Familienformen in Deutschland. Ein Einblick in ihren gesellschaftlichen Wandel


Studienarbeit, 2020

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition vom Familienbegriff

3 Funktion von Familie
3.1 Die wirtschaftliche Funktion
3.2 Die soziale Funktion
3.4 Funktionswandel von Familie

4 Familienkonstellationen und ihr gesellschaftlicher Wandel im Überblick
4.1 Verzweigung von Eheschließung und Familiengründung und der veränderte Familienbildungsprozess
4.2 Gesetzliche Veränderung

5 Überblick über häufig auftretende Familienformen heute

5.1 Kernfamilie

Einleitung

Familie1 ist in allen Generationen auch heutzutage noch einer der bedeutsamsten Lebensräume. Stand 2017 stellt er für 79% der Menschen in Deutschland den wichtigsten Lebensraum überhaupt dar. Es lässt sich hier beobachten, dass die Familienorientierung sogar zunimmt, denn 2006 gaben 76% diesen Lebensraum als den Bedeutsamsten an (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2017: S. 11).

Doch was steckt hinter der Begrifflichkeit Familie? Das Wort Familie wird im Alltag, sei es in den Medien oder auch der Literatur, mit unterschiedlichster Bedeutung verwendet. Die Bedeutung von dem Wort Familie hat bereits einen geschichtlichen Wandel hinter sich (vgl. Wonneberger, Weidtmann & Stelzig-Willutzki 2018: S.489). Vater, Mutter, Kind bedeutet Familie, dies ist noch immer die am häufigsten gewählte Familienform, doch sicher nicht die einzige gängige Form, welche unter Familie verstanden wird (vgl. Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2017: S. 16). In der vorliegenden Arbeit soll erläutert werden in welchem Zusammenhang heute von Familie gesprochen wird, wie es zu dieser Definition kam und was sich hinter den aktuell häufig auftretenden Familienformen verbirgt.

Unsere Gesellschaft befindet sich in einem stetigen Wandel und somit auch das Konstrukt Familie und vor allem ihre Formen. Dementsprechend muss sich immer wieder erneut mit dieser Thematik auseinandergesetzt werden, was Familie bedeutet und welche Formen aktuell auftreten. Da die Thematik nicht in vollem Umfang in dieser Arbeit dargestellt werden kann, konzentriert sie sich darauf, einen Einblick über den geschichtlichen Wandel zu geben, die Funktionen von Familie kurz darzustellen und einen Überblick über häufig auftretende Familienformen im heutigen Zeitalter zu geben.

Dabei beschäftigt sich Kapitel 1 mit der Begriffsklärung und zeigt auf, dass sich auch in der Definition ein Wandel mit der Zeit ergeben hat. Kapitel 2 erläutert die Funktionen von Familie und geht auf den vorliegenden Funktionswandel ein. Einen Einblick über den historischen Wandel der Familienkonstellation und den gesellschaftlichen Wandelungen wird in Kapitel 3 gegeben. Außerdem wird auf die Verzweigung von Eheschließung mit der Familiengründung, die Veränderung des Familienbildungsprozesses und auf die gesetzlichen Veränderungen eingegangen. Dabei wird Deutschland auch differenziert nach West- und Ostdeutschland betrachtet. Kapitel 4 zeigt einen Überblick über aktuell häufig uns begegnende Familienformen auf, definiert diese und geht auf diese Konstrukte genauer ein.

2 Definition vom Familienbegriff

Bei der Analyse verschiedener Literaturen lässt sich feststellen, dass Familie nicht einheitlich definiert werden kann, sondern es eine Vielzahl an Ausfassungen und Beschreibungen gibt. Auch zeitlich betrachtet hat die Begrifflichkeit nicht schon immer dieselbe Bedeutung.

Das deutsche Wort „Familie“ wird vom lateinischen Begriff „familia“ (= Hausgenossenschaft) abgeleitet. Ursprünglich wurde im alten Rom unter dem Begriff „familia“ der gesamte Besitz eines Hausherrn verstanden, sprich all jenes, was unter der Verfügungsgewalt des Mannes steht (z.B. auch seine Sklaven und auch sein Erbvermögen (z.B. Viehzucht) (vgl. Wonneberger, Weidtmann & Stelzig-Willutzki 2018: S.490). Seit dem 18. Jahrhundert wurde aus dem Französischen, von dem Wort „familie“ das Wort Familie hergeleitet und ins Deutsche übernommen (vgl. Schäfers 2013: S.95f.). Auch wenn die Begrifflichkeit Familie seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts fester Bestandteil des deutschen Wortschatzes ist, bestand weiterhin die Bedeutung des gesamten Hausstandes. Im Laufe des 19. Jahrhunderts fand ein Wandlungsprozess der Bedeutung der Begrifflichkeit statt, hin zu dem, was wir heute unter (Kern-)Familie verstehen (vgl. Wonneberger, Weidtmann & Stelzig-Willutzki 2018: S.490).

Zum einen wird Familie heute als eine Gemeinschaft beschrieben, die sich aus mindestens zwei verschiedenen Generationen zusammensetzt und dabei auf eine starke emotionale Verbindung baut, welche dauerhaft Verantwortung füreinander übernimmt (vgl. Vollmer 2012: S. 12). Zum anderen lässt sich im Grundgesetzt erkennen, dass auf die Beziehung zwischen Eltern, dabei ist es egal, ob leibliche Elternschaft oder nicht, und deren Kinder Bezug genommen wird (Artikel 6 GG). Auch wird Familie wie folgt definiert: „Familien sind menschliche Beziehungssysteme, in denen Erwachsene mit Kindern leben. Aus psychologischer Sicht müssen sie nicht alltäglich Zusammenleben, [...] wesentlicher ist die Tatsache, dass sie eine innere, emotionale Bindung haben.“ (Hantel-Quitmann 2013: S.94)

3 Funktion von Familie

Familie hat unterschiedliche Funktionen. Diese Funktionen können sich je nach Kultur und Gesellschaft unterscheiden. Einige Grundfunktionen sind aber weit verbreitet und werden im Folgenden dargestellt, was aber nicht bedeutet, dass jede Familie jede der folgenden Funktionen erfüllt (vgl. Wonneberger, Weidtmann & Stelzig-Willutzki 2018: S.491f.).

Familie besteht dabei aus unterschiedlichen einzelnen Komponenten, welche alle miteinander in Beziehung stehen, miteinander interagieren und sich dementsprechend gegenseitig beeinflussen. Betrachtet man Familie hier als System bedeutet das, dass wenn sich ein Teil des Systems verändert, dies Einfluss auf das System in der Gesamtheit hat (vgl. Wonneberger, Weidtmann & Stelzig-Willutzki 2018: S.497).

3.1 Die wirtschaftliche Funktion

Die wirtschaftliche Funktion umfasst alle Aufgaben, die das Überleben nach der Geburt sichern z.B. Ernährung und Versorgung mit Gütern und Dienstleistungen (vgl. Wonneberger, Weidtmann & Stelzig-Willutzki 2018: S.492). Sprich die Existenz absichern, durch finanzielle Absicherung seitens einer Berufstätigkeit der Eltern (vgl. Vollmer 2012: S.17f.).

3.2 Die soziale Funktion

Familie hat auch eine soziale Funktion, nämlich die körperliche und emotionale Versorgung, durch Zuwendung und Nähe. Die Nähe zu den Bezugspersonen ist vor allem für das körperliche und psychische Wohlbefinden von Bedeutung und verleiht ein Gefühl von Sicherheit und dient als Rückzugsort (vgl. Vollmer 2012: S.25). Die psychisch­emotionale Ebene ist von Bedeutung, denn so kann ein Kind in seiner Familie Ressourcen aller Art zur Problembewältigung vorfinden und eine Resilienz Fähigkeit aufbauen (vgl. Wonneberger, Weidtmann & Stelzig-Willutzki 2018: S.493). Außerdem erfüllt die Familie den Aspekt der primären Sozialisation. Familie wird die Aufgabe zugeschrieben den Kindern Normen und Werte zu vermitteln und Regeln und Umgangsformen näherzubringen, die für das zukünftige kulturelle und soziale Leben von Bedeutung sind (vgl. Vollmer 2012:S. 17f.). Außerdem werden in der familiären Sozialisation Grundstrukturen der Persönlichkeit entwickelt (vgl. Vollmer 2012: S.25). In der Sozialisationsfunktion kann auch eine religiöse Funktion enthalten sein, welche durch die Vermittlung der Familie erlebt und erlernt werden. Die Platzierungsfunktion ist ebenfalls Aufgabe der Familie. Definiert werden kann diese über den Zuweisungsprozess einer Person zu einer gesellschaftlichen Position innerhalb der hierarchischen Struktur einer Gesellschaft (vgl. Wonneberger, Weidtmann & Stelzig-Willutzki 2018: S.493).

3.3 Die biologische Funktion

Die biologische Funktion von Familie bezieht sich auf die Reproduktion. Darunter ist die Fortpflanzung, sprich Geburt von Kindern, zu verstehen. Damit wird das Fortbestehen von Familie, gleichzeitig der Gesellschaft und damit verbunden der gesamten Menschheit abgesichert. Diese Funktion ist gesellschaftlich betrachtet mit der Ehe normativ eng verbunden, erst seit wenigen Jahrzehnten löst sich diese Funktion zu mindestens in den westlich orientierten Gesellschaften (vgl. Wonneberger, Weidtmann & Stelzig-Willutzki 2018: S.492).

3.4 Funktionswandel von Familie

Auch die Funktionen sind immer wieder Wandlungsprozessen unterworfen. Die familiären Aufgaben werden immer mehr im Verlauf des 20. Jahrhunderts vergesellschaftet bzw. vom Staat und anderen öffentlichen Institutionen übernommen (vgl. Wonneberger, Weidtmann & Stelzig-Willutzki 2018: S.494). Beispiele für institutionelle Aufgabenübernahme, welche früher familiäre waren, sind die Kinderbetreuung und damit verbunden auch die Sozialisation und die Erziehungsberatung. Aber auch die Pflege und Betreuung ältere Familienmitglieder wird heutzutage abgegeben (vgl. Vollmer 2012: S. 17).

Durch die Entwicklung zum sozialen Wohlfahrtsstaat in Europa wird die Vergesellschaftung der einst familiären Aufgaben weiter vorangetrieben. Während die Gesellschaft bzw. öffentliche/staatliche Institutionen weite Teile der Funktionen, der Betreuung, Erziehung, Sozialisation und auch der Wirtschaft übernehmen, steigt gleichzeitig die Bedeutung der emotionalen und psychischen Regenerationsfunktionen der Familie deutlich an (vgl. Wonneberger, Weidtmann & Stelzig-Willutzki 2018: S.494).

4 Familienkonstellationen und ihr gesellschaftlicher Wandel im Überblick

Historisch betrachtet gab es alle heute auftretenden Lebensformen bereits vor der Industrialisierung, von den Alleinerziehenden über die nichtehelichen Gemeinschaften bis hin zu Stiefelternverhältnissen (heute meistens Patchworkfamilie genannt). Jedoch sind die damals vielfältigen Lebensverhältnisse mit den heutigen nur bedingt vergleichbar. Dies belegen zahlreiche familienhistorische Untersuchungen. Zu dieser Zeit war die Wirtschaft überwiegend eine Familienwirtschaft und darauf bedachtet das Familie primär eine Produktionseinheit ist. Dementsprechend zählte das gesamte Haus, inbegriffen nicht ausschließlich verwandte Menschen, sondern auch Dienstmädchen, Handwerker, Lehrlinge etc. zur Familie.

[...]


1 Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung aller personalisierten Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichwohl für jedes Geschlecht.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Familienformen in Deutschland. Ein Einblick in ihren gesellschaftlichen Wandel
Hochschule
Fachhochschule des Mittelstands
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
18
Katalognummer
V1147367
ISBN (eBook)
9783346528797
ISBN (Buch)
9783346528803
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Familie
Arbeit zitieren
Vanessa Klemm (Autor:in), 2020, Familienformen in Deutschland. Ein Einblick in ihren gesellschaftlichen Wandel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1147367

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