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Sexuelle Gewalt an Menschen mit Behinderung

Title: Sexuelle Gewalt an Menschen mit Behinderung

Presentation (Elaboration) , 2002 , 12 Pages , Grade: 2,5

Autor:in: Sylvena Voll (Author)

Social Work
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Summary Excerpt Details

In den Augen vieler Menschen kommen Mädchen und Frauen mit Behinderungen nicht als mögliche Sexualpartnerin in Frage. Dadurch schlussfolgern viele, dass es somit auch keine sexuelle Gewalt gegen Menschen mit Behinderung gibt. Sexuelle Gewalt hat nichts mit Sexualität oder sexueller Aktivität zu tun. In erster Linie ist es eine Form von Gewalt. Mehr als jede zweite Frau mit Behinderung musste schon ein- bzw. mehrmals im Leben Erfahrungen mit sexueller Gewalt machen. Eine Frau mit Gewalterfahrung sucht Rat in Frauenberatungsstellen und Schutz in Frauenhäusern. Häufig sind diese Einrichtungen jedoch nicht barrierefrei. Mitarbeiterinnen fühlen sich nicht für die behinderten Frauen zuständig und verweisen sie an Behinderteneinrichtungen. Diese wiederum fühlen sich vom Thema sexuelle Gewalt überfordert.
In letzter Zeit findet ein Umdenken statt. Es gibt erste Ansätze, die Barrieren abzubauen, Selbstverteidigungskurse anzubieten und auf die Bedürfnisse behinderter Frauen näher einzugehen. Auch in den Behinderteneinrichtungen wächst die Aufmerksamkeit für dieses Thema. Meist gibt es noch keine Handlungsstrategien beim Bekannt werden von Missbrauch in der Einrichtung. Die „Maßnahme“ beschränkt sich meist auf ein Gespräch mit dem Täter. Mädchen und Frauen, denen sexuelle Gewalt widerfahren ist, wird zu 50%, Jungen und Männern zu 100% geglaubt. Folglich erfahren Mädchen und Frauen weiterhin sexuelle Gewalt.
Allgemein ist zu sagen, dass es für sexuelle Gewalt an Mädchen und Frauen mit Behinderung kaum Beratungs- und Therapieangebote gibt. Die wenigen behinderten Beraterinnen die es gibt haben meist selbst Erfahrungen mit sexueller Gewalt machen müssen. Für gehörlose Frauen kommt erschwerend hinzu, dass es keine finanzielle Unterstützung für die Bereitstellung einer Gebärdensprachendolmetscherin gibt. 1999 gab es nur eine Therapeutin in Deutschland, die der Gebärdensprache mächtig war. Nach dem Erlebnis sexueller Gewalt stellt die unzureichende Beratungssituation eine zusätzliche Belastung für die Betroffene dar. Sexuelle Gewalt ist eine strafbare Handlung und kann zur Anzeige gebracht werden. Da die Erfahrungen mit Strafprozessen nicht überwiegend positiv sind, ist das für und wider einer Anzeige abzuwägen. Eine Anzeige kann nicht zurück genommen werden

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung in das Thema Sexuelle Gewalt

2. Welche Formen der Gewalt gibt es?

3. Sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen, Frauen und Männern mit Behinderung – eine alltägliche Realität

4. Rechtsschutz

4.1 Verdachtsaufklärung und Intervention

4.2 Vom Erkennen zum Unterstützen

4.3 Unterstützung als Prozess

4.4 Das Strafverfahren – keine Pflicht zur Strafanzeige

4.5 Zivilrechtliche Schutzanordnungen

4.6 Rechtliche Aspekte im Rahmen eines Betreuungsverhältnisses

5. Selbstheilung - Unterstützung bei Heilungsprozessen

6 Prävention

6.1 Prävention als Aufgabe aller Beteiligten

6.2 Prinzipien der Prävention

6.3 Prävention in Institutionen

7. Sterilisation

7.1 Sterilisation als Freibrief für den Täter

7.2 Allgemeine Überlegungen zur Sterilisation geistig behinderter Menschen

7.3 Sterilisation als Schutz vor Missbrauch?

8. Zusammenfassung

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das weitgehend tabuisierte Problem der sexuellen Gewalt gegen Menschen mit Behinderung. Das primäre Ziel ist es, die spezifische Gefährdungslage dieser Personengruppe aufzuzeigen, den notwendigen Rechtsschutz sowie Präventionsstrategien zu erörtern und das Bewusstsein für die Lebensrealitäten betroffener Mädchen und Frauen zu schärfen.

  • Empirische Daten zur Häufigkeit sexueller Gewalt bei Menschen mit Behinderung
  • Rechtliche Rahmenbedingungen und Interventionsmöglichkeiten bei Verdachtsfällen
  • Die Rolle der Institutionen und die Notwendigkeit professioneller Präventionsarbeit
  • Kritische Auseinandersetzung mit der Sterilisationspraxis bei Menschen mit geistiger Behinderung
  • Ansätze zur Stärkung der Selbstheilungskräfte und zur Integration von Gewalterfahrungen

Auszug aus dem Buch

3. Sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen, Frauen und Männern mit Behinderung – eine alltägliche Realität

Vor ca. 20 Jahren begannen Vereine, Projekte etc. sexuellen Missbrauch an Kindern zu benennen und öffentlich zu machen. Fast gänzlich ausgeschlossen war der Blick auf die Situation und die Lebenswirklichkeit von Menschen mit Behinderung. Die Gewalt betrifft sowohl körper-, sinnes- und geistig behinderte Menschen. Es gibt nur wenige Untersuchungen die die Gewalt an Menschen mit Behinderung thematisieren. Eine Befragung wurde 1994 von Noack/ Schmid durchgeführt. Es wurden 308 Fragebögen, ausgefüllt vom Pflege- und Betreuungspersonal, ausgewertet. 51,3% gaben Fälle von sexueller Gewalt in ihrer Einrichtung an. In 31,5% der Fälle waren geistig behinderte Frauen und in 16,6% der Fälle geistig behinderte Männer das Opfer. Schlussfolgernd aus dieser Befragung ist festzustellen, das Mädchen und Frauen mit geistiger Behinderung etwa 4mal häufiger von Gewalt betroffen sind als Jungen und Männer.

Eine weitere Studie wurde 1996 von Zemp/ Pircher in Österreich durchgeführt. Sie befragten 130 behinderte Frauen. 57,5% waren geistig behindert, 6,6% lernbehindert, 23,3% Körperbehindert und 12,5% mehrfach behindert. Von den 130 Frauen zwischen 17 und 69 Jahren lebte die Mehrheit in gemischten Wohngruppen. 62% machten schon einmal Erfahrungen mit Belästigungen. 64% wurden Opfer von sexueller Gewalt, 41% davon mehrmals. 97% der Täter sind Männer, 13% der Täter Mitbewohner. 5,8% der Übergriffe passierten in Werkstätten für behinderte Menschen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung in das Thema Sexuelle Gewalt: Dieses Kapitel thematisiert die weit verbreitete Annahme, dass Menschen mit Behinderung keine Opfer sexueller Gewalt werden, und zeigt auf, dass es sich hierbei um eine schwere Form der Gewalt handelt.

2. Welche Formen der Gewalt gibt es?: Hier wird verdeutlicht, dass Vergewaltigung kein Ausdruck von Sexualität, sondern von Macht und Aggression ist, und es werden verschiedene Gewaltformen definiert.

3. Sexuelle Gewalt an Mädchen und Jungen, Frauen und Männern mit Behinderung – eine alltägliche Realität: Anhand von Studien wird belegt, dass Menschen mit Behinderung, insbesondere Frauen, signifikant häufiger Opfer sexueller Gewalt werden als Nichtbehinderte.

4. Rechtsschutz: Dieser Abschnitt behandelt die notwendige Aufklärung bei Verdachtsfällen sowie rechtliche Optionen wie zivilrechtliche Schutzanordnungen und die Komplexität des Strafverfahrens.

5. Selbstheilung - Unterstützung bei Heilungsprozessen: Fokus liegt hier auf der Stärkung der Selbstheilungskräfte und der Unterstützung von Betroffenen bei der Bewältigung ihrer Gewalterfahrungen.

6 Prävention: Dieses Kapitel unterstreicht die Wichtigkeit einer aktiven Präventionsarbeit in Einrichtungen und die Vermittlung von grundlegenden Prinzipien der körperlichen Selbstbestimmung.

7. Sterilisation: Kritische Beleuchtung der Sterilisationspraxis bei Menschen mit Behinderung, die oft zu Unrecht als Schutzmaßnahme vor Missbrauch legitimiert wird.

8. Zusammenfassung: Ein abschließendes Plädoyer für eine höhere Sensibilisierung im Umgang mit behinderten Menschen und die Notwendigkeit, Signale von Betroffenen ernst zu nehmen.

Schlüsselwörter

Sexuelle Gewalt, Behinderung, Prävention, Selbstbestimmung, Frauenberatung, Institutionelle Strukturen, Sterilisation, Gewalterfahrung, Missbrauch, Aufklärung, Rechtsschutz, Heilungsprozess, Körperliche Unversehrtheit, Behindertenpädagogik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit thematisiert sexuelle Gewalt gegen Menschen mit Behinderung als eine alltägliche, jedoch häufig ignorierte Realität, die sowohl körperliche als auch geistige Beeinträchtigungen umfasst.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Häufigkeit von Gewalt in Einrichtungen, rechtliche Handlungsmöglichkeiten, Ansätze der Prävention sowie eine kritische Analyse der Sterilisationspraxis.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Aufklärung über das Ausmaß der Gewaltproblematik und die Notwendigkeit, Strukturen in Institutionen so zu verändern, dass die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderung geschützt wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf die Auswertung existierender Studien und Befragungen sowie auf rechtliche Analysen zur Situation von betroffenen Menschen in Betreuungsverhältnissen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in rechtliche Aspekte, den Prozess der Unterstützung für Betroffene, Präventionsmodelle für Institutionen und eine Diskussion zum Thema Sterilisation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wesentlichen Begriffe sind sexuelle Gewalt, Menschen mit Behinderung, Prävention, Selbstbestimmung und institutionelle Verantwortung.

Warum ist die Sterilisation bei Menschen mit Behinderung ein so kritisches Thema?

Sie wird oft unter dem Deckmantel des Schutzes vor Missbrauch durchgeführt, stellt jedoch einen irreversiblen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit dar und kann das Missbrauchsrisiko durch ein falsches Sicherheitsgefühl sogar erhöhen.

Wie sollten Mitarbeiter in Institutionen auf Anzeichen von Gewalt reagieren?

Mitarbeiter sollten die Signale ernst nehmen, ruhig und transparent agieren, die Betroffenen in den Prozess einbeziehen und bei Bedarf Supervision oder fachliche Unterstützung in Anspruch nehmen.

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Details

Title
Sexuelle Gewalt an Menschen mit Behinderung
College
University of Cooperative Education Breitenbrunn  (FB Sozialpädagogik)
Grade
2,5
Author
Sylvena Voll (Author)
Publication Year
2002
Pages
12
Catalog Number
V11482
ISBN (eBook)
9783638176347
Language
German
Tags
Sexuelle Gewalt Menschen Behinderung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sylvena Voll (Author), 2002, Sexuelle Gewalt an Menschen mit Behinderung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11482
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