Nachhaltige Sicherung des Industriestandortes Deutschland im Kontext des Grünen Wasserstoffs. Chancen und Risiken einer ökologischen und ökonomischen Energiegewinnung


Masterarbeit, 2021

94 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Ausgangssituation und Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Nachhaltigkeit und nachhaltige Sicherung
2.1 Herkunft und Definition des Begriffs „Nachhaltigkeit“
2.2 Aspekte der Nachhaltigkeit
2.2.1 Ökologische Nachhaltigkeit
2.2.2 Ökonomische Nachhaltigkeit
2.2.3 Soziale Nachhaltigkeit
2.3 Stellenwert für die Industrie in Deutschland
2.4 Vorteile eines nachhaltigen Unternehmens

3. Anforderungen an Industrieunternehmen
3.1 Wachstum durch Nachhaltigkeit?
3.2 Corporate Citizenship
3.3 Stakeholder-Ansatz
3.4 Instrumente der Nachhaltigkeit
3.4.1 Sustainable Supply Chain Management
3.4.2 Sustainable Balanced Scorecard

4. Grundlagen des Wasserstoffs
4.1 Geschichte und Vorkommen des Wasserstoffs
4.2 Unterschiedliche Varianten und Gewinnformen des Wasserstoffs
4.3 Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Arten
4.4 Warum Wasserstoff die Lösung ist

5. Der Grüne Wasserstoff
5.1 Definition und Abgrenzung
5.2 Regenerative Energiegewinnungsmöglichkeiten
5.2.1 Sonnenenergie
5.2.2 Windkraft
5.2.3 Wasserkraft
5.2.4 Bioenergie
5.3 Vor- und Nachteile des grünen Wasserstoffs
5.4 Die deutsche Wasserstoffstrategie
5.5 Ursprung des grünen Wasserstoffs
5.6 Transport- und Logistikkonzepte

6. Grüner Wasserstoff in der deutschen Industrie
6.1 Nutzungspotenziale in unterschiedlichen Branchen der Industrie
6.1.1 Automobilsektor
6.1.2 Schifffahrt
6.1.3 Luftfahrt
6.1.4 Stahlindustrie
6.2 Gründe für die Nutzung von grünem Wasserstoff in den Industriesektoren
6.3 Innovative Wasserstoff-Projekte

7. Kritischer Ausblick
7.1 Fossile Brennstoffe
7.2 Atomkraft
7.3 Nachwachsende Rohstoffe

8. Beurteilung des grünen Wasserstoffs
8.1 Ökologische Beurteilung
8.2 Ökonomische Beurteilung

9. Fazit

Literaturverzeichnis

Danksagung

Hiermit möchte ich mich bei all jenen Bedanken, welche mich während meiner Mas­terthesis begleitet haben und dafür gesorgt haben, dass ich mich 16 Wochen auf die Ihnen vorliegende wissenschaftliche Arbeit fokussieren konnte.

Einen wichtigen Beitrag leistete auch mein Erstbetreuer Herr Dominic Multerer, da er mir stets mit wertvollen Tipps und Ratschlägen zur Verfügung stand.

Weiterhin möchte ich mich bei all den Lehrkräften und Mitarbeitern der CBS International Business School für tatkräftige Unterstützung während der vergangenen 2 Jahre bedan­ken.

Ein besonderer Dank gilt ebenso meinen Eltern, welche mich stets moralisch unterstützt haben und immer versucht haben mich aufzubauen, wenn ich mal die Orientierung ver­loren habe.

Serhat Kanara

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Säulen der Nachhaltigkeit

Abbildung 2: Das Nachhaltigkeitsdreieck

Abbildung 3: Relevanz der Nachhaltigkeit in Unternehmen

Abbildung 4: Relevanz der Nachhaltigkeit für unterschiedliche Branchen

Abbildung 5: T reiber für Sustainable Supply Chain Management

Abbildung 6: Balanced Scorecard

Abbildung 7: Wege des grünen Wasserstoffs

Abbildung 8: Formen der Energiegewinnung

Abbildung 9: CO2-Emissionen der deutschen Industrie

Abbildung 10: Der Lebenszyklus von nachhaltigem Stahl

Abbildung 11: Nettostromerzeugung Deutschland 2020

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030

Tabelle 2: Jährlicher Wasserstoffbedarf

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Zu Beginn der Ihnen vorliegenden Thesis werden die Ausgangssituation und die damit verbundene Problemstellung erläutert. In einem weiteren Unterkapitel wird auf das Ziel und die wissenschaftliche Fragestellung der Ausarbeitung hingewiesen. Daraufhin wird die Gliederung dargelegt, um die Struktur der Abschlussarbeit zu verdeutlichen.

1.1 Ausgangssituation und Problemstellung

„Ich bin davon überzeugt, meine Freunde, daß [sic!] das Wasser dereinst als Brennstoff Verwendung findet, daß [sic!] Wasserstoff und Sauerstoff, seine Be­standteile, zur unerschöpflichen und bezüglich ihrer Intensität ganz ungeahnten Quelle der Wärme und des Lichts werden.“

Jules Verne (1828-1905), französischer Schriftsteller

Bereits vor über einem Jahrhundert wurde mit dem Zitat des Autors Jules Verne, die Möglichkeit zur Nutzung von Wasser als Energiequelle in Erwägung gezogen, doch nie wahrlich umgesetzt. In der heutigen Zeit, im Jahr 2021, versuchen Staaten und Unter­nehmen in gemeinsamen Projekten das Potenzial von Wasser zu entfalten. Vor allem Deutschland investiert Milliarden in den Hoffnungsträger der globalen Industrie. Ausschlaggebend ist die Frage nach der Lösung des Klimawandels und der Verringe­rung des weltweiten CO2-Ausstoßes, welcher durch die Nutzung von fossilen Energie­trägern wie Stein- und Braunkohle, Öl und Erdgas seinen Höhepunkt 1990 erreichte, wobei 1.249.000 Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre abgestoßen wurde (Umwelt­bundesamt, 2021).

Durch einen erhöhten CO2-Ausstoß wird das Klima auf unserem Planeten wärmer, was zur Folge hat, dass das Ökosystem ins Ungleichgewicht gerät und damit das Fundament unserer Existenz beeinträchtigt werden könnte. Vor allem derzeit sorgen die Menschen dafür, dass den Generationen, die auf uns folgen, eine saubere Zukunft verwehrt bleibt, da der Schutz der Umwelt nicht wahrgenommen wird (Calmbach, Borgstedt, Borchard & Thomas, 2016, S. 277-279). Deswegen haben sich im Jahr 2015 197 Länder dazu bereit erklärt, die Pariser Klimaziele durchzusetzen und die Emissionssenkung zu ermöglichen. Hierbei wurden drei grundlegende Ziele erörtert. Die Staaten verpflichten sich zur Sen­kung der Erderwärmung auf unter zwei Grad Celsius. Weiterhin sollen die teilnehmen­den Länder die Treibhausemissionen senken und sich den Gegebenheiten des Klima­wandels anpassen, sowie finanzielle Mittel in Verbindung mit den Klimazielen einsetzen (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi), o.J.).

Zu einem großen Teil der Treibhausgase in Deutschland trägt auch der deutsche Wirt­schaftsstandort bei, welcher aus der chemischen Industrie, der Stahlindustrie, der Auto­mobilbranche, der Schifffahrt und aus der Luftfahrt besteht. Aktuell werden in diesen Branchen vermehrt toxische Gase aus der Verbrennung von Kohle in Hochöfen, Öl in Verbrennungsmotoren und Erdgas in Immobilien ausgestoßen. Aus diesem Grund ste­hen im Mittelpunkt dieser Arbeit die Fragen nach der nachhaltigen Gestaltung des In­dustriestandortes Deutschland und die damit verbundene Sicherung von Arbeitsplätzen. Hierfür hat der grüne Wasserstoff eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für die deut­sche Industrie, denn mit dessen alternativer Energie sollen die fossilen Brennstoffe vom Markt verdrängt werden und den Weg in eine saubere Zukunft ermöglichen. Mit Hinblick auf die jüngsten Entwicklungen in der Energiebranche könnten erneuerbare Energien, welche aus Wind-, Wasserkraft und Sonnenenergie bestehen, die Produktion von grü­nem Wasserstoff bewerkstelligen und die lang ersehnte Wende in der globalen Indust­riewirtschaft herleiten (BMBF, 2020, S. 2-4).

Auch das Thema der Nachhaltigkeit ist gegenwärtig ein vieldiskutiertes Thema, welches im Rahmen meiner Thesis ebenso mit eingebunden wird, da der grüne Wasserstoff nachhaltige Prinzipien fördert und ökologische wie ökonomische Innovationen begüns­tigt. Der Drang zum Einklang des ökonomischen, ökologischen und sozialen Handelns wird in zahlreichen nachhaltigen Handlungsweisen etabliert und soll Ressourcen scho­nen, sowie Unternehmen dazu bewegen, die ökologischen Aspekte mit in die Unterneh­mensrichtlinien einzubinden (Vollmar, 2014, S. 1-2).

1.2 Zielsetzung

Ziel der Ihnen vorliegenden Arbeit ist die Analyse des Energieträgers grüner Wasser­stoffs-, sowie eine darauf basierende ökonomische und ökologische Beurteilung des Nutzungspotenzials von regenerativen Energieträgern mit Hinblick auf den Industrie­standort Deutschland. Als Grundlage soll ebenso die wissenschaftliche Forschungsfrage dienen, welche Bedeutung eine grüne, nachhaltige Energiegewinnung für den Industrie­standort Deutschland hat und vor allem, ob mögliche Veränderungen in den betroffenen Branchen und Industrien, durch eine Umstellung von fossilen Brennstoffen hin zu grü­nem Wasserstoff zu erkennen sind. Zusätzlich wird der aktuelle Stand der Infrastruktur von grünem Wasserstoff näher betrachtet werden. Außerdem werden in dieser Arbeit die Chancen und Risiken der relevanten deutschen Wirtschaftsbranchen wie Automobil, Stahl- und Chemieindustrie sowie Luft- und Seeverkehr im Hinblick auf die Umstellung zu regenerativen Energien kritisch betrachtet, um eine abschließende Gegenüberstel­lung zwischen Ökonomie und Ökologie zu ermöglichen.

1.3 Aufbau der Arbeit

Der Hauptteil meiner Ausarbeitung wird in fünf Kapitel gegliedert und soll dem Leser einen fundierten Einblick in unterschiedliche Bereiche ermöglichen.

Im ersten Kapitel meiner Masterthesis werden die Begriffe der Nachhaltigkeit und der nachhaltigen Sicherung näher erläutert und vor allem mit Ausblick auf die drei Kriterien der ökonomischen, sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit dargestellt. Daraufhin wer­den die Vorteile von nachhaltigen Unternehmen kurz aufgegriffen, um mögliche Gründe für einen Einstieg in die Umstellung auf nachhaltige Prozesse, Projekte oder Produkte darstellen zu können.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den Anforderungen der Nachhaltigkeit an Indust­rieunternehmen, wobei auch auf integrierte Nachhaltigkeitsstrukturen in Unternehmen hingewiesen wird. Weiterhin werden Instrumente der Nachhaltigkeit dargestellt, welche die ersten Schritte hin zu einem nachhaltigen Unternehmen vorweisen.

Der dritte Teil widmet sich der Einführung in das Thema des Wasserstoffs und die damit verbundenen Vor- und Nachteile unterschiedlicher Wasserstoffvarianten. Darauf auf­bauend wird in einem weiteren Unterkapitel die Möglichkeiten der Nutzung von Wasser­stoff dargelegt.

Kapitel vier ist dem grünen Wasserstoff gewidmet, wobei vor allem die möglichen rege­nerativen Energiegewinnungsvarianten vorgestellt werden und Chancen und Risiken der Nutzung des grünen Wasserstoffs erläutert werden. Hierbei wird auch kurz auf die deut­sche Wasserstoffstrategie eingegangen. Im darauf folgenden fünften Kapitel werden ihre möglichen Einsatzgebiete in der deutschen Industrie betrachtet.

Im sechsten Kapitel werden die herkömmlichen Energieträger kritisch hinterfragt und in Relation zu grünem Wasserstoff miteinander verglichen.

Abschließend sollen ökonomische und ökologische Faktoren im Hinblick auf den grünen Wasserstoff erörtert werden, um im letzten Kapitel das Fazit meiner Ausarbeitung zu­sammenfassend darstellen zu können.

2. Nachhaltigkeit und nachhaltige Sicherung

Zunächst wird im folgenden Kapitel, der Begriff der Nachhaltigkeit dem Leser näher dar­gestellt. Hierbei wird vor allem auf die Themen der ökonomischen, der ökologischen so­wie der sozialen Nachhaltigkeit eingegangen, wobei der Begriff zahlreiche weitere As­pekte unserer heutigen Betrachtungsweise einnimmt und sich nicht lediglich auf drei Be­reiche spezifiziert. An dieser Stelle muss man besonders betonen, dass die Menschheit, mit ihrer verschwenderischen, generationenungerechten und umweltvernachlässigen­den Lebensweise, selbst dafür verantwortlich sei, dass den nachfolgenden Generatio­nen ein Planet hinterlassen wird, indem der erheblich hohen Anzahl an Menschen zu wenig Ressourcen zur Verfügung stehen. Es sollte allen klar sein, dass nicht mehr Res­sourcen verbraucht werden als nachwachsen oder regenerieren können (Murgia & Bor- met, 2021, S. 934-935).

2.1 Herkunft und Definition des Begriffs „Nachhaltigkeit“

Unter dem Begriff der Nachhaltigkeit versteht man, dass eine Sache von längerer Dauer ist und sich in Langlebigkeit bewährt hat. Entstanden ist der Begriff schon vor rund 300 Jahren. Hierbei hat der Deutsche Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz (1645­1714) mit seinen Thesen über die Forstwirtschaft, die Grundlagen des Nachhaltigkeits­gedankens geschaffen. Ihm war damals schon bewusst, dass wenn er die Differenz von abgeholzten Bäumen zu nachwachsenden Bäumen nicht dezimiert, er kein stabiles Gleichgewicht schaffen und damit den Bestand des Waldes nicht mehr gewährleisten konnte. Was er nicht wusste war, dass er damit den Grundstein für die heutige Forstwirt­schaft in Deutschland setzte. Weiterhin wurde der Begriff der Nachhaltigkeit durch den sogenannten Brundtland-Report von 1987 allgemein bekannt, mit den Erwähnungen in unterschiedlichen Umweltkommissionen, in welchen es unter anderem um langfristige und umweltschonende Maßnahmen der Entwicklungspolitik ging (Deutsche Gesellschaft für Qualität, o.J.).

Der Begriff Nachhaltigkeit hat sich über Jahre stets verändert. In den Brundtland-Berich- ten wurde eine Entwicklung als nachhaltig definiert, wenn sie die Belange der gegen­wärtig lebenden Menschen befriedigt, ohne dafür die Grundlage für nachfolgende Ge­nerationen zu zerstören. Jeder Mensch soll eine ökologische Verantwortung tragen, so die Autorin Victoria Wegner (Wegner, 2020). Sie ist der Meinung, dass man Sustainabi­lity, also Nachhaltigkeit, nicht einfach klar definieren kann und das damit verbundene, das Richtige gegenüber der Umwelt getan werden kann, indem man sich selbst zur Ver­antwortung zieht und rationales Denken und Handeln den Tag bestimmen sollten. Im weiteren Verlauf fordert die Autorin, dass nur durch die gemeinsamen Synergieeffekte von Mensch, Natur und Wirtschaft eine nachhaltige Zukunft für die nachfolgenden Ge­nerationen geschaffen werden kann (Wegner, 2020).

An dieser Stelle ist ebenso anzuführen, dass durch die von den vereinten Nationen (UN) beschlossenen Ziele zur Eindämmung von wachsender Armut, Hunger und Analphabe­tismus, mit der Einführung des Aktionsprogrammes Agenda 21, welches 1992 in Rio de Janeiro, unter Teilnahme von über 178 Staaten, ins Leben gerufen wurde, Maßnahmen ergriffen werden, um die Nachhaltigkeit weltweit möglichst einzudämmen. Hierbei wur­den unter anderem die Aspekte der Armutsbekämpfung und der internationalen Zusam­menarbeit, ein rationales Konsumgüterverhalten, die Stärkung von gesundheitsstruktu­rellen Fragen sowie soziale und wirtschaftliche Fragestellungen in den Kontext gestellt. Es soll vor allem die enge Zusammenarbeit zwischen den Industrieländern und den von starker Armut betroffenen Ländern in den Fokus gestellt und gefördert werden. Zusätz­lich sollen Organisationen und Einrichtungen, welche unabhängig von Regierungen han­deln, mit in die Verhandlungen einbezogen werden, womit unter anderem, eine größere Transparenz gewährleistet werden kann (Töpfer, 1992, S. 14-16).

Hiernach wurde durch die UN im September 2015 ein erneutes Aktionsprogramm mit dem Namen Agenda2030 vorgestellt. In der Agenda2030 sollten die teilnehmenden Län­der klare Ziele zur Erfüllung des nachhaltigen Wandels definieren. Bedeutend war hier­bei, dass die Weltgemeinschaft 17 Nachhaltigkeitsziele (SDGs) und 169 Unterziele zur Implementierung einer sozialen, ökologischen und ökonomischen Entwicklung der Welt setzten. Diese 17 Nachhaltigkeitsziele werden wie folgt genannt und erläutert (17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, 2021).

Tabelle 1: Die 17 Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung: In Anlehnung an Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, 2021.

Franz Josef Rademacher (2020) hingegen sieht die Agenda2030 in vielerlei Hinsicht kritisch. Im Vordergrund seiner kritischen Äußerung stehen unter anderem stetige und neu hinzukommende Konflikte zwischen Staaten, welche die nachhaltige Entwicklung durch Frieden und Gerechtigkeit und den 17 SDG'-s in einigen Regionen der Welt ver­knappen. Ein weiterer Aspekt ist, dass sehr reiche Industrieländer, welche die 17 Nach­haltigkeitsziele erreichen möchten, weniger mit Konflikten in Verbindung gebracht wer­den als Länder mit weniger Reichtum. Rademacher (2020) fordert, dass sich die reichen Länder dafür einsetzen, dass in ärmeren Regionen diese Ziele ebenso erreicht werden. Weiterhin sei für den Autor die Sicherstellung von Wohlstand, im Kontext eines geringen Einsatzes von Ressourcen, von keinem Mitgliedstaat der Welt eingehalten worden. Ein Grund für diese Kritik sei ebenso die unkontrolliert hohe Geburtenrate Afrikas. Hierbei wird vor allem klar, dass sich ein immenses Bevölkerungswachstum des Kontinents durchsetzen wird und sogar von einer Vervierfachung der jetzigen Bevölkerung die Rede sei, unter welchem der afrikanische Kontinent bis zum Jahre 2100 Problemlösungskon­zepte erstellen sollte. Die Weltpolitik müsste ein nachhaltiges Konzept zur Lösung von Problemen in ärmlichen Regionen zusammenstellen, um größeren Aufgaben gerecht zu werden (Rademacher, 2020, S. 20-23).

Zum anderen ist man ebenso der Ansicht, dass es mit Hilfe unterschiedlicher Nachhal­tigkeitsmodelle in Bezug auf ökonomische, ökologische und soziale Faktoren, möglich ist, die größtmögliche Erfüllung von nachhaltigen Zielen zu verwirklichen. Hierbei ist es wichtig, dass in einem Projekt, einem Unternehmen, einer Dienstleistung oder aber eines Prozesses der Anteil der genutzten sozialen, ökonomischen und ökologischen Dimensi­onen im gleichen Maße durchgeführt werden. Es sollen also soziale, wie ökologische und ökonomische Faktoren nicht gegeneinander abgewogen werden, denn so könnten Projekte oder Vorhaben scheitern (Schulz, 2020).

Resultierend aus den drei Dimensionen der Nachhaltigkeit, haben sich einige Modelle entwickelt. Besonders hervorheben möchte ich die Modelle Säulen der Nachhaltigkeit, das Pyramidenmodell und das Nachhaltigkeitsdreieck. Die Säulen der Nachhaltigkeit, also ökonomische, ökologische und soziale Faktoren, tragen den Gedanken der Nach­haltigkeit und werden durch diesen ebenso verbunden. In der folgenden Graphik wird dies aufgefasst (Wühle, 2019, S.62).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Säulen der Nachhaltigkeit

Quelle: Eigene Darstellung, In Anlehnung an: Wühle, 2019, S. 62.

Im Pyramidenmodell bildet die Ökologie die Grundlage des Lebens. Hierbei werden in der ersten Stufe zunächst die umweltschonenden Aspekte berücksichtigt. Nur wenn diese erfüllt sind, kann der Mensch die nächste Stufe erreichen. Als zweite Stufe sind hierbei soziale Faktoren wie Gleichberechtigung, Gerechtigkeit oder Verantwortung zu nennen. Die letzte Stufe befasst sich mit der Frage der Selbstverwirklichung und dem damit verbundenem Streben nach Glück, der Bildung und der persönlichen Entwicklung. Hierzu seien Kritiker der Meinung, dass sich die Umsetzung dieses Modells, also eine langfristige und nachhaltige Entwicklung einzuläuten, als recht schwierig erweise, da sich die großen Völker zusammenschließen müssten, um einen gemeinsamen Mei-nungskonsens finden zu können (Ein Säulen-Modell und Pyramidenmodell, 2015). Des Weiteren werden im Modell des Nachhaltigkeitsdreieckes die Begriffe Ökologie, So-ziales und Ökonomie gleichermaßen wie im Drei-Säulen Modell dargestellt. Hierbei wird ebenso davon ausgegangen, dass diesen drei Begriffen eine gleiche Gewichtung zuge-sprochen werden muss. Kritikern zufolge sollte das Nachhaltigkeitsdreieck weiterentwi-ckelt und um politische Einflüsse erweitert werden. Die nähere Erläuterung der Nachhal-tigkeits- Dimensionen wird in den folgenden Abschnitten darstellt (Nachhaltigkeitsdrei-eck, o.J.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Dreieck der Nachhaltigkeit Quelle: Kirchner, o.J.

2.2 Aspekte der Nachhaltigkeit

2.2.1 Ökologische Nachhaltigkeit

Im Rahmen der ökologischen Nachhaltigkeit sollten die Wirtschaft und die betroffenen Staaten eine ressourcen- und umweltschonende Handlungsweise anstreben, in welcher es unter anderem darum geht, Wasser, Energie und weitere Einsatzstoffe möglichst ef­fizient einzusetzen. Des Weiteren sollen mit dem Prinzip der ökologischen Nachhaltigkeit Rohstoffe, endliche Ressourcen und Artenvielfalt geschützt werden. Zusätzlich sollen gesundheitsschädliche Stoffe vermieden werden (Schulz, 2020).

Daraus resultierend wird der ökologischen Nachhaltigkeit eine weitere Schutzfunktion zugesprochen, in welcher es hauptsächlich darum geht, eine Maßeinheit bzw. eine Be­rechnung der entstandenen Schäden durch Treibhausemission und CO2-Ausstoß zu er­fassen. Hierbei könnte durch die Messung des Emissionswertes ein Umdenken der Un­ternehmen erfolgen, wodurch diese auf alternative, saubere Ressourcen wechseln könn­ten, womit umweltverträglicher produziert würde (Blazejczak & Edler, 2004, S.12-14).

2.2.2 Ökonomische Nachhaltigkeit

In dieser Nachhaltigkeitsdimension der ökonomischen Nachhaltigkeit sollen Unterneh­men möglichst wirtschaftlich agieren und zudem ebenso die Schnittstelle zur nachhalti­gen Wertschöpfung eines Unternehmens mit einbeziehen. Hierbei soll unter anderem eine möglichst langlebige Konzeption angestrebt werden, die den Wohlstand langfristig sichert. Dies soll beispielsweise durch technologischen Fortschritt erfolgen. Im Vorder­grund steht hierbei besonders, dass Wachstum nicht nur durch Ressourcenverbrauch, sondern ebenso durch eine ökonomische, suffiziente und langlebige Handlungsweise in Relation mit innovativen Ideen sichergestellt werden kann (Pufe, 2017, S. 101-102).

Demnach wird die ökonomische Nachhaltigkeit in die Bereiche Ressourcen, Langlebig­keit und Strategie gegliedert. Ressourcen müssen dementsprechend möglichst scho­nend genutzt werden. Hierbei sollten einige Ressourcen mehrmals verwendet werden, vor allem in der Industrie, da dort ein hoher Anteil an Einsatzstoffen eingesetzt wird. Hinzu kommt, dass so innovative Ideen und neue, nachhaltige Produktionsmöglichkeiten geschaffen werden, mit welchen es möglich ist, neue Arbeitsplätze zu kreieren. Des Wei­teren könnten mit einer ökonomischen, langfristigen Nachhaltigkeitsidee ebenso die Un­abhängigkeit und die Langlebigkeit des Unternehmens gesichert werden. Prozesse, Dienstleistungen, Produkte und Unternehmen sollten von Beginn an möglichst nachhal­tig aufgestellt werden, um möglichst zukunftstauglich aufgestellt sein zu können. Hierbei könnten mögliche Zulieferer bzw. Lieferanten in unmittelbarer Nähe gesucht werden statt günstig im Ausland es könnten kürzere Transportwege entstehen und der CO2-Austoß vermindert werden. Außerdem könnten somit regionale, inländische Unternehmen wirt­schaftlich gestärkt und dazu angereizt werden, dem gleichen nachhaltigen Trend zu fol­gen (So funktioniert ökonomische Nachhaltigkeit, o.J.).

2.2.3 Soziale Nachhaltigkeit

Im Gegensatz dazu werden in der sozialen Nachhaltigkeit menschliche Rechte bewahrt und die Armutsbekämpfung in den Vordergrund gestellt. Des Weiteren sollen der Frie­den und der Wohlstand der Menschen gesichert werden, womit unter anderem das Wohlergehen der Menschen gemeint ist (Kropp, 2019, S.11). Gemäß Agenda 21 soll die soziale Nachhaltigkeit ebenso die Gleichstellung von Mann und Frau gewährleisten, die Existenz der Menschen sichern und die Chance auf Bildung und Ausbildung sowie den Zugang zu unterschiedlichen Bildungsmöglichkeiten garantieren (Agenda 21, 1992, S. 13-15). Weiterhin werden sechs Leitprinzipien der sozialen Nachhaltigkeit in Betracht gezogen. In diesen geht es vor allem um ein menschenwürdiges Leben, Existenzsiche­rung mit adäquater Arbeit, Ressourcensicherung, Chancengleichheit und Teilnahme am öffentlichen Leben. Hierbei handelt es sich um die Grundbedürfnisse eines Menschen, welche gegeben sein sollten, um die soziale Nachhaltigkeit durchsetzen zu können (Em- pacher & Wehling, 2002, S. 38-41).

Alles in allem lassen sich die drei genannten Dimensionen der Nachhaltigkeit nicht ge­trennt betrachten und ausführen, da sonst ein Gleichgewicht der Nachhaltigkeitsdimen­sionen nicht gewährleistet werden könnte. Es sollten die ökonomische, ökologische und soziale Dimension möglichst im gleichen Maßstab durchgeführt werden, um die best­mögliche Nachhaltigkeit zu gewährleisten (Ein Säulen-Modell und Pyramidenmodell, 2015).

2.3 Stellenwert für die Industrie in Deutschland

In der heutigen Zeit ist der Begriff des nachhaltigen Wirtschaftens in zahlreichen Unter­nehmen angekommen. Hierfür versuchen Unternehmen ihren Beitrag zu leisten, indem diese lediglich mit nachhaltigen Unternehmen zusammenarbeiten und auf eine Koope­ration mit weniger nachhaltigen Unternehmen verzichten. Besonders große Unterneh­men, mit einer sehr hohen Produktionskapazität, sind von einem Wandel weg von der wirtschaftlichen Massenproduktion hin zu einer wertorientierten und nachhaltigen Pro­duktion betroffen, vor allem, um der Gesellschaft und den Konsumenten den Kurswech­sel zu symbolisieren (Ruppert-Winkel, Böhm, Brunn, Funcke, Kress-Ludwig, Papke & Scherf, 2017, S. 12-15). Einige dieser Unternehmen würden, laut Martha Rehnberg (2019), noch zu wenig in die nachhaltige Montage bzw. Produktion investieren. Dabei sollten Unternehmen versuchen, ihren CO2-Ausstoß zu verringern und langfristig Emis­sionen zu vermeiden. Dies gelingt jedoch nur schleppend. Hier ist eine klare Richtlinie in der europäischen Union zu erkennen, z.B. durch das Plastiktütenverbot (Nördinger, 2019).

Weiterhin sind einige skandinavische Länder bezüglich der Nachhaltigkeit fortschrittli­cher als mitteleuropäische Länder. Durch ihre Lage haben Schweden und Dänemark vor allem einen Vorteil in der Windkraft gegenüber den anderen Ländern in der EU. Hinsicht­lich gesellschaftlicher, nachhaltiger Werte seien die skandinavischen Länder Vorreiter gegenüber mitteleuropäischen Ländern wie z.B. Deutschland. Nachhaltigkeit wird in die­sen Ländern bzw. in solchen Gesellschaften ein größerer Stellenwert zugesprochen (Nördinger, 2019).

Des Weiteren werden im Rahmen des IAB-Betriebspanels jährlich fast 16.000 Unterneh­men zu strukturellen Gegebenheiten und ihrer Stimmungslage befragt. Hierbei wurde erstmals 2018 die nachhaltige Entwicklung dieser Unternehmen näher betrachtet. Kon­kret wurde nach der Relevanz des Themas der ökologischen Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes für die betroffenen Unternehmen geforscht. Daraus resultierend ergab sich, dass vor allem in großen Unternehmen mit vielen Mitarbeitern nachhaltige Lö­sungskonzepte und Umweltschutz relevant sind. Doch auch kleinere Unternehmen und Start-Up-s zeigen Interesse am nachhaltigen Wandel. Das verdeutlicht die folgende Gra­phik (Zuleger, 2019).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Relevanz der Nachhaltigkeit in Unternehmen

Quelle: Zuleger, 2019.

Zudem ist ebenso erwähnenswert, dass der Stellenwert von Nachhaltigkeit und Umwelt­schutz in den verschiedenen wirtschaftlichen Branchen sehr unterschiedlich sein kann, da es zwischen Landwirtschaft, Industrie und dem Dienstleistungssektor erhebliche Un­terschiede in der Befragung gibt. In der Landwirtschaft wird der Nachhaltigkeit ein großes Interesse zugeschrieben, wohingegen im Dienstleistungssektor ein eher geringerer Stel­lenwert der Nachhaltigkeit festzustellen ist. Wichtig hierbei ist, dass die getroffenen Aus­sagen sich lediglich auf die durchgeführte Befragung des BMWi beziehen und somit kein allumfassendes Konzept darstellen sollen. Vor allem im verarbeitenden Gewerbe fällt die chemische Industrie auf, da diese mit 80,5% für Nachhaltigkeit und Umweltschutz einsteht (Zuleger, 2019).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Relevanz der Nachhaltigkeit für unterschiedliche Wirtschaftszweige

Quelle: Zuleger, 2019.

Die Nachhaltigkeitsstrategie des deutschen Bundes ist im Vormarsch und hat bereits in etlichen Unternehmen einen Richtungswechsel eingeläutet. Auch Unternehmen sollen sich von Zeit zu Zeit anpassen und Projekte, Produkte und Dienstleistungen möglichst nachhaltig gestalten, um überlebensfähig zu werden (Bundesregierung, 2018, S. 19-23). Doch welche Vorteile können nachhaltige Unternehmen erwarten? Sind „grüne“ Unter­nehmen überlebensfähiger? Die Antworten auf diese Fragen werden im nächsten Kapi­tel dargestellt.

2.4 Vorteile eines nachhaltigen Unternehmens

Als nachhaltiges Unternehmen kann man sich zahlreichen Vorteilen gegenüber Unter­nehmen, die nicht umweltschonend agieren, sichern. Zunächst ist zu erwähnen, dass große wie kleine Unternehmen mit verschiedenen Personengruppen, (also Kunden, Lie­feranten und Mitarbeitern) zusammenarbeiten. Kunden beispielsweise wollen wissen, in wie fern das Unternehmen nachhaltig produziert oder ob dieses Produkt in einer men­schenwürdigen Arbeitsweise hergestellt ist. Weiterhin möchten Lieferanten wissen, ob das Partnerunternehmen ebenso nachhaltig wirtschaftet, da es auch von einem Image­schaden betroffen werden könnte. All diese Faktoren sind ein Beweis dafür, dass Unter­nehmen die nachhaltig wirtschaften, ein besseres Image vorweisen können und eine höhere Kundenbindung genießen (Nachhaltigkeit in Unternehmen - Vorteile im Über­blick, o.J.).

Des Weiteren zahlen Kunden mehr Geld für nachhaltige Produkte, da somit ein umwelt­schonendes, nachhaltiges und menschenfreundliches Gut gefördert wird. Eine langfris­tige Ressourcenschonung und eine adäquate, nachhaltige Nutzung der Betriebsstoffe können ebenso kostensenkend für Unternehmen wirken und sich auf der Bilanz bemerk­bar machen. Darüber hinaus könnten Unternehmen, die nachhaltig agieren, eine grö­ßere Mitarbeiterbindung genießen: Gerade für die Generation Y ist die Nachhaltigkeit besonders wichtig und zukunftsweisend (10 Gründe, warum sich Nachhaltigkeit für Un­ternehmen lohnt, 2016).

Darüber hinaus sind nachhaltige Firmen, besonders innovativ und fördern ihre For- schungs- und Entwicklungsabteilung, wodurch längerfristig Kosteneinsparungen und neue Konzepte erzielt werden können. Gleichzeitig, könnten mehr Investoren eingebun­den werden könnten und neue Investitionen wären möglich (Maslo, 2019).

3. Anforderungen an Industrieunternehmen

Für die Ihnen vorliegende Arbeit, ist es ebenso relevant, die jeweiligen Anforderungen an Unternehmen zu erörtern, womit vor allem das Thema der Nachhaltigkeit in unter­schiedliche Aspekte eingeteilt wird. Industrieunternehmen stehen vor einem großen Wandel: Der Wandel von Gas, Diesel und Benzin hin zu einer grünen, regenerativen und nachhaltigen Energieversorgung. Zahlreichen Unternehmen ist nicht klar, was dies für Auswirkungen auf ihre Leitkultur und ihre Unternehmensziele haben könnte. Des Weite­ren stehen einige Industrieunternehmen vor einem Wertewandel, der im nächsten Kapi­tel erläutert wird. Zunächst werden die wachstumsrelevanten Kennzahlen eines nach­haltigen Unternehmens dargestellt, mit welchen ein Unternehmen exponentiell wachsen kann. Daraufhin werden die unterschiedlichen Bereiche eines nachhaltigen Unterneh­mens erläutert und dargestellt. Hierbei werde ich besonders auf die Aspekte Corporate Citizenship und die Rolle der Stakeholder eingehen. Im weiteren Verlauf des Kapitels wird eine nachhaltige Handlungsweise eines speziellen Bereichs dargestellt. Diese geht mit einem nachhaltigen Lieferkettenmanagement und der Entwicklung einer nachhalti­gen Balance Scorecard einher, wodurch das Unternehmen die Marktposition und das Unternehmensimage stärken kann. Zuletzt wird die Rolle der Nachhaltigkeit in Bezug auf die gesellschaftlichen und politischen Ziele reflektiert. Hierbei handelt es sich lediglich um einige aufgegriffene Aspekte der Anforderungen nachhaltiger Unternehmen, denen einige weitere mit Sicherheit folgen könnten, welche ich aber aus Kapazitätsgründen nicht einbezogen habe.

3.1 Wachstum durch Nachhaltigkeit?

Können Unternehmen trotz einer ressourcenschonenden, emissionsfreien und nachhal­tigen Handelsweise weiter wachsen und Profit generieren? Auf diese Frage gibt es kont­roverse Antworten. Auf der einen Seite stehen zahlreiche Kritiker eines nachhaltigen Wirtschaftskonzeptes, die der Meinung sind, dass mit einer „grünen“ Wirtschaft das Wachstum aufgehalten wird und eine Steigerung der Wirtschaftskraft lediglich mit einer synchronen Erhöhung von Ressourcen- und Energieverbrauch einhergeht (Nicoll, 2017). Reiner Klingholz sei der ebenso der Meinung, dass es illusorisch sei anzunehmen, dass mit regenerativen Energien weniger Ressourcenverbrauch einhergeht. Es müsste ein Vielfaches an Einsatzstoffen und Ressourcen eingesetzt werden, um eine vollkommen grüne Wirtschaftslandschaft zu erschaffen, was seiner Meinung nach widersprüchlich sei. Für ihn funktioniere das Prinzip der Bundesrepublik Deutschland, das Streben nach ewigem Wachstum, nicht. Es wäre künstlich und nicht erstrebenswert. Wohlstand sollte fern von wirtschaftlichem Wachstum entstehen, wobei es neue Konzepte und Innovatio­nen zu entwickeln gilt, um ein schönes, erstrebenswertes Leben für künftige Generatio­nen zu ermöglichen (Tügel, & Possemeyer, 2014).

Zusätzlich würde die Entkopplung von Wirtschaftswachstum und hohem Ressourcen­verbrauch auf Dauer nicht funktionieren. Zahlreiche Unternehmen bräuchten Produkti­onsmittel und Einsatzstoffe, um möglichst wirtschaftlich wachsen zu können und überle­bensfähig zu sein. Denn Unternehmen seien für sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand nur dann in der Lage, wenn dies auch auf Kosten der Natur geschehe, so ein Beitrag der Wirtschaftswoche. (Knauß, 2012).

Auf der anderen Seite sind zahlreiche Wirtschaftsverbände und Experten der Meinung, dass Unternehmen mit Hilfe der Nachhaltigkeit, stärker aufgestellt sind und vor allem zukunftsfähiger gegenüber ihren Konkurrenten handeln können. Darüber hinaus wird es in naher Zukunft eine klare Verknappung von Ressourcen geben, die mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung und des damit verbundenen Wachstums einhergeht. Mit einge­bunden sind unter anderem ökologische und ökonomische Engpässe. Die Antwort auf diese Verknappung von Rohstoffen ist vermutlich eine grüne, nachhaltige Ausrichtung an erneuerbaren Energien und deren Potenzial in der Wirtschaft, sowie in der Gesell­schaft der Zukunft (Erfolgreiche Unternehmen zwischen Wachstum und Nachhaltigkeit, 2014).

Aus diesem Grund können Wirtschaft und Nachhaltigkeit erst profitabel sein, wenn die Ansätze der Nachhaltigkeit in der Firmenkultur fest verankert sind und in bestimmten Bereichen als strategisches und zielführendes Werkzeug dienen. Eben aus diesem Grund sind Unternehmen aus Frankreich, Dänemark und Finnland an vorderster Front der Top 100 nachhaltigsten Firmen der Welt. Sie legen viel Wert auf Diversität, Nachhal­tigkeit und Umweltschutz. Ein möglicher Wendepunkt könnte ebenso die aktuelle Strom­versorgung von Unternehmen sein: Wenn alle Unternehmen ihre Stromzufuhr auf rege­nerativen, nachhaltigen Strom wechseln, könnte man, gemäß RE100, fast 15 % des weltweiten CO2-Austoßes verhindern, womit die Umwelt entlastet würde. Doch die Nachhaltigkeit kann nicht nur in Rohstoffen gemessen werden, sondern ebenso in der Unternehmenskultur und ihren relevanten Arbeitsprozessen, welche unter anderem durch zusätzliche Aspekte erweitert werden könnte, die im Folgenden betrachtet werden (Müller, 2020).

3.2 Corporate Citizenship

Ein Themenbereich mit dem sich nachhaltige Unternehmen zukünftig auseinanderset­zen können, ist der Bereich des Corporate Citizenship (CC), der aus dem Überbegriff Corporate Social Responsibility (CSR) hervorgeht.

Der Begriff Corporate Citizenship wird des Öfteren mit dem Engagement eines Unter­nehmens für Bürgerinitiativen, Bildungs-, Sozial-, und Kultureinrichtungen, sowie Ver­bänden in Zusammenhang gebracht und beschreibt das Investment eines Unterneh­mens in deren gesellschaftliches Umfeld und die damit verbundene Verantwortung in der Gesellschaft. Als Investment werden hier, nicht lediglich die finanziellen Mittel ver­standen, sondern zusätzlich Mitarbeiterstärke, unternehmerisches Wissen und strategi­sche, organisationstechnische Hilfe in gewissen Maßstäben. Als Resultat hieraus, wer­den die gestiegene Mitarbeitermotivation sowie das damit verbundene Wachstum des Unternehmensimages genannt (Menke, Werner, Richter und Mannherz, 2012, S.9).

Etliche Unternehmen fordern, dass ihre Mitarbeiter sich mit den Themen des Umwelt­schutzes und sozialen Verantwortungen auseinandersetzen und sich in diesen Gebieten weiterentwickeln. Sie sollen der Gesellschaft einen Dienst erweisen, nicht nur um das Unternehmensimage zu verbessern, sondern um langfristig ressourcenschonenden Ein­fluss nehmen zu können. Hier könnten Aktionen für Mitarbeiter geplant werden, bei­spielsweise Veranstaltungen zur Sammlung von Spenden für gemeinnützigen Organi­sationen bzw. Stiftungen, als Sponsoring von Sportveranstaltungen oder ähnliche Feste. Hierbei sollen nicht direkt finanzielle Aspekte als Grund angegeben werden, sondern vor allem die damit verbundene Akzeptanz in der Gesellschaft und das damit verbundene Bild eines Unternehmens, etwa einer Stärkung der Arbeitgebermarke. Eine Option wäre beispielsweise, dass Unternehmen ihre Aufträge bewusst an Werkstätten für einge­schränkte Menschen weiterleiten und diese am Wertschöpfungsprozess teilhaben las­sen, um diese Organisationen gezielt zu fördern (Hauer, 2018).

Corporate Citizenship ist eine von drei Möglichkeiten eines Unternehmens nachhaltig zu sein. Weiterhin sorgen die Themenbereiche Corporate Social Responsibility und Corpo­rate Responsibility dafür, dass Unternehmen eine nachhaltige Leitkultur integrieren kön­nen. Solche nachhaltigen Ansätze lassen sich mit Hilfe der Stakeholder entwickeln (Loew, Ankele, Braun & Clausen, 2004, S.10-11).

3.3 Stakeholder-Ansatz

Praktisch fast jedes Unternehmen kommt während seines Bestehens mit unterschiedli­chen Interessensgruppen in Kontakt. Die Teilnahme dieser Interessensgruppen an der Unternehmensaktivität einer Firma wird im Fachjargon „Stakeholder“ (Teilhaber) ge­nannt. Hierbei wird vor allem unterschieden zwischen internen und externen Stakehol- dern, die direkt oder aber indirekt mit den Geschäftsprozessen eines Unternehmens in Verbindung gebracht werden können. Die internen Stakeholder bestehen in den meisten Fällen aus eigenen Mitarbeitern, Eigentümern und dem Management, die jeweils unter­schiedliche Ansprüche an das Unternehmen haben. Die Mitarbeiter wollen vor allem Ar­beitssicherheit, ein faires Gehalt und Weiterbildungsmöglichkeiten, wohingegen das Ma­nagement ein hohes Gehalt und Selbstverwirklichungsziele fordert. Auf der anderen Seite gibt es die externen Stakeholder, also Kunden, Lieferanten, Fremdkapitalgeber, Konkurrenten und der Staat sowie die Gesellschaft (Stakeholder-Beteiligung, 2015, S.13-16). Ähnlich wie die internen Stakeholder haben die externen Teilhaber Ziele, die eingehalten werden sollten. Beispielsweise sind Fremdkapitalgeber an einem Vermö­genszuwachs und einer sicheren Kapitalanlage, Lieferanten hingegen an einer verläss­lichen Geschäftsbeziehung und günstigen Lieferkonditionen interessiert. Hinzu kommt, dass Kunden viel Wert auf ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und einen adäquaten Ser­vice legen (Stakeholder, 2018).

Nun ist anzumerken, dass es sich hierbei, um die gängigsten Formen des Stakeholder- Ansatzes handelt. Mittlerweile gibt es unterschiedliche Aspekte der Nachhaltigkeit, die mit einbezogen werden sollten, um ein Unternehmen am Markt wettbewerbsfähig zu machen. Hinzu kommt, dass nicht mehr alle externen und internen Teilhabergruppen auf eine nachhaltige Unternehmenskultur verzichten können. Aus diesem Grund sollten Sta­keholder das Gespräch mit dem Unternehmen suchen, um die Nachhaltigkeitsziele mit­zugestalten und einzuhalten. Der Dialog zwischen beiden Interessensgruppen soll hier­für zielführend sein, da Unternehmensgrundsätze, Menschenrechte, Arbeitsbedingun­gen, Umweltschutz und faire Geschäftsmethoden nicht immer transparent einzusehen sind (Mayer, 2020, S. 160-162).

Ein grundlegendes Beispiel hierfür ist, dass die Interessensgruppe der Kunden mittler­weile viel Wert auf einen nachhaltig produzierten Artikel legt. So fühlen sich diese besser oder denken, sie haben etwas Richtiges getan. Als weiteres Beispiel kann die Tatsache erwähnt werden, dass zahlreiche Unternehmen mittlerweile auf die Lieferstrukturen der kooperierenden Unternehmen schauen, um sich zu versichern, dass das Unternehmen keine menschenverachtende Arbeitsweise vorweist, da dies mit einem Imageverlust des eigenen Unternehmens einhergeht (Wie Kunden die Nachhaltigkeit von Marken und Un­ternehmen bewerten, 2014).

3.4 Instrumente der Nachhaltigkeit

3.4.1 Sustainable Supply Chain Management

Das Supply Chain Management (SCM), auch Wertschöpfungskettenverwaltung ge­nannt, umfasst zahlreiche Bereiche des Unternehmens, wie z.B. Distribution, Produk­tion, Beschaffung und Logistik. Die jeweiligen Lieferkettenflüsse müssen dementspre­chend vom Supply Chain Manager kontrolliert, geplant und analysiert werden, um eine vollständige Produktion innerhalb eines Unternehmens gewährleisten zu können. Falls der Supply Chain Manager dieser Aufgabe nicht gewachsen ist, kann es zu Lieferprob­lemen kommen und der Wertschöpfungsprozess, innerhalb wie außerhalb des Unter­nehmens, könnte dadurch beeinträchtigt werden (Winterstein, Michalek und Hofmann, 2019).

Hierbei stehen die Hauptaufgaben, die mit dem SCM verbunden sind, im Vordergrund. Zum ersten soll mit dem Lieferkettenmanagement die Relation mit den Lieferanten ge­stärkt werden, um die Kommunikation zu steigern und mögliche Engpässe ausfindig zu machen. Als nächstes sollen mögliche Endkunden und deren Nachfrageverhalten ana­lysiert werden, um möglichst schnell und effizient auf die Marktentwicklung reagieren zu können, aber auch, um die Kosten für ein Produkt niedrig zu halten. Zusätzlich sollen mit den genannten langfristigen Zielen, in einem Folgeprozess, die Reduzierung der Lager­kosten bzw. Lagerbestände angestrebt werden. Unterteilt wird in diesem Bereich in Pro­duktionsfluss, Finanzfluss und Informationsfluss, die miteinander in Relation stehen (Nis­sen, 2003, S. 2-5). Supply Chain Management führt dementsprechend zu einer Produkt­verbesserung und sorgt für geringere Durchlaufzeiten. Hierbei ist anzumerken, dass der Prozess des SCM nicht immer fehlerfrei abläuft, da jedes Unternehmen unterschiedliche Interessen bzw. Ziele verfolgt und so ein Meinungskonsens schwierig ist. Letztlich ist anzumerken, dass weiterhin nicht alle Unternehmen die gleichen Ressourcen und Struk­turen vorweisen können, was sich mitunter auf die Wertschöpfungskette auswirkt (Supply Chain Management, o.J.).

Mit Bezug auf die Nachhaltigkeit wenden zahlreiche Unternehmen die Prinzipien der ökonomischen, sozialen und ökologischen Nachhaltigkeit auf ihre Wertschöpfungskette an. Besonders relevant ist hier nicht nur die nachhaltige Funktion der Produkte, sondern ebenso die Entwertung nach Nutzung. Im Bereich (Sustainable Supply Chain Manage­ment) SSCM wird eine erneute Gliederung in Management von Geschäftsrisiken, Reali­sierung von Leistungspotenzialen und Erzeugung von nachhaltigen Gütern vorgenom­men. Mit Hilfe dieser drei Themen können Unternehmen ihr Supply Chain Management in eine nachhaltige Richtung weisen. Im ersten genannten Oberthema, das Management von Geschäftsrisiken, soll vor allem die politisch-rechtliche Grundlage für eine nachhal­tige Unternehmensfunktion gelegt werden, welche Unternehmen in ihrem Wertschöp­fungsfluss beeinträchtigen. Weiterhin könnten im zweiten Thema, in der Realisierung von Leistungspotenzialen, durch eine nachhaltige Ausrichtung der Produktion erhebliche Kosten gespart werden. Hierfür wird des Öfteren von gesunkenen Kosten für die Entsor­gung von Abfall Gebrauch gemacht oder von einer gestiegenen Motivation der Mitarbei­ter in der Produktion, durch ein nachhaltiges Unternehmensimage. Hinzu kommt, dass mit Hilfe des SSCM eine Wirksamkeitssteigerung einhergeht, welche vor allem in den Bereichen der Arbeit, Gesundheit und Sicherheit für eine Produktivitätssteigerung sorgt. Letztlich wird im Bereich der Erzeugung von „grünen“ Produkten auf Grund von neuen Ansprüchen der Zulieferer und Konsumenten, eine nachhaltige Ausrichtung der Pro­dukte angestrebt, der ebenso eine Welle der Innovation einhergeht. Besonders die Sta­keholder können in diesen Prozess der Nachhaltigkeit mit eingebunden werden, um ihre Interessen intensiver zu vertreten und Wünsche zu äußern (Ganse, Werhahn und Gschmack, 2012, S. 1-4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Treiber für das Sustainable Supply Chain Management Quelle: Ganse et al., 2012, S.2.

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Ende der Leseprobe aus 94 Seiten

Details

Titel
Nachhaltige Sicherung des Industriestandortes Deutschland im Kontext des Grünen Wasserstoffs. Chancen und Risiken einer ökologischen und ökonomischen Energiegewinnung
Hochschule
Cologne Business School Köln
Note
1,8
Autor
Jahr
2021
Seiten
94
Katalognummer
V1149676
ISBN (eBook)
9783346536471
ISBN (Buch)
9783346536488
Sprache
Deutsch
Schlagworte
nachhaltige, sicherung, industriestandortes, deutschland, kontext, grünen, wasserstoffs, chancen, risiken, energiegewinnung
Arbeit zitieren
Serhat Kanara (Autor:in), 2021, Nachhaltige Sicherung des Industriestandortes Deutschland im Kontext des Grünen Wasserstoffs. Chancen und Risiken einer ökologischen und ökonomischen Energiegewinnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149676

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