Seien es Frauenkörper auf Werbeflyern, die Kandidatinnen in der Show Germany’s Next Topmodel oder Nonnen in Nunsploitationfilmen – die Kamera stellt diese Frauen in einer stereotypen Weise aus, die sie sexualisiert und für den männlichen Betrachter verfügbar machen soll. Diese Seminararbeit analysiert den Nunsploitationfilm "Der Nonnenspiegel" hinsichtlich der Frage, inwiefern dort Strukturen des männlichen Blicks vorzufinden sind.
In Kapitel 2 soll einführend das Genre des Nunsploitationfilms umrissen werden. Um ein Verständnis über die zentralen Themen, Motive und Absichten der Filme zu erlangen, sollen sowohl die begriffliche Entstehung in Anlehnung an den Exploitationfilm als auch die kulturellen, ökonomischen und filmischen Einflüsse nachgezeichnet werden.
Das Kapitel 3 widmet sich der feministischen Filmtheoretikerin Laura Mulvey und ihrer bis heute viel zitierten Theorie des männlichen Blicks. Ihre Thesen in dem prominenten Aufsatz "Visuelle Lust und narratives Kino" setzen sich mit dem Hollywood-Kino der 1930er bis 1950er auseinander und liefern bis heute ein Instrument für die Analyse von vergeschlechtlichter Blickführung und der aus ihr resultierenden Identifizierung.
Im abschließenden Kapitel 4 wird sodann der Film Der Nonnenspiegel analysiert. Nach einer Handlungszusammenfassung mit Blick auf den historischen Kontext und einer Charakterisierung der Hauptfiguren werden ausgewählte Filmszenen auf Strukturen des männlichen Blicks hin untersucht. Dabei soll herausgearbeitet werden, dass der männliche Blick nicht notwendigerweise an ein männliches Subjekt, sondern eher an männliche Bedeutungsökonomien gebunden ist, die sich in unterschiedlichen geschlechtlichen Subjektivitäten zeigen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Genre des Nunsploitationfilms
2.1 Begriffsentstehung in Anlehnung an den Exploitationfilm
2.2 Kulturelle, ökonomische und filmische Einflüsse auf das Genre
2.3 Themen, Motive und Absichten
3 Die Ausbeutung des männlichen Blicks im Film
4 Der Nonnenspiegel
4.1 Handlung und historischer Kontext
4.2 Charakterisierung der Hauptfiguren
4.3 Analyse ausgewählter Filmszenen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Film "Der Nonnenspiegel" im Kontext des Nunsploitation-Genres, mit dem primären Ziel, die dort vorhandenen Strukturen des männlichen Blicks zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Analyse des Nunsploitation-Genres und seiner Entstehungsgeschichte
- Untersuchung ökonomischer und kultureller Einflüsse auf Exploitationfilme
- Anwendung der Theorie des männlichen Blicks nach Laura Mulvey
- Charakterisierung und Motivation der Hauptfiguren in "Der Nonnenspiegel"
- Dekonstruktion von Blickverhältnissen in ausgewählten Filmszenen
Auszug aus dem Buch
4.3 Analyse ausgewählter Filmszenen
Die Szene, in der Carmelia sich nach ihrer Ankunft im Kloster entkleiden muss, um in die einheitliche Kleidung der Nonnen zu wechseln, spielt mit dem Spannungsfeld zwischen Erotisierung und Unschuld. Auf ihre Unschuld wird durch ihr weißes Unterkleid angespielt und indem sie sich nicht selbst auszieht, sondern von der Mutter Oberin und einer anderen Nonne entkleidet wird. Während sie von ihnen dabei mit lüsternen Blicken gemustert wird, wendet sie den Blick immer wieder ab. Zum einen stehen ihr die erfahrenen Nonnen gegenüber, die diese Praktik der Entkleidung scheinbar schon häufiger vorgenommen haben. Zum anderen wird der schamvolle Umgang mit dem eigenen Körper verhandelt, der zusätzlich durch die Machtposition zwischen Carmelia als neue Anwärterin für die Nonnengemeinschaft und der Mutter Oberin mit ihrer Gehilfin verstärkt wird.
Die namenlose Nonne erblickt die Kette mit Christuskreuz an Carmelias entkleidetem Brustbereich und klärt sie über eine Klosterregel auf: „Die Klosterordnung verbietet die Abbildung unbekleideter, männlicher Wesen, auch wenn es sich, wie hier, um unseren Herrn, um Jesus, handelt.“ Hiermit konstatiert sie zwar den kategorischen Ausschluss von Männern und ihrer sexuellen Reize aus der Gemeinschaft der Nonnen, spricht aber nicht über lesbisches Begehren. Diese Vorausschau auf weitere Szenen kündigt sich lediglich durch ihre Blicke und Berührungen an. Sie schließt die Entkleidung mit einer religiösen Bitte um Verzeihung ab: „Der Herr möge mir meine Sünden verzeihen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der sexualisierten Darstellung von Frauen im Nunsploitationfilm ein und definiert das Analyseobjekt sowie die theoretische Herangehensweise.
2 Das Genre des Nunsploitationfilms: Dieses Kapitel erläutert die Genese des Genres durch kulturelle und ökonomische Faktoren und analysiert dessen charakteristische Themen und Motive.
3 Die Ausbeutung des männlichen Blicks im Film: Hier werden die theoretischen Grundlagen der feministischen Filmtheorie von Laura Mulvey sowie Aspekte des Spiegelstadiums nach Lacan dargelegt.
4 Der Nonnenspiegel: In diesem Kapitel erfolgt die praktische Anwendung der Theorie auf den Film "Der Nonnenspiegel" durch Handlungsanalyse, Figurenporträts und Szenenanalysen.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass der Film und das Genre von einer männlichen Bedeutungsökonomie geprägt sind, die Frauen als Lustobjekte ausstellt.
Schlüsselwörter
Nunsploitation, Männlicher Blick, Filmtheorie, Laura Mulvey, Der Nonnenspiegel, Exploitationfilm, Geschlechterrollen, Skopophilie, Patriarchat, Voyeurismus, Klosterleben, Identifizierung, Psychoanalyse, Kinematografie, Subjektivierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die filmische Inszenierung von Nonnen im Nunsploitationfilm "Der Nonnenspiegel" hinsichtlich geschlechtsspezifischer Blickstrukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Genredifferenzierung des Exploitationfilms, feministischer Filmtheorie und der Analyse von Machtverhältnissen im Medium Film.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie der männliche Blick im Genre des Nunsploitationfilms dazu instrumentalisiert wird, Frauen für ein voyeuristisches Publikum auszustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf eine filmwissenschaftliche Analyse unter Anwendung der feministischen Theorie von Laura Mulvey sowie psychoanalytische Konzepte von Jacques Lacan.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des "männlichen Blicks" und die anschließende empirische Untersuchung des Films anhand von Szenenanalysen und Figurencharakterisierungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nunsploitation, Männlicher Blick, Skopophilie, Patriarchat und Filmtheorie geprägt.
Wie wird das "historische" Setting des Films eingeordnet?
Der historische Kontext wird vom Autor als willkürlicher Hintergrund für die skandalöse Narration identifiziert, der lediglich der Steigerung des vermeintlichen Wahrheitsgehalts dient.
Welche Rolle spielt der Spiegel in der Analyse?
Der Spiegel wird als zentrales Element für das homoerotische Begehren und die Spiegelung der weiblichen Identität innerhalb einer männerdominierten Bedeutungsökonomie interpretiert.
Inwiefern werden die Nonnenfiguren selbst als Träger des "männlichen Blicks" gesehen?
Der Autor argumentiert, dass auch weibliche Charaktere den Blick auf andere Frauen als "männlich" kodiert ausüben können, sofern sie den Konventionen der voyeuristischen Inszenierung folgen.
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- Liam Bennhoff (Author), 2017, Strukturen des männlichen Blicks im Nunsploitationfilm. Eine Analyse von "Der Nonnenspiegel", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1148664