Homosexuelle Liebe im israelischen Queer Cinema im Bezug zur heterosexuellen Gesellschaft Israels. Am Beispiel von "Yossi & Jagger" und "Eyes Wide Open"


Essay, 2020

10 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Queer Cinema

2 Homosexualität in Israel
2.1 Orthodoxe Homophobie in „Eyes Wide Open”

3 Wahre Männlichkeit

3.1 Militärische Männlichkeit in „Yossi & Jagger“

4 Literaturverzeichnis

1 Queer Cinema

Israel ist keine große Filmnation. Das Land produziert kaum zwei Dutzend Kinofilme im Jahr. Umso interessanter ist es, dass dabei alle paar Jahre spannende Filme mit schwuler, lesbischer und queerer Thematik entstehen, die auf Festivals große Erfolge feiern, von der Kritik gelobt und vom Publikum geliebt werden. Stammvater des israelischen Queer Cinema ist Eytan Fox, der mit Yossi & Jagger, Walk on Water und The Bubble viel beachtete „Homohits“ gedreht hat und so zum vielleicht bekanntesten Filmemacher seines Heimatlandes wurde. Doch bevor die Thematik der Homosexualität im israelischen Queer Cinema aufgezeigt werden kann, muss vorher erläutert werden, was man überhaupt unter „(New) Queer Cinema“ verstehen kann.

Das Wort „queer“ wurde im englischen Sprachraum, ebenso wie das Wort schwul im deutschen, als Schimpfwort gebraucht, mit dem vornehmlich Schwule, aber auch andere, die von den heteronormativen Regeln abweichen, bedacht wurden. Der Begriff "queer" hat sich nun zu einem Oberbegriff entwickelt, der eine Reihe von nicht-normativen, sexuellen und geschlechtsspezifischen Identitäten bezeichnet, darunter zählen Schwule, Lesben, Bisexuelle, Transvestiten, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle. Manche finden auch, dass polyamor L(i)ebende, also Menschen, die im Einverständnis aller Beteiligten mit mehr als einer Person in Liebesbeziehung(en) sind oder sein wollen, ebenfalls queer sind. Auch BDSM zählen manche zum Queer-Konzept dazu.1 Im Laufe der 1980er und 1990er Jahre, vor allem während der AIDS-Krise, gelang es den so Bezeichneten, das Wort im öffentlichen Diskurs einer Neubewertung zu unterziehen, als sogenanntes Geusenwort zu benutzen und politisch positiv zu besetzen, indem sie das Wort als Selbstbezeichnung verwenden. Infolgedessen hatten sie die Möglichkeit die negative Seite von „queer" zu entfernen, aber dennoch auch auf die jahrelange Form der Beleidigung ihnen gegenüber aufmerksam zu machen.2 Zusätzlich meint „queer“ eine Unabgeschlossenheit und eine Ablehnung bzw. Nichtakzeptanz, sowohl von binären Strukturen, als auch von festen Kategorien.3

(New) Queer Cinema wiederum verhandelt mögliche theoretische Konflikte, die durch die Begriffe "schwul" und "lesbisch" gegenüber "queer" gekennzeichnet sind, indem es seine Diskussion in die historischen Kontexte einbettet, aus denen diese Begriffe überhaupt entstanden sind.4 Die Filmtheoretikerin B. Ruby Rich prägte den Begriff. Ein wichtiges Element des New Queer Cinema war die Selbstidentifikation ihrer/seiner Filmemacher*innnen als schwul, lesbisch und/oder queer. Queer Cinema ist ein Ausdruck von Freiheit. Homosexualität wird in den Filmen als selbstverständlich wahrgenommen und nicht für eine heterosexuelle Zuseherschaft erklärt. Den Filmemachern geht es nicht um eine ausschließlich positive, politisch korrekte Darstellung von Schwulen und Lesben, sondern Klischees und Vorurteile über Homosexualität werden angeeignet und reklamiert, queere Subkultur und Ablehnungdes Mainstreams wird gefeiert. Weiters zielt das Queer Cinema darauf ab, gesellschaftlich verankerte Genrekonventionen, Repräsentationsmuster und politische Tatsachen zu hinterfragen und so zusätzlich Alternativen zu entwerfen. 5 Doch wie schaut dies in Israel aus?

2 Homosexualität in Israel

Seit Israel das homofreundlichste Land im gesamten Nahen Osten geworden ist, und Tel Aviv zu einer der spannendsten queeren Szenen weltweit wurde, stieg auch die Popularität vom israelischen Queer Cinema an. Doch diese Offenheit gab es nicht immer, denn in der Anfangszeit Israels 1948 herrschten noch die Sodomiegesetze der britischen Mandatszeit, welches zu dieser Zeit unter anderem alle Sexualpraktiken zusammenfasste, die nicht zum heterosexuellen Geschlechtsverkehr passten, wobei es insbesondere der Brandmarkung homosexueller Handlungen diente. Diese Strafgesetze wurden in Israel nie sanktioniert, aber erst in den 1980er Jahren abgeschafft.6 So stellt sich wiederum die Frage: Wie ist Israel zu dem heutigen homofreundlichen Land geworden und wie äußert sich die israelische Gesellschaft gegenüber homosexueller Liebe in der Öffentlichkeit und in Filmen?

In den 1980er Jahren begann langsam ein Wertewandel der israelischen Gesellschaft und mit ihnen auch eine stetige Veränderung der israelischen politischen Situation. Doch ein Coming-Out erwies sich weiterhin als eine Schwierigkeit und Herausforderung, denn der Fokus des israelischen Staates lag noch immer auf Familie und Kinder.7 Eine deutliche Verbesserung der Situation und der gesellschaftlichen Anerkennung erlebte die LGBTQI*-Community in den 1990er Jahren. So wurde etwa 1992 ein Diskriminierungsverbot verabschiedet, dass Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund sexueller Orientierung bestraft. Seit 1993 hatte die homosexuelle Gemeinschaft in Yael Dayan, Parlaments-Abgeordnete für die sozialdemokratische Awoda und Tochter des berühmten Generals Moshe Dayan, eine aktive Fürsprecherin. Sie organisierte 1993 im Knesset, dem Einkammerparlament des Staates Israel, eine Konferenz zu Gay Rights in Israel. Durch ihre Arbeiten hat sie dazu beigetragen, dass die Anliegen der LGBTQI*-Community in die israelische Öffentlichkeit gerückt wurde und folglich über die alltäglichen Probleme dieser diskutiert wurden.8 Internationale Aufmerksamkeit erhielt die israelische LGBT-Community 1998 durch den Sieg der transsexuellen Dana International beim Eurovision Song Contest im Jahr 1998. Durch ihre Teilnahme und ihren Sieg sollte auf die notwendige Akzeptanz von LGBTQ-Anliegen in der Öffentlichkeit aufmerksam gemacht werden. Zusätzlich erzielte sie, dass die politischen Forderungen von Transgender-Personen zu den Forderungen der LGBTQI*-Bewegung hinzugefügt werden konnte. Dana International erhielt durch ihren Erfolg beim Eurovision Song Contest 1998 Glückwunschbekundungen des Premierministers und wurde Ehrenmitglied der Knesset. Allerdings bekam sie nicht von allen Seiten Zuspruch. Ihre Teilnahme sorgte in ihrem Heimatland für Widerstand in religiösen Kreisen, vor allem von strenggläubigen Juden, die forderten, einen konservativeren Beitrag in den Wettbewerb zu entsenden.9

[...]


1 Barbara Mennel, Queer Cinema. Schoolgirls, Vampires, and Gay Cowboys, London/New York : Wallflower Press 2012, S. 3.

2 Harry Benshoff/Sean Griffin, „General introduction”, Queer Cinema. The Film Reader, hg. v. Harry Benshoff/Sean Griffin, New York [u.a.]: Routledge 2004, S. 1-16, hier: S. 4-5.

3 Dagmar Brunow/Simon Dickel, „Vorwort“, Queer Cinema, hg. v. Dagmar Brunow/Simon Dickel, Mainz: Ventil 2018, S. 7-16, hier: S. 8.

4 Mennel, Queer Cinema, S.3.

5 Brunow/Dickel, „Vorwort“, S.8.

6 Sarah Pohl, "Rechtliche Situation", Queer in Israel, hg. v. Nora Pester, Berlin: Hentrich & Hentrich 2018 , S. 22-27, hier: S.22.

7 Ursula Raberger, Israelischer queerer Film, Wien: Zaglossus 2015, S. 69-70.

8 Raberger, Israelischer queerer Film, S.70-71.

9 a.a.O., S. 75.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Homosexuelle Liebe im israelischen Queer Cinema im Bezug zur heterosexuellen Gesellschaft Israels. Am Beispiel von "Yossi & Jagger" und "Eyes Wide Open"
Hochschule
Universität Wien
Veranstaltung
VO Israeli LGBTQI Cinema - Lecture and Film Series
Note
1.0
Autor
Jahr
2020
Seiten
10
Katalognummer
V1148113
ISBN (eBook)
9783346535795
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Homsexualität, Heterosexuality, Gay, schwul, Film, Yossi & Jagger, Eyes wide open, Israel, queer, cinema, männlichkeit, homophobie
Arbeit zitieren
Michaela Kahler (Autor:in), 2020, Homosexuelle Liebe im israelischen Queer Cinema im Bezug zur heterosexuellen Gesellschaft Israels. Am Beispiel von "Yossi & Jagger" und "Eyes Wide Open", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1148113

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