Das Essay beschäftigt sich mit der Darstellung homosexueller Liebe im israelischen Queer Cinema im Bezug zur heterosexuellen Gesellschaft Israels. Israel ist keine große Filmnation. Das Land produziert kaum zwei Dutzend Kinofilme im Jahr. Umso interessanter ist es, dass dabei alle paar Jahre spannende Filme mit schwuler, lesbischer und queerer Thematik entstehen, die auf Festivals große Erfolge feiern, von der Kritik gelobt und vom Publikum geliebt werden.
Stammvater des israelischen Queer Cinema ist Eytan Fox, der mit Yossi & Jagger, Walk on Water und The Bubble viel beachtete "Homohits" gedreht hat und so zum vielleicht bekanntesten Filmemacher seines Heimatlandes wurde. Doch bevor die Thematik der Homosexualität im israelischen Queer Cinema aufgezeigt werden kann, muss vorher erläutert werden, was man überhaupt unter "(New) Queer Cinema" verstehen kann.
Inhaltsverzeichnis
1 QUEER CINEMA
2 HOMOSEXUALITÄT IN ISRAEL
2.1 ORTHODOXE HOMOPHOBIE IN „EYES WIDE OPEN”
3 WAHRE MÄNNLICHKEIT
3.1 MILITÄRISCHE MÄNNLICHKEIT IN „YOSSI & JAGGER“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung homosexueller Liebe im israelischen Queer Cinema unter besonderer Berücksichtigung des Spannungsfeldes zur heterosexuellen, von traditionellen Normen geprägten israelischen Gesellschaft. Anhand der Filme „Yossi & Jagger“ und „Eyes Wide Open“ wird analysiert, wie diese Werke gesellschaftspolitische Machtstrukturen, religiöse Vorurteile und hegemoniale Männlichkeitsbilder widerspiegeln und hinterfragen.
- Grundlagen des Begriffs (New) Queer Cinema
- Entwicklung der rechtlichen und sozialen Akzeptanz von LGBTQI*-Personen in Israel
- Konflikt zwischen religiös-orthodoxer Tradition und homosexueller Identität
- Konstruktion von hegemonialer und militärischer Männlichkeit in der Filmkunst
- Symbolik und filmische Darstellung von Unterdrückung und Subkultur
Auszug aus dem Buch
3.1 Militärische Männlichkeit in „Yossi & Jagger“
Einer der bekanntesten schwulen Regisseure ist Eytan Fox, der mit der Liebesgeschichte von „Yossi und Jagger“, nicht nur das Tabu Homosexualität zum zentralen Thema eines Spielfilms machte, sondern auch noch dadurch zuspitzte, dass es um schwule Liebe unter Soldaten der israelischen Armee ging.
Der Film spielt in der israelischen Armee am Außenposten der libanesischen Grenze und erzählt die Geschichte vom pflichtbewussten Oberleutnant Yossi und seinem lebenslustigen junger Untergebenen, Leutnant Jagger. Beide sind heftig in einander verliebt, müssen ihre Liebe allerdings geheim halten. Obwohl bei den Israelischen Streitkräften Homosexualität an sich kein Problem mehr ist, würde eine Beziehung unter zwei Offizieren der gleichen Einheit unweigerlich zur Auseinanderversetzung der beiden führen, da durch den Einsatz in einer Einheit ihre Urteilsfähigkeit beeinträchtigt werden könnte. Indessen hofft Jagger, dass Yossi mit ihm ein neues Leben außerhalb der Armee beginnen wird, wenn Jagger seinen Pflichtdienst beendet hat. In der verschneiten Hügellandschaft scheint dann kein Halten für die beiden zu geben. Sie lieben sich im Schnee und vergessen ihre raue Umgebung. Doch der Krieg holt die beiden grausam ein.
Um den Film entsprechend verstehen zu können, muss man auch den Umgang mit männlichen Körpern im Zionismus und die Inszenierung von maskuliner Männlichkeit im Militär beleuchten und berücksichtigen. Militärische Ideale und Tugenden waren und sind noch teilweise Bestandteile für die israelische Gesellschaft. Diese jeweiligen Ideale und Tugenden sind männlich konnotiert, etwa Kraft, stärke Wehrhaftigkeit und Kampfbereitschaft, wobei der (männliche) Körper bei der Ausübung dieser ideal und Tugenden eine wesentliche Rolle spielt. Infolgedessen handelt es sich um ein hegemoniales Männlichkeitsbild, also ein hegemoniales Ideal des männlichen Kämpfers oder Kriegers. Hier wurde also das zionistische Männlichkeitsbild hervorgehoben. Der Zionismus wurde als ein Heilmittel für die jüdische Geschlechtskrankheit, sowie für die wirtschaftlichen, politischen und nationalen Probleme des jüdischen Volkes verstanden. Diese Bewegung zielte darauf ab, das Bild des Diaspora-Juden zu negieren und gleichzeitig einen „neuen Juden“ zu erschaffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 QUEER CINEMA: Einführung in die Definition und historische Entwicklung des „(New) Queer Cinema“ und dessen Bedeutung als Ausdruck von Freiheit gegenüber binären Strukturen.
2 HOMOSEXUALITÄT IN ISRAEL: Analyse der sozio-politischen Entwicklung in Israel, inklusive der rechtlichen Verbesserungen für die LGBTQI*-Community und der anhaltenden Spannungen durch religiöse Strömungen.
2.1 ORTHODOXE HOMOPHOBIE IN „EYES WIDE OPEN”: Untersuchung der Darstellung von Coming-out-Problemen und Diskriminierung innerhalb der ultraorthodoxen jüdischen Gemeinschaft durch das Fallbeispiel des Films.
3 WAHRE MÄNNLICHKEIT: Theoretische Auseinandersetzung mit dem Konzept der hegemonialen Männlichkeit nach Connell und deren Bedeutung für Machtstrukturen und Geschlechterrollen.
3.1 MILITÄRISCHE MÄNNLICHKEIT IN „YOSSI & JAGGER“: Analyse des zionistischen Männlichkeitsideals am Beispiel der israelischen Armee und der filmischen Inszenierung von schwuler Liebe unter soldatischen Bedingungen.
Schlüsselwörter
Queer Cinema, Israel, Homosexualität, Männlichkeit, Hegemoniale Männlichkeit, Yossi & Jagger, Eyes Wide Open, LGBTQI*, Orthodoxes Judentum, Zionismus, Filmwissenschaft, Diskriminierung, Coming-out, Identität, Militär
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Repräsentation von homosexueller Liebe in israelischen Filmen und setzt diese in den Kontext der gesellschaftlichen Realität Israels.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte des israelischen Queer Cinema, die rechtliche und soziale Situation von queeren Menschen in Israel sowie soziologische Männlichkeitskonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie israelische Filme als Medium dienen, um gesellschaftliche Normen, religiöse Widerstände und binäre Geschlechtervorstellungen kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Arbeit nutzt eine filmwissenschaftliche und kulturtheoretische Analyse, ergänzt durch soziologische Fachliteratur zur Männlichkeitskonstruktion.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zu Queer Cinema und Männlichkeit sowie die Analyse der beiden Fallbeispiele „Yossi & Jagger“ und „Eyes Wide Open“.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Besonders prägend sind die Begriffe Queer Cinema, hegemoniale Männlichkeit, Zionismus, religiöse Homophobie und israelische Identität.
Wie steht das Judentum im Text zur Homosexualität?
Die Arbeit beleuchtet die Spannungen zwischen ultraorthodoxen Strömungen, die Homosexualität ablehnen, und dem Reformjudentum, das offener mit sexueller Diversität umgeht.
Welche Rolle spielt das Militär für das Männlichkeitsbild in den analysierten Filmen?
Das Militär wird als Symbol für hegemoniale Männlichkeit dargestellt; es fungiert als Identitätsmarker, der jedoch im Falle von Yossi und Jagger mit der gelebten Homosexualität in Konflikt gerät.
Wie endet die Beziehung der Protagonisten in „Yossi & Jagger“ laut Analyse?
Die Arbeit analysiert, dass die „schwule Liebe“ im Kontext des Militärs oft keine gesellschaftliche Anerkennung finden kann, was sich filmisch in einem tragischen Ende äußert.
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- Michaela Kahler (Author), 2020, Homosexuelle Liebe im israelischen Queer Cinema im Bezug zur heterosexuellen Gesellschaft Israels. Am Beispiel von "Yossi & Jagger" und "Eyes Wide Open", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1148113