"Mafarka, der Futurist" - Zwischen Literatur und Pornographie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008
19 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Historischer Rückblick und der Griff nach dem verbotenen Apfel

2. Mafarka der Futurist – Zwischen Literatur und Pornografie

3. Pornografie in unserer heutigen Zeit

Literaturverzeichnis

1. Historischer Rückblick und der Griff nach dem verbotenen Apfel

Sie gilt in der christlichen Glaubensgemeinschaft als der Beginn des menschlichen Lebens, die Schöpfungsgeschichte. Adam und, die aus seiner Rippe geschaffene, Eva leben in einem, von Gott geschaffenem, Paradies. Das Einzige was den Beiden verwehrt ist, sind die Äpfel vom Baum der Erkenntnis. Eva kann der Versuchung jedoch nicht widerstehen und so essen Beide von den verbotenen Äpfeln. Mit der Erkenntnis kommt die Scham, da sie nun wissen, dass sie nackt sind. Was im ersten Buch Moses beginnt, zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte: die Lust nach dem Verbotenen.

Die Pornografie, die in unserer heutigen Wertegesellschaft als etwas Anstößiges, als etwas Verbotenes angesehen wird, hat eine fast ebenso lange und kontroverse Geschichte. Die ersten Zeugnisse pornographischer Werke lassen sich auf Wandgemälden und antiken Vasen finden. Durch jedes neues Darstellungs- oder Kommunikationsmedium erfuhr auch die Pornografie eine Erweiterung. Der Buchdruck, der Kupferstich, die Photographie, das Telefon, das Fernsehen, und das Internet, um nur einige zu nennen, förderten die Verbreitung von pornografischen Inhalten und erhöhten so auch das Interesse an den jeweils neuen Medien.

Die Pornografie galt früher nicht als etwas Abscheuliches oder gar Verwerfliches. Erst mit dem steigenden Einfluss der Kirche, als moralischer Instanz änderte sich dies grundlegend. Außerehelicher Beischlaf wurde und wird von der Kirche als schwere Sünde gesehen und in Zeiten der Inquisition hart bestraft. Die katholische Kirche war es auch, die bereits sehr früh ein Verzeichnis aller verbotenen Bücher aufgestellt hat, den Index librorum prohibitorum. In ihm finden sich auch berühmte Autoren wie Balzac, D’Annunzio, Dumas, Stendahl, und Zola.[1] Die Kirche hat seither ihren Standpunkt auch nicht wesentlich verändert, wie die Aussage des letzten Papstes Johannes Paul II. belegt: „Pornographie ist unmoralisch und im Kern asozial […]. Es liegt in der Natur der Pornographie, dass sie die wahre Bedeutung der menschlichen Sexualität als ein gottgegebenes Geschenk verneint […].“[2]

Pornografie gilt aber nicht nur als Verstoß gegen die moralischen Werte unserer Gesellschaft, sondern kann auch gerichtlich verfolgt werden, sofern sie öffentlich verbreitet wird. Die Verbreitung von Pornographie unterliegt erheblichen Vertriebsbeschränkungen, die sicherstellen sollen, dass Minderjährige nicht mit ihr in Kontakt kommen. Mit diesen Verboten soll auch verhindert werden, dass Erwachsene ungewollt in Kontakt mit pornographischen Produkten geraten. In Einzelfällen ist der pornographische Charakter eines Produkts nicht offensichtlich. In solchen Fällen entscheiden die Gerichte oder im Hinblick auf eine mögliche Jugendgefährdung oder die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPJM), die seit 1954 über 15.000 Bücher indiziert hat. Indiziert bedeutet hierbei, dass die betreffenden Medien als jugendgefährdend eingestuft wurden und deshalb nicht öffentlich beworben oder an Jugendliche unter achtzehn Jahren abgegeben werden dürfen. Medien die Gewalt- und Tierpornografie enthalten, dürfen darüber hinaus nicht verbreitet, angeboten und eingeführt werden. Der Besitz von Kinderpornographie ist strafbar..

Zwei Indizierungsanträge aus der jüngeren Vergangenheit ragen dabei heraus. 1968 erschien die Autobiographie Josephine Mutzenbacher – Die Lebensgeschichte einer wienerischen Dirne, von ihr selbst erzählt, die umgehend indiziert wurde. Der Prozess zog sich 22 Jahre hin, bis die Indizierung 1990 wieder aufgehoben wurde. 1992 wurde das Werk dann dennoch durch die BPJM indiziert.

Ein anderes Werk, das für Schlagzeilen gesorgt hat, war Opus Pistorum von Henry Miller 1986. In einer großen Polizeiaktion wurden sämtliche Exemplare aus Büchereien und Bibliotheken entfernt. Beim nachfolgenden Prozess berief sich Henry Miller auf Artikel 5 Absatz 3 des Grundgesetzes: Die Kunst ist frei. Das Gericht beließ es aber dennoch bei der Indizierung des Werkes, da es eine Auftragsarbeit war. Das Gericht entschied, dass Auftragsarbeiten keine Kunst seien. Wenn man in Betracht zieht, dass die größten Kunstschätze unserer Zeit damals Auftragsarbeiten waren, so erscheint dieses Urteil doch ein wenig fragwürdig.

Aber was genau ist Kunst, was Pornografie? Ist Mafarka, der Futurist ein pornografisches Werk oder Kunst?

2. Mafarka der Futurist – Zwischen Literatur und Pornografie

Bevor man über Pornografie in der Kunst beziehungsweise Literatur sprechen kann, muss man sich klar machen was Pornografie eigentlich ist. Deswegen wird an dieser Stelle ein kurzer Einblick in die Problematik einer einheitlichen Definition gegeben werden. Die Charakteristika der Pornografie, die im Folgenden nicht aufgeführt werden, werden in der Analyse des Werkes Mafarka, der Futurist genannt und erklärt.

Umberto Eco beschreibt in seinem kurzen Essay Come riconoscere un film porno die Pornografie als eine Abweichung von der Normalität:

„ […] perchè la trasgressione abbia successo occorre che si disegni su uno sfondo di normalità. Rappresentare la normalità è una delle cose più difficili per qualsiasi artista – mentre rappresentare la deviazione, il delitto, lo stupro, la tortura, è facilissimo. Pertanto il film pornografico deve rappresentare la normalità – essenziale perchè possa acquistare interesse la trasgressione – nel mondo in cui ciascun spettatore la concepisce.”[3]

Eco meint, dass die Normalität dargestellt werden muss, um so die Abweichung, die Pornografie, noch deutlicher zu machen. Die Deviation, die Abweichung vom „Normalen“, ist aber nur ein Kennzeichen von Pornografie.

Allgemein lässt sich sagen, dass es keine „richtige“, einheitliche oder verbindliche Definition von Pornografie gibt. Was für den einen Teil der Gesellschaft Pornografie ist, ist für den anderen Erotik. Ausschlaggebend ist hierbei die moralische Bewertung durch die einzelne Person auf der Basis ihrer individuellen, sittlichen Wertmaßstäbe. Auch ist der Pornografiebegriff, diachronisch gesehen, nicht statisch. Was vor 100 Jahren als Pornografie galt und zensiert wurde, ist heute fast überall frei – als Kunstwerk -erhältlich.

Das deutsche Wort Pornografie geht auf die altgriechischen Worte pòrne (= Dirne), pornos (= Hurer), porneìa (= Unzucht), und graphein (= malen, schreiben, beschreiben) zurück.[4] Anfangs wurden unter dem Überbegriff Pornografie Texte über Prostituierte zusammengefasst. Erst 1864 wurde im Webster’s Dictionary eine Definition veröffentlicht, die sich an dem heutigen Pornografiebegriff anlehnt: „liederliches Gemälde zur Dekoration von Wänden in heiligen Räumen für bacchanalische Orgien, die zum Beispiel in Pompeji existierten“[5]

Wenn nun im Folgenden von Charakteristika der Pornografie gesprochen wird, so bezieht sich das auf die deutschen Maßstäbe, die in den meisten europäischen Ländern ähnlich sind.

Allgemein spricht man von Pornografie bei einer plakativen Darstellung des menschlichen Sexualakts, die der Stimulierung des Betrachters dient und Sexualität auf eine vergröberte Art und Weise darstellt, wobei andere zwischenmenschliche Beziehungen in den Hintergrund treten.. Die Abbildung der primären Geschlechtsorgane ist ein signifikantes Kriterium für den pornographischen Charakter eines Mediums ein. Dies unterscheidet die Pornografie von Erotik, da bei dieser die primären Geschlechtsorgane normalerweise nicht gezeigt werden. Wenn doch, so darf weder der Penis erigiert noch die Vagina geöffnet sein. Das Ziel der Pornografie ist den Betrachter oder den Leser sexuell zu erregen.

Auch die Handlung, der Plot, nimmt bei der Bewertung von Filmen und Büchern eine wichtige Rolle ein. Dient die, oft minimale Handlung nur dazu, von einem sexuellen Akt zum nächsten überzuleiten, so spricht man von Pornografie. Bei Erotik ist der sexuelle Akt nur die notwendige Folge der Handlung. Die dargestellten Personen besitzen geistige Tiefe und reflektieren ihr Handeln. Bei pornografischen Werken sind die handelnden Akteure austauschbar.

Doch nun zur Betrachtung des Werks Mafarka, der Futurist. Ein Merkmal von pornografischen Werken ist, wie eingangs ausgeführt die Übertreibung. Die Hauptfiguren sind meist schöner als der Durchschnittsmensch. Auch in Mafarka lässt sich dieses Element finden. Auf einer ganzen Seite werden die körperlichen Merkmale Mafarkas beschrieben:

[...]


[1] Strzolka, Rainer/Hoppmann Bettina (Hrsg.): Eine Zensur findet nicht statt oder: Was unsere Bürger lesen dürfen, Hannover-Waldhausen 1984

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Pornografie

[3] Eco, Umberto: Il secondo diario minimo, Mailand 1992, S.131, in: Ohmer, Anja: Gefährliche Bücher? Zeitgenössische Literatur im Spannungsfeld zwischen Kunst und Zensur, Baden-Baden, 2000, S.171

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Pornografie

[5] http://de.wikipedia.org/wiki/Pornografie

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
"Mafarka, der Futurist" - Zwischen Literatur und Pornographie
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
19
Katalognummer
V114859
ISBN (eBook)
9783640162413
ISBN (Buch)
9783640167227
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mafarka, Futurist, Zwischen, Literatur, Pornographie
Arbeit zitieren
Dottore Florian Schmidt (Autor), 2008, "Mafarka, der Futurist" - Zwischen Literatur und Pornographie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114859

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