Rubikon-Modell, Emotionen und Motive in der Psychologie


Einsendeaufgabe, 2021

23 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Aufgabe 1
1. Rubikon-Modell
1.2 Handlungskontrollstrategien
1.2.1 Beispiel zum Einsatz der Handlungskontrollstrategien

Aufgabe 2
1. Definition Emotionen
2. Funktion von Emotionen
3. Entstehung von Emotionen
4. Emotionsregulation
5. Emotionsarbeit
6. Bedeutung von Emotionsregulation und Emotionsarbeit im beruflichen Alltag

Aufgabe 3
1. Implizite und explizite Motive
2. Motivkongruenz und Motivinkongruenz
3. Negative Folgen von Motivinkongruenz
4. Präventions- und Interventionsmaßnahmen

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Rubikon-Modell der Handlungsphasen (Englert & Bertrams, 2020, S. 215)

Aufgabe 1

1. Rubikon-Modell

Das Rubikon-Modell der Handlungsphasen stammt von Heckhausen und Gollwitzer (1987) und beschreibt sowohl den Prozess der Zielauswahl als auch den Prozess der Zielrealisierung (Brandstätter, 2009, S. 150). Damit ist es eines der ersten Forschungsansätze, dass zusätzlich zu motivationalen auch volitionale Prozesse integriert und diese als sich gegenseitig bedingend darstellt (Englert & Bertrams, 2020, S. 2015). Der Namen des Modells beruht auf der Rubikon-Metapher, welche sich auf der Entscheidung Julius Caesars bezieht, im Jahr 49 v. Chr. mit seinen Legionen den römischen Grenzfluss Rubikon in Italien zu überschreiten. „Den Rubikon zu überschreiten“ meint somit eine strategische Entscheidung zu treffen, nach dessen Entschluss es kein Zurück mehr gibt (Konrad, 2018, S. 118). Dabei ist das Rubikon-Modell in vier Phasen geteilt, welche die motivationalen Entscheidungsprozesse und den volitionalen Zielverfolgungsprozesse und die phasenspezifischen Aufgaben sowie jeweiligen Bewusstseinslagen repräsentieren (Brandstätter, 2009, S. 150; Englert & Bertrams, 2020, S. 215). In Abbildung 1 wird das Modell kurz graphisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Rubikon-Modell der Handlungsphasen (Englert & Bertrams, 2020, S. 215)

Wie in Abbildung 1 zu erkennen beschreibt das Rubikon-Modell vier Phasen, die jeweils mit einer Bewusstseinslage, also einer impliziten kognitiven Orientierung, einhergehen. Zwischen den Phasen befinden sich zudem drei Übergänge, wobei der erste Übergang, in Abbildung 1 als „Rubikon“ tituliert, die namensgebenden und metaphorischen Entscheidungsakt meint (Brandstätter, 2009, S. 151-152). Das Modell beginnt mit der prädezisionalen Phase, einer motivationalen Phase, in der verschiedene Handlungsalternativen hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit und ihrem erwarteten Wert abgewogen werden. Während die Realisierbarkeit auf die eigene Handlungsfähigkeit zurückgeführt wird, beschreibt der erwartetet Wert die Wünschbarkeit des Handlungsergebnisses, welche wiederrum von der individuellen Motivationskonstellation der Person abhängig ist. (Englert & Bertrams, 2020, S. 216-217; Konrad, 2018, S. 119). Folglich geht also diese erste Phase mit einer abwägenden Bewusstseinslage einher und stellt die Grundlage für die Willensbildung dar. Am Ende dieses Entscheidungsprozesses wird der Rubikon überschritten, indem ein Wunsch in ein verbindliches Ziel umgewandelt wird und die erste volitionale Phase eingeleitet wird (Brandstätter, 2009, S. 151-152; Englert & Bertrams, 2020, S. 216). Die folgendene präaktionale Phase ist eine volitionale Phase, in der eine planende Bewusstseinslage vorliegt. Das Bedeutet, dass gedanklich geplant, wie die intendierte Handlung durchgeführt werden kann (Englert & Bertrams, 2020, S. 217). Dazu wird überlegt, wann und mit welchen Mitteln die Zielrealisierung initiiert wird (Brandstätter, 2009, S. 151). Als unterstützende Maßnahme dienen sogenannte Implementierungsintentionen, wie beispielsweise der Durchführungsvorsatz, bei welchem präzise festgelegt wird, wann, wo und wie die Handlungsintention realisiert wird (Goschke, 2017, S. 264; Konrad, 2018, S. 119). Diese kognitive Assoziation einer antizipierten Situation mit einem konkreten Verhalten bewirkt, dass bei Eintritt der Situation das vorgenommene Handeln automatisch ausgelöst wird, um die Zielintention zu erreichen (Englert & Bertrams, 2020, S. 217). Der Übergang zur nächsten Phase äußert sich in der konkreten Handlungsinitiierung. (Brandstätter, 2009, S. 151). Die dritte Phase, aktionale Phase genannt, ist ebenfalls eine volitionale Phase, aber mit handelnder Bewusstseinslage, in der das entwickelte und geplante Ziel nun durch konkrete Umsetzung des Handlungsplans erreicht werden soll (Englert & Bertrams, 2020, S. 217). Hier spielen vor allem Prozesse der Handlungskontrolle eine bedeutsame Rolle (Konrad, 2018, S. 119-120). Zudem bedingt auch die Volitionsstärke, also der Grad der Realisierbarkeit und des Wertes einer Zielintention, die Umsetzung des Handlungsplans hinsichtlich ihrer Persistenz (Englert & Bertrams, 2020, S. 216-217). Am Ende der aktionalen Phase steht der letzte Übergang, welcher die Bewertung der Handlungsergebnisse umfasst (Brandstätter, 2009, S. 151). Die postaktionale Phase ist dann wieder eine motivationale Phase und geht mit einer bewertenden Bewusstseinslage einher. In ihr wird die ausgeführte Handlung hinsichtlich ihrer Ausführung, Ergebnisse und Folgen bewertet und mit der gesetzte Zielintention verglichen (Konrad, 2018, S. 120). Wurde das Handlungsziel erreicht, kann dieses deaktiviert werden. Führte die Handlung hingegen nicht zu einem adäquaten Ergebnis, welches nicht mit der Zielintention übereinstimmt, so müssen alternative Handlungen initiiert werden oder das Anspruchsniveau gesenkt werden, um das Ziel deaktivieren zu können Englert & Bertrams, 2020, S. 218).

Das Rubikon-Modell integriert und verbindet also Motivation und Volition, um nicht nur die Zielwahl, sondern auch die Zielrealisierung zu beschreiben und zu erklären (Achtziger & Gollwitzer, 2018, S. 357). Auf Grundlage dieser Erkenntnisse sollen im folgenden Kapitel die Begriffe Motivation und Volition unterscheiden werden.

1.1 Unterscheidung von Motivation und Volition

Der Begriff Motivation beschreibt ein mehrdeutiges Konstrukt, welches auf Basis verschiedener wissenschaftlicher Ansätze auch verschieden definiert werden kann (BeckerCarus & Wendt, 2017, S. 486). Im Folgenden soll Motivation hinsichtlich seiner Bedeutung für das Rubikon-Modell aus kognitiv orientierter Sicht betrachtet werden. Dabei bezieht sich Motivation ausschließlich auf den Prozess der Zielsetzung. Bedingt ist die Motivation hierbei durch den Erwartungswert und die Realisierbarkeit der zunächst unverbindlichen Wünsche eines Individuums (Becker-Carus & Wendt, 2017, S. 529). Stehen dann konkrete Prozesse der Zielrealisierung im Fokus wird der Begriff Volition verwendet (Achtziger & Gollwitzer, 2018, S. 361). Somit meint Volition hier das Streben nach bzw. das Umsetzen von motivationsbedingten Zielen und deren Aufrechterhaltung (Becker-Carus & Wendt, 2017, S. 529). Während Abwägen und Bewerten motivationale Phasen darstellen, sind Planen und Handeln volitionale Phasen (Strobach & Wendt, 2019, S.54).

Das Rubikon-Modell findet trotz seines relevanten Ansatzes Motivation und Volition zu differenzieren, Kritik hinsichtlich des Abschirmungs-Unterbrechungs-Dilemmas kritisiert. Dies meint, dass potentiell störende Reize abgeschirmt werden, um Handlungsplan und Zielintention zu schützen. Dabei wird die Möglichkeit sich flexibel an Situationen anzupassen erschwert und neue relevante Informationen können nicht wahrgenommen werden. Dennoch scheint die Abschirmung in der aktionalen Phase von hoher Bedeutung zu sein (Englert & Bertrams, 2020, S. 218). Eine Theorie, die besonders die Abschirmung konkurrierender Motivationstendenzen beleuchtet, soll im Kapitel 1.2 genauer vorgestellt werden.

1.2 Handlungskontrollstrategien

In der Handlungskontrolltheorie nach Kuhl (1984) wird davon ausgegangen, dass bei der Bewältigung von Handlungen widerstreitende Handlungstendenzen Grund für Handlungskonflikte darstellen. Mittels der sogenannten Handlungskontrollstrategien soll es aber möglich sein diesen Konflikt aufzulösen bzw. die eigentliche Handlungsintention vor konkurrierenden Handlungstendenzen zu schützen (Brandstätter & Hennecke, 2018, S. 347; Brandstätter, Schüler, Puca & Lozo, 2018, S. 148). Diese Handlungskontrollstrategien sollen zunächst vorgestellt werden.

Aufmerksamkeitskontrolle: Die Aufmerksamkeit soll auf die für die Zielintention relevanten Informationen fokussiert werden.

Enkodierungskontrolle: Zielintentionsrelevante Informationen sollen verarbeitet und tiefer abgespeichert werden.

Motivationskontrolle: Die positiven Anreize des Ziels sollen fokussiert werden.

Emotionskontrolle: Es sollen zielförderliche Emotionen hervorgerufen werden. Umweltkontrolle: Ablenkende Reize aus der Umwelt sollen abgeschirmt werden. (Brandstätter et al., 2018, S. 149; Schmithüsen, 2015, S.75).

Die Handlungskontrollstrategien können bewusst durch Selbstkontrolle eingesetzt werden, aber auch in passiver Form unbewusst durch Selbstregulation eintreten (Englert & Bertrams, 2020, S. 220). Die Zielerreichung ist vor allem vom Kontrollzustand abhängig, also der Tendenz zur Handlungsorientierung, in der die Strategien flexibel und adäquat umgesetzt werden können oder der Lageorientierung, in welcher negative Gedanken bezüglich zurückliegender, gegenwertiger oder zukünftiger Ereignisse die Handlung blockieren. Die jeweilige Tendenz entwickelt sich zum einem aus den gegebenen Umständen und zum anderen aus persönlichen Dispositionen (Brandstätter et al., 2018, S. 149).

1.2.1 Beispiel zum Einsatz der Handlungskontrollstrategien

Die Handlungskontrollstrategien nach Kuhl (1984) können beispielsweise in ihrer Bedeutung anhand des Beispiels Profisport beschreiben werden. So würde ein Sportler in einem Boxkampf mutmaßlich höhere Erfolge erzielen, wenn er sich mittels Motivationskontrolle während des Trainings auf die positiven Folgen des Gewinnens konzentriert und durch Emotionsregulation vor dem Wettkampf auf positive Emotionen fokussiert bzw. Angst- und Nervositätszustände reguliert. Zudem sollte der Sportler während des Wettkampfs irrelevante Reize, wie Zwischenrufe und Lärm der Zuschauer mithilfe von Umweltkontrolle ausblenden und seine Aufmerksamkeit auf den Kampf ausrichten sowie wichtige Informationen, wie zum Beispiel Anzeichen für Schwachstellen des Gegners, aufnehmen und abspeichern. Um all diese Strategien umsetzten zu können ist die Handlungsorientierung von immenser Bedeutung für den Sportler, da sie nicht nur seine sportliche Leistung steigern kann, sondern auch Misserfolgserfahrungen besser verarbeitet werden können, wodurch sein Handeln nicht blockiert wird, wie es bei der Lageorientierung der Fall wäre. Zusammenfassend ist also besonders der Kontrollzustand des Sportlers für die erfolgreiche Umsetzung der Handlungskontrollstrategien relevant. Weist der Sportler eine Handlungsorientierung auf können Misserfolge besser verarbeitet werde sowie kognitive Ressourcen effektiver mobilisiert werden, wodurch die Handlungskontrollstrategien umgesetzt werden können, die wiederrum hohe Relevanz für die Steigerung der sportlichen Leistung sind (Englert & Bertrams, 2020, S. 219-222).

Aufgabe 2

1. Definition Emotionen

Mit Emotionen werden im Alltag oft Begriffe wie Ärger, Freude, Stolz, Angst, Wut usw. assoziiert (Bak, 2019, S.146). Auch Synonyme wie Gefühle oder Stimmung finden dabei Verwendung. Von diesen Ausdrücken müssen Emotionen zunächst klar abgegrenzt werden, da sich Gefühle nur auf subjektives Erleben beziehen und Stimmungen von enger zeitlicher Begrenzung geprägt sind sowie keinen Objektbezug ausweisen (Strobach & Wendt, 2019, S. 51). Emotionen weisen im Rahmen dieser Abgrenzung die Merkmale Affektivität und damit einhergehende Verhaltenstendenzen, Intentionalität, welches Objektgerichtetheit meint und eine zeitliche Dynamik auf. Möchte man den Begriff Emotionen genauer definieren, so wird erkenntlich, dass es sich um einen mehrdeutigen und weitgefassten Terminus handelt, welcher bis heute keinen allgemeingültigen wissenschaftlichen Konsens in einer einheitlichen Definition finden konnte (Eder & Brosch, 2017, S. 188). Folglich existieren auch verschiedene Ansätze und Formen zur Klassifikation von Emotionen, wobei auf diskrete oder dimensionale Emotionsmodelle zurückgegriffen werden kann. Während im diskreten Ansatz eine definierte Anzahl von sogenannten Basisemotionen oder „primären“ Emotionen klassifiziert wird, deren Kombination zusätzliche Emotionen erzeugen, wird im Dimensionalen Ansatz eher ein dimensionales Feld vermutet, auf welchem sich Emotionen auf einem Kontinuum hinsichtlich ihrer Valenz und Erregung einordnen lassen (Bak, 2019, S.147.149; Eder & Brosch, 2017, S. 192). Nach Gerrig (2018) wird eine Emotion verallgemeinert „als ein komplexes Muster körperlicher und mentaler Veränderungen verstanden, darunter physiologische Erregungen, Gefühle, kognitive Prozesse und Reaktionen im Verhalten als Antwort auf eine Situation, die als persönlich bedeutsam wahrgenommen wird.“ (S. 436). Es zeigt sich also das Emotionen sehr differenziert zu betrachten sind und sich aus mehreren Komponenten zusammensetzen. Dabei umfassen Emotionen drei Komponenten die sich auf die physiologische Erregung, das Ausdrucksverhalten und die bewussten Erfahrungen beziehen (Myers, 2014, S. 496). Die physiologische Komponente von Emotionen beinhaltet körperlich-physiologische Veränderungen wie beispielsweise hormonale oder viszerale Erregung (Becker-Carus &Wendt, 2017, S. 540). Diese Komponente ist recht einfach objektivierbar und kann beispielsweise durch neurobiologische Messmethoden, wie bildgebende Verfahren, gemessen werden.

[...]

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Details

Titel
Rubikon-Modell, Emotionen und Motive in der Psychologie
Hochschule
SRH Fernhochschule  (SRH Fernhochschule)
Note
1,0
Jahr
2021
Seiten
23
Katalognummer
V1149195
ISBN (eBook)
9783346540249
ISBN (Buch)
9783346540256
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Motivation, Volition, Emotionen, Rubikonmodell, Implizite und explizite Motive
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Rubikon-Modell, Emotionen und Motive in der Psychologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149195

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