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Gay for Pay - ein Beitrag zur Queerness? Wissenssoziologische Betrachtungen von mann-männlicher Pornografie

Title: Gay for Pay - ein Beitrag zur Queerness? Wissenssoziologische Betrachtungen von mann-männlicher Pornografie

Master's Thesis , 2020 , 86 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Liam Bennhoff (Author)

Gender Studies
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Das Erkenntnisinteresse der Arbeit besteht in Anschluss an die dargelegten Forschungslücken darin, den besonderen Stellenwert von bezahlten Sexdienstleistungen zwischen Männern zu eruieren, die jenseits des normativen Kausalzusammenhangs zwischen geschlechtlicher Identität, sexuellem Begehren und sexueller Praxis stattfinden. Die Suche nach einem transgressiven Potenzial in Bezug auf heterosexuelle Normativität drückt sich unmittelbar in der zu beantwortenden Fragestellung aus: Inwiefern besitzt das Phänomen Gay for Pay das Potenzial, die gesellschaftlichen Wissensbestände zu mann-männlicher Sexualität zu unterwandern? Als ethischer Maßstab wird an diese Arbeit angelegt, schwulen Aktivismus und die aus ihm entstandenen Errungenschaften nicht zu missbilligen. Gleichwohl sollen blinde Flecken in der Evaluation mann-männlicher Sexualität aufgedeckt werden, um einen Beitrag zu der sexuellen Befreiung weiterer Männer zu leisten, die sich nicht unter eine schwule Identität subsumieren lassen.

Die Qualität eines pornografischen Videos lässt sich aus pragmatischer Hinsicht daran bemessen, wie leicht oder gut die Betrachtenden von diesem sexuell stimuliert werden. Anstatt ein solches Lustpotenzial auszuloten, wird in der vorliegenden Masterarbeit ein Anliegen von geschlechterpolitischer Bedeutsamkeit verfolgt.

Mit dem Terminus Gay for Pay werden pornografische Videos mit sexuellen Darstellungen und gleichermaßen sexuelle Begegnungen zwischen Männern ‚in natura‘ bezeichnet, die jeweils einen heterosexuellen Mann unter Zuhilfenahme einer finanziellen Entlohnung involvieren. In der stereotypisierten Vorstellung, die Sexarbeit als ein exklusiv weibliches Tätigkeitsfeld begreift, drückt sich ein limitierter Horizont hinsichtlich der geschlechtlichen Rollenerwartungen im Rahmen käuflicher Sexualität aus. Angesichts des daraus resultierenden Verzerrungseffektes liegen nur wenige Arbeiten vor, die männliche Sexarbeit aus geschlechtertheoretischer Perspektive analysieren. In diesem Sinne stellt das Thema dieser Forschungsarbeit einen Beitrag zur Sichtbarmachung eines unsichtbaren Randbereichs von sexueller Devianz dar.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Diskurs um queerness

2.1 Begriffsgeschichte und -definition

2.2 Queere Heteronormativitätskritik

2.3 Queerfeindlichkeit in gesellschaftlicher Psyche

3 Gesellschaftliche Rahmung von mann-männlicher Sexualität

3.1 Identifikation des Begehrens als homo- oder heterosexuell

3.2 Einflüsse der schwulen Identitätspolitik auf bezahlten Sex

3.3 Sexuelle Skripte zwischen Männern

3.3.1 Heteronormative Penetrationslogik

3.3.2 Nähe zwischen Homosozialität und Homosexualität

3.3.3 ‚Safer Sex‘ als Indikator für sexuelles Risikobewusstsein

4 Methodische Verortung in der Qualitativen Sozialforschung

4.1 Wissenssoziologische Diskursanalyse

4.2 Filme als sozialwissenschaftliches Erfahrungsmaterial

4.3 (Selbst-)Positionierung innerhalb der Geschlechterforschung

5 Das Phänomen Gay for Pay

5.1 Definition des Genres und seiner Merkmale

5.2 Reflexion des pornografischen Stellenwerts

5.3 Vorbemerkungen zur Selektion des Materials

5.4 Narrative Struktur von BaitBus

5.5 Analyse in Hinblick auf den queerness-Faktor

5.5.1 Konstruktionsmechanismen von heterosexueller Männlichkeit

5.5.2 Schemata der Bewertung von sexuellen Handlungen

5.5.3 Implikationen der Bezahlung

6 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen des Gay for Pay in der männlichen Pornografie aus einer wissenssoziologischen Perspektive, um zu ergründen, ob und wie diese Darstellungen die heteronormative Ordnung sowie das Verständnis von mann-männlicher Sexualität und Männlichkeit unterwandern können.

  • Wissenssoziologische Analyse von Pornografie
  • Konstruktion heterosexueller Männlichkeit
  • Queer Theory und Heteronormativitätskritik
  • Darstellung sexueller Skripte zwischen Männern
  • Die Rolle von Bezahlung und ökonomischem Kapital im Sex-Kontext

Auszug aus dem Buch

5.4 Narrative Struktur von BaitBus

Die inhaltliche Abfolge der einzelnen BaitBus-Episoden folgt in der Regel einem standardisierten Schema. In einem fahrenden Großraumfahrzeug befinden sich ein Kameramann, eine fahrende Person, eine Frau sowie ein zumeist homosexueller ‚Assistent‘. Das Ziel jeder Folge ist es, einen heterosexuellen Mann von der Straße in das Auto zu locken und zu sexuellen Handlungen mit dem Assistenten zu animieren. Hierzu wird die Frau als sexualisierter Lockvogel eingesetzt. In dem noch fahrenden Fahrzeug spricht der Kameramann zunächst mit der Frau und dem Assistenten über alltägliche Themen und sexuelle Vorlieben.

Währenddessen halten alle Beteiligten bereits Ausschau nach einem Mann, der sich für den intendierten Sex eignen könnte. Der Kameramann spricht dann aus dem Fahrzeug heraus einen solchen Mann an und lockt ihn unter einem konstruierten Vorwand – beispielsweise für den Zweck einer Dokumentation oder eines Interviews – und mittels eines versprochenen Entgelts in das Fahrzeug hinein. Der Protagonist macht durch seine Äußerungen und sein Auftreten deutlich, dass er sexuelle Attraktion für den weiblichen Lockvogel verspürt. In diesem Zuge offenbart sich der Kameramann als Produzent pornografischer Filme und klärt über sein (abermals vorgetäuschtes) Anliegen auf, den Protagonisten beim Sex mit dem weiblichen Lockvogel filmen zu wollen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz wissenssoziologischer Analysen pornografischer Darstellungen ein und definiert das Forschungsinteresse am Phänomen Gay for Pay als Beitrag zur geschlechterpolitischen Debatte.

2 Diskurs um queerness: Dieses Kapitel erarbeitet den theoretischen Rahmen durch die Diskussion von Queer Theory, Begriffsgeschichte sowie der Analyse heteronormativer Gesellschaftsstrukturen und ihrer Auswirkungen auf die Psyche.

3 Gesellschaftliche Rahmung von mann-männlicher Sexualität: Es werden die Wissensbestände zur Sexualität zwischen Männern untersucht, insbesondere die Identitätskategorien, schwule Identitätspolitik und das Konzept sexueller Skripte.

4 Methodische Verortung in der Qualitativen Sozialforschung: Hier wird der methodische Ansatz der wissenssoziologischen Diskursanalyse erläutert und die Verwendung von Filmen als Erfahrungsmaterial begründet.

5 Das Phänomen Gay for Pay: Der Hauptteil analysiert konkret die pornografische Fallstudie BaitBus, um Mechanismen der Männlichkeitskonstruktion und die Rolle der Bezahlung innerhalb des Genres zu reflektieren.

6 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet das subversive Potenzial von Gay for Pay hinsichtlich der Unterwanderung heteronormativer Männlichkeitsnormen.

Schlüsselwörter

Gay for Pay, Pornografie, Heteronormativität, Männlichkeit, Queer Theory, Wissenssoziologie, Sexuelle Skripte, Homosozialität, BaitBus, Geschlechterforschung, Performativität, Männliche Sexualität, Identitätspolitik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die pornografische Darstellungsform des Gay for Pay und analysiert, wie diese Filme gesellschaftliche Vorstellungen von heterosexueller Männlichkeit und homosexuellem Begehren inszenieren und potenziell infrage stellen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die Queer Theory, das Konstrukt der Heteronormativität, die Wissenssoziologie, die Theorie der sexuellen Skripte sowie die soziologische Männlichkeitsforschung.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den „queerness-Faktor“ innerhalb der ausgewählten pornografischen Produktionen zu identifizieren und zu eruieren, inwieweit das Genre das Potenzial besitzt, gesellschaftliche Wissensbestände über mann-männliche Sexualität zu unterwandern.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Autorin verwendet die wissenssoziologische Diskursanalyse nach Reiner Keller, um die filmische Narration und die darin enthaltenen Wissensbestände systematisch zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil konzentriert sich auf die Analyse des Filmmaterials des Studios BaitBus. Dabei werden Konstruktionsmechanismen von Männlichkeit, Bewertungsmaßstäbe sexueller Handlungen und die funktionale Bedeutung der finanziellen Bezahlung im Setting untersucht.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Gay for Pay, Heteronormativität, Männlichkeitskonstruktion, queerness, sexuelle Skripte und die Performativität von Geschlecht.

Warum wurde speziell das Genre Gay for Pay gewählt?

Die Wahl fiel auf dieses Genre, da es einen spezifischen Schnittpunkt zwischen als heterosexuell geltender Männlichkeit und homosexuellen Praktiken darstellt, der eine interessante Reibungsfläche für die Analyse heteronormativer Normen bietet.

Welche Rolle spielt die finanzielle Entlohnung in der Analyse?

Die Bezahlung dient als narratives Element, das einerseits den Bruch mit der heterosexuellen Identität legitimiert und andererseits als ökonomisches Kapital zur Aufwertung des männlichen Egos innerhalb der Erzählstruktur fungiert.

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Details

Title
Gay for Pay - ein Beitrag zur Queerness? Wissenssoziologische Betrachtungen von mann-männlicher Pornografie
College
Ruhr-University of Bochum  (Fakultät für Sozialwissenschaft)
Grade
1,7
Author
Liam Bennhoff (Author)
Publication Year
2020
Pages
86
Catalog Number
V1148668
ISBN (eBook)
9783346530073
ISBN (Book)
9783346530080
Language
German
Tags
Porno queerness Heteronormativität Psychoanalyse Homosexualität Schwul sexuelle Skripte Qualitative Sozialforschung Wissenssoziologische Diskursanalyse Visuelle Wissenssoziologie Bait Bus Sexarbeit Devianz Benennungspraktiken Aidskrise Abjektion Monosexualität Schwulenbewegung Identität
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Liam Bennhoff (Author), 2020, Gay for Pay - ein Beitrag zur Queerness? Wissenssoziologische Betrachtungen von mann-männlicher Pornografie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1148668
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