Diese Fallstudie beschäftigt sich mit Entwicklungsstörungen mit Beginn im Kindes- und Jugendalter. Es soll Ziel dieser Fallstudie sein, ein grobes Konzept zu entwickeln, welches sich mit dem Umgang mit Anorexia nervosa als Entwicklungsstörung auseinandersetzt.
Dabei sind vor allem Mädchen und junge Frauen von der sogenannten Anorexia nervosa betroffen, die auch unter dem Begriff Magersucht bekannt ist. Wie Statistiken zeigen, ist die Anzahl der diagnostizierten Fälle von Anorexie in den letzten Jahren weiterhin fast kontinuierlich angestiegen.
Der Wunsch, dünner und muskulöser zu sein sowie die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper scheint in der heutigen Jugend ein verbreitetes Phänomen zu sein, wobei immer mehr Jugendliche auf aktive Maßnahmen zurückgreifen, die mit hohen körperlichen und psychischen Risiken einhergehen. Mit exzessivem Sport, selbst herbeigeführten Erbrechen, Medikamentenmissbrauch und strengen Diäten wird versucht dem westlichen Schönheitsideal zu entsprechen, mit welchem die Jugend tagtäglich in Zeitschriften, Fernsehen und den sozialen Medien konfrontiert wird.
Neben soziokulturellen Faktoren wirken auch biologische, individuelle und familiäre Risikofaktoren im Zusammenspiel auf die Entwicklung dieser ernsthaften psychischen Erkrankung, die als schwer behandelbar gilt und die höchste Mortalitätsrate unter den psychischen Erkrankungen aufweist.
Es zeigt sich also, dass ein konkretes politisches Handeln gefordert ist, um den steigenden Fallzahlen für Essstörungen im Jugendalter sowie den dazugehörigen Risikofaktoren entgegenzuwirken. Es soll daher Ziel dieser Fallstudie sein, ein grobes Konzept zu entwickeln, welches sich mit dem Umgang mit Anorexia nervosa als Entwicklungsstörung auseinandersetzt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Störungsbilder mit Beginn im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter
2.1 Störungen mit überwiegendem Beginn im Säuglings- und Kleinkindalter
2.1.1 Regulationsstörung
2.1.2 Bindungsstörung
2.1.3 Tiefgreifende Entwicklungsstörung
2.1.4 Enuresis und Enkopresis
2.2 Störungen mit überwiegendem Beginn im Kindesalter
2.2.1 Angststörungen
2.2.2 Zwänge
2.2.3 Ticstörung
2.2.4 Hyperkinetische und Aufmerksamkeitsstörung
2.2.5 Störung des Sozialverhaltens
2.2.6 Umschriebene Entwicklungsstörungen
2.3 Störungen mit überwiegendem Beginn im Jugendalter
2.3.1 Depression
2.3.2 Essstörungen
2.3.3 Substanzmissbrauch
3. Vergleich zu Störungen im Erwachsenenalter
4. Konzept zum Umgang mit Anorexia nervosa
4.1 Folgen der Anorexia nervosa
4.2 Hauptursachen von Anorexia nervosa
4.3 Ziele des Konzepts
4.4 Maßnahmen
4.4.1 Universelle Präventionsmaßnahmen
4.4.2 Selektive Präventionsmaßnahmen
4.4.3 Indizierte Präventionsmaßnahmen
5. Diskussion
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Fallstudie ist die Entwicklung eines Konzepts zum Umgang mit Anorexia nervosa als Entwicklungsstörung, basierend auf einer Analyse der Epidemiologie und Ätiologie sowie einer kritischen Reflexion bestehender Präventionsmöglichkeiten für Jugendliche.
- Epidemiologie von Anorexia nervosa bei Jugendlichen
- Biopsychosoziale Faktoren und Ätiologie von Essstörungen
- Vergleich von Störungsbildern im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter
- Entwicklung von universellen, selektiven und indizierten Präventionsmaßnahmen
- Kritische Diskussion von Interventionsansätzen und Rückfallprophylaxe
Auszug aus dem Buch
4.4.1 Universelle Präventionsmaßnahmen
Die universelle Prävention zielt darauf ab die Entstehung von Anorexie zu verhindern, Risikofaktoren vorzubeugen und Schutzfaktoren zu fördern. Dabei soll die breite Bevölkerung, hier spezifisch Jugendliche zwischen 11 und 18 Jahren angesprochen werden. Aufgrund des frühen Einsetzten der Magersucht, sollten universelle Maßnehmen spätestens ab dem 13. Lebensjahr erfolgen, wobei zu berücksichtigen ist, dass Mädchen deutlicher betroffen sind als Jungen und somit Fokus der Zielgruppe bilden (Berger et al., 2008, S. 42). Da durch die sozialen Medien in der heutigen Digitalgesellschaft ein vorherrschendes Schlankheitsideal als Risikofaktor für die Entwicklung von Essstörungen besteht, soll durch proaktive Strategien in dieses Medienbild interveniert werden. Durch die Repräsentation verschiedenster Körperformen und Vermittlung von Selbstakzeptanz soll dem westlichen Schönheitsideal entgegengewirkt werden. Diversität von Figur und Gestalt kann sowohl in den digitalen Medien als auch mittels Plakate, beispielsweise an Bushaltestellen, Schulen oder anderen Treffpunkten für Jugendliche als wünschenswertes Phänomen aufgezeigt werden (Karwautz & Wagner, 2008, S. 170-171).
Dabei eignet sich bei der Gesundheitskommunikation die Nutzung des Modelllernens. Um präventive Verhaltensweisen in der Gesellschaft zu etablieren, sollen also durch TV-Werbungen und andere Werbekampagnen, das gewünschte Ernährungsverhalten, Körperbilder und Wertvorstellungen durch Modellverhalten einer großen Bandbreite an Beobachtern dargeboten werden. Die gezeigten Verhaltensweisen werden in der Werbung verstärkt und können beispielsweise durch von Jugendlichen angesehene Personen, wie berühmten Schauspielern oder so genannten Influenzern, durchgeführt werden, um den Modelleffekt zu verstärken (Raab, Unger, Unger, 2016, S. 218). Die übergeordnete Botschaft soll sich dann auf Selbstakzeptanz und Körpervielfalt beziehen. Es kann in diesem Kontext an die recht aktuelle Bewegung der „body positivity“ angeknüpft werden, die vor allem in sozialen Netzwerken anklang findet und sich für Diversität, Selbstakzeptanz und -liebe und gegen sogenanntes „body shaming“ (Diskriminierung aufgrund der körperlichen Erscheinung) ausspricht (Johansson, 2021, S. 113).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die Verbreitung von Essstörungen bei Jugendlichen und die Dringlichkeit, ein Konzept zum Umgang mit Anorexia nervosa zu entwickeln.
2. Störungsbilder mit Beginn im Säuglings-, Kindes- und Jugendalter: Das Kapitel bietet einen Überblick über entwicklungspsychopathologische Grundlagen und stellt verschiedene Störungsbilder differenziert nach ihrem typischen Beginn dar.
3. Vergleich zu Störungen im Erwachsenenalter: Hier werden die in Kapitel 2 vorgestellten Störungsbilder mit jenen im Erwachsenenalter verglichen, um Unterschiede im Verlauf und in der Diagnose herauszuarbeiten.
4. Konzept zum Umgang mit Anorexia nervosa: Dieses Kernkapitel entwickelt auf Basis der Ätiologie ein Maßnahmenkonzept, das universelle, selektive und indizierte Präventionsstrategien umfasst.
5. Diskussion: Das Kapitel reflektiert kritisch das entwickelte Konzept, beleuchtet Gefahren der Prävention und diskutiert Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung.
6. Fazit: Die Arbeit fasst die Erkenntnisse zusammen, betont die Notwendigkeit frühzeitiger Interventionen und regt weitere Forschung an.
Schlüsselwörter
Anorexia nervosa, Essstörungen, Prävention, Entwicklungspsychopathologie, Jugendliche, Gesundheitsförderung, Frühintervention, Risikofaktoren, Körperbild, Magersucht, psychische Erkrankungen, Modelllernen, Patientenversorgung, Störungsbilder, Gesundheitskommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Anorexia nervosa (Magersucht) als schwerwiegender Entwicklungsstörung im Jugendalter und entwickelt ein Konzept zur Prävention und zum Umgang mit dieser Erkrankung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die Entwicklungspsychopathologie, die Epidemiologie von Essstörungen, Risikofaktoren wie das westliche Schlankheitsideal sowie konkrete Präventionsmaßnahmen für Jugendliche ab.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist die Entwicklung eines groben Konzepts, das durch universelle, selektive und indizierte Maßnahmen die Entstehung von Anorexie bei Jugendlichen verhindern oder frühzeitig adressieren soll.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Fallstudie, die auf einer umfassenden Analyse bestehender Fachliteratur, Studien (z.B. KiGGS-Studie) und diagnostischer Klassifikationssysteme basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Grundlage verschiedener Störungsbilder, den Vergleich mit dem Erwachsenenalter sowie die detaillierte Ausarbeitung des dreistufigen Präventionskonzepts für Anorexia nervosa.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Anorexia nervosa, Prävention, Essstörungen, Jugendliche, Entwicklungspsychopathologie und Risikofaktoren.
Was beinhaltet das universelle Präventionskonzept konkret?
Das Konzept setzt auf Aufklärung über gesunde Ernährung, Förderung von Selbstakzeptanz, kritische Auseinandersetzung mit Medienbildern und den Einsatz von Modelllernen, um gesundes Verhalten zu etablieren.
Wie unterscheidet sich die selektive von der indizierten Prävention?
Während selektive Maßnahmen auf Risikogruppen mit erhöhter Gefährdung abzielen (z.B. durch Internet-Foren oder Leistungssport), richten sich indizierte Maßnahmen direkt an Personen, bei denen bereits Symptome erkennbar sind.
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- Anonym (Author), 2021, Konzept zum Umgang mit Anorexia nervosa als Entwicklungsstörung im Jugendalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1148788