„Tú no opinas nada y se acabó” - Parallelen zwischen Esquivels "Como agua para chocolate" und Lorcas "La casa de Bernarda Alba"


Hausarbeit, 2008
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Die Werke und ihre Rezeption
1.1 Das Werk Como agua para chocolate
1.2 Die Rezeption von Como agua para chocolate
1.3 Das Werk La casa de Bernarda Alba

2. Vergleich der Werke Como agua para chocolate und La casa de Bernarda Alba
2.1 Die Charaktere
2.2 Die Sprache, religiöse Aspekte und weitere Parallelen

Schlussbetrachtung

Bibliographie

Vorwort

Mit Como agua para chocolate veröffentlichte die mexikanische Autorin Laura Esquivel ihr erstes Werk, welches sie 1992 in Zusammenarbeit mit ihrem damaligen Ehemann Alfonso Arau auch als Kinofilm produzierte. Spätestens durch den internationalen Erfolg des Films wurde auch das Buch einem weltweiten Publikum bekannt und stand lange Zeit auf der Bestsellerliste großer Zeitungen wie der New York Times (dort über ein Jahr).

Das Theaterstück La casa de Bernarda Alba von Federico García Lorca wurde 1936 veröffentlicht und stellt den dritten Teil seiner Tragischen Trilogie dar, die durch Bodas de sangre und Yerma komplettiert wird. Das Drama um die Witwe Bernarda Alba und ihre fünf Töchter thematisiert die Rolle der Frau im Andalusien der 30er Jahre. Während Bodas de sangre (1933) eine schreckliche Liebesgeschichte erzählt, setzt sich Yerma (1934) mit der Situation auseinander, dass ein Ehemann keine Kinder haben möchte, während seine Frau sich durch Kinder verwirklichen möchte und ihn schließlich umbringt. La casa de Bernarda Alba ist das letzte Stück der Trilogie und stellt in dem Sinne eine Besonderheit dar, dass der männliche Charakter nur thematisiert wird, aber weder die Bühne betritt, noch ein Wort sagt. Das Werk wurde 1945 in Buenos Aires uraufgeführt und gelangte erst Jahre später in das spanische Theater.

Ein spanisches Drama aus den 30er-Jahren mit einem mexikanischen Roman zu vergleichen, der zu Zeiten der mexikanischen Revolution spielt und Ende des 20. Jahrhunderts geschrieben wurde, erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich. Doch bei genauerem Hinsehen weisen die beiden Werke einige Parallelen auf, die eine Untersuchung durchaus zulassen: Ähnliche Charaktere der Protagonisten, eine fast völlige Abwesenheit männlicher Personen, eine Handlung die ebenfalls ähnliche Züge aufweist, und weitere Charakteristika wie Symbolik und religiöse Elemente.

Das Buch Como agua para chocolate wurde bisher in der Literaturwissenschaft wenig rezipiert, doch es lassen sich zwei Grundtendenzen erkennen, die sich mit dem Werk auf der einen Seite als einem Werk des Magischen Realismus' und auf der anderen Seite als einem feministischen Werk beschäftigen. Diese beiden großen Strömungen werden nach einem kurzen Vorstellen des eigentlichen Romans im ersten Kapitel präsentiert und diskutiert. Lorcas Drama wird ebenfalls in diesem Kapitel vorgestellt werden, wobei der Schwerpunkt dieser Arbeit auf Como agua para chocolate liegen wird, so dass auf die Rezeption des Dramas nur kurz eingegangen wird. Nach einem Vergleich der beiden Werke wird auf Gemeinsamkeiten von Esquivels Como agua para chocolate und Lorcas La casa der Bernarada Alba eingegangen, die vor allem in den Charakteren zu finden sind, besonders in ihren Charakterzügen und der Art wie sie präsentiert werden.

1. Die Werke und ihre Rezeption

1.1 Das Werk Como agua para chocolate

Der Roman Como agua para chocolate[1] spielt im Norden Mexikos und erzählt die Geschichte der Protagonistin Tita, die als jüngste von drei Schwestern geboren wird. Ihre Mutter, kurz nach Titas Geburt verwitwet, herrscht mit strenger Hand nicht nur über die Ranch, sondern auch über ihre Töchter. Titas Zukunft wird daraus bestehen, unverheiratet ihrer Mamá Elena bis an deren Lebensende zu dienen und sich um sie zu kümmern, wie dies die Familientradition der jüngsten Tochter vorschreibt. Tita ist jedoch in Pedro verliebt, der bei ihrer Mutter um Titas Hand bittet. Anstatt jedoch Tita mit ihm zu verheiraten, bietet diese ihm ihre älteste Tochter Rosaura an, die Pedro heiratet, ohne allerdings aufzuhören, Tita zu lieben, der er nun durch die Hochzeit näher sein kann. Titas einziger Zufluchtsort vor der Tyrannei ihrer Mutter ist die Küche, in welcher sie ihre Kochkünste unter Beweis stellt: Ihre Gefühle werden auf magische Weise auf die Speisen übertragen, was dazu führt, dass im Laufe der Zeit u.a. ihr sexuelles Verlangen nach Pedro oder auch ihre Trauer über die Hochzeit ihrer Schwester in das Essen übergehen. Die dritte Schwester, Gertrudis, flieht vor der tyrannischen Mutter und beteiligt sich an der mexikanischen Revolution, zu deren Zeit die Erzählung spielt. Nach einem psychischen Zusammenbruch und ihrer Heilung beginnt Tita eine Affäre mit Pedro, gleichzeitig wird sie von dem US-amerikanischen Arzt John Brown umworben, der um ihre Hand bittet. Schlussendlich wird dieser aber mit einer anderen Frau den Sohn Alex haben, der am Ende des Romans die Tochter von Pedro und Rosaura heiraten wird. Das Buch umfasst die 39 Lebensjahre Titas und endet damit, dass Pedro, während die beiden miteinander schlafen, stirbt und Tita sich daraufhin selbst tötet, um dem Geliebten zu folgen.

Como agua trägt den Untertitel Novela de entregas mensuales, con recetas, amores y remedios caseros, welcher bereits auf den Aufbau der Erzählung hinweist. Jedes der 12 Kapitel repräsentiert einen Monat, wobei die Reihenfolge der Monate zwar stimmt, die Erzählung sich aber über 39 Jahre hinzieht und somit nicht 12 Monate eines einzigen Jahres erzählt werden. Jedes Kapitel beginnt mit der Zutatenliste eines Rezepts, welches im Laufe des Kapitels beschrieben und auch in der Erzählung des Kapitels gekocht wird. De Valdés[2] weist darauf hin, dass Como agua im Stile der Calendarios para las señoritas mexicanas geschrieben ist. Diese in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Mexiko entstandenen Kalender enthielten neben Rezepten auch Tipps für den Haushalt, Dekorationstipps, Heilmittel, Gedichte und Fortsetzungsgeschichten. Für de Valdés stellen sie „the Mexican version of women's fiction“[3] dar. Die in den monatlich erscheinenden Vorgängern moderner Frauenmagazine publizierten Fortsetzungsromane wurden von den Literaten der Zeit nicht als hohe Literatur angesehen, da sie ihrer Meinung nach zu einfach gestrickte Handlungen und Charaktere präsentierten, was ihrer Popularität unter den fast ausschließlich weiblichen Lesern aber keinen Abbruch tat. Ebenso weist de Valdés auf die Tradition der Kochbücher in Mexiko hin, die von den Müttern an die Töchter weitergegeben wurden und nicht nur Rezepte enthielten, sondern auch Geschichten zu den einzelnen Rezepten erzählten. In diesem Stile ist auch der vorliegende Roman geschrieben: Nach der Liste der Zutaten beginnt die Beschreibung der Zubereitung, doch die Erzählerin schweift schnell ab und erzählt von Tita, um dann an späterer Stelle im Kapitel wieder zum Kochvorgang zurückzukehren.

Während Tita die Protagonistin von Como agua ist, wird ihre Geschichte von ihrer Großenkelin (der Enkelin von Pedro und Rosaura) erzählt, die in dem Kochbuch Titas liest. Die narrative Struktur des Werkes[4] ist sehr interessant, da sie aus verschiedenen Ebenen besteht: Insgesamt lassen sich drei Diegesen feststellen, wobei es an manchen Stellen des Werkes schwierig ist, sie auseinanderzuhalten. Auf der intradiegetischen Ebene wird die Geschichte der Großenkelin erzählt, die die Geschichte erzählt. Auf der metadiegetischen Ebene erfährt der Leser mehr über Tita, ihre Geburt und ihren Tod. In diese Diegese wurde das Kochbuch Titas eingebaut, welches auf einer metametadiegetischen Ebene Informationen zu den Rezepten gibt[5]. Es handelt sich um eine interne Fokalisierung, wobei die Erzählerin an manchen Stellen diese auf Tita fokalisierte Sicht verlässt und weitere Informationen gibt (z.B. wenn es um ihren Tod geht). Titas Innenleben wird wiedergegeben, so dass der Leser dazu geneigt ist, mit ihr mitzufühlen.

1.2 Die Rezeption von Como agua para chocolate

Auch wenn das Werk in mehr als 30 Sprachen übersetzt und über 3 Millionen mal verkauft wurde, ist es bis in die heutige Zeit wenig rezipiert worden. Ein Grund mag darin liegen, dass es nicht den Ansprüchen der Kritiker entspricht, eher als Populär- als als hohe Literatur angesehen wird und somit für eine wissenschaftliche Betrachtung häufig gar nicht in Frage kommt: Die auf den ersten Blick recht simple Struktur, die Liebesgeschichte, gepaart mit Kochrezepten, die Vermischung verschiedener literarischer Strömungen – all dies gibt vielen Kritikern kaum Anlass dazu, sich intensiver mit dem Werk zu befassen. Aus den vorliegenden Rezeptionen kristallisieren sich zwei große Strömungen heraus: Eine „feministische“ oder „genderorientierte“ Herangehensweise und eine Untersuchung des Werkes als ein Werk des Magischen Realismus'.

[...]


[1] Im folgenden wird das Werk meistens mit Como agua abgekürzt.

[2] de Valdés, Maria Elena, 1995. Während sich andere Kritiker wie Lieber (1998, z.B. S. 154), darauf beschränken, die einzelnen Elemente wie Kochbuch oder Fortsetzungsroman herauszuarbeiten, erkennen de Valdés und auch Escaja (2000, S. 572) die Parallelen zu den calendarios des 19. Jahrhunderts.

[3] Ibid.

[4] Genettes Ansatz zur Analyse der narrativen Struktur ist in diesem Falle durchaus hilfreich, da die verschiedenen Erzählebenen deutlich werden.

[5] Normalerweise wird eine solch verstrickte Struktur aufgebaut, um Distanz zwischen Erzähler und Erzähltem aufzubauen; in diesem Falle jedoch dürfte das Interesse eher darin liegen, dass Esquivel bereits beim Schreiben des Buches an eine Verfilmung gedacht haben dürfte und sich eine solche Struktur für einen Film anbietet: Die intradiegetische Ebene eignet sich sehr gut für eine filmische Rahmenhandlung.

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Details

Titel
„Tú no opinas nada y se acabó” - Parallelen zwischen Esquivels "Como agua para chocolate" und Lorcas "La casa de Bernarda Alba"
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Medien- und Landeskundeseminar
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V114977
ISBN (eBook)
9783640162871
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Parallelen, Medien-, Landeskundeseminar, Como agua para chocolate, La casa de Bernarda Alba, Federico Garcia Lorca, Laura Esquivel, mexikanische Literatur, spanische Literatur
Arbeit zitieren
Sebastian Frese (Autor), 2008, „Tú no opinas nada y se acabó” - Parallelen zwischen Esquivels "Como agua para chocolate" und Lorcas "La casa de Bernarda Alba" , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114977

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