"Immigranten", "Flüchtlingsströme" und "Asyl" sind nur einige der Begriffe, die jeder Deutsche bzw. Europäer aus den Medien der letzten Jahre kennen sollte. Deutschland und die meisten anderen europäischen Länder sind zu Exilländern geworden, die immer mehr Kriegsflüchtlinge, vor allem aus dem Westen Asiens und Nordafrika, aufnehmen. Dies
war jedoch nicht immer so. Vor nicht einmal 100 Jahren, zwischen 1933 und 1945, mussten Millionen von Menschen aus Europa flüchten, da sie aufgrund ihrer religiösen oder politischen Orientierung verfolgt wurden. Die Flüchtlingsströme verteilten sich dabei über die ganze Welt, unter anderem auch nach Mexiko. Vor allem spanische und deutsche Emigranten fanden ihren Weg über den Atlantik in das mexikanische Exil.
Diese Arbeit vergleicht diese beiden Gruppierungen in Bezug auf die Flucht und das Leben im Exilland Mexiko. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede gibt es zwischen den deutschen und spanischen Emigranten in Mexiko hinsichtlich ihrer Beweggründe zur Flucht, der Wahl des Landes Mexiko und ihrer Integration in der neuen Heimat? Und wie verhält sich in diesem Zusammenhang das Land Mexiko diesen Gruppen politisch und gesellschaftlich gegenüber?
Diese Hausarbeit beleuchtet und vergleicht die spanischen und deutschen Emigranten in Mexiko hinsichtlich drei verschiedener Aspekte. Im ersten Abschnitt werden zunächst die Fluchtgründe der beiden Gruppen mit ihrem politischen Hintergrund analysiert. Anschließend geht es im zweiten Teil um die Gründe, warum die Wahl der Exilanten auf
das Land Mexiko als ihre neue Heimat fiel und welche Rolle die mexikanische Asylpolitik dabei spielte. Im letzten Abschnitt, bevor es zu einem Fazit kommt, wird die Integration der Flüchtlinge im mexikanischen Exil verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Deutsche und spanische Emigranten in Mexiko
2.1 Die Beweggründe zur Flucht
2.2 Die Wahl Mexiko und die mexikanische Asylpolitik
2.3 Die Integration im Exilland
3. Fazit
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Fluchtgründe, die Gründe für die Wahl Mexikos als Exilland sowie die Integrationsverläufe deutscher und spanischer Emigranten im Mexiko der Jahre 1933 bis 1945.
- Politische und historische Hintergründe der Fluchtbewegungen in Europa
- Die Rolle der mexikanischen Asylpolitik und der Regierung unter Lázaro Cárdenas
- Vergleich der soziokulturellen Integration und des Verbleibs der Flüchtlingsgruppen
- Die Bedeutung von Exilorganisationen für deutsche Intellektuelle in Mexiko
Auszug aus dem Buch
2.1. Die Beweggründe zur Flucht
Um die Beweggründe der Spanier zu verstehen, muss man sich zunächst die Geschichte des Landes ansehen. Im Februar 1936 wurde durch demokratische Wahlen eine linksliberale Volksfrontregierung gewählt, mit der jedoch viele traditionelle und autoritäre Spanier anschließend unzufrieden waren. Deshalb kam es am 17. Juli 1936 zu einem Militärputsch durch die Regierungsgegner, angeführt von den Generälen Sanjuro, Mola und Franco. Francisco Franco wurde bald zum alleinigen Anführer und die Putschisten bildeten das sogenannte Franco-Regime. Der Militärputsch, der ursprünglich innerhalb kurzer Zeit entschieden sein sollte, entwickelte sich zu einem Bürgerkrieg, denn beide Seiten versuchten den Aufstand für sich zu entscheiden und keiner war bereit nachzugeben. Nach fast drei Jahren, am 1. April 1939, wurde der Krieg durch Franco, der als Sieger herausging, für beendet erklärt.
„Doch Spanien kam nicht zur Ruhe, denn die Rache der Sieger war grausam und kostete in den vierziger Jahren Hunderttausende das Leben“, so schreibt Katharina Niemeyer. Das Ende des Bürgerkriegs bedeutete für die Republikaner, dass sie von nun an politisch verfolgt und für ihre Meinung inhaftiert oder hingerichtet wurden. Diese Verfolgung durch das Franco-Regime war also der ursprüngliche Beweggrund der Spanier zu fliehen. Gleichzeitig lässt sich nun auch die Gruppe der spanischen Emigranten eingrenzen, denn bei den Flüchtlingen handelte es sich ausschließlich um politisch verfolgte republikanische Spanier. Zunächst flüchteten die Republikaner in das benachbarte Frankreich in Flüchtlingslager, wo sie unter „menschenunwürdigen Umständen dahinvegetieren mußten.“ In Frankreich in den Lagern zu bleiben, war für die Geflüchteten aufgrund der schlechten Verhältnisse keine Option und erschwerend kam im Jahr 1940 das Nazi-Regime durch Hitler hinzu. Viele Republikaner wurden zum Dienst in der französischen Armee gezwungen und gerieten nach der Kapitulation Frankreichs am 21. Juni 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Das Nazi-Regime war also der zweite Beweggrund für eine erneute Flucht der Republikaner aus Frankreich auf einen anderen Kontinent, denn denen die noch nicht in Gefangenschaft waren, drohte in Europa die baldige Deportation in Konzentrationslager oder die Auslieferung an das Franco-Regime.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt das Thema der Emigration nach Mexiko vor und umreißt die Fragestellung bezüglich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen deutschen und spanischen Flüchtlingen.
2. Deutsche und spanische Emigranten in Mexiko: Dieser Teil analysiert die historischen Fluchtursachen, die gezielte Asylpolitik Mexikos gegenüber den jeweiligen Gruppen sowie die komplexen Prozesse der Integration vor Ort.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass trotz ähnlicher Fluchtgründe durch politische Verfolgung erhebliche Unterschiede in der späteren Integration und Rückkehrbereitschaft der Gruppen bestanden.
4. Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen, die dieser Untersuchung zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Mexiko, Exil, Emigration, Flucht, Deutschland, Spanien, Republikaner, Nationalsozialismus, Franco-Regime, Asylpolitik, Lázaro Cárdenas, Integration, Intellektuelle, Exilorganisationen, Zweiter Weltkrieg.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Proseminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Schicksal deutscher und spanischer Emigranten, die zwischen 1933 und 1945 in Mexiko Zuflucht suchten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die politischen Hintergründe der Flucht, die spezifische Asylpraxis der mexikanischen Regierung sowie die soziokulturelle Integration der Exilanten in der neuen Heimat.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist ein systematischer Vergleich der beiden Emigrantengruppen hinsichtlich ihrer Beweggründe, der Asylbedingungen und ihres Verbleibs nach Kriegsende.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse, in der historische Quellen und wissenschaftliche Fachliteratur ausgewertet und vergleichend gegenübergestellt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Fluchtursachen (Franco-Regime vs. Nationalsozialismus), die Aufnahmebedingungen in Mexiko und die Integrationserfahrungen sowie die Rolle der jeweiligen kulturellen Organisationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Mexiko, Exil, Emigration, Flucht, Asylpolitik, Republikaner, Nationalsozialismus und Integration.
Warum war die mexikanische Asylpolitik für Spanier attraktiver als für deutsche Flüchtlinge?
Die mexikanische Regierung war ideologisch auf der Seite der spanischen Republikaner und sah diese aufgrund sprachlicher und mentalitätsbezogener Nähe als leichter integrierbar an.
Welche Rolle spielte Präsident Lázaro Cárdenas für die Emigranten?
Cárdenas war ein entschiedener Gegner Hitlers und Francos; er öffnete Mexiko für politisch Verfolgte und bot ihnen, insbesondere durch Arbeitserlaubnisse, eine Perspektive im Exil.
Wie unterschied sich der Integrationsverlauf zwischen den beiden Gruppen?
Während sich die Spanier langfristig in die mexikanische Gesellschaft integrierten und größtenteils im Land blieben, behielten die meisten deutschen Exilanten eine stärkere Distanz und kehrten nach Kriegsende überwiegend nach Deutschland zurück.
Warum blieb die Integration der deutschen Intellektuellen in Mexiko schwierig?
Neben der sprachlichen Barriere bildete die Konzentration auf deutschsprachige Organisationen eine Isolation von der mexikanischen Bevölkerung, was eine tiefgreifende gesellschaftliche Integration erschwerte.
- Citation du texte
- Selina Krebs (Auteur), 2020, Exilland Mexiko. Deutsche und spanische Emigranten im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1147625