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Biopolitik während der Corona-Pandemie. Erst Ausnahmezustand, dann Totalitarismus?

Title: Biopolitik während der Corona-Pandemie. Erst Ausnahmezustand, dann Totalitarismus?

Term Paper , 2021 , 13 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Niklas Pernat (Author)

Cultural Studies - Basics and Definitions
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Während das Coronavirus den Kultursektor in seiner Praxis weitestgehend lahmgelegt hat, ist auch die Kulturtheorie nicht von einer Krise ausgenommen. In der Fakultät für Kulturwissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg wurde im Wintersemester 20/21 im Rahmen einer Vorlesungsreihe die Frage „Was wird Corona gewesen sein?“ aufgeworfen. Das Studieren biopolitischer Machtstrukturen stellte hierbei einen Teil der vorgestellten Analyseverfahren der Corona-Situation dar.

Ziel dieser Arbeit ist es, zu beleuchten, ob und in welchem Ausmaß etwaige Strukturen während der Pandemie weiter ausgebaut worden sind. Dies ist zunächst unabhängig davon zu betrachten, ob die neuen Dimensionen politischer Körper im Corona-Ausnahmezustand gerechtfertigt sind oder nicht. Vielmehr geht es darum, was für Gesellschaftsdispositive durch so einen Zustand ausgebaut oder gar erst hervorgebracht werden. Pionierarbeiten in technisierte Welten und der Ausbau digitaler Infrastruktur haben sich als ein herausstechendes Merkmal der Lockdown-Gesellschaft und dem Leben mit der Pandemie herauskristallisiert. Sie bilden daher den Kern dieser Arbeit.

Aus soziologischer Sichtweise wirft diese Untersuchung darüber hinaus auch die Frage nach neuen Formen sozialen Zusammenlebens und sozialer Klassen auf, weshalb sie auch die Kritik einer politischen Linken mit einem biopolitischen Pessimismus in Kontrast setzt, um schließlich zu klären, welche gesellschaftlichen Gefahren der Ausnahmezustand der Corona-Pandemie und eine parallel stattfindende Technisierung der Welt in sich birgt. Besonderes Augenmerk wird dabei auf das neue Potential des Bereichs der Kybernetik gerichtet, welcher gerade dabei ist, seine Märkte für Kontroll-, Sicherheits- und Überwachungstechnologien auszubauen. Mit dem Fazit dieser Arbeit soll schließlich ein Ausblick gebildet werden, wie zum einen Biopolitik und zum anderen die Nutzung der Technik gegen den Menschen, überwunden werden kann. Hierfür eignet sich Rosi Braidottis Philosophie des Posthumanismus besonders gut zur Veranschaulichung eines optimistischen Wegs aus der Krise.

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Inhaltsverzeichnis

1 Ausnahmezustand Corona

2 Pharmapornografie und die instrumentelle Vernunft

3 Eine humanitäre Krise

4 Jenseits der Krise

Zielsetzung & Themen

Diese Hausarbeit untersucht die biopolitischen Machtstrukturen während der Corona-Pandemie und analysiert, inwieweit der Ausnahmezustand zur Etablierung neuer Überwachungs- und Kontrollmechanismen geführt hat, wobei der Fokus auf der Rolle der Technisierung und der Kybernetik liegt.

  • Analyse biopolitischer Machtstrukturen im Ausnahmezustand
  • Einfluss der Technisierung und Kybernetik auf die Gesellschaft
  • Kritik an Überwachungs- und Kontrolltechnologien
  • Perspektiven des Posthumanismus als Weg aus der Krise

Auszug aus dem Buch

1. Ausnahmezustand Corona

Auch wenn Giorgio Agamben mit seinem ersten Essay zum Corona-Ausnahmezustand 2020 die Corona-Epidemie noch als frei erfunden darstellte (was er später jedoch zurücknahm) und eindringlich vor einem totalitaristischen Zeitalter warnte, ist seine Zusammenfassung der gesellschaftlichen Einschränkungen keineswegs zugespitzt. Sie stellt einzig und allein die nüchternen Fakten des Ausnahmezustandes und der Freiheitsbeschränkung zusammen. Äußerst drastisch lesen sich hierbei selbstverständlich die Bewegungsbeschränkungen innerhalb italienischer Regionen, die zu dieser Zeit verhängt wurden. Auch wenn eine solche Bewegungsbeschränkung nicht überall zutraf, sind Agambens weitere Punkte in weiten Teilen der Welt ausnahmslos zur Normalität geworden.

Agamben möchte mit seiner Darstellung vor allem auf die Produktion politischer Körper durch das Machtsouverän des Ausnahmezustandes aufmerksam machen. Seine Figur des nackten Lebens, die Figur der Zoé, der homo sacer bildet den neuen politischen Körper. Er veranschaulicht seine eigene Theorie par excellence, indem die Ausnahme zur Regel wird und das nackte Leben mit dem politischen zusammenfällt. Agamben hat mit diesem Vorgang die ursprüngliche Leistung der souveränen Macht weitergedacht, die im Falle einer ernstzunehmenden Pandemie durchaus gerechtfertigt scheint. Die Tatsache, dass der Ausnahmezustand aber der Staatsmacht in die Hände spielt, lässt zu bedenken, ob jene nicht beabsichtigt haben könnte, den ursprünglichen Ausnahmezustand als normales Regierungsparadigma zu etablieren. Ob Agamben jeden Ausnahmezustand verdächtigen würde ist nicht zu beantworten. Allerdings scheint ihm die Frage nach der Rechtfertigung in der Corona-Pandemie obsolet zu sein.

Dass das Coronavirus gefährlich ist, führt aber auch dazu, dass sein Ausnahmezustand als Schutzmechanismus fungiert. An dieser Stelle lässt sich der Kreis mit biopolitischer Theorie schließen. Roberto Esposito benennt die » Schwelle, an der das Souveränitätsparadigma in das biopolitische Paradigma übergeht « als den Moment der Legitimation von Macht durch Schutz. Die Angst vor der Möglichkeit der Krankheit definiert die biopolitischen Grenzen der Abschottung und Kontrolle.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Ausnahmezustand Corona: Dieses Kapitel analysiert anhand von Giorgio Agambens Überlegungen die Einschränkungen während der Pandemie als Ausdruck biopolitischer Machtstrukturen, bei denen die Ausnahme zum neuen Normalzustand wird.

2 Pharmapornografie und die instrumentelle Vernunft: Hier wird der Wandel zu digitalen Gesellschaftsformen untersucht, wobei Paul B. Preciados Konzept der „cyber-techno-pharmapornografischen“ Verwaltung und die instrumentelle Vernunft nach Adorno und Horkheimer kritisch beleuchtet werden.

3 Eine humanitäre Krise: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle der Kybernetik und deren Potenzial als Kontroll- und Steuerungsmechanismus im Kontext der Pandemie, ergänzt um eine Kritik an den Machtverhältnissen und Klassenkämpfen.

4 Jenseits der Krise: Das abschließende Kapitel diskutiert alternative Wege durch posthumanistische Ansätze nach Rosi Braidotti, um die Biopolitik zu überwinden und eine emanzipatorische Nutzung der Technik zu ermöglichen.

Schlüsselwörter

Biopolitik, Corona-Pandemie, Ausnahmezustand, Giorgio Agamben, Kybernetik, Machtstrukturen, Posthumanismus, Rosi Braidotti, Überwachung, Kontrolle, Instrumentelle Vernunft, Zoépolitik, Gesellschaftsdispositive, Technisierung, Immunität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die biopolitischen Auswirkungen und Machtstrukturen, die durch den pandemiebedingten Ausnahmezustand sowie durch technologische Entwicklungen und die Kybernetik hervorgebracht wurden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den zentralen Feldern gehören die Untersuchung des staatlichen Ausnahmezustands, die Rolle digitaler Infrastrukturen, die Kritik an Überwachungstechnologien und die philosophische Auseinandersetzung mit posthumanistischen Gegenentwürfen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es zu beleuchten, in welchem Ausmaß biopolitische Strukturen während der Pandemie ausgebaut wurden und welche Gefahren die Technisierung der Welt in Verbindung mit dem Ausnahmezustand birgt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse kulturwissenschaftlicher und philosophischer Diskurse, insbesondere unter Einbeziehung von Autoren wie Giorgio Agamben, Rosi Braidotti, sowie Adorno und Horkheimer.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die theoretische Einordnung des Ausnahmezustands, die Mechanismen der digitalen und pharmazeutischen Kontrolle sowie die kybernetischen Steuerungsaspekte der modernen Krisenbewältigung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Biopolitik, Ausnahmezustand, Posthumanismus, Kybernetik, Macht, Kontrolle und digitale Gesellschaft geprägt.

Wie unterscheidet sich Agambens Konzept des nackten Lebens von Braidottis Zoé-Ethik?

Während Agamben den Ausnahmezustand und das „nackte Leben“ als ein Symptom der Souveränitätsmacht und der Unterwerfung beschreibt, schlägt Braidotti eine „Zoé-Ethik“ vor, die Leben und Technik jenseits dieser negativen Machtstrukturen neu und optimistisch definiert.

Welche Rolle spielt die Kybernetik für das Autorenkollektiv Tiqqun in diesem Kontext?

Das Kollektiv Tiqqun betrachtet die Kybernetik als ein System, das soziale Experimente zur Schaffung einer kontrollierbaren Idealgesellschaft durchführt und dabei in direktem Widerspruch zum lebenden Individuum steht.

Inwieweit wird der technologische Fortschritt in der Arbeit bewertet?

Der technologische Fortschritt wird ambivalent betrachtet: Er wird einerseits als Instrument der Kontrolle und Unterwerfung kritisiert, andererseits wird – etwa im Sinne von Braidotti oder Tiqqun – gefragt, wie Technisierung jenseits biopolitischer Profitinteressen emanzipatorisch genutzt werden kann.

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Details

Title
Biopolitik während der Corona-Pandemie. Erst Ausnahmezustand, dann Totalitarismus?
College
Leuphana Universität Lüneburg
Course
Grundbegriffe der Biopolitik
Grade
1,3
Author
Niklas Pernat (Author)
Publication Year
2021
Pages
13
Catalog Number
V1147863
ISBN (eBook)
9783346527950
ISBN (Book)
9783346527967
Language
German
Tags
biopolitik agamben corona krise kontrollgesellschaft georg orwell foucault Totalitarismus Ausnahmezustand pandemie kontrolle theorie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Niklas Pernat (Author), 2021, Biopolitik während der Corona-Pandemie. Erst Ausnahmezustand, dann Totalitarismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1147863
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