Die Auseinandersetzung um die Entmythologisierung zwischen Rudolf Bultmann und Helmut Thielicke


Seminararbeit, 2001

40 Seiten, Note: 1,25


Leseprobe

Gliederung

1. Vorwort

2. Die Darstellung Bultmanns
2.1 Das Weltbild und Heilsgeschehen im Neuen Testament
2.2 Repristinierung des mythischen Weltbildes?
2.3 Mythologische Vorstellung und Wahrheit
2.4 Das Selbstverständnis des Menschen
2.4.1 Probleme, die aus dem neuen Selbstverständnis resultieren
2.5 Der Umgang mit dem Mythologischen
2.5.1 Das Wesen des Mythos
2.5.2 Das Neue Testament
2.6 Frühere Versuche der Entmythologisierung
2.7 Vollzug der Entmythologisierung
2.7.1 Das menschliche Sein ausserhalb des Glaubens
2.7.1.1 Grafik “Der Mensch ausserhalb des Glaubens”
2.7.2 Das menschliche Sein im Glauben
2.7.3 Christliches Seinsverständnis ohne Christus?
2.7.4 Das Christusgeschehen
2.7.4.1 Das Kreuz
2.7.4.2 Auferstehung
2.7.4.3 Das Wort

3. Helmut Thielicke
3.1 Umgang mit der Zwischenschicht
3.2 “Selbstverständnis” bei Bultmann
3.3 Die Konsequenzen
3.3.1 Die Philosophiewerdung der Theologie
3.3.2 Die Konsequenzen: Eliminierung des Geschichtlichen
3.4 Thielickes Lösungsversuch
3.4.1 Das mythologische als Denkform
3.4.2 Aufgaben
3.4.3 Wie gestaltet sich der Umgang?

4. Stellungnahme

5. Literaturverzeichnis

1. Vorwort

In meiner Arbeit, die sich mit der Problematik um die Entmythologisierung beschäftigt, versuche ich diese theologische Auseinandersetzung in der Verschiedenheit zwischen Rudolf Bultmann und Helmut Thielicke an Hand ihrer Publikationen[1] darzustellen. Hierbei kommt es mir auf das Verständnis des Programms der Entmythologisierung bei Bultmann an, sowie einer Darstellung des Thielickeschen Gedankengangs im Blick auf seine Kritik an Bultmann und seinem eigenen Lösungsversuch.

Meine Arbeit setzt sich aus zwei Hauptpunkten, den Darstellungen von Bultmann und Thielicke, sowie einer Stellungnahme zusammen. Die beiden Hauptpunkte gliedern sich in Unterpunkte, da so der Inhalt besser und übersichtlicher dargestellt werden kann. An zwei Stellen habe ich eine grafische Darstellung eingefügt, um das Vorangegangene nochmals zu verdeutlichen.

Auf die Antwort Rudolf Bultmanns an Helmut Thielicke, die im gleichen Band “Kerygma und Mythos I ” erschienen ist, werde ich in meiner Arbeit nicht eingehen. Es wäre sicher interessant gewesen, zu vergleichen, wie Bultmann auf Thielickes Aufsatz reagiert, und wie er mit der vorgetragenen Kritik umgeht. Ich bin nicht darauf eingegangen, weil der Schwerpunkt meiner Arbeit auf den jeweiligen Lösungsversuchen und der damit verbundenen Kritik Thielickes an Bultmann liegt.

Meine Ziele in dieser Arbeit lassen sich folgendermassen beschreiben:

- Die Unterschiede zwischen Bultmann und Thielicke zu erkennen und sie klar zu benennen;
- die Aufsätze als solche zu verstehen, sie kritisch zu hinterfragen und damit meinen eigenen Kenntnisstand zu erweitern und
- mich selbst in dieser Auseinandersetzung positionieren zu können.

2. Die Darstellung Bultmanns

2.1 Das Weltbild und Heilsgeschehen im Neuen Testament

“Das Weltbild des Neuen Testaments ist ein mythisches”[2], beginnt Bultmann seinen Aufsatz. Wie dieses Weltbild, die Vorstellung der Welt zu der Zeit des NT’s ist, führt Bultmann im folgenden Abschnitt aus. Demnach wird die Welt in drei Ebenen geteilt, die als Himmel, der “Wohnung Gottes und der himmlischen Gestalten, der Engel”[3], Erde und Unterwelt bezeichnet werden. Die Unterwelt “ist die Hölle, der Ort der Qual”[4]. Die Erde nimmt eine besondere Rolle ein. Auf ihr findet das “natürlich-alltägliche Geschehen”[5] statt, wobei dabei hinzu kommt, dass übernatürliche Kräfte wirken. Diese Kräfte greifen in das natürliche Leben ein; sie werden durch Gott und seine Engel, dem Satan und den Dämonen dargestellt. Alle diese Kräfte greifen in das Leben ein, oder haben zumindest die Möglichkeit in das natürliche Leben einzugreifen. “Dieser Äon steht unter der Macht des Satans”[6] und steht in einer Endzeiterwartung. Eine grosse Katastrophe, als Weltende wird dabei erwartet, ein “Kommen des himmlischen Richters, die Auferstehung der Toten”[7] und “das Gericht zum Heil oder Verderben”[8] gehen mit dieser Erwartung einher. So weit beschreibt Bultmann das Weltbild des NT und bezeichnet dieses als “ein mythisches”[9].

Nun leitet Bultmann zu dem Heilsgeschehen des NT über. Er verweist darauf, dass die Sprache des Heilsgeschehens eine mythologische ist “in mythologischer Sprache redet die Verkündigung”[10] und die Darstellung des Heilsgeschehens der Darstellung des Weltbildes entspricht. “Dem mythischen Weltbild entspricht die Darstellung des Heilsgeschehens”[11].

Dem Eingreifen der Mächte entspricht demnach die Sendung Gottes Sohnes durch Gott. Dieser Sohn stirbt durch den Kreuzestod, der für die Menschen eine besondere Bedeutung hat. “[er] schafft Sühne für die Sünden der Menschen”[12].

Die Auferstehung “ist der Beginn der kosmischen Katastrophe”[13]. Diese Auferstehung, so Bultmann, zerstört den Tod, zeigt, dass die dämonischen Kräfte (wie z. B. Sünde und Tod) ihre Macht verloren haben. Wenn der Tod überwunden ist, dann hat er konsequenterweise keine Macht mehr. Auf die Auferstehung folgt eine Naherwartung des Auferstandenen. Mit der Wiederkunft des Auferstandenen werden Totenauferstehung und Gericht verbunden. Diese beiden Elemente finden sich im mythischen Weltbild auch “Auferstehung der Toten, das Gericht zum Heil”[14].

Nun kommt aber die heilsgeschichtliche Erwartung. Die Gemeinde Christi ist durch die Taufe und das Herrenmahl mit Christus verbunden. Wenn sich die Gemeinde nun würdig verhält, so ist ihr das Heil sicher. Der Glaube hat den Geist, der die Auferstehung garantiert, zu Grunde

Fazit: Das Weltbild, das dem NT zugrunde liegt ist ein mythisches. Das Heilsgeschehen, das im NT dargestellt wird, bedient sich der mythologischen Sprache.

Die Frage, die sich nun stellt ist, ob dem heutigen Menschen das mythische Weltbild zugemutet werden kann.

2.2 Repristinierung des mythischen Weltbildes?

Dass die christliche Verkündigung in mythischer Sprache abgefasst ist, wurde im vorherigen Abschnitt deutlich. Sie befindet sich im Rahmen des mythischen Weltbildes, das für den heutigen Menschen nicht mehr zutreffend ist und damit für den Menschen “unglaubhaft”[15] wird. Offensichtlich wird nun ein Problem: Muss der Mensch das mythische Weltbild, das längst überholt ist, anerkennen, wenn er glauben will? Oder hat “die Verkündigung des NT eine Wahrheit”[16], die nicht an das mythische Weltbild gebunden ist?

Die Frage, ob der Mensch das mythische Weltbild anzuerkennen, zugemutet bekommen kann, beantwortet Bultmann ganz einfach “Das ist sinnlos und unmöglich”[17]. Sinnlos sei das Anerkennen, da das mythische Weltbild nicht spezifisch christlich ist und das Weltbild zu einer vergangenen Zeit gehört, die “noch nicht durch wissenschaftliches Denken geformt

ist”[18]. Die Unmöglichkeit des Anerkennens begründet Bultmann damit, dass ein Weltbild nicht durch einen Entschluss übernommen werden kann und ein Weltbild durch eine geschichtliche Situation gegeben ist. Daß ein Weltbild umgestaltet und verändert werden kann stellt Bultmann jedoch nicht in Frage; er erinnert dabei beispielsweise an die kopernikanische Entdeckung. Eine Übernahme eines älteren Weltbildes kommt somit für Bultmann nicht in Frage; dass jedoch Wahrheiten eines Weltbildes “wieder neu entdeckt werden”[19] ist möglich.

Fazit 1

Der Mensch kann nicht ein Weltbild für den Glauben bejahen, das er im restlichen Leben verneint. “Ein blindes Akzeptieren der neutestamentlichen Mythologie wäre Willkür”[20].

Fazit: Das neutestamentlich mythische Weltbild kann von dem heutigen Menschen nicht durch Entschluss übernommen und akzeptiert werden.

Das bedeutet aber nicht, daß man keine Wahrheiten entdecken könnte.

Damit steht der Mensch vor einem neuen Problem: Mythologische Vorstellung und Wahrheit!

2.3 Mythologische Vorstellung und Wahrheit

Bis zu diesem Punkt wurde verdeutlicht, dass das neutestamentliche Heilsgeschehen sich der mythischen Sprache bedient und das mythische Weltbild zu Grunde liegt. Dieses Weltbild kann der heutige Mensch jedoch nicht übernehmen. Wie kann der heutige Mensch dann die mythologische Vorstellung bekennen? Zu diesen Vorstellungen gehören Aussagen wie zum Beispiel “niedergefahren zur Hölle” und “aufgefahren in den Himmel”. Bultmann kommt hier auf den Begriff “Wahrheit”. “Ehrlich bekannt werden können solche Sätze nur, wenn es möglich ist, ihre Wahrheit von der mythologischen Vorstellung ... zu entkleiden – falls es eine solche Wahrheit gibt”[21]. Wenn die mythologischen Vorstellungen nun “entkleidet” werden und eine Wahrheit erscheinen soll, dann wird sofort deutlich, dass Himmel und Höllenfahrt Christi, Geister und Dämonenglaube für den heutigen Menschen “erledigt sind”[22].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Krankheiten haben dann nicht mehr die Ursache, dass Dämonen wirken, sondern Krankheiten haben natürliche Ursachen. Das hat erneut zur Folge, dass der heutige Mensch nicht an die Geister und Dämonen glauben kann, aber gleichzeitig “medizinische und klinische Mittel in Anspruch nehmen kann”.[23]

Auch hier wird der Widerspruch zwischen Religion und restlichem Leben deutlich. Wer in der Religion an Geister und Dämonen glaubt, sie als Ursache für Krankheiten sieht, der steht im restlichen Leben im Gegensatz dazu, da er dort von natürlichen Ursachen der Krankheit ausgeht.

Fazit: Das Selbstverständnis des Menschen hat sich verändert, wie das jedoch genauer aussieht, wird im Folgenden näher zu betrachten sein.

2.4 Das Selbstverständnis des Menschen

Das Selbstverständnis des im NT beschriebenen Menschen wurde schon im Kapitel “Das Weltbild und Heilsgeschehen im NT” angedeutet.

Der Mensch versteht sich als “eigentümlich geteilt”[24]. Auf der einen Seite ist der Mensch, der auf der Erde lebt und wirkt, auf der anderen Seite wirken in ihm fremde Mächte, die “in sein inneres Leben eingreifen könnten”[25]. Das Denken, Wollen und Handeln der Menschen sind damit von äusseren Kräften beeinflussbar. Der Mensch versteht sich selbst als ein von aussen beeinflussbares Wesen, das sich den Kräften oder Mächten nicht entziehen kann.

Davon unterscheidet sich der moderne Mensch entscheidend. Er versteht sich, und das ist der entscheidende Unterschied, “als ein einheitliches Wesen”.[26] Er hat dabei die Möglichkeit sich ganz als Natur oder ganz als Geist zu verstehen. Wichtig und entscheidend ist dabei, dass der moderne Mensch nicht mehr von extremen Mächten beeinflusst werden kann. Er versteht sich als ein Wesen, das sein Leben selber lenkt und organisiert (Autonomie).

Durch dieses neue Verständnis des Menschen ergeben sich natürlich Probleme des Verständnisses des Neuen Testaments für den Menschen, unabhängig davon, ob er sich als Naturalist oder Idealist versteht.

2.4.1 Probleme, die aus dem neuen Selbstverständnis resultieren

Bei beiden, dem Naturalisten und dem Idealisten, treten Verständnisschwierigkeiten auf. Beide Ausprägungen des modernen Menschen verstehen sich als einheitliche Wesen. Nun ergeben sich Schwierig- keiten im Verständnis dessen, “was das Neue Testament vom 'Geist' (pneu/ma) und von den Sakramenten sagt”[27].

Der Naturalist hat Schwierigkeiten mit dem “dass”. Er kann nicht verstehen, dass eine übernatürliche Kraft (der Geist) in ihn, ein einheitliches Wesen, eindringen und in ihm wirken kann. Ebenso wenig kann er bei den Sakramenten nachvollziehen, dass ihm zum Beispiel in der Taufe etwas mitgeteilt wird, oder ihm im Herrenmahl Kraft vermittelt wird.

“Der rein biologisch sich verstehende Mensch sieht nicht ein, daß überhaupt in das geschlossene Gefüge der natürlichen Kräfte ein übernatürliches Etwas... eindringen ... könne”[28].

Der Idealist hingegen hat Schwierigkeiten mit dem “wie”. “Der Idealist versteht nicht, wie ein als Naturkraft wirkendes pneu/ma seine geistige Haltung berühren und beeinflussen könne”[29].

Diese Unterscheidung zwischen Naturalist und Idealist spielt jedoch für das (theologische) Verstehen keine Rolle, da es sich dabei nur um “spezielle Ausprägungen moderner Weltanschauung”[30] handelt.

Entscheidend bei beiden ist, dass sie das Selbstverständnis haben, wonach sie sich “als geschlossene innere Einheit”[31] verstehen, “die dem Zugriff supranaturaler Mächte nicht offen steht”[32].

Der Tod als Strafe für die Sünde stellt sowohl den Naturalisten als auch den Idealisten vor dasselbe Problem. Sie können den Tod nicht als Strafe für die Sünde verstehen, da er für sie “ein einfacher und naturnotwendiger Vorgang”[33] ist.

Weitere Verstehensprobleme stellen sich für beide bei der “Lehre von der stellvertretenden Genugtuung durch den Tod Christi”[34] und Jesu “Auferstehung”.

Fazit: Der moderne Mensch hat massive Probleme beim Verstehen von “Geist”, “Tod als Strafe für Sünde”, dem “Stellvertretungstod Christi” und der “Auferstehung”. Die mythologische Sprache ist für den modernen Menschen ein Problem, da sich das Selbstverständnis und das Weltbild verändert haben.

Welche Aufgabe nun gestellt ist behandelt Bultmann in seinem zweiten Abschnitt des ersten Hauptteils.

2.5 Der Umgang mit dem Mythologischen

Rudolf Bultmann stellt die Frage, ob man mit “Destruktion der neutestamentlichen Mythologie”[35] gleichzeitig auch die Verkündigung des NT beseitigt. Er geht zumindest davon aus, dass man die Verkündigung des NT’s nicht durch “Auswahl oder Abstriche”[36] des Mythologischen erhalten kann. Eine ledigliche Reduktion des Mythologischen ist für Bultmann kein gangbarer Weg. Man kann, nach Bultmann, nicht einfach einzelne mythologische Aussagen ausstreichen. Auf eine unterschiedliche Betonung der mythologischen Aussagen kann man jedoch verweisen. “Man kann wohl darauf hinweisen, daß innerhalb des NT‘s nicht alle mythologischen Aussagen gleich betont sind”[37]. Das mythische Weltbild kann man jedoch “nur als ganzes annehmen oder verwerfen”[38].

Der Prediger hat die Pflicht dem Hörer zu sagen, was der Prediger eliminiert. Er muss sich, wenn er so verfährt dessen bewusst sein, was er tut. Für Bultmann ist die Eliminierung ein unvorstellbares Verfahren, da damit die Gültigkeit der Verkündigung nicht beibehalten wird. Er fordert eine Entmythologisierung der Verkündigung. “So gibt es gar keinen anderen Weg, als sie zu entmythologisieren”[39]. Eine Entmythologisierung ist dabei für Bultmann nicht der Weg um die Verkündigung “gegenwartsfähig”[40] zu machen. Eine Entmythologisierung zeigt, ob die Verkündigung des NT‘s wirklich nichts als Mythologie ist, oder ob die Entmythologisierung der Versuch die Verkündigung des NT‘s in “ihrer eigentlichen Absicht zu verstehen”, zur Eliminierung des Mythos führt.

Gefordert wird der Weg der Entmythologisierung durch das Wesen des Mythos und des NT‘s.

2.5.1 Das Wesen des Mythos

Der Mythos will, so Bultmann, nicht ein objektives Weltbild geben. Der Mythos drückt aus, wie sich der Mensch selbst in seiner Welt versteht. Das hat für die Interpretation natürlich Konsequenzen. “ Der Mythos will nicht kosmologisch, sondern anthropologisch – besser: existential interpretiert werden”[41].

Im Mythos wird von Mächten gesprochen, die der Mensch erfährt. Diese Mächte, die der Mensch erfährt, bezieht der Mythos in die bekannte Welt ein. So spricht der Mythos “vom Unweltlichen weltlich, von den Göttern menschlich”[42]. Im Mythos soll ausgedrückt werden, dass die bekannte Welt von unheimlichen Mächten beeinflusst wird. “Und in eins damit gibt der Mythos dem Wissen Ausdruck, daß der Mensch nicht Herr seiner selbst ist, daß er nicht nur innerhalb der bekannten Welt abhängig ist, sondern daß er vor allem von jenen jenseits des Bekannten waltenden Mächten abhängig ist”[43].

Das Problem des Mythos ist dabei, dass die Mächte des Jenseitigen durch die objektivierenden Aussagen Vorstellungen hervorrufen. Es geht im Mythos aber nicht darum, die Vorstellungen zu betrachten, sondern darum, dass in den objektivierten Aussagen der Mythos ein Existenzverständnis ausgedrückt werden soll. Es handelt sich auch aus diesem Grund um die Wahrheit des Existenzverständnisses, den der Glaube bejaht, nicht um die Vorstellungswelt.

Fazit: Der Mythos selbst fordert eine Entmythologisierung, da der Mythos keine objektiven Vorstellungen wiedergeben will, sondern ein Existenzverständnis ausdrücken will.

Im Mythos wird verdeutlicht, wie der Mensch sich im Spiel mit jenseitigen Kräften versteht.

2.5.2 Das Neue Testament

Nach Bultmann stellt das NT, wie das Wesen des Mythos, die Aufgabe der Entmythologisierung. Er verweist dabei darauf, dass in der neutestamentlichen “Vorstellungswelt einzelne Vorstellungen gedanklich unausgeglichen, ja einander widersprechend nebeneinander stehen”[44]. Den wichtigsten Widerspruch empfindet Bultmann jedoch in dem Verständnis des Menschen. So wird der Mensch “einerseits [] als kosmisches Wesen verstanden”,[45] er wird von Mächten, Dämonen usw. beherrscht und ist nicht Herr über sich selbst; “andererseits als ein selbständiges Ich, das in der Entscheidung sich gewinnen oder verlieren kann”[46]. Dieses Verständnis hat zur Folge, dass der Mensch doch über sich bestimmen kann und er damit Herr über sich selbst ist.

Fazit: Die Widersprüche, die im Neuen Testament zu finden sind fordern dazu auf, dass das NT entmythologisiert wird. Als weiteres Moment ist zu beobachten, dass im NT selbst schon Stellen entmythologisiert sind.

Die Forderung der Entmythologisierung ist also durch das Wesen des Mythos und des NT schon selbst gestellt. Versuche der Entmythologisierung gab es bereits.

[...]


[1] Rudolf Bultmann, “Neues Testament und Mythologie” in : Kerygma und Mythos I, Seite 15-48 Helmut Thielicke, “Die Frage der Entmythologisierung des Neuen Testaments” in: Kerygma und Mythos I, Seite 159-189.

[2] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 15, Zeile 1.

[3] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 15, Zeile 3.

[4] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 15, Zeile 4.

[5] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 15, Zeile 5.

[6] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 15, Zeile 15 f.

[7] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 15, Zeile 19.

[8] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 15, Zeile 19f.

[9] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 15, Zeile 1.

[10] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 15, Zeile 22.

[11] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 15, Zeile 21.

[12] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 16, Zeile 1.

[13] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 16, Zeile 1..

[14] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 15, Zeile 19.

[15] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 16, Zeile 16.

[16] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 16, Zeile 20.

[17] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 16, Zeile25.

[18] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 16, Zeile 27 f.

[19] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 17, Zeile 12 f.

[20] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 17, Zeile 18 f.

[21] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 17, Zeile 32 ff.

[22] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 17, Zeile 38.

[23] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 18, Zeile 13.

[24] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 19, Zeile 3.

[25] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 19, Zeile 4.

[26] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 19, Zeile 1.

[27] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 19, Zeile 16 f.

[28] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 19, Zeile 17 ff.

[29] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 19, Zeile 20 ff.

[30] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 19, Zeile 29.

[31] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 19, Zeile 39.

[32] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 19, Zeile 39.

[33] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 20, Zeile 2 f.

[34] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 20, Zeile 15 f.

[35] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 21, Zeile 16.

[36] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 21, Zeile 19.

[37] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 21, Zeile 23.

[38] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 21, Zeile 29 f.

[39] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 22, Zeile 6.

[40] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 22, Zeile 8.

[41] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 22, Zeile 16 f.

[42] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 22, Zeile 25.

[43] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 22, Zeile 30 – Seite 23, Zeile 1.

[44] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 23, Zeile 13 f.

[45] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 23, Zeile 28.

[46] R. Bultmann, “Neues Testament und Mythologie”, Seite 23, Zeile 29 f.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Die Auseinandersetzung um die Entmythologisierung zwischen Rudolf Bultmann und Helmut Thielicke
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Sytematische Theologie)
Veranstaltung
Seminar Sola scriptura
Note
1,25
Autor
Jahr
2001
Seiten
40
Katalognummer
V114772
ISBN (eBook)
9783640175215
ISBN (Buch)
9783640175246
Dateigröße
604 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Auseinandersetzung, Entmythologisierung, Rudolf, Bultmann, Helmut, Thielicke, Seminar, Sola, Mythos, Kerygma, Scriptura, Auslegung, Schriftverständnis., Bibelauslegung, Weltbild
Arbeit zitieren
Diplom Theologe Sascha Ralf-Herbert Pracher (Autor), 2001, Die Auseinandersetzung um die Entmythologisierung zwischen Rudolf Bultmann und Helmut Thielicke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114772

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