Gegenstand dieser Arbeit sind die jeweils unterschiedlichen Fassungen des Märchens "Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich" aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Jacob und Wilhelm (1785-1863; 1786-1859) Grimm. Die Ausführungen beziehen sich auf die Texte der Märchen aus der handschriftlichen Urfassung von 1810, der ersten Auflage von 1812, der zweiten Auflage von 1819, sowie der jeweiligen Auflage vorangegangenem Vorwort der Brüder Grimm.
Die Märchen der Sammlung Kinder- und Hausmärchen wurden mit der Zeit immer weiter verändert und bearbeitet. Erst durch diese Bearbeitung entstand der typische Grimmsche Erzählstil und die darauffolgende Typisierung der Märchen zur Kinderlektüre. Jedoch waren die Märchen in ihrer Urform weitaus mehr mit erotischen Anspielungen, sexuellen Handlungen und zweideutigen Formulierungen ausgeschmückt, aufgrund der Tatsache, dass sich überwiegend Erwachsene diese als Abendunterhaltung gegenseitig erzählten. In dieser Arbeit werden die Unterschiede und Bearbeitungen der ersten handschriftlichen Urfassung von 1812 im Vergleich zu den späteren Ausgaben im Hinblick auf die Verharmlosung der erotischen Darstellung sowie der Veränderungen zu einem kindertümlichen Ton analysiert. Dazu wird zunächst der historische Hintergrund der Brüder Grimm dargelegt, die Entstehung der Froschkönig-Thematik erläutert und auf die psychologische Deutungsweise, die sich aus dem Märchen ergibt, eingegangen. Anhand der, verschiedenen und zu einem jeweils anderen Zeitpunkt erschienenen Ausgaben und deren Vorwortes, wird der Bearbeitungsstil hervorgehoben, der zu einer verhüllenden Behandlung sexueller Verhältnisse führt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zeitgeschichtliche Einordnung
3 Entstehung der Kinder- und Hausmärchen
3. 1 Entstehung des KHM 1: Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich
3. 2 Inhalt
3. 3 Analyse
4 Vergleich des Inhaltes und der Intentionen der unterschiedlichen Auflagen
4. 1 Vergleich der handschriftlichen Urfassung mit der ersten Auflage
4. 2 Vergleich der ersten Auflage mit der zweiten Auflage
5 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die textliche Evolution des Märchens "Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich" von der handschriftlichen Urfassung von 1810 bis zur zweiten Auflage von 1819. Ziel ist es, die systematische Verharmlosung erotischer Bezüge sowie die zunehmende Anpassung an ein kindgerechtes Erziehungsideal durch die Brüder Grimm aufzuzeigen.
- Historischer Kontext der Grimmsche Märchensammlung
- Analyse der narrativen Bearbeitung und stilistischen Entwicklung
- Untersuchung der pädagogischen Intentionen und Moralvorstellungen
- Psychologische Deutungsansätze des Märchens
- Vergleich der unterschiedlichen Textfassungen und ihrer Erotisierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Entstehung des KHM 1: Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich
Kein anderes Märchen der Brüder Grimm wurde derart bearbeitet, ausgeschmückt und verändert, wie das Zaubermärchen Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich (KHM 1) oder, wie es in der handschriftlichen Urfassung von 1810 heißt, Die Königstochter und der verzauberte Prinz. Diese Erzählung, die seit der ersten Ausgabe als Eröffnung des Bandes Kinder und Hausmärchen dient, betitelten die Brüder Grimm, im Anhang zur Ausgabe der KHM 1812, selbst als „eins der ältesten und schönsten Märchen“.
Dennoch wurde der relativ bescheidene Urtext bei den späteren Bearbeitungen deutlich ausschweifender, unterhaltsamer und mehr und mehr kindgetreu dargestellt. Es hat in den Händen von Wilhelm Grimm eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Ausgehend von einem relativ schlichten Märchen entstand über die Jahre eine kunstvoll ausgeschmückte Geschichte, die immer stärker erweitert wurde. Neben diversen stilistischen Veränderungen und inhaltlichen Ausschmückungen fällt insbesondere eine Verstärkung der moralisierenden, erzieherischen Aspekte des Märchens auf.
Aus diesem Märchen wird das Grundmuster des sogenannten europäischen Zaubermärchens deutlich, mit dem Hauptthema der Liebesbeziehung beziehungsweise erzwungenen Partnerschaft in der einer der Partner als Tier auftritt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an den verschiedenen Fassungen des Froschkönig-Märchens und skizziert die methodische Vorgehensweise hinsichtlich der Analyse von Verharmlosung und Verkindlichung.
2 Zeitgeschichtliche Einordnung: Dieses Kapitel erläutert den Begriff des Märchens, die Entstehung der mündlichen Überlieferung und den Einfluss anderer Sammler wie Perrault und Basile auf die Grimmsche Sammlung.
3 Entstehung der Kinder- und Hausmärchen: Hier wird der Entstehungsprozess der Sammlung beleuchtet, wobei besonders der Einfluss von Clemens Brentano und die Herkunft der erzählten Märchen durch gebildete bürgerliche Frauen thematisiert werden.
4 Vergleich des Inhaltes und der Intentionen der unterschiedlichen Auflagen: Dieses Kapitel vergleicht detailliert die verschiedenen Auflagen und zeigt auf, wie durch stilistische Anpassungen und inhaltliche Änderungen die Erotik reduziert und die pädagogische Moral gestärkt wurde.
5 Schluss: Das Schlusskapitel resümiert die Wandlungen des Märchens im Laufe der Zeit und bestätigt, dass die gezielte Bearbeitung durch Wilhelm Grimm das Märchen maßgeblich von einem erotisch gefärbten Erzählstoff zu einem kindgerechten Erziehungsbuch transformierte.
Schlüsselwörter
Brüder Grimm, Kinder- und Hausmärchen, Der Froschkönig, Märchenbearbeitung, Verkindlichung, Erotik, Erziehungsliteratur, Literaturgeschichte, Textvergleich, Urfassung, Moral, Reifungsprozess, Pädagogik, Märchenforschung, Romantik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die inhaltlichen und stilistischen Veränderungen des Märchens "Der Froschkönig" in den verschiedenen frühen Auflagen der Grimmsche Märchensammlung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Themen der "Ent-Erotisierung" des Urtextes, die pädagogische Ausrichtung der Sammlung und die historische Entwicklung der Erzählweise.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie das Märchen von einer ursprünglich erotisch deutbaren Fassung in eine moralisch gefestigte, kindgerechte Erziehungsgeschichte transformiert wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse, bei der die handschriftliche Urfassung mit der ersten und zweiten Auflage sowie deren Vorworten verglichen wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung der Sammlung, die psychologische Deutung der Froschkönig-Thematik und den detaillierten Textvergleich der verschiedenen Auflagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Märchen, Brüder Grimm, Verkindlichung, Erotik, Pädagogik und Fassungsvergleich.
Warum wurde aus der "Königstochter" im Laufe der Zeit ein "Kind"?
Um die Erzählung als Erziehungsliteratur für Kinder vermarktbar zu machen und die moralische Unschuld der Heldin hervorzuheben, wurde das Profil der Hauptfigur systematisch verjüngt.
Welche Rolle spielt der Vater im Märchen für die moralische Deutung?
Der König fungiert als moralische Instanz, die durch Befehle sicherstellt, dass die Prinzessin ihre Versprechen einhält, wodurch er als Vormund die moralische Erziehung innerhalb des Märchens verkörpert.
- Arbeit zitieren
- Lena Bopp (Autor:in), 2012, Die Auflagen des Grimmschen "Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich" im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149170