In der Arbeit wird eine allgemeine sowie schulspezifische Datenkompetenz erarbeitet und eine kritische Analyse des Bildungswesens in puncto Datenschutz vorgenommen. Jede Bürgerin und jeder Bürger soll eigenständig über die Preisgabe sowie die Nutzung der personenbezogenen Daten entscheiden dürfen, das legt das Recht auf informationelle Selbstbestimmung fest. Das Bundesverfassungsgericht hat in einem Urteil vom 15. Dezember 1983 ein wegweisendes Urteil gefällt. Der erste Senat untersagte damals eine Volkszählung in Form einer Totalerhebung und sprach der informationellen Selbstbestimmung als Teil des allgemeinen Persönlichkeitsrechts Verfassungsrang zu. Sie leitet sich durch das Grundrecht der freien Entfaltung der Persönlichkeit und der Unantastbarkeit der Menschwürde ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Verbraucherbildung:
3 Medienkompetenz
3.1 Medienkompetenz im pädagogischen Diskurs
3.2 Medienkompetenz im Schulwesen
4 Datenkompetenz
4.1 Datenkompetenz – Versuch einer Definition
4.1.1 Eine kritische Einführung zum Datenbegriff
4.1.2 Konzepte zur Datenkompetenz
4.1.3 Ausarbeitung der Datenkompetenz
4.2 Der Begriff Datenkompetenz und seine Verwendung
4.3 Die Verankerung der Datenkompetenz im bayerischen Bildungswesen
4.4 Datenkompetenz im Fach Wirtschaft und Beruf
5 Big Data – eine kurze Begriffsbestimmung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Umsetzung einer umfassenden Datenkompetenz im schulischen Kontext, um Schülerinnen und Schülern einen selbstbestimmten und kritischen Umgang mit ihren personenbezogenen Daten im digitalen Raum zu ermöglichen und sie auf die Herausforderungen durch Big Data vorzubereiten.
- Grundlagen der Verbraucherbildung und Medienkompetenz als Basis für den Datenschutz.
- Analyse verschiedener Konzepte zur Definition und Vermittlung von Datenkompetenz.
- Evaluation der aktuellen Verankerung von Datenkompetenz im bayerischen Schulsystem.
- Entwicklung eines Prozessmodells zur Förderung der Datenkompetenz im Unterricht.
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Eine kritische Einführung zum Datenbegriff
Eine erste Einschätzung der Begriffsgeschichte des Wortes liefert der Historiker Daniel Rosenberg. Er skizzierte in einem Aufsatz die Geschichte, Verwendungsweisen und Bedeutungszuschreibungen von dem Terminus „Daten“. Die Entstehung des Begriffs lässt sich bis in das 17. Jahrhundert nach England zurückverfolgen. Die historischen Bedeutungen des Begriffs sind vielfältig: Messdaten von Experimenten, historische Ereignisse, mathematische Operationen, nicht zu hinterfragende Fakten. Daten wurden als eine Gegebenheit verstanden. Sie sind demnach frei von einem Wahrheitsgehalt, Urteil oder Wert. Diese Auffassung verbindet die historische Bezeichnung mit den hier behandelten elektronischen Daten. Wir stellen auch heute keine Mutmaßungen über den Wahrheitsgehalt von elektronischen Daten an, wir sehen sie als Tatsache. Diese Ansicht ist jedoch irreführend und ein Trugschluss. Die digitalen Daten sind nicht „einfach“ gegeben, sondern werden von uns produziert und von Unternehmen erhoben. Dies muss im Hinblick auf digitale Daten besonders hervorgehoben werden: Etwas Gegebenes kann nicht durch Individuen beeinflusst werden, wohingegen sich die Produktion und Sammlung von Daten durch Menschen sehr wohl beeinflussen lässt. Des Weiteren ist durch die Vernetzung von verschiedenen Daten nicht zwangsläufig die Wahrheit oder eine unabänderbare Vorhersage möglich, sondern nur Interpretationen oder Wahrscheinlichkeitsvermutungen. Deshalb ist ein fehlerhaftes Begriffsverständnis vorzubeugen, um eine kritische Hinterfragung der Erzeugung und Nutzung von Daten zu ermöglichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die verfassungsrechtliche Bedeutung der informationellen Selbstbestimmung und zeigt anhand von Studien Defizite im Wissen und Verhalten der Bevölkerung beim Schutz ihrer Privatsphäre auf.
2 Verbraucherbildung:: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Verbraucher und Bildung und ordnet die Verbraucherbildung als einen zentralen Bestandteil der ökonomischen Bildung im heutigen Schulwesen ein.
3 Medienkompetenz: Es werden verschiedene wissenschaftliche Modelle der Medienkompetenz vorgestellt und deren Bedeutung für die schulische Medienbildung sowie die kritische Auseinandersetzung mit digitalen Medien diskutiert.
4 Datenkompetenz: Dieses Hauptkapitel entwickelt verschiedene Modelle und Ansätze zur Datenkompetenz, begutachtet deren Verankerung in bayerischen Lehrplänen und erarbeitet ein eigenes, praxisorientiertes Prozessmodell für den Unterricht.
5 Big Data – eine kurze Begriffsbestimmung: Es wird das Phänomen Big Data erläutert, seine Dimensionen (Volume, Velocity, Variety) charakterisiert und die Notwendigkeit kritischer Auseinandersetzung mit dessen Risiken für Einzelne und die Gesellschaft betont.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Relevanz der Datenkompetenz zusammen, resümiert die aktuelle Umsetzungssituation an Schulen und fordert eine intensivere sowie frühzeitigere Förderung dieser Kompetenz.
Schlüsselwörter
Datenkompetenz, Medienkompetenz, Verbraucherbildung, Big Data, digitale Privatsphäre, informationelle Selbstbestimmung, Datenschutz, Medienethik, Prozessmodell, LehrplanPLUS, schulische Bildung, Datenkritik, Privatheitskompetenz, digitale Transformation, Online-Privatheitskompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Notwendigkeit, Schülerinnen und Schülern eine angemessene Kompetenz zum Schutz ihrer persönlichen Daten im digitalen Raum zu vermitteln, da das Bewusstsein und das Verhalten der Bevölkerung im Bereich Datenschutz oft erhebliche Defizite aufweisen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Verbraucherbildung, Medienkompetenz, spezifische Datenkompetenzmodelle, die Herausforderungen durch Big Data sowie deren Verankerung im bayerischen Schulwesen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel der Arbeit ist es, auf Basis des aktuellen Forschungsstandes ein praxisorientiertes Konzept für eine Datenkompetenz zum Schutz der privaten Daten zu entwickeln und dessen Integration in das Bildungswesen kritisch zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit bestehenden Modellen der Medien- und Datenkompetenz sowie auf eine Analyse und Evaluation aktueller Lehrpläne und bildungspolitischer Beschlüsse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden verschiedene Definitionen und Konzepte zur Datenkompetenz (wie z. B. die medienpädagogische Datenkritik oder Online-Privatheitskompetenz) vorgestellt, ein eigenes Prozessmodell erarbeitet und die Umsetzung im bayerischen Schulsystem sowie im Fach Wirtschaft und Beruf untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Datenkompetenz, digitale Privatsphäre, Big Data, Medienkompetenz und informationelle Selbstbestimmung.
Warum ist das "Klassenlehrerprinzip" für die Vermittlung von Datenkompetenz relevant?
Das Klassenlehrerprinzip in bayerischen Mittelschulen bietet den Lehrkräften einen größeren Handlungsspielraum, um fächerübergreifende Bildungsziele wie die Datenkompetenz besser zu koordinieren und in den Unterricht zu integrieren.
Inwiefern beeinflusst Big Data das individuelle Verhalten laut dem Autor?
Der Autor weist darauf hin, dass das geräuschlose Wirken von Big Data, etwa durch personalisierte Werbung oder Empfehlungen, das Verhalten der Nutzer oft unbemerkt beeinflusst, was eine kritische Reflexionsfähigkeit der Individuen notwendig macht.
- Arbeit zitieren
- Tristan Simmet (Autor:in), 2021, Das Bildungswesens in puncto Datenschutz. Die Erarbeitung einer allgemeinen sowie schulspezifischen Datenkompetenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149036