Welchen Status hat die französische Sprache außerhalb Frankreichs?
Diese Frage ist sehr interessant. Wenn man sich jedoch auch mit den Umständen beschäftigt, die zu der Verbreitung des Französischen in der Welt geführt haben und die Entwicklung der Sprache dort beobachtet, insbesondere die Weiterentwicklung der Sprache auf einem anderen Kontinent, findet man kaum ein schöneres Beispiel als die Provinz Quebec. Denn Quebec ist das einzige Gebiet außerhalb Europas, in dem das Französische die Muttersprache des überwiegenden Teils der Bevölkerung ist.
Vom Mutterland Frankreich völlig isoliert, hat es die französische Sprache in Quebec, umgeben von anglophonen Gebieten, schwer gehabt, sich durchzusetzen.
Wie kann sich eine Sprache unter diesen Bedingungen durchsetzen und worin unterscheidet sie sich von dem in Frankreich gesprochenen Französisch?
Nachdem ich zunächst auf die Geschichte Quebecs eingehen werde, berücksichtige ich ebenso die Genese des „Français québécois“.
Weiterhin fand ich es wichtig, die Konflikte zwischen den Frankophonen und den Anglophonen in der Provinz zu thematisieren und auf die Sprachenfrage im geschichtlich-rechtlichen Kontext einzugehen. Denn im Gegensatz zu anderen Gebieten auf dem nordamerikanischen Kontinent, in denen sich die französische Sprache nicht durchsetzen konnte, haben es die Einwohner Quebecs erreicht, die Provinz zu einem französisch einsprachigen Territorium zu machen.
Danach soll das Kapitel des heutigen „Français québécois“ eine Rolle spielen, in dem ich beantworten werde, inwieweit es sich im Bereich der Lexik, der Phonetik, der Morphologie und der Syntax vom Französischen in Frankreich unterscheidet. Besonders die Regionalismen und Archaismen, die für vom Mutterland isolierte Sprachgebiete so typisch sind, sollen hier deutlich werden.
Ich werde mich nicht darauf beschränken, die Unterschiede aufzuzeigen, sondern auch den Sub- und Adstrateinfluss behandeln, der auf das „Français québécois“ in erster Linie im Bereich des Wortschatzes eingewirkt hat. Außerdem werde ich ebenfalls kurz auf Neolo-gismen und Lücken im Wortschatz dieser regionalen Varietät des Französischen eingehen.
Abschließend gebe ich einen kurzen Überblick über die Normierung der französischen Sprache durch das „Office de la langue française“ in Quebec. Dieses Thema ist wesentlich, gerade weil es diese Art von Sprachenpflege in den anderen Gebieten Nordamerikas mit frankophoner Bevölkerung nicht gegeben hat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichte Quebecs von der Entdeckung bis 1763
3. Sprachenrecht
4. Die Stille Revolution
5. Das Französische in Quebec
5.1. Genese des Französischen in Quebec
5.2. Besonderheiten
5.2.1. Bewahrung der älteren Sprachstufe
5.2.1.1. Aussprache
5.2.1.2. Morphologie
5.2.1.3. Syntax
5.2.1.4. Wortschatz
5.2.2. Bewahrung regionaler Eigenheiten
5.2.2.1. Aussprache
5.2.2.2. Wortschatz
5.2.3. Substrate und Adstrate
5.2.3.1. Amerindianismen
5.2.3.2. Anglizismen
5.2.4. Neologismen
5.2.5. Wortschatzlücken im „Français québécois“
6. Das „Office de la langue française“ (OLF)
7. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Status, die historische Entwicklung sowie die sprachlichen Besonderheiten des Französischen in der kanadischen Provinz Quebec. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich das Französische in einer anglophonen Umgebung isoliert vom Mutterland behaupten konnte und welche internen sowie externen Faktoren die Genese des „Français québécois“ prägten.
- Historische Entwicklung von der Entdeckung Quebecs bis zum britischen Vertrag von 1763.
- Analyse des Sprachenrechts und der politischen Konflikte zwischen Frankophonen und Anglophonen.
- Sprachwissenschaftliche Untersuchung der phonetischen, morphologischen und syntaktischen Eigenheiten.
- Einordnung des Einflusses von Substraten (indianische Sprachen) und Adstraten (Englisch).
- Bewertung der Rolle des „Office de la langue française“ bei der Normierung und Sprachenpflege.
Auszug aus dem Buch
5.2.1.1 Aussprache
1. Die Bewahrung der Auslautkonsonanten, die in Frankreich bereits ab dem 13. Jahrhundert aus der Aussprache verschwinden2 Beispiele: tout [tt] but [bt] plus [pls]
2. Eines der Hauptcharakteristika im kanadischen Französisch ist die Bewahrung älterer bzw. dialektaler Lautstände beim Diphthong <oi>. Bis zur Französischen Revolution war diese Aussprache als Standard anerkannt und bis ins 17. Jahrhundert im Nordwesten, Westen und im Gebiet der Ile-de-France regional belegt.3 Beispiele: moi [mwε] froid [fRεt]
3. Apikale Aussprache von /r/. In Frankreich fand der Wandel von apikalem [r] zu uvularem [r] ab dem 17. Jahrhundert statt, in Quebec erst in den letzten Jahrzehnten.4
4. Die Aussprache [o] für <oi>, die in Frankreich seit dem 17. Jahrhundert allmählich, dann im 20. Jahrhundert gänzlich verschwunden ist5 Beispiele: poignet [poε] poignée [poe]
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung nach dem Status des Französischen außerhalb Frankreichs und begründet die Wahl von Quebec als einzigartiges Beispiel einer französischen Sprachinsel in Nordamerika.
2. Geschichte Quebecs von der Entdeckung bis 1763: Dieses Kapitel behandelt die Entdeckung durch Jacques Cartier, die Gründung der Kolonie durch Champlain und die sozioökonomischen Entwicklungen bis zur britischen Eroberung.
3. Sprachenrecht: Hier werden die juristischen Auseinandersetzungen um die Zweisprachigkeit, die Quebec-Akte von 1774 und der Kampf der Frankophonen um den Erhalt ihrer Muttersprache im politischen Kontext analysiert.
4. Die Stille Revolution: Das Kapitel beschreibt den gesellschaftlichen Modernisierungsprozess der 60er Jahre, der die wirtschaftliche und politische Macht der Frankophonen in Quebec grundlegend veränderte.
5. Das Französische in Quebec: Dieser Hauptteil analysiert die sprachliche Genese, die Bewahrung archaischer Sprachstufen und regionaler Besonderheiten sowie den Einfluss von Anglizismen.
6. Das „Office de la langue française“ (OLF): Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle der staatlichen Institution bei der Normierung der Sprache und der aktiven Sprachpflege gegen die Anglophonisierung.
7. Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung fasst die Ergebnisse zusammen und betont den Stolz der Bevölkerung auf das „Français québécois“ als identitätsstiftendes Element.
Schlüsselwörter
Quebec, Français québécois, Sprachgeschichte, Sprachenpolitik, Zweisprachigkeit, Anglizismen, Sprachnormierung, Office de la langue française, Stille Revolution, Archaismen, Dialektologie, Phonetik, Morphologie, Syntax.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem aktuellen Status der französischen Sprache in der kanadischen Provinz Quebec, wobei sie besonders die sprachlichen Besonderheiten gegenüber dem europäischen Standardfranzösisch untersucht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die historische Besiedlung, die politische Durchsetzung der französischen Sprache durch Sprachengesetze, die linguistische Analyse des „Français québécois“ und die Rolle der staatlichen Sprachpflege.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich Französisch als Muttersprache in einer überwiegend anglophonen Umgebung erhalten konnte und welche internen Differenzierungen (wie Archaismen oder Lehnwörter) dabei entstanden sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die historische Ereignisse mit soziolinguistischen Theorien und linguistischen Analysen von Sprachvarietäten verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Untersuchung der sprachlichen Merkmale – insbesondere Aussprache, Morphologie und Syntax – sowie auf den Einfluss durch indianische Substrate und englische Adstrate.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind das „Français québécois“, die Sprachgeschichte, die Sprachenpolitik, das „Office de la langue française“ (OLF) und der Einfluss von Anglizismen.
Warum ist die Rolle der Kirche nach 1763 so bedeutsam für die Sprache?
Nachdem die französische Verwaltung abgezogen wurde, fungierte die Kirche als Führungsinstitution und half, ein Gefühl der Isolation zu bewahren, was maßgeblich zum Erhalt des Französischen beitrug.
Welchen Einfluss hatte die „Stille Revolution“ auf die Sprachentwicklung?
Die „Stille Revolution“ markiert einen Wendepunkt, da sie das Selbstbewusstsein der frankophonen Mittelschicht stärkte und den Weg für eine aktive, staatlich gelenkte Sprachenpolitik durch das OLF ebnete.
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- Vanessa Schweppe (Author), 2003, Geschichte, Erscheinungsform, Status und Probleme des Französischen in Quebec, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11472