"Le retour de la chère morte" in den Werken "Véra" von Villiers de l’Isle-Adam und "La morte amoureuse" von Théophile Gautier


Seminararbeit, 2015

14 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Auguste de Villiers de l’Isle-Adam, « Véra »
2.1 Kurze Zusammenfassung
2.2 Die Rückkehr von Véra

3. Théophile Gautier, « La morte amoureuse»
3.1 Kurze Zusammenfassung
3.2 Die Rückkehr von Clarimonde

4. Die Rückkehr von Véra und Clarimonde im Vergleich

5. Fazit

1. Einleitung

Die Beschäftigung mit der Reinkarnation bzw. mit der Thematik der Auferstehung erweist sich als eines der ältesten Phänomene der Welt. Der Glaube an die Wiedergeburt, an ein Leben nach dem Tod oder die Rückkehr aus dem Jenseits findet sich in sehr vielen Kulturen und Religionen wieder. Diese ursprünglich aus der Religion stammende Thematik hielt auch Einzug in die Literatur und wird von zahlreichen Autoren behandelt.

Vor allem in der englischsprachigen Literatur wurde dieses Motiv immer wieder aufgegriffen.1

So geht es beispielsweise unter anderem in der Erzählung „ Ligeia“ von Edgar Allen Poe darum, wie der „Verlust einer geliebten Frau durch eine jenseitige Kraft überwunden wird.“2

Der Wunsch « [de] faire revenir une femme aimée que la ‚nuit du tombeau’ a ravie » (Viegnes 1996: 75) wird auch in zahlreichen französischen Werken des 19. Jahrhunderts thematisiert. So findet sich dieses Motiv beispielsweise in der erstmals im Jahre 1874 publizierten Novelle « Véra » von Villiers de l’Isle-Adam oder in dem – etwas weniger bekannten – Sonett « Sur les bois oubliés quand passe l'hiver sombre » von Stéphane Mallarmé wieder. Auch in den Werken von Théophile Gautier wie beispielsweise den Novellen « Spirite », « La Cafetière » oder in der im Jahre 1836 veröffentlichten Novelle « La morte amoureuse » kommt diese Thematik zum Vorschein.

In dem Folgenden wird das Motiv der Rückkehr anhand von den beiden Novellentexten « Véra » von Villiers de l’Isle- Adam und « La morte amoureuse » von Théophile Gautier herausgearbeitet. Die Thematik der Rückkehr wird zunächst in den beiden Werken separat behandelt. Anschließend wird ein Vergleich der beiden Werke erfolgen. Der Schwerpunkt wird dabei darauf gelegt, wie die Rückkehr von Clarimonde und Véra sozusagen in die « texture du récit » eingebettet wird. (Viegnes 1996: 83)

2. Auguste de Villiers de l’Isle-Adam, « Véra »

In diesem Kapitel wird zunächst ein kurzes inhaltliches Resümee der Novelle « Véra » erfolgen. Danach wird eine Analyse von Véras Rückkehr vorgenommen.

2.1 Kurze Zusammenfassung

Nachdem der Graf d’Athol seine geliebte Frau Véra begraben hat, hatte er die Totengruft abgesperrt und den silbernen Schlüssel in das Innere der Gruft geworfen. Als er in seinem Pariser Schloss ankommt, findet er alle Gegenstände an dem Platz vor, wo Véra sie am Tag zuvor zurückgelassen hatte. Umgeben von den persönlichen Gegenständen, die ihn an Véra erinnern, verliert sich der Graf in Erinnerungen an die mit Véra verbrachten sechs Monate, in denen sie die Zweisamkeit gemeinsam genossen hatten.

In der Nacht kommt es dem Grafen vor, als würden alle Véras Gegenstände durch einen Lichtstrahl erhellt werden. Er spürt ihre Präsenz und er bildet sich ein, dass seine Frau bei ihm sein würde. Er befiehlt Raymond, seinem Diener das ganze Personal zu entlassen und bestellt das Abendessen für sich und die Gräfin. Die anfängliche Skepsis und Irritiertheit des Dieners vergehen und der Graf und Raymond versetzen sich so in die Vorstellung hinein, dass Véra noch leben würde, dass sie sich in einer gewissen Hinsicht eine eigene Realität konstruieren.

Als der Graf gewahr wird, dass Véra wirklich tot ist, entfernt sich ihre Gestalt und die Illusion, in der er ein ganzes Jahr lang gelebt hat, verschwindet. Als er daraufhin „nach einem anderen Weg zu ihr fragt“, fällt ein glänzender Gegenstand vom Ehebett: es ist der silberne Grabschlüssel. (Krömer 1994: 135)

2.2 Die Rückkehr von Véra

Bereits in der Eingangsszene wird dem Leser vermittelt, dass es sich um eine innige Beziehung zwischen dem Grafen und Véra handelt. Als Véra plötzlich aus dem Leben gerissen wird, versucht der Graf allein durch die Kraft der Gedanken und die Negation von Véras Tod sie auferstehen zu lassen. « Grâce à la profonde et toute-puissante volonté de M. d’Athol, qui, à force d’amour, forgeait la vie et la présence de sa femme dans l’hôtel solitaire, cette existence avait fini par devenir d’un charme sombre et persudeur. » (Villiers 1983 [zuerst 1883]: 23)

Anschließend lehnt er den Tod der Gräfin vollständig ab. « – Raymond, dit tranquilement le comte, ce soir, nous sommes accablés de fatigue, la comtesse et moi; [...]. » (Villiers 1983 [zuerst 1883]: 20) Dieser Satz zeigt, dass der Graf den Tod seiner geliebten Frau regelrecht negiert und beschließt ab diesem Zeitpunkt an, so zu leben, als wäre Véra stets an seiner Seite. (Yamazaki 1998: 89)

Dem Grafen gelingt es also Véra nicht etwa durch eine magische Kraft wieder aufleben zu lassen, sondern er schafft dies allein durch seine Willenskraft. (Yamazaki 1998: 90)

Welche Elemente bzw. Symbole könnten in Zusammenhang mit Véras Rückkehr gebracht werden?

Um Véras Rückkehr möglichst glaubhaft erscheinen zu lassen, werden zunächst die gängigen Dichotomien wie „Licht“ und „Dunkelheit“ oder „Leben“ und „Tod“ in einer gewissen Hinsicht „umgedreht“ und finden als neu zusammengesetzte, binäre Oppositionen Verwendung. Dies lässt sich zunächst an den Gegensätzen « clos » und « ouvert » erkennen. Grundsätzlich kann man sagen, dass « le clos connote la mort, l’ouvert les potentialités de la vie. » (Viegnes 1996: 83)

Diesem Schema entspricht allerdings nur die Anfangsszene, d.h. als der Graf die Totengruft absperrt und den Schlüssel ins Innere der Gruft wirft. Diesem « enfermement du tombeau » würde – so Viegnes – beispielsweise der Rückzug von der Außenwelt – der sich schon zu Véras Lebzeiten als bestimmend für die Beziehung zwischen den beiden erwiesen hatte – entsprechen: « [...] ils s’étaient isolés, aussitôt leur union, dans ce vieux et sombre hôtel, où l’épaisseur des jardins amortissait les bruits du dehors. » (Villiers 1983 [zuerst 1883]: 17) Sogar die Natur schein hier bei dieser Abschottung eine Rolle zu spielen, indem sie jegliche Geräusche, die sozusagen von außen kommen, fernhält. Später wird diese Abschottung dadurch verstärkt, dass der Graf sein ganzes Personal entlässt und sich in seinem Schloss regelrecht einsperrt. (Viegnes 1996: 83)

Diesem in einer gewissen Hinsicht « espace clos », der durch die Abschottung von der Außenwelt zum Vorschein kommt, werden das offene Fenster in Véras Zimmer, die halboffenen Fächer und das offene Klavier in der « chambre veuve » (Villiers 1983 [zuerst 1883]: 17) entgegengesetzt. « La croisée, sous les vastes draperies de cachemire mauve broché d’or, était ouverte [...] l’eventail à demi-fermé [...] le piano ouvert, supportant une mélodie inachevée. » (Villiers 1983 [zuerst 1883]: 17) Diese in Véras Zimmer vorhandenen „Öffnungen“, die in einem scheinbaren Widerspruch zu dem oben genannten « espace clos » stehen, widersetzen sich somit der Enge des Todes.

[...]


1 <https://idw-online.de/de/news219484>, Abruf : 20.09.2015.

2 <https://de.m.wikipedia.org/wiki/Ligeia>, Abruf : 20.09.2015.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
"Le retour de la chère morte" in den Werken "Véra" von Villiers de l’Isle-Adam und "La morte amoureuse" von Théophile Gautier
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Seminar: Literarische Fantastik
Note
3,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
14
Katalognummer
V1149691
ISBN (eBook)
9783346532718
ISBN (Buch)
9783346532725
Sprache
Deutsch
Schlagworte
théophile gautier, Auguste de Villiers de L’Isle-Adam
Arbeit zitieren
Ksenia Turkina (Autor:in), 2015, "Le retour de la chère morte" in den Werken "Véra" von Villiers de l’Isle-Adam und "La morte amoureuse" von Théophile Gautier, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149691

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