.do?categoryId=9005587&contentId=7011246

[76] Der Optimismus der drei größten privaten Ölkonzerne ExxonMobil, BP und Shell ist erstaunlich, denn trotz zahlreicher Aufkäufe anderer Firmen, ist es den Konzernen nicht gelungen ihre Ölproduktion zu steigern. Im Gegenteil: Die Produktion geht seit 2004 kontinuierlich zurück. Shell, das vor zehn Jahren noch das größte private Ölunternehmen der Erde war, musste seine Produktion seit 1998 um 20 % verringern, obwohl sich die Kosten für Exploration und Produktion seitdem vervierfachten. Vgl. Energy Watch Group 2007: 97-99

[77] Die „Energy Watch Group“ ist der Auffassung, dass sich die weltweite Ölproduktion sogar um drei Prozent pro Jahr verringern wird. Im Jahr 2030 wird die jährliche Produktion dann auf ungefähr die Hälfte des Niveaus von 2006 gefallen sein (vgl. Energy Watch Group 2007: 67f.).

[78] zit. nach Seifert/Werner 2005: 237f.

[79] Bis heute ist James R. Schlesinger Berater des US-Verteidigungsministeriums und er ist Mitglied des „Defense Policy Board“. Zudem berät er das US-Verteidigungsministerium in Energiefragen. Schlesinger ist außerdem Aufsichtsratsmitglied beim größten privaten Kohlekonzern der Erde, „Peabody Energy“. Vgl. Wikipedia, http://en.wikipedia.org/wiki/James_R._Schlesinger#Post-Defense_Department_activities

[80] zit. nach www.energybulletin.net/13039.html

[81] vgl. Lange 2006

[82] vgl. Hirsch et al. (2005): 31

[83] vgl. Braunberger 2008

[84] vgl. Hirsch et al. (2005): 5

[85] Die globale „Transportintensität der Produktion und Konsumtion“ hat inzwischen „absurde Ausmaße angenommen“(Altvater 2005a: 79). Der bekannte Globalisierungskritiker und Professor für Soziologie an der Universität der Philippinen, Walden Bello, beschreibt das Problem anhand des weltweiten Nahrungsmitteltransports wie folgt: „[…] the average plate of food eaten in western industrial food-importing nations is likely to have travelled 2000 miles from source to plate. Each one of those miles contributes to the environmental and social crises of our times […]” (zit. nach Altvater 2005a: 79f.).

[86] Die Weltbank versuchte seit den 1960er Jahren in Indien und anderen Ländern Asiens sowie in Afrika und Lateinamerika durch den Einsatz moderner Agrartechnologie Hunger und Armut zu bekämpfen. Mit dem Einsatz von Dünger und Pestiziden sowie der Einführung von Monokulturen kam es zu einer enormen Steigerung bei den Ernteerträgen.

[87] Von 1961 bis 2005 ist die globale Getreideproduktion um 250 Prozent gestiegen, wobei die Anbaufläche gleich groß blieb. Vgl. FAO (Food and Agriculture Organization der UN- www.fao.org)

[88] vgl. Pfeiffer 2004

[89] Zum Anstieg der Lebensmittelpreise trägt auch noch ein weiterer Fakt bei. „Auf landwirtschaftlichen Flächen können Mais, Raps oder Weizen als Lebensmittel angebaut werden - oder für die Energiegewinnung. Die Konkurrenz zwischen Tank und Teller lässt die Preise steigen und indirekt ist diese Entwicklung an den Ölpreis gekoppelt“(Basel/Zeiner 2007).

[90] vgl. Spiegel Online, Länderlexikon http://service.spiegel.de/digas/servlet/jahrbuch

[91] vgl. International Energy Agency 2006: 66

[92] vgl. Klare 2004a: 8

[93] Die ersten multinationalen Konzerne der USA wie Rockefellers „Standard Oil Company“ verdankten ihren Aufstieg dem reichlichen, heimischen Ölfluss. Dieses Unternehmen war dann auch der Vorläufer für Konzerne wie ExxonMobil, Chevron (heute mit Texaco fusioniert), Amoco und Atlantic Richfield (beide heute Teil von BP). Reichlich vorhandenes und relativ billiges Erdöl waren auch entscheidend für den Aufstieg anderer großer Konzerne in der Automobil- und Chemieindustrie sowie in der Luftfahrt- und Frachtbranche. Diese Firmen trugen einen großen Anteil zum US-amerikanischen Wohlstand bei. Vgl. Klare 2004: 8; Yergin 1991

[94] vgl. Kegley/Wittkopf 1993: 345

[95] U.S. Department of Energy, www.energy.gov/energysources/oil.htm

[96] ebd.

[97] Der gesamte Energiehaushalt der USA stellt sich folgendermaßen dar: Erdgas 24 Prozent, Kohle 23 Prozent, Atomkraft 8 Prozent und andere Energiequellen 5 Prozent. Vgl. Klare 2004: 7

[98] vgl. Painter 2002: 1-20

[99] vgl. Aust/Schnibben 2003: 161 und 225

[100] vgl. Klare 2004a: 9f.

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
Die Erdölpolitik der USA unter der Administration von George W. Bush
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Note
1,1
Autor
Jahr
2008
Seiten
101
Katalognummer
V114722
ISBN (eBook)
9783640148448
ISBN (Buch)
9783640148523
Dateigröße
836 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erdölpolitik, Administration, George, Bush
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Kevin Krippner (Autor), 2008, Die Erdölpolitik der USA unter der Administration von George W. Bush, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114722

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