Der Fokus dieser Arbeit liegt auf dem Leben in einer Familie mit einem alkoholabhängigen Elternteil und den Fragen, ob sich dieses Leben negativ auf die Entwicklung von Kindern zwischen dem dritten und dem vollendeten zwölften Lebensjahr auswirkt, ob sie unter den Auswirkungen leiden und welche Unterstützungsmöglichkeiten für sie bereitstehen. Es findet weiterhin ein kurzer Exkurs in das Leben erwachsener Kinder von Alkoholikern (EKA) statt.
In dieser Arbeit werden vorhandene literarische Ansätze zusammengeführt und gegenübergestellt, die das Bewusstsein aller Beteiligten für Kinder aus alkoholbelasteten Familien schärfen sollen. Stereotype Gedanken an Krankheitsbilder, wie beispielsweise ADHS oder eine schlechte Erziehung, sollen vor diesem Hintergrund künftig unter dem Aspekt, ob eventuell eine elterliche Erkrankung dahinterstehen kann, kritisch überdacht werden. Weiterhin werden Problemfelder im vorhandenen Hilfesystem für Kinder von Alkoholikern (KvA) aufgedeckt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vom Konsum zur Sucht
2.1. Geschichte des Alkohols
2.2. Alkoholkonsum – Zahlen und Fakten
2.3. Alkoholmissbrauch – Konsum mit Folgen
2.4. Alkoholabhängigkeit – Ein Überblick
3. Rollenverteilung in einer alkoholbelasteten Familie
3.1. Alkoholabhängiger Elternteil
3.2. Co-abhängiger Elternteil
3.3. „Vergessene Kinder“
4. Auswirkungen auf das Kindeswohl
4.1. Entwicklungsstörungen
4.1.1. Intelligenz
4.1.2. Sprache
4.1.3. Weitere kognitive Leistungen
4.2. Verhaltensstörungen
4.2.1. Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität
4.2.2. Störung des Sozialverhaltens
4.2.3. Auffälliges Verhalten
4.2.4. Ängste und Depressionen
4.2.5. Somatische und psychosomatische Störungen
4.3. Schwierigkeiten in der Sozialkompetenz
4.3.1. Interpersonelle Problemlösungskompetenz
4.3.2. Soziale Interaktion und Beziehungsgestaltung
4.4. Seelische Auswirkungen
4.4.1. Ich-Gefühl
4.4.2. Eigene Emotionen
4.4.3. Vernachlässigung und Misshandlung
4.4.4. Vertrauen
4.4.5. Selbstwert
4.5. Exkurs ins Erwachsenenalter
5. Unterstützung für Kinder
5.1. Amtliche Maßnahmen
5.2. Soziales Hilfesystem
5.3. Therapeutische Hilfen
6. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die negativen Auswirkungen des Aufwachsens in einer alkoholbelasteten Familie auf Kinder im Alter zwischen drei und zwölf Jahren. Ziel der Arbeit ist es, die bestehende Literatur zusammenzuführen und gegenüberzustellen, um das Bewusstsein für die Lebenssituation dieser Kinder zu schärfen und Problemfelder im aktuellen Hilfesystem aufzudecken.
- Psychosoziale Auswirkungen elterlicher Alkoholabhängigkeit auf die kindliche Entwicklung.
- Analyse rollentypischer Bewältigungsstrategien von Kindern in Suchtfamilien.
- Zusammenhang zwischen elterlichem Suchtverhalten und kindlichen Verhaltens- sowie Entwicklungsstörungen.
- Evaluierung bestehender amtlicher, sozialer und therapeutischer Hilfsangebote für betroffene Kinder.
Auszug aus dem Buch
3.3. „Vergessene“ Kinder
„Wenn Leute sagen, ihre Kinder nehmen keinen Schaden durch diese Sucht, dann ist das nicht wahr. Weil das Kind sich ausrichtet in seinem Verhalten, ausrichten muß. Das ist lebensnotwendig. Auf einen schlechtgelaunten Vater kannst du dich einstellen, nicht so einfach, aber du lernst nach einer Weile, wie du mit ihm umzugehen hast, ohne zuviel anzuecken. Das ist weitgehend <berechenbar>. Das kannst du nicht bei einem Suchtkranken, weil der ja unberechenbar ist, mal ganz lieb. Du kannst mit ihm reden, plötzlich wird er wütend, hat am nächsten Tag alles vergessen. Diese Unberechenbarkeit ist für das Kind das Schlimmste. Alles ist unberechenbar, die Mutter auch in meinem Fall. Denn ihr Verhalten richtete sich ja nach dem Hauptproblem: mein Vater. Und der sowieso. Ja, und dann guckst du dich um, und dann siehst du zu, dass du da durchkommst. Kinder, wie auch immer sie sich verhalten, sind ständig in Gefahr anzuecken. Wenn sie sich nun gar nicht verhalten, dann kann ja nichts passieren!
Sie merken sich, daß der Alkoholiker unheimlich stimmungsabhängig ist. Nur, er ist ja nicht kalkulierbar, nicht beeinflußbar. Und das bekommen Kinder auf jeden Fall nicht mit, wenigstens hab ich das als Kind nicht mitbekommen. Das hab ich nicht gewußt.
(Herma, 40 Jahre, zit. n. Lambrou, 1990, S. 39)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Verfasserin motiviert die Arbeit durch ihre eigene Lebensgeschichte und definiert den Fokus auf Kinder zwischen drei und zwölf Jahren in Familien mit mindestens einem alkoholabhängigen Elternteil.
2. Vom Konsum zur Sucht: Dieses Kapitel erläutert die geschichtliche Entwicklung des Alkoholkonsums sowie die medizinischen und diagnostischen Kriterien von Alkoholmissbrauch und -abhängigkeit.
3. Rollenverteilung in einer alkoholbelasteten Familie: Es wird analysiert, wie sich Dynamiken innerhalb der Familie verändern und welche spezifischen Rollen Kinder (z.B. „Helden“ oder „Clowns“) einnehmen, um zu überleben.
4. Auswirkungen auf das Kindeswohl: Dieses Kapitel detailliert die negativen Folgen, insbesondere Entwicklungs- und Verhaltensstörungen sowie Schwierigkeiten bei der Sozialkompetenz und seelische Belastungen.
5. Unterstützung für Kinder: Eine Übersicht über verfügbare Hilfsstrukturen, unterteilt in amtliche Maßnahmen, soziale Hilfesysteme und therapeutische Ansätze.
6. Schlussbetrachtung: Die Forschungsfrage wird bejaht, das Leiden der Kinder verdeutlicht und ein Appell für eine bessere Aufklärung und Vernetzung der Hilfesysteme ausgesprochen.
Schlüsselwörter
Alkoholismus, Kinder aus Suchtfamilien, Co-Abhängigkeit, Kindeswohl, Familienkrankheit, Verhaltensstörungen, Entwicklungsstörungen, Sozialkompetenz, Resilienz, Jugendhilfe, Suchtberatung, Psychotherapie, Trauma, Vernachlässigung, Familiensystem.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Situation von Kindern, die in einer Familie mit mindestens einem alkoholabhängigen Elternteil aufwachsen, und den daraus resultierenden Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Suchtentwicklung bei Eltern, die Rollenverteilung innerhalb betroffener Familien, die psychischen und sozialen Folgen für die Kinder sowie das existierende Hilfesystem.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung der Frage, ob sich das Leben mit einem alkoholabhängigen Elternteil negativ auf die Entwicklung von Kindern zwischen dem dritten und zwölften Lebensjahr auswirkt und welche Unterstützungsmöglichkeiten bereitstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte Analyse, um vorhandene wissenschaftliche Ansätze und Erkenntnisse zusammenzuführen und gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Suchtentwicklung, die familiäre Rollenverteilung, die vielfältigen Entwicklungs- und Verhaltensstörungen bei Kindern sowie die Möglichkeiten der amtlichen, sozialen und therapeutischen Unterstützung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen zählen Alkoholismus, Kinder aus Suchtfamilien, Co-Abhängigkeit, Kindeswohl, Familiensystem, Resilienz und Jugendhilfe.
Welche Rollen nehmen Kinder in solchen Familien ein?
Kinder nehmen oft unbewusst Rollen wie den "Helden", den "Sündenbock", das "verlorene Kind" oder den "Clown" ein, um die familiäre Instabilität zu bewältigen.
Warum fällt es Kindern schwer, über ihre Situation zu sprechen?
Es existiert ein unausgesprochenes Schweige-Tabu in der Familie. Kinder haben Angst vor Konsequenzen und erleben zudem häufig Schamgefühle, da sie versuchen, das Bild der "normalen" Familie nach außen zu wahren.
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- Nadine Angelique Hartmann (Author), 2019, Alkoholabhängige Eltern und die Auswirkungen auf ihre Kinder. Probleme und Unterstützungsmöglichkeiten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1148152