Wirkungsforschung in der Kinder- und Jugendhilfe


Hausarbeit, 2018

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Begriff „Wirkung“
2.1 Abgrenzung Effektivität und Effizienz
2.2 Wirkungsdimensionen

3 Wirkungsforschung in der Kinder- und Jugendhilfe
3.1 Forschungsdesign
3.2 Herausforderungen der Wirkungsforschung in der Kinder- und Jugendhilfe

4 Fazit/Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Herausforderungen der Wirkungsforschung in der Kinder- und Jugendhilfe“ bzw. mit der konkreten Fragestellung „Inwiefern können Wirkungen in der Kinder- und Jugendhilfe nachgewiesen werden?“.

Der Diskurs um die Wirkungsforschung ist von besonderer Aktualität und von zunehmender Relevanz für die Soziale Arbeit (vgl. Otto, 2007, S. 5 ff.). Die Wirkungsdebatte, welche ihren Ursprung im angloamerikanischen Raum findet (vgl. Otto, 2007, S. 19 f.), rückt in Deutschland seit den 2000er Jahren vermehrt in den Fokus (Bleck, 2011, S. 103). 2005 wurde die Jahrestagung des DBSH (Deutscher Berufsverband Sozialer Arbeit) zum Thema Wirkungsforschung unter dem Titel „What works – Welches Wissen braucht die Soziale Arbeit?“ gehalten (Borrmann & Thiessen, 2016, S. 11). Vor allem als Folge zunehmender Ökonomisierung der Sozialen Arbeit und dem damit verbundenen erhöhten Legitimationsdruck, rückt die Wirkungsforschung immer weiter in den Mittelpunkt (vgl. Buestrich, Burmester, Dahme & Wohlfahrt, 2010, S. 1 ff.). Denn je ökonomisierter die Beziehungen in der Praxis der Sozialen Arbeit sind, desto wichtiger ist es, Wirkungen nachzuweisen (Eppler, Miethe & Schneider, 2011, S. 9). Wirkungsforschung kann grundsätzlich in zwei verschiedene Richtungen gehen – in die „neue Steuerung“ und die „Evidence-based Practice“ (vgl. Albus, Micheel & Polutta, 2011, S. 243 ff.).

Ein Handlungsfeld, in welchem die Wirkungsforschung vor allem von Relevanz ist und auch zunehmende Anwendung erfährt, stellt die Kinder- und Jugendhilfe dar (Bleck, 2011, S. 103). Unter dem Begriff der Kinder- und Jugendhilfe fallen all die Hilfen, die im achten Buch der Sozialgesetzbücher festgeschrieben sind. Zu nennen sind hier exemplarisch die Hilfen zur Erziehung nach § 27 SGB VIII oder auch Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, wie die Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen nach § 42 SGB VIII. Die Kinder- und Jugendhilfe wird von Seiten der Politik, durch das Festschreiben in den Koalitionsverträgen, explizit dazu aufgefordert Wirkungsforschung zu betreiben (Eppler et al., 2011, S. 10) bzw. deren Hilfeleistungen auf Effizienz und Effektivität hin zu überprüfen (Schneider, 2011, S. 15 f.). Denn ist die Wirkung kostspieliger Angebote nicht nachgewiesen, kann dies aus Sicht der Kostenträger einen Grund darstellen, Leistungen zu kürzen bzw. nicht zu genehmigen (Richardt, 2016, S. 336). Die Kinder- und Jugendhilfe muss sich jedoch nicht nur gegenüber der Politik und deren Akteur*innen rechtfertigen und Wirkungen nachweisen (ebd., S. 336), sondern auch gegenüber Adressat*innen, die sich darauf verlassen, dass die jeweilige Maßnahme auch die erwünschten Wirkungen zeigt (Albus et al., 2011, S. 243).

Ziel dieser Arbeit ist es, Konzepte der Wirkungsforschung vorzustellen und deren Umsetzung in der Kinder- und Jugendhilfe sowie auftretende Herausforderungen zu behandeln. Dies soll zu einer vermehrten Wirkungsforschung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe und bestenfalls zur Entwicklung von Lösungsstrategien hinsichtlich der bestehenden Herausforderungen der Wirkungsforschung führen.

Nachdem in die Arbeit eingeleitet wurde, behandelt das zweite Kapitel den Begriff der Wirkung. Hier wird zunächst kurz erläutert, was unter dem Begriff „Wirkung“ verstanden wird, um dann im ersten Unterkapitel des zweiten Kapitels eine Abgrenzung von den Begriffen Effektivität und Effizienz sowie gleichzeitig eine Unterscheidung von Wirkung und Wirksamkeit vorzunehmen. Daraufhin folgt das zweite Unterkapitel, welches verschiedene Wirkungsdimensionen thematisiert, da diese insbesondere beim jeweiligen Forschungsdesign, der Interpretation der Ergebnisse bzw. Auswertung und der Zielsetzung der Forschung zu beachten sind. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Wirkungsforschung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Hier wird zunächst in Kapitel 3.1 ein spezifisches Forschungsdesign behandelt, um anschließend auf die bei der Umsetzung auftretenden Herausforderungen eingehen zu können (Kapitel 3.2). Die Arbeit schließt mit einem Fazit/Ausblick (viertes Kapitel).

2 Der Begriff „Wirkung“

Zunächst muss der Begriff „Wirkung“ definiert werden, sodass ein einheitliches Verständnis vorherrscht. Es ist nicht einfach eine konkrete Definition von Wirkungen zu finden, da es in dem Bereich der Kinder- und Jugendhilfe keine fachliche Übereinkunft über den Wirkungsbegriff gibt (Albus, Greschke et al., 2010, S. 14). Der hier aufgezeigte Wirkungsbegriff bildet den in der Fachliteratur für die Wirkungsforschung üblicherweise verwendeten Begriff ab und wird gegebenenfalls durch erweiternde Sichtweisen ergänzt.

Nach Micheel (2013, S. 181) bilden Wirkungen die Grundlage jeglichen Handelns. Würde man zu Beginn der Handlung nicht davon ausgehen, dass diese eine Wirkung zeigt, so würde man entweder gar nicht oder anders handeln. Wirkungen weisen demnach Ursachen auf (Richardt, 2016, S. 335) und sind immer auf eine konkrete Maßnahme bzw. Intervention zurückzuführen (Macsenaere & Esser, 2015, S. 12). Diese Ursache bzw. Intervention sollten eine teils vorhersehbare Wirkung nach sich ziehen, um eine gewisse Kausalität abzubilden (Richardt, 2016, S. 335). Eine Maßnahme wirkt aber nicht nur in dem Sinne, dass sie Wirkungen erzielt, welche im Vorfeld geplant und angestrebt wurden, sondern zeigt meist auch Nebenwirkungen, welche das Ergebnis der Maßnahme beeinflussen und so nicht unberücksichtigt bleiben dürfen (vgl. Stockmann, 2006, S. 102).

Konkret kann unter dem Begriff „Wirkung“ das Verhältnis eines Zustands vor Impulsgabe bzw. vor der Intervention mit dem Zustand nach der Impulsgabe beschrieben werden (Macsenaere & Esser, 2015, S. 12). Wirkungen sollten nach Schneider (2016, S. 83) jedoch nicht nur kurzfristig nach einer Maßnahme zu erkennen sein, sondern längerfristig wirken, sodass eine gewisse Nachhaltigkeit gegeben ist (Eppler et al., 2011, S. 11).

Der Begriff der Wirkung ist nach Bleck (2016, S. 111 ff.) zwischen den Begriffen der Qualität und des Nutzens anzusiedeln. Die hier verwendete Sichtweise ist demnach eine Mischung zwischen einer rein institutionellen Sichtweise, wie sie beim Qualitätsdiskurs vorherrscht und einer reinen Nutzer*innensichtweise. Die Wirkungsforschung verbindet die individuelle Sichtweise der Adressat*innen mit der Sichtweise der Institution.

Zusammenhängend mit dem Thema Wirkungsforschung wird nicht nur der Begriff „Wirkung“ diskutiert, sondern eng damit verbunden auch der Begriff „Wirksamkeit“. Im Folgenden wird der Begriff der Wirkung von dem der Wirksamkeit bzw. der Effektivität und Effizienz abgegrenzt.

2.1 Abgrenzung Effektivität und Effizienz

In diesem Kapitel geht es um die Abgrenzung von Effektivität und Effizienz innerhalb des Wirkungsdiskurses und damit verbunden auch die Unterscheidung zwischen Wirkungen und Wirksamkeit. Dies ist relevant, da sich die Begriffe Effektivität und Effizienz in den verschiedenen Wirkungsdimensionen widerspiegeln und einhergehend mit dem Wirkungsdiskurs teils auch die Wirksamkeit einer Maßnahme thematisiert wird.

Wirksamkeit und Effizienz sollten jedoch nicht synonym verwendet oder verwechselt werden (Bleck, 2011, S. 25). Zudem ist durch den vermehrten Kostendruck nicht nur die Frage nach Wirkungszusammenhängen, sondern auch nach Wirtschaftlichkeit und somit nach Effizienz gestiegen (Schneider, 2016, S. 82), denn vor allem, wenn es um kostspielige Angebote geht, ist es wichtig Wirkungen der Maßnahme nachzuweisen, um potenziellen Kürzungen zu entgehen (Richardt, 2016, S. 336).

Zuallererst folgt die Unterscheidung zwischen Wirkung und Wirksamkeit, um anschließend anhand dessen die Begriffe Effizienz und Effektivität bzw. Wirksamkeit voneinander abzugrenzen. Wirkungen zielen auf den im zweiten Kapitel erläuterten Wirkungsbegriff ab und beachten somit intendierte, als auch nicht intendierte Wirkungen (Hager & Hasselhorn, 2000 zit. nach Gollwitzer & Jäger, 2014, S. 105). Analysiert man die spezifischen Wirkungen einer Maßnahme, so erlangt man bestenfalls Kenntnisse über konkrete Wirkmechanismen und erfährt somit auch, wie die Maßnahme wirkt und wie die unterschiedlichen Wirkungen sich wechselseitig beeinflussen (ebd., S. 105). Wirksamkeit hingegen zielt nur darauf ab, herauszufinden, ob die Maßnahme wirkt oder nicht (ebd., S. 105). Der Fokus liegt dann folglich auf den intendierten Wirkungen und der Feststellung, ob diese eingetroffen sind (ebd., S. 105). Es werden keinerlei Nebenwirkungen berücksichtigt (ebd., S. 105). Nach Halfar & Lehmann (2010, S. 207) sind Erkenntnisse über Wirkungen konkreter und aussagekräftiger als die über die Wirksamkeit einer Maßnahme. Diese Erkenntnisse sagen mehr über das konkrete Wirkgeschehen und komplette Zusammenspiel verschiedener Faktoren aus. Das heißt aber gleichzeitig nicht, dass die Feststellung von Wirkungen immer stets die bessere Wahl ist und die Feststellung von Wirksamkeit grundsätzlich weniger wert ist. Es kommt darauf an, was genau untersucht werden soll und was das konkrete Ziel der Forschung ist. Denn hat man Kenntnisse über die Wirkungen einer Maßnahme, hat man noch nicht direkt auch eine Aussage darüber, ob die Maßnahme auch effektiv bzw. in manchen Fällen auch zentral, ob sie effizient ist. Die festgestellten Wirkungen sagen noch nichts darüber aus, ob die intendierten Wirkungen erreicht sind oder die eingesetzten Mittel angebracht waren. Dies lässt sich jedoch durch Kenntnis aller Wirkungen herausfinden. Somit liefern Wirkungen zwar mehr Kenntnisse und können dann auch Aussagen über die Wirksamkeit treffen, aber nicht immer ist dies zwingend notwendig. Teils reicht auch eine bloße Feststellung der Wirksamkeit für die Beantwortung der vorhandenen Fragestellung der Wirkungsforschung aus.

Effizienz und Effektivität gehen etymologisch auf dieselbe Herkunft zurück (Bleck, 2011, S. 25), was dafür spricht, dass beide Begriffe in gewisser Beziehung zueinander stehen und zumindest teils Gemeinsamkeiten aufweisen. Beide Begriffe kommen ursprünglich aus der Betriebswirtschaftslehre (ebd., S. 25). Der Begriff der Effektivität hat sich bereits in der Sozialen Arbeit etabliert und ist zu einem festen Bestandteil geworden, während der Begriff der Effizienz bisher nur in Einzelfällen in der Sozialen Arbeit von hoher Relevanz ist (ebd., S. 25).

Effektivität kann gleichgesetzt werden mit Wirksamkeit (Eppler et al., 2011, S. 10) und trifft somit Aussagen über den „Grad der Zielerreichung“ (Bleck, 2011, S. 26). Eingetretene Wirkungen einer Intervention werden mit den ursprünglichen Zielen verglichen, um so festzustellen, ob die Intervention die intendierten Wirkungen erreicht hat und in dem Maße gewirkt hat, wie vorab geplant (ebd., S. 26). Eine Intervention kann als effektiv erachtet werden, wenn die intendierten Wirkungen einer Maßnahme vor dem Hintergrund eines definierten Ziels eintreten (Macsenaere & Esser, 2015, S. 16). Zentral ist die Effektivität einer Maßnahme insbesondere für Adressat*innen der spezifischen Maßnahme, die sich auf dessen Wirksamkeit verlassen (Bleck, 2011, S. 26), aber sie spielt auch für die jeweilige Institution bzw. Organisation, die die Maßnahme anbietet eine immer zentralere Rolle (vgl. Albus et al., 2011, S. 243).

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Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Wirkungsforschung in der Kinder- und Jugendhilfe
Hochschule
Fachhochschule Düsseldorf
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V1150079
ISBN (eBook)
9783346532947
ISBN (Buch)
9783346532954
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozial Arbeit, Sozialpädagogik, Wirkungsforschung, Kinder- und Jugendhilfe, Wirkungen, Effektivität, Effizienz, Herauforderungen, Wirkungsdimensionen, Wirkungsdebatte
Arbeit zitieren
Laura Kersten (Autor:in), 2018, Wirkungsforschung in der Kinder- und Jugendhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1150079

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