Armut in der fortgeschrittenen-modernen Gesellschaft


Hausarbeit, 2014

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Armutsdefinition und Armutsmessung
2.1 Absolute Armut
2.2 Relative Armut
2.3 Messung der relativen Einkommensarmut

3 „Neue“ Armut

4 Armutsfaktoren und Risikogruppen

5 Das Konzept der sozialen Exklusion

6 Fazit

1 Einleitung

Die soziale Struktur der modernen Gesellschaft ermöglicht den Individuen mittels des persönlichen Engagements einen höheren sozialen Status zu erlangen. Dies zeigt also, dass die soziale Struktur der fortgeschrittenen Gesellschaft durchlässiger geworden ist, die dem „zugeschriebenen Status“, also dem Status qua Geburt weniger Bedeutung schenkt, sondern vielmehr den im „Lebenslauf erworbenen“ favorisiert. Dieser Wandel gibt den Einzelnen mehr Freiheit selbst über das eigene Schicksal entscheiden zu können. Gleichzeitig trägt das Konzept der Individualisierung dazu bei, dass das Individuum nicht nur für den sozialen Auf- sondern auch für den sozialen Abstieg selbst verantwortlich ist. So kann man den Individualisierungsprozess als einen zwiespältigen Prozess verstehen, der den Menschen einerseits mehr Freiraum ermöglicht und sie gleichzeitig neuen Risiken ausliefert. Zu bemerken ist, dass nicht nur die einzelnen Gesellschaftsmitglieder in der fortgeschrittenen Gesellschaft immer autonomer werden und „sich individualisieren“, auch die Armut verändert sich. Sie passt sich mit ihren neuen Formen dem gesellschaftlichen Wandel an und bleibt eine nicht zu unterschätzende Herausforderung der modernen Gesellschaft. Schlagzeilen wie „12.6 Millionen Menschen in Deutschland von Armut bedroht“ (Spiegel Online, 03.11.2011). oder „La France compte 8.6 millions de personnes pauvres, vivant avec moins de 964 euros par mois, en 2010, selon les dernières statistiques de l’Insee“ (Le figaro, 10.12.2012) sind keine Seltenheit und zeigen, dass auch in wohlhabenden Gesellschaften wie in Deutschland und Frankreich Armut ein höchst aktuelles Thema ist, welches im Zusammenhang mit dem Konzept der sozialen Ausgrenzung eine ungelöste und komplexe Problematik darstellt. Was genau ist mit dem Begriff der Armut gemeint? Wie wird Armut überhaupt gemessen? Welche Bevölkerungsgruppen weisen ein hohes Risiko auf, von Armut getroffen zu werden? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Armut und sozialer Ausgrenzung? Im Folgenden wird versucht, Antworten auf die hier gestellten Fragen zu geben.

Nachdem die Konzepte der absoluten und der relativen Armut behandelt wurden, wird die Messung relativer Einkommensarmut näher in den Blick genommen. Es folgt eine Definition der „neue Armut“. Später werden unterschiedliche Faktoren die zur Armut führen können betrachtet sowie die Bevölkerungsgruppen die am häufigsten von Armut betroffen sind, erwähnt. Das vorletzte Kapitel beleuchtet das Problem der Exklusion am Arbeitsmarkt und zeigt wie der Verlust der Erwerbstätigkeit zum gesellschaftlichen Ausschluss führen kann. Anschließend werden die einzelnen Arbeitslinien nochmals kurz zusammengefasst.

2 Armutsdefinition und Armutsmessung

Der Armutsbegriff kennt keine universale Definition, die für alle Gesellschaften identisch ist. Armut ist vielmehr ein hoch normatives Konzept, für dessen Beschreibung unter anderem kulturelle, historische und gesellschaftliche Aspekte berücksichtigt werden müssen. So hat Armut in Drittweltländern eine ganz andere Ausprägung als in wohlhabenden Weltregionen. Im folgenden Kapitel wird zunächst der Unterschied zwischen dem absoluten Armutskonzept und der relativen Armut verdeutlicht. Danach wird die Messung der relativen Einkommensarmut näher in den Blick genommen.

2.1 Absolute Armut

Unter dem Konzept der absoluten Armut versteht man eine Lebenssituation unterhalb des Existenzminimums, also ein Leben am Rande der Existenz in Hunger und Elend. Die absolute Armut beleuchtet somit vor allem die „existenzielle Bedrohung“ sowie die „physische Existenzgefährdung“ (Böhnke 2006: 43). Anders gesagt, bezieht sich die absolute Armut auf ein unbedingt notwendiges Mindestmaß, das überlebenswichtig ist. Zu nennen sind an dieser Stelle beispielsweise ausreichende Ernährung, angemessene Unterkunft, Zugang zum Trickwasser und zu einer medizinischen Grundversorgung. Solche extremen Armutsverhältnisse treten in den wohlhabenden Gesellschaften eher selten auf, bzw. wird dieser Ansatz von den offiziellen Statistiken in den europäischen Ländern kaum noch behandelt. Deshalb spricht man auch in Bezug auf unter anderem Westeuropa von einer relativen Armut. Absolute Armutskonzepte sind jedoch nicht völlig aus der Welt geschafften, sie stellen noch heutzutage für bestimmte Weltregionen, wie z.B. in den Entwicklungsländern eine reale und alltägliche Situation dar. Laut Annahmen der Weltbank „müssen 1998 weltweit 1,2 Milliarden Menschen von einem Dollar pro Tag leben [und] 2,8 Milliarden Menschen müssen mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen“ (Böhnke 2006: 43).

2.2 Relative Armut

Im Unterschied zu den Entwicklungsländern, wo die Armut eine eher absolute Ausprägung aufweist, bezeichnet man die Armut die in den wohlhabenden Weltregionen auftritt eher als „relativ“. Die relative Armut beleuchtet nicht mehr die „physische Existenzgefährdung“ sondern bezieht sich auf die materiellen Mindeststandards. Diese Mindeststandards haben aber nicht nur einen finanziellen Charakter, sondern können sich ebenfalls auf den kulturellen als auch auf den sozialen Kontext beziehen. Townsend drückt diese mehrdimensionalen Deprivationen folgendermaßen aus: „[...] people may be seen to be deprived if they do not have, at all, or sufficiently, the conditions of life – that is, the diets, amenities, standards and services – which allow them to play the roles, participate in the relationships and follow the customary behaviour which is expected of them by virtue of their membership of society“ (Townsend 1987: 130, zitiert nach Böhnke 2006: 45). Eine Person, deren Lebensstandard sich unterhalb des in einer Gesellschaft als „normal“ angesehenen Lebensniveaus befindet, lebt somit nach dieser Definition unterhalb der Armutsschwelle. Mit anderen Worten ist die relative Armut eine Situation von Entbehrung, ja ein gewisser Mangel gegenüber den Wohlfahrtsnormen die in einer Gesellschaft zu einem bestimmten Zeitpunkt vorherrschen. Dieser Ansatz der Armut wird in den meisten europäischen Ländern verwendet um die Armutsstatistiken zu erstellen. Zu bemerken ist allerdings, dass keine einheitlich objektiven Kriterien existieren, nach denen der „angemessene Lebensstandard“ definiert wird. Lebensstandards haben also einen subjektiven Charakter und können von Gesellschaft zu Gesellschaft variieren.

2.3 Messung der relativen Einkommensarmut

Relative Armut kann anhand unterschiedlicher Indikatoren gemessen werden. Neben Einkommen können auch Lebenslagenindikatoren – wie Bildung oder Wohnung – für die Armutsmessung genommen werden. In dem folgenden Kapitel wird die Einkommensarmut näher in den Blick genommen. Es existieren unterschiedliche Schwellenwerte, die zur Messung und Analyse der Einkommensarmut verwendet werden. Unterschieden wird zwischen den Grenzen von 40% (strenge Armut), 50% (Armut), 60% (Armutsnähe) und 75% (prekäre Wohlstandsschwelle), bezogen entweder auf das arithmetische Mittel oder den Median. Am häufigsten werden jedoch die Schwellenwerte von 50% und 60% verwendet, um die Größe der von Armut gefährdeten Population zu erfahren. Bedeutsam bei der Armutsmessung ist auch das Nettoäquivalenzeinkommen, für dessen Berechnung zum einen das Haushaltseinkommen benötigt wird und zum anderen die in einem Haushalt lebende Personenanzahl. Den einzelnen Familienmitgliedern werden laut Definition unterschiedliche Verbrauchseinheiten zugeordnet. Der erste Erwachsene im Haushalt wird mit dem Faktor 1 gewichtet, Personen über 15 Jahre mit dem Faktor 0.5 und jedes Kind unter 15 mit dem Faktor 0.3. Diese Umrechnung wird benötigt um unterschiedliche Haushalte, sei es in Größe oder Zusammensetzung miteinander vergleichen zu können (vgl. Buhr / Leibfried 2009: 108).

Wie groß allerdings der Anteil der in Armut lebenden Bevölkerung ist, hängt somit von der gewählten Armutsschwelle ab.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Armut in der fortgeschrittenen-modernen Gesellschaft
Hochschule
Universität Trier
Veranstaltung
Proseminar: Gesellschaftskonzepte und Gesellschaftsanalysen
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V1149693
ISBN (eBook)
9783346532732
ISBN (Buch)
9783346532749
Sprache
Deutsch
Schlagworte
armut, gesellschaft
Arbeit zitieren
Ksenia Turkina (Autor:in), 2014, Armut in der fortgeschrittenen-modernen Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1149693

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