Ziel dieser Arbeit ist es, die Funktionsweise von Kreditderivaten und deren Einsatzmöglichkeiten im Rahmen des Risikomanagements von Banken darzustellen. Nachdem in Kapitel 2 die Begriffe Kredit und Kreditrisiko definiert werden, wird Kapitel 3 nach einer allgemeinen Systematisierung und Abgrenzung der Kreditderivate deren wesentliche Grundformen darstellen. In Kapitel 4 wird zunächst die Bewertung von Kreditderivaten nach dem marktorientierten Ansatz erläutert, bevor in Kapitel 5 auf das eigentliche Risikomanagement mit Kreditderivaten ausführlich eingegangen wird.
Zur vertieften Darstellung des Risikomanagements mit Kreditderivaten in Kapitel 5 werden zunächst die Möglichkeiten des Kreditrisikotransfers mit Kreditderivaten aufgezeigt und anschließend das Portfoliomodell zur Steuerung und Optimierung der von einer Bank übernommenen Kreditrisiken vorgestellt. In Kapitel 6 werden die mit dem Kreditrisikotransfer verbundene Problematik von Informationsasymmetrien und mögliche Lösungsansätze hierzu thematisiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
2. Kredit und Kreditrisiko
3. Kreditderivate
3.1 Definition und Systematisierung von Kreditderivaten
3.2 Grundformen von Kreditderivaten
3.2.1 Credit Default Swaps
3.2.2. Digital Default Swaps
3.2.3 Total Return Swaps
3.2.4 Credit Linked Notes
3.2.5 Credit Options
4. Bewertung von Kreditderivaten
4.1 Mögliche Bewertungsansätze
4.2 Marktorientierte Preisermittlung
5. Risikomanagement mit Kreditderivaten
5.1 Definition des Begriffs Risikomanagement
5.2 Kreditportfoliomanagement
5.2.1 Absicherung von Krediten
5.2.2 Übernahme von Kreditrisiken
5.2.3 Portfoliomodell zur Steuerung von Risiken
6. Die Rolle von Informationsasymmetrien
6.1 Adverse Selection
6.2 Moral Hazard
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Projektarbeit untersucht die Funktionsweise von Kreditderivaten und deren zentrale Rolle im Risikomanagement von Banken. Dabei wird analysiert, wie diese Instrumente genutzt werden können, um Kreditrisiken zu transferieren, Kreditportfolios zu optimieren und die Refinanzierungskosten durch ein verbessertes Risikoprofil aktiv zu steuern, wobei auch die auftretenden Herausforderungen durch Informationsasymmetrien kritisch beleuchtet werden.
- Kreditderivate als Instrumente des Risikotransfers
- Marktorientierte Bewertungsansätze für Kreditderivate
- Optimierung von Kreditportfolios und Risikosteuerung
- Einfluss von Informationsasymmetrien (Adverse Selection und Moral Hazard)
- Auswirkungen auf die Refinanzierungskosten von Banken
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Credit Default Swaps
Bei einem Credit Default Swap (siehe Abbildung 2) zahlt der Sicherungsnehmer (Protection Buyer, Käufer der Absicherung) eine periodische Gebühr, die typischerweise in Basispunkten per annum ausgedrückt wird, bezogen auf den Nominalbetrag des abzusichernden Risikos. Er erhält im Gegenzug vom Sicherungsgeber (Protection Seller, Verkäufer der Absicherung) eine Zahlung, falls beim Referenzaktivum das Kreditereignis eintritt. Dieses, die Zahlung auslösende Kreditereignis, sowie der Mechanismus, der die Höhe zu leistenden Zahlung bestimmt, werden von den beiden Kontrahenten individuell vor Abschluss der Transaktion definiert. Die Verhandlungen zwischen den Kontrahenten werden dadurch erleichtert, dass bereits seit 1998 für den Credit Default Swap eine Standarddokumentation der International Swap und Derivatives Association (ISDA) zur Verfügung steht, die es den Vertragspartnern ermöglicht, die genauen Konditionen aus den vorgegebenen Alternativen auszuwählen.
Wenn es während der Laufzeit des Kreditderivates zu keinem Kreditereignis kommt, dann bekommt der Sicherungsgeber die periodische Prämienzahlung ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Tritt jedoch das Kreditereignis des zugrunde liegenden Referenzaktivums ein, so entsteht ein Zahlungsanspruch seitens des Sicherungsnehmers, welcher auf unterschiedliche Weise abgewickelt werden kann. Bei der einen Variante der sogenannten physischen Lieferung (Physical Delivery) tauscht der Sicherungsnehmer das Referenzaktivum gegen die Zahlung des Nennwertes mit dem Sicherungsgeber aus. Die anderen Variante ist die sogenannte Barabwicklung (Cash Settlement) in Form eines an den Sicherungsnehmer zu zahlenden Differenzausgleichs entsprechend der Differenz zwischen Nominal- und Restwert nach Eintritt des Kreditereignisses. Anstatt diese Differenz auf der Basis des Anleihenkurses von 100 % (pari) zu berechnen, kann beispielsweise auch ein niedrigerer (beziehungsweise höherer) Prozentsatz gewählt werden, um den Preis der Absicherung entsprechen zu senken (beziehungsweise zu erhöhen).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Veränderung der Risikoverteilung im Bankwesen durch Securization und definiert die Zielsetzung der Arbeit bezüglich der Darstellung von Kreditderivaten im Risikomanagement.
2. Kredit und Kreditrisiko: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe Kredit und Kreditrisiko, wobei insbesondere auf die Unterscheidung zwischen Geldleihe, Kreditleihe und Marktwertrisiken eingegangen wird.
3. Kreditderivate: Es erfolgt eine detaillierte Definition, Systematisierung und Vorstellung der wichtigsten Grundformen von Kreditderivaten wie Credit Default Swaps und Total Return Swaps.
4. Bewertung von Kreditderivaten: Das Kapitel behandelt theoretische Preismodelle sowie den marktorientierten Ansatz zur Bestimmung des Preises für die Risikoübernahme.
5. Risikomanagement mit Kreditderivaten: Hier wird die Anwendung von Kreditderivaten zur Absicherung von Krediten, zur Portfoliodiversifikation und zur Optimierung der Bankbilanz unter Berücksichtigung von Risikomodellen erläutert.
6. Die Rolle von Informationsasymmetrien: Das Kapitel analysiert die durch Kreditrisikotransfer entstehenden Probleme von Adverse Selection und Moral Hazard und zeigt Lösungsansätze auf.
7. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Bedeutung von Kreditderivaten für das Risikomanagement zusammen und reflektiert deren Rolle und Grenzen im Kontext der Finanzkrise.
Schlüsselwörter
Kreditderivate, Risikomanagement, Credit Default Swap, Total Return Swap, Kreditrisiko, Portfoliomanagement, Kreditverbriefung, Marktorientierte Bewertung, Informationsasymmetrie, Adverse Selection, Moral Hazard, Refinanzierungskosten, Asset Backed Securities, Finanzkrise, Bankbilanz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Funktionsweise von Kreditderivaten und deren strategischem Einsatz zur Steuerung und Optimierung von Kreditrisiken innerhalb von Banken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die Instrumente des Kreditrisikotransfers, die Bewertungsmethoden dieser Derivate, die Optimierung von Bankportfolios und die Herausforderungen durch Informationsasymmetrien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Banken durch Kreditderivate ihre Kreditrisiken effektiv steuern können, um ein gewinnmaximales Risikoverhältnis bei gleichzeitiger Verbesserung der Refinanzierung zu erzielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt modelltheoretische Ansätze, um den Zusammenhang zwischen Kreditportfoliooptimierung, Risikomessung und Refinanzierungskosten unter Berücksichtigung von Marktbeobachtungen zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Instrumente (Kreditderivate), deren marktorientierte Bewertung, die Anwendung im Portfoliomanagement zur Risikosteuerung sowie die Analyse von Informationsasymmetrien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kreditderivate, Risikomanagement, Portfoliomanagement, Kreditverbriefung, Adverse Selection, Moral Hazard und Refinanzierungskosten.
Wie beeinflussen Kreditderivate die Bilanzstruktur einer Bank?
Durch den Transfer von Kreditrisiken auf der Aktivseite der Bilanz können Banken ihre Portfolien effizienter gestalten, was wiederum ceteris paribus das Rating der Bank verbessert und somit die Refinanzierungsmöglichkeiten auf der Passivseite begünstigt.
Warum spielt die Unterscheidung von Adverse Selection und Moral Hazard eine Rolle?
Diese Informationsasymmetrien können das Vertrauen zwischen Sicherungsnehmer und Sicherungsgeber untergraben, was dazu führt, dass der Käufer des Derivats eine Misstrauensprämie verlangt, die es durch geeignete Maßnahmen (z.B. Ratings oder Selbstbeteiligung) zu reduzieren gilt.
Inwiefern unterscheidet sich der Total Return Swap vom Credit Default Swap?
Während ein Credit Default Swap primär das Ausfallrisiko absichert, überträgt der Total Return Swap den gesamten ökonomischen Ertrag eines Aktivums, also inklusive Markt- und Zinsänderungsrisiken.
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- Sebastian Oberhauser (Author), 2008, Risikomanagement mit Kreditderivaten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114962