Der Einfluss geschlechtsspezifischer Vorurteile auf den Anteil von Frauen in Führungspositionen


Hausarbeit, 2021

32 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vorurteile

3 Frauen in Führungspositionen

4 Maßnahmen zum Abbau geschlechterspezifischer Vorurteile

5 Diskussion

6 Fazit und Ausblick

7 Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Frauenanteile in Top-200-Unternhemen in Prozent (httpa:/www.diw.de/de/diw_01.c.703455.de/diw_managerinnenbarometer_2020_langsamer_wandel_in_den_fuehrungsetagen_grosser_unternehmen_in_deutschland.htlm)

1 Einleitung

Die Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen ist bereits seit vielen Jahren ein immer wieder aufkommendes Thema für Politik und Wirtschaft. Denn trotz vielseitiger Interventionsmaßnahmen seitens der deutschen Regierungen und politischen Bemühungen, ist der geschlechtsspezifische Unterschied in der Besetzung von Führungskräften immer noch deutlich präsent. Dabei ist der Frauenanteil weiterhin dem Anteil männlicher Führungskräfte weit unterlegen. Da dieses Phänomen der Unterrepräsentanz weiblicher Führungskräfte nicht mit einer Unterqualifikation der Frau begründet werden kann, stellt sich die Frage welche Ursachen und Aspekte für einen geringen Frauenanteil in Führungspositionen verantwortlich sind (Mai, Büttgen & Schwarzinger, 2017, S. 120; Trenkmann, 2017, S. 1). In diesem Kontext sollen vor allem geschlechterspezifische Vorurteile und ihre Auswirkungen untersucht werden.

Ziel dieser Hausarbeit ist es mögliche Ursachen für die Unterrepräsentanz von weiblichen Führungskräften herauszustellen und auf Basis dessen, konkrete Maßnahmen zu entwickeln, die das Problem der Benachteiligung der Frau in der Arbeitswelt reduzieren sollen. Dabei soll die Beleuchtung von geschlechterspezifischen Vorurteilen im Vordergrund stehen, wobei die Entstehung, die Aufrechterhaltung und die Auswirkungen dieser genauer untersucht werden sollen, um dann einen Bezug zur Unterrepräsentanz weiblicher Führungskräfte zu ziehen. So soll zuletzt ein Bewusstsein für die Wirkung stereotypischer und vorurteilsbehafteter Wahrnehmungen in der Arbeitswelt geschaffen werden. Im zweiten Kapitel wird dazu zunächst der Begriff „Vorurteil“ genauer definiert und vom Begriff „Stereotyp“ abgegrenzt. Es werden zudem die Eigenschaften und Ursachen von Vorurteilen erläutert sowie Mittel zu ihrer Reduktion aufgezählt.

Im dritten Kapitel folgt dann der Übergang zur Thematik der Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen. Dazu soll zunächst die Relevanz und Aktualität des Themas durch die Beschreibung aktueller Zahlen und Fakten hinsichtlich weiblicher Führungsanteile in der Arbeitswelt, verdeutlicht werden. Mittels einer kurzen Definition soll dann die Bedeutung des Begriffs „Führungsposition“ aufgeschlüsselt werden. Schließlich sollen drei konkrete Beispiele genannt werden, die Aufzeigen wie sich Vorurteile negativ auf die Besetzung von weiblichen Führungskräften auswirken können.

Im vierten Kapitel steht der Entwurf konkreter Maßnahmen im Fokus, die der genannten Problemstellung entgegenwirken sollen. Dabei soll unter anderem auf die theoretischen Grundlagen zurückgegriffen werden, um Methoden zu entwickeln, die geschlechterbezogene Vorurteile abbauen können.

Im Diskussionsteil werden zuletzt die erarbeiteten Ergebnisse kritisch analysiert, um im Fazit die gewonnenen Erkenntnisse nochmal in komprimierter Form aufzugreifen und einen gezielten Ausblick zu entwickeln.

2 Vorurteile

In Kapitel 2 soll zunächst der Begriff des Vorurteils genauer beleuchtet werden, um ihn dann später in den Kontext der Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen einordnen zu können. Dazu werden die Begriffe Stereotype und Vorurteile in Kapitel 2.1 definiert. In Kapitel 2.1.1 sollen dann die drei Komponenten von Vorurteilen erläutert werden und darauffolgend in Kapitel 2.1.2 die Ursachen für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Vorurteilen analysiert werden. Dann werden in Kapitel 2.1.3 Möglichkeiten und Theorien genannt, um Vorurteile zu reduzieren und zuletzt wird in Kapitel 2.2 auf die Vor- und Nachteile von Vorurteilen eingegangen.

2.1 Definition: Stereotype und Vorurteile

In der modernen Gesellschaft und besonders durch die vorherrschende Globalisierung treffen immer wieder Menschen mit unterschiedlichsten ethnischen, kulturellen oder religiösen Hintergründen sowie verschiedenen Nationalitäten aufeinander. So spielt für viele Menschen die Zuteilung zu Gruppen sowie die Unterscheidung und Charakterisierung solcher Gruppen eine bedeutsame Rolle im Alltag (Kessler & Fritsche, 2018, S. 157). „Italiener lieben Eis und Espresso“, „Blondinen sind dumm“ oder „Frauen können nicht einparken“, all dies sind Aussagen, dessen Wahrheitsgehalt oft sehr instabil ist, die aber dennoch in der Gesellschaft etabliert sind und getätigt werden (Fischer, Jander & Krueger, 2018, S. 11; Werth, Seibt & Mayer, 2020, S. 228). Bei der Untersuchung solcher Denkstrukturen, soll zunächst der Unterschied zwischen Stereotyp und Vorurteil beleuchtet werden. Bei einer Verallgemeinerung durch die Zuschreibung von Eigenschaften und Merkmalen auf alle Mitglieder einer Gruppe, spricht man von einer Stereotypisierung. Sie ist oft dadurch gekennzeichnet, dass sie fehlerbehaftet ist, aber trotzdem von vielen Mitgliedern einer Gesellschaft geteilt wird (Fischer et al., 2018, S. 116; Kessler & Fritsche, 2018, S. 158). Stereotype sind überwiegend als kognitive Repräsentation zu bezeichnen, die unser Denken über soziale Gruppen beeinflussen (Assen, 2016, S. 95). Diese Wissensstrukturen können dabei von positiver, negativer, vor allem aber auch von neutraler Natur sein und beinhalten somit nicht zwangsläufig eine Bewertung (Fischer, Jander & Krueger, 2018, S. 116). Anders ist dies bei Vorurteilen. Diese sind von der affektiven Bewertung einer sozialen Gruppe geprägt, wobei vorwiegend eine negative oder abwertende Einstellung vorherrscht (Assen, 2016, S. 95; Kessler & Fritsche, 2018, S. 158). So definiert Fischer et al. (2018) ein Vorurteil als „ablehnende Haltung bzw. die negative Emotion (affektiv) gegenüber Personen, die allein deshalb bestehen, weil diese Personen einer bestimmten Gruppe angehören.“ (Fischer et al., 2018, S. 118). Wie das Wort es beinhaltete sind Vorurteile eine Art vorgefertigter Urteile, die auf Kategorisierung beruhen, also bereits im Gedächtnis gespeichert und schnell abrufbar sind. So werden Personen anhand einfach erkennbarer Merkmale in Gruppen eingeteilt, um in Zuge dessen auf ihre Eigenschaften zu schließen, die der Gruppe übergeordnet zugeschrieben wurden (Werth et al., 2020, S. 228). Nach Werth et al. (2020) beziehen sich Vorurteile besonders häufig auf ethnische Herkunft (Rassismus), die Geschlechtszugehörigkeit (Sexismus), das Alter (Ageism) und auf die äußerliche Erscheinung (Appearance Prejudice). Weitere Bereiche wären z.B. Behinderungen, Religion oder sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität (Werth et al., 2020, S. 233). Vorurteile enthalten also sowohl affektive als auch kognitive Eigenschaften, wodurch Stereotypen, als kognitive Funktion, folglich eine Teilkomponente von Vorurteilen sind (Gerrig, 2018, S. 677). Des Weiteren sind Vorurteile noch durch eine weitere Komponente gekennzeichnet (Myers, 2014, S. 618). Die drei Eigenschaften von Vorurteilen sollen im folgenden Kapitel genauer beleuchtet werden.

2.1.1 Drei Komponenten von Vorurteilen

Myers (2014) beschreibt Vorurteile als „Mischung“ aus drei Komponenten (Myers, 2014, S. 618). Diese bestehen aus der Kognitiven Komponente, der affektiven Komponente und der Verhaltenskomponente, die im Folgenden genauer beschrieben werden sollen (Werth et al., 2020, S. 229).

Kognitive Komponente:

Die kognitive Komponente umfasst die in Kapitel 1.1 bereits erwähnten Stereotypen. Dabei handelt es sich um Wissensstrukturen bzw. Überzeugungen über Merkmale, die allen Mitgliedern einer Gruppe zugeschrieben werden (Werth et al., 2020, S. 229). Unabhängig von dem oftmals geringen Wahrheitsgehalt von Stereotypen, werden diese von einem großen Anteil der Gesellschaft geteilt und sind somit nicht nur individuelle Ansichten (Kessler & Fritsche, 2018, S. 158). Die Missachtung der oftmals offensichtlich nicht korrekten Inhalte von Stereotypen, ist teilweise in ihrem Nutzen begründet die komplexe Umwelt möglichst einfach zu strukturieren (Fischer et al., 2018, S. 116). Somit stellt ein Stereotyp die Grundlage für Vorurteile dar, ist aber nicht als Vorurteil zu definieren, da es nicht negativ belegt sein muss, sondern neutrale oder sogar positive Valenzen aufweisen kann und kognitiver Natur ist (Fischer et al., 2018, S. 116; Werth et al., 2020, S. 229). Stereotypen können sowohl die Ursache als auch die Folge von Vorurteilen sein (Fischer et al., 2018, S. 116).

Affektive Komponente:

Die affektive Komponente bezieht sich auf die positive oder negative Bewertung von Personen auf Basis ihrer Zugehörigkeit zu einer Gruppe (Werth et al., 2020, S. 229). Vorurteile sind in diesem Kontext meist durch negative Emotionen wie Feindseligkeit, Neid oder Angst geprägt (Myers, 2014, S.618). Dabei wird sich auf die jeweiligen Eigenschaften bezogen, die einer ganzen Gruppe zugeschrieben werden, wodurch alle Gruppenmitglieder als negativ empfunden werden (Fischer et al., 2018, S. 116). Die affektive Komponente der Vorurteile erschwert am meisten die Reduktion von Vorurteilen, da sie gegen logische Argumente und Wissensvermittlung resistent wirkt (Werth et al., 2020, S. 174).

Verhaltenskomponente:

Die Verhaltenskomponente bezieht sich auf die Bereitschaft sich diskriminierend zu verhalten (Myers, 2014, S. 618). Diskriminierung meint, dass Vorurteile in Form von ungerechtfertigten, ungerechten und auch schädigenden Verhalten gegenüber Personen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit ausgedrückt werden (Werth et al., 2020, S. 229). Die negative und abwertende Einstellung gegenüber Gruppenzugehörigen wird in der modernen Gesellschaft eher seltener durch offene und direkte Verhaltensweisen geäußert, sondern wird meist subtiler dargestellt oder ausgelebt (Kessler & Fritsche, 2018, S. 158). Die Folge bleibt aber die Benachteiligung oder gar Unterdrückung ganzer Personengruppen aufgrund der kognitiven Kategorisierung und der affektiven Bewertung sein (Schmithüsen, 2015, S. 150). Somit ist Diskriminierung auch als verhaltensgeleiteter Ausdruck von Vorurteilen zu bezeichnen (Fischer et al., 2018, S. 118). Ein extremes und populäres Beispiel der Diskriminierung findet sich in der Zeit des Nationalsozialismus, in der Juden aufgrund von auf Vorurteilen basierenden Überzeugungen unterdrückt, verfolgt und ermordet wurden (Gerrig, 2018, S. 678).

Somit definiert Gerrig (2018) auf Basis der drei Komponenten ein Vorurteil als „gelernte Einstellung gegenüber einem Zielobjekt, die negative Gefühle (Abneigung oder Furcht), negative Überzeugungen (Stereotypen), welche die Einstellung legitimieren, und eine Verhaltensabsicht umfasst, Objekte der Zielgruppe zu vermeiden, zu kontrollieren, zu dominieren oder auszulöschen.“ (Gerrig, 2018, S. 677-678). Besonders aufgrund der extremen Auswirkungen, die Vorurteile mit sich bringen können, ist es notwendig auch die Entstehung und den Grund für Aufrechterhaltung von Vorurteilen zu ermitteln. Dies soll im folgenden Kapitel thematisiert werden.

2.1.2 Ursache und Aufrechterhaltung von Vorurteilen

Die Ursachen von Vorurteilen sind vielfältiger Natur. So können sie beispielsweise aus gesellschaftlicher Ungleichheit oder aus starken Emotionen entstehen (Myers, 2014, S. 634). Um die Ursachen von Vorurteilen genauer identifizieren zu können, lässt sich auf fünf Theorien zurückgreifen, die zur Erklärung von Vorurteilen beitragen und im Folgenden erläutert werden sollen (Schmithüsen, 2015, S. 150).

Vorrausetzung für Vorurteile ist zunächst die Identifizierung und Bestimmung von Fremdgruppen, also die soziale Kategorisierung. Hier lässt sich als Ansatz die soziale Identitätstheorie nach Tajfel (1979) und Turner (1986) nennen (Kessler & Fritsche, 2018, S. 165). Soziale Kategorisierung meint hier, wie in Kapitel 1.1 bereits angedeutet, die Tendenz die soziale Umwelt in Gruppierungen zu ordnen, um kognitive Prozesse zu erleichtern, aber auch motivationale Prozesse zu stärken. Letzteres meint die eigene soziale Identität zu stärken bzw. das Selbstwertgefühl aufgrund von Gruppenzugehörigkeit zu erhöhen (Schmithüsen, 2015, S. 150; Werth et al., 2020, S. 262). Der motivationale Aspekt beruht vor allem darauf, dass der Mensch zwischen der Gruppe differenziert, in der er sich selbst einordnet (Eigengruppe) und den Gruppen, denen er nicht angehört (Fremdgruppe). Der Selbstwert, der zu Teilen auf der Identifikation mit der Eigengruppe basiert, kann folglich dann gestärkt werden, wenn die Eigengruppe Erfolg erlebt oder allgemein beliebt ist. Erlebt die Eigengruppe Misserfolge, die negativ auf den Selbstwert wirken könnten, wird dazu geneigt sich von der Gruppenidentität zu distanzieren. Auswirkung sozialer Kategorisierung, die bei der Entstehung von Vorurteilen mitwirken, sind der Fremdgruppenhomogenitätseffekt und die Eigengruppenaufwertung (Werth et al., 2020, S. 261-262). Der Fremdgruppenhomogenitätseffekt beschreibt die Tendenz Fremdgruppenmitglieder als einander ähnlicher wahrzunehmen als Mitglieder der eigenen Gruppe (Werth et al., 2020, S. 265). Dieser Effekt ist auch mit dem „Other-Race-Effekt“ in Beziehung zu setzten, bei welchem, Gesichter der Eigengruppe bzw. der eigenen Ethnie besser erinnert werden als die der Fremdgruppen. Ein typisches Beispiel dafür ist, dass Europäer Gesichter anderer Europäer viel individueller wahrnehmen als Gesichter von Personen aus Asien. Für Asiaten gilt dieser Effekt genau so, nur andersherum (Myers, 2014, S. 624; Werth et al., 2020, S. 265). Der Effekt der Fremdgruppenhomogenität wird besonders verstärkt, wenn zwei Gruppen in direkter Konkurrenz zueinanderstehen. Dann gilt, „Je homogener eine Gruppe wahrgenommen wird, desto mehr negative Eigenschaften (z. B. erhöhte Aggressivität) werden ihr beispielsweise zugeschrieben.“ (Werth et al., 2020, S. 266). Die Auswirkung von Eigengruppenaufwertung meint die Aufwertung der Eigengruppe zu Erhaltung des positiven Selbstkonzepts. Die eigene Aufwertung geht dann meist mit der Abwertung von Vergleichsgruppen, also Fremdgruppen einher. Dies kann dann verstärkte Vorurteilsbildung und Diskriminierung zur Folge haben (Werth et al., 2020, S. 267). Eine weitere Theorie zu Erklärung von Vorurteilen, ist die Theorie des realistischen Gruppenkonflikts nach Sherif (1966) und Campell (1965). (Kessler & Fritsche, 2018, S. 161) Hier sollen Vorurteile aus Konkurrenzdruck bei der Verteilung von Ressourcen zwischen verschiedenen Gruppen entstehen (Schmithüsen, 2015, S. 150). Die Theorie beruht auf der Annahme, dass Individuen auch in Gruppen versuchen den individuellen Nutzen zu maximieren. Dabei ist die Zielerreichung häufig auch vom Verhalten anderer abhängig (Interdependenz). Sind die Interessen und Handlungen der verschiedenen Gruppen miteinander vereinbar, so spricht man von einer positiven Interdependenz. Behindern andere Gruppen aber die Zielerreichung oder stellen sogar eine direkte Konkurrenz, um bestimmte Ressourcen dar, so spricht man von einer negativen Interdependenz (Kessler & Fritsche, 2018, S. 162). Negativen Interdependenz kann dann erhöhte Feindseligkeit zwischen den Gruppen bewirken und erhöht die Wahrscheinlichkeit für Vorurteile und Diskriminierung. Es gilt in diesem Kontext, je knapper die begehrte Ressource, desto wahrscheinlicher ist die Entstehung von Vorurteilen und seinen Folgen (Werth et al., 2020, S. 271). Die sogenannte Sündenbocktheorie nach Dollard et. Al (1939) umfasst die Neigung bei Frustration, die Schuld für diesen Zustand auf Fremdgruppen zu schieben, um die eigene Verantwortung nicht tragen zu müssen (Schmithüsen, 2015, S. 150). Dabei werden bei der Schuldzuweisung leicht indentifizierbare und machtlose Fremdgruppen gewählt, die dann Vorurteilen und Diskriminierung ausgesetzt werden (Werth et al., 2020, S. 273). Die Vorurteile dienen hier als Ventil für die Frustration und, um in einem vermeintlich Schuldigen ein Ziel für den empfundenen Ärger zu finden. Ein Beispiel stellt hierfür das vermehrte aggressive Verhalten gegen über Muslimen nach dem Terroranschlag des 11. September 2001 dar. So wurden in den USA nach dem Anschlag mehrere Moscheen angezündet, da den muslimischen Gemeinden die Schuld für den Anschlag zugeschoben wurde (Myers, 2014, S. 623). Eine weitere Erklärung für die Entstehung von Vorurteilen lässt sich in Sidanius & Prattos (1999) Theorie sozialer Dominanzorientierung finden. In ihr wird vermutet, dass auch Persönlichkeitseigenschaften zu Entstehung von Vorurteilen beitragen können, wobei besonders die Dominanzorientierung im Vordergrund steht. Dominanzorientierung meint die Tendenz, sich an hierarchischen Strukturen zu orientieren, welche meist durch Vorurteile gespeist werden. So bedeutet eine hohe Ausprägung der Dominanzorientierung, dass wahrscheinlicher Vorurteile verwendet werden, damit die hierarchische Struktur gestärkt wird (Schmithüsen, 2015, S. 150-151). Zudem gehen hierarchische Strukturen oft mit der Ablehnung von Gleichheit einher (Kessler & Fritsche, 2018, S.160). Auch hier sind die Folgen erhöhte Diskriminierung und Vorurteilsbildung. Zu beachten ist dennoch, dass Vorurteile nicht gänzlich auf die Persönlichkeit zurückzuführen sind, sondern stark mit der Wahrnehmung über eine Fremdgruppe zusammenhängen. Dies lässt sich am Beispiel „Ausländerfeindlichkeit“ erklären. Vorurteile richten sich dabei gegen bestimmte Gruppen, wie z. B. Personen aus der Türkei, während andere Gruppen, wie z.B. Personen aus Schweden kaum Beachtung finden (Kessler & Fritsche, 2018, S.161). Der letzte Ansatz bezieht sich auf die Theorie des Gerechte-Welt-Glaubens nach Lerner (1980). Bei dieser führt das Beobachten von Ungerechtigkeit bei Menschen, mit einer starken Ausprägung des Glaubens an eine gerechte Welt, zu Dissonanz (Schmithüsen, 2015, S. 147). Um diese Dissonanz wieder auszugleichen, dienen dann Vorurteile gegenüber bestimmten Personengruppen, wie beispielsweise Obdachlosen oder von Armut betroffenen. Diese werden als selbstverschuldete Opfer interpretiert, um das Bild einer gerechten Welt aufrechtzuerhalten. Damit sinkt die Bereitschaft zu helfen, während die Bereitschaft für diskriminierende Verhalten wächst (Werth et al., 2020, S. 287). Auf diesem Bedürfnis nach Gerechtigkeit beruhende Theorien, sind die Theorie der relativen Deprivation (Runciman, 1966) und Theorie der relativen Privilegierung (Hoffman, 1976). Hier entstehen Vorurteile auf Basis des Gefühls der sozialen Benachteiligung (relative Deprivation) oder der sozialen Bevorzugung (relative Privilegierung), welches sich aus sozialen Vergleichsprozessen zwischen Gruppen ergibt (Schmithüsen, 2015, S. 149).

Auf Grundlage der vielen Erklärungsansätze für die Entstehung von Vorurteilen, ergibt sich auch die Frage wie und warum Vorurteile aufrechterhalten werden können. Dies lässt sich durch mehrere Phänomene begründen. So wird beispielsweise durch illusorische Korrelationen eine fälschliche Korrelation zwischen negativen Merkmalen und salienten Gruppen wahrgenommen. Vorurteile werden aufrechterhalten, da die Tendenz besteht überschätzte Zusammenhänge wahrzunehmen, sobald zwei auffällige Ereignisse zusammen auftreten. So wird bei der Beobachtung von aggressivem Verhalten einer Person aus einer Minderheit, eine Korrelation zwischen diesem Verhalten und der Gruppenzugehörigkeit dieser Person geschlossen (Werth et al., 2020, S. 280-281). Ein weiterer Aspekt stellt die sich selbsterfüllende Prophezeiung dar, bei der die vorurteilsbehafteten Erwartungen eine Person genau dieses stereotypische Verhalten hervorruft und somit der betroffenen Personen auch nicht die Chance gegeben wird, sich anderweitig zu verhalten. Somit kann das Vorurteil gar nicht erst widerlegt werden (Werth et al., 2020, S. 290). Weitere Einflussfaktoren für die Aufrechterhaltung von Vorurteilen finden sich in der Attributionsverzerrung, also Vorurteilen aufgrund von Attributionsfehlern und vor allem normenverankerten Vorurteilen (Werth et al., 2020, S.284-285). Durch normative Konformität, also dem Bedürfnis sich anzupassen, um in der Gruppe akzeptiert zu werden, kann sich institutionalisierte Diskriminierung entwickeln, die meistens gesellschaftlich tief verankert ist. Beispiele sind institutionalisierter Rassismus oder Sexismus, also die Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft, Hautfarbe oder des Geschlechts (Gerrig, 2018, S. 679; Schmithüsen, 2015, S.127 + 150).

2.1.3 Mittel zu Reduktion von Vorurteilen

Im letzten Kapitel wurden die Ursachen für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Vorurteilen erläutert. Mit diesem Verständnis stellt sich nun auch die Frage, wie und ob es möglich ist, Vorurteile und Feindseligkeiten zwischen der Eigengruppe und der Fremdgruppe zu reduzieren oder sogar aufzulösen.

Ausgehend von der Grundannahme, dass viele Reiz-Reaktionsverbindungen im Gehirn automatisch ablaufen, ist auch die soziale Kategorisierung ein automatisiertes System, um schneller auf fremde Situationen reagieren zu können. Dennoch wird in vielen sozialpsychologischen Theorien davon ausgegangen, dass der Mensch dank des Neokortex noch ein weiteres System besitzt, welches das erste System überwachen und korrigieren kann. So sollte es möglich sein mithilfe des zweiten Systems, die Anwendung von Vorurteilen zu verhindern. Dennoch ist dieses zweite System davon geprägt einen deutlich höheren kognitiven Aufwand zu beanspruchen, wodurch die Unterdrückung von Vorurteilen nur kurzfristig ausgeführt werden kann, da die kognitiven Ressourcen begrenzt sind. Die Folge der Unterdrückung kann dann der sogenannte „Rebound-Effekt“ sein, bei welchem im diesem Kontext Vorurteile besonders stark auftreten, wenn sie sie zuvor unterdrückt wurden. Grundsätzlich reduziert die Beanspruchung des zweiten Systems zwar die Aktivierung von neuen Vorurteilen, erhöht aber zugleich die Wahrscheinlichkeit der Anwendung bereits aktivierter Vorurteile (Fischer et al., 2018, S.127-129). Auch wenn die Unterdrückung von Vorurteilen keinen vollständigen Erfolg mit sich bringt, geht das Forschungsprogramm von Moskowitz (2009) davon aus, dass durch ständiges Wiederholen auch die Kontrolle von Vorurteilen automatisiert werden kann, also die korrigierende Funktion des zweiten Systems zur automatischen Aktivität des ersten Systems werden kann. Zudem können auch persönlich gesammelte Erfahrungen Vorurteile abschwächen, wobei sich vor Augen gehalten werden sollte, dass persönliche Erfahrungen immer subjektiv sind und nicht korrekt sein müssen (Fischer et al., 2018, S. 130). Die Bedeutung von Erfahrungen bzw. Kontakt zum Abbau von Vorurteilen äußern sich auch in der sogenannten Kontakthypothese nach Allport (1954). Er geht in seiner Theorie davon aus das vermehrter Kontakt zwischen sozialen Gruppen gegenseitige Vorurteile vermindert. Dabei stellt er die Bedingungen auf, dass die Gruppenmitglieder in der Kontaktsituation den gleichen Status und ein gemeinsames übergeordnetes Ziel haben müssen und durch Normen und Autoritäten unterstützt werden sollen, damit der Kontakt vorurteilsreduzierend wirkt (Kessler & Fritsche, 2018, S. 172-173). Neuere Studien von Pettigrew und Tropp (2006) zeigen aber, dass die Bedingungen Allports nicht notwendig sind, dennoch förderlich in diesem Prozess wirken (Assen, 2016, S. 96-97). Durch den vermehrten Kontakt soll die affektive Komponente beeinflusst werden, wobei nicht nur direkter, sondern auch indirekter Kontakt oder medienvermittelter Kontakt zur wahrscheinlicheren Minderung von Vorurteilen führt. So zeigte sich nach Chris et al. (2014), dass Menschen, die in Gegenden mit höheren Migrationsanteil wohnen, tolerantere Einstellungen haben, unabhängig davon, ob sie auch mehr persönlichen Kontakt zu Fremdgruppen hatten (Werth et al., 2020, S. 275-277). Weitere Modelle zur Reduktion von Vorurteilen sind beispielsweise das Modell der Dekategorisierung (Brewer & Miller, 1984) und das Rekategorisierungsmodell (Gaertner & Dovidio, 2000), auf welche aus platztechnischen Gründen nicht genauer eingegangen werden kann (Schmithüsen, 2015, S. 144). Der Fokus dieser Hausarbeit soll sich hinsichtlich der Reduktion von Vorurteilen spezifisch auf die Kontakthypothese nach Allport (1954) beziehen.

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Ende der Leseprobe aus 32 Seiten

Details

Titel
Der Einfluss geschlechtsspezifischer Vorurteile auf den Anteil von Frauen in Führungspositionen
Hochschule
SRH Fernhochschule  (SRH Fernhochschule)
Note
1,0
Jahr
2021
Seiten
32
Katalognummer
V1149200
ISBN (eBook)
9783346531025
ISBN (Buch)
9783346531032
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vorurteile, Frauen in Fürhungspositionen, geschlechterspezifische Vorurteile, Kontakthypothese
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, Der Einfluss geschlechtsspezifischer Vorurteile auf den Anteil von Frauen in Führungspositionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149200

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