Grin logo
en de es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Sociology - Medicine and Health

"Kleine, unspektakuläre Zellen" - vom Rasieren haariger Objekte

Eine qualitative Analyse des Feldes der Stammzellforschung

Title: "Kleine, unspektakuläre Zellen" - vom Rasieren haariger Objekte

Diploma Thesis , 2006 , 152 Pages , Grade: 1,00

Autor:in: Mag. Andrea Schikowitz (Author)

Sociology - Medicine and Health
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Um die Perspektive, aus der ich an meine Fragestellung herangehe, nachvollziehbar zu machen, werde ich meinen fachlichen Hintergrund kurz darstellen. Ich studiere seit dem WS 2000 Soziologie (geisteswissenschaftlicher Zweig) und Politikwissenschaft. Dabei habe ich am Institut für Wissenschaftsforschung einige Lehrveranstaltungen absolviert. Ausgehend von der Beschäftigung mit Biologismus hat sich ein starkes Interesse für biomedizinische Themen herausgebildet. Daher wollte ich mich auch in meiner Diplomarbeit aus wissenssoziologischer Sichtweise mit Biotechnologie beschäftigen. Als Soziologin wollte ich dafür einen Bereich finden, der auch in der öffentlichen Wahrnehmung und Diskussion relevant ist. Meine Entscheidung für die Stammzellforschung gründet auf persönlichem Interesse und der subjektiven Wahrnehmung, dass dieses Thema in den Medien und auch in der politischen Diskussion sehr präsent ist. Beim Einlesen in das Thema der Stammzellforschung ist mir aufgefallen, dass selbst das Basiswissen über die Stammzelle und ihre genaue Funktionsweise sehr unsicher ist. Was sie im Körper genau auslöst, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Diese Wahrnehmung hat mein Interesse auf die Stammzelle als Objekt gelenkt. In Anlehnung an Bruno Latour sind solche wissenschaftlichen Objekte weder reine Naturobjekte, die unabhängig von menschlicher Einflussnahme bestehen, noch reine Konstrukte, die erst durch menschliche Konstruktionsarbeit entstanden sind und ohne diese nicht existieren würden. Sie entstehen in ihrer konkreten Form vielmehr durch das Zusammentreffen und die Kommunikation von Menschen und „Naturobjekten“, sie haben eine Geschichte. Sie sind laufender Veränderung unterworfen und wirken auch verändernd auf die sie umgebende Welt ein. Insofern sind sie eben keine starren Objekte mehr, sondern Nicht-menschliche Akteure oder Aktanten. Sie haben durch die Übersetzungsleistung des wissenschaftlichen Instrumentariums die Fähigkeit zu sprechen und durch ihre Wirkung auf die politische und soziale Welt die Fähigkeit zu handeln. In diesem Sinne entfalten sie eine politische Wirkung. Das macht sie zu „haarigen Objekten“ im Sinne Bruno Latours.[...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

  • Einleitung
    • Danksagungen
    • Geschlechtersensible Schreibweise
    • Erkenntnisinteresse und Fragestellung
  • Konzeptionelle und theoretische Rahmen
    • Verwissenschaftlichung der Gesellschaft und Vergesellschaftung der Wissenschaft
    • Über Stammzellforschung
      • Was sind Stammzellen?
        • Embryonale Stammzellen
        • Somatische Stammzellen
      • Wofür werden Stammzellen eingesetzt?
        • Einsatz in der Forschung
        • Krebstherapie
        • Regeneration von Gewebe
        • Herzinfarkttherapie
        • Tumorbehandlung
      • Gesetzliche Regelungen
        • Europäische Union
        • Österreich
      • Zusammenfassende Überlegungen
    • Theoretische Perspektive
      • Pierre Bourdieu - das wissenschaftliche Feld
        • Feld
        • Kapital
        • Habitus
        • Autonomie eines Feldes
        • Hierarchisierungsprinzipien
        • Die Besondere Bedeutung von sozialem Kapital im medizinischen Feld
      • Bruno Latour - Haarige Objekte
        • Das Höhlengleichnis - Spaltung von Gesellschaft und Natur
        • ,,Die" Wissenschaft
        • ,,Die" Natur
        • Haarige Objekte
        • Tatsachen und Werte
        • Eine neue Gewaltenteilung
        • Naturschutz
        • Der Mensch ist frei
        • Menschliche und nicht-menschliche Akteure
      • Zusammenfassende Überlegungen
    • Ein Koordinatensystem für das Feld der Stammzellforschung
      • Naturbegriff
        • Gegenüberstellung von Natur und Gesellschaft
        • Natur im Labor
        • Kybernetisches Naturbild
        • DNA - Die einzig wahre Natur
        • Zusammenfassende Überlegungen
      • Menschenbild
        • Der Mensch als „,animal rationale"
        • Biologischer Determinismus
        • Menschenbild in der Gentechnik-Ära
        • Zusammenfassende Überlegungen
      • Risikobegriff
        • Wissensabhängigkeit von Modernisierungsrisiken
        • Soziale Anerkennung von Risiken
        • Umgang,,der Öffentlichkeit“ mit Risiken
        • Vergesellschaftung der Natur
        • Subpolitik der Medizin
        • Zusammenfassende Überlegungen
      • Wissenschaftliches Selbstverständnis
        • Definitionen von Wissenschaft
        • Grundlagenforschung und angewandte Forschung
        • Wissenschaft und Öffentlichkeit
        • Hierarchien
        • Implizite Normen
        • Objektivität
        • Originalität und Innovation
        • Wissenschaftliche Praxis
        • Zusammenfassende Überlegungen
    • Eine qualitative Analyse des Feldes der Stammzellforschung
      • Methodische Herangehensweise
        • Überlegungen zu qualitativen Methoden
        • Vorbereitung auf die Interviews
        • Der Leitfaden
        • Auswahl der Befragten
        • Feldzugang
        • Interviewführung
        • Auswertung mittels Systemanalyse
      • Mechanismen und Vorstellungen im Feld der Stammzellforschung
        • ,,Switching" zwischen multiplen Menschenbildern
        • Der Körper als „Black Box"
        • Ignorieren kritischer Aspekte
        • Verteidigung der Autonomie
        • Forscherdrang und Fortschritt
        • Wahrnehmung der Öffentlichkeit und „Aufklärung“
        • Bilder von der Stammzelle als Objekt
    • Resumée – Lasst den Stammzellen ihre Haare!
    • Leitfaden
    • Literatur

    Zielsetzung und Themenschwerpunkte

    Die Diplomarbeit analysiert das Feld der Stammzellforschung aus wissenssoziologischer Perspektive. Ziel ist es, die Strukturen und Mechanismen dieses Feldes zu untersuchen und die Rolle der Stammzelle als „haariges Objekt“ im Sinne Bruno Latours zu beleuchten. Die Arbeit untersucht, wie die Stammzelle als wissenschaftliches Objekt in der Forschung, in der Gesellschaft und in der Politik verhandelt wird und welche Folgen diese Verhandlungsprozesse haben.

    • Verwissenschaftlichung der Gesellschaft und Vergesellschaftung der Wissenschaft
    • Die Rolle der Stammzelle als „haariges Objekt“ im Sinne Bruno Latours
    • Die Verhandlungsprozesse der Stammzelle als wissenschaftliches Objekt
    • Die Folgen der Verhandlungsprozesse für die Forschung, die Gesellschaft und die Politik
    • Die Bedeutung von sozialem Kapital im medizinischen Feld

    Zusammenfassung der Kapitel

    Die Einleitung stellt das Erkenntnisinteresse und die Fragestellung der Arbeit vor. Sie erläutert den fachlichen Hintergrund der Autorin und die Relevanz des Themas Stammzellforschung. Die Einleitung führt den Begriff des „haarigen Objektes“ im Sinne Bruno Latours ein und erklärt, warum dieser Begriff für die Analyse der Stammzelle als Objekt geeignet ist.

    Das zweite Kapitel stellt den konzeptionellen und theoretischen Rahmen der Arbeit vor. Es werden die Theorien von Pierre Bourdieu und Bruno Latour vorgestellt und auf das Feld der Stammzellforschung angewendet. Der Abschnitt über Bourdieu analysiert die Strukturen des wissenschaftlichen Feldes und die Bedeutung von Kapital und Habitus. Der Abschnitt über Latour untersucht die Rolle von „haarigen Objekten“ in der Wissenschaft und die Folgen ihrer Verhandlungsprozesse für die Gesellschaft.

    Das dritte Kapitel beschreibt die methodische Herangehensweise der Arbeit. Es werden die verwendeten qualitativen Methoden, die Auswahl der Befragten und die Interviewführung erläutert. Der Abschnitt beschreibt auch die Auswertung der Interviews mittels Systemanalyse.

    Das vierte Kapitel analysiert die Mechanismen und Vorstellungen im Feld der Stammzellforschung. Es werden die verschiedenen Menschenbilder, die im Feld der Stammzellforschung verwendet werden, untersucht. Der Abschnitt analysiert auch die Rolle des Körpers als „Black Box“ und die Folgen des Ignorierens kritischer Aspekte. Das Kapitel untersucht auch die Verteidigung der Autonomie des Feldes und die Wahrnehmung der Öffentlichkeit.

    Schlüsselwörter

    Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die Stammzellforschung, die Wissenschaftssoziologie, das wissenschaftliche Feld, „haarige Objekte“, Bruno Latour, Pierre Bourdieu, Kapital, Habitus, Verwissenschaftlichung der Gesellschaft, Vergesellschaftung der Wissenschaft, Menschenbild, Naturbegriff, Risikobegriff, wissenschaftliches Selbstverständnis, qualitative Methoden, Systemanalyse, Interviews, Forschung, Gesellschaft, Politik, Verhandlungsprozesse, Folgen, Autonomie, Öffentlichkeit, „Black Box“, kritischer Aspekt.

    Häufig gestellte Fragen

    Was meint Bruno Latour mit "haarigen Objekten"?

    Es handelt sich um wissenschaftliche Objekte, die nicht isoliert existieren, sondern eng mit sozialen, politischen und ethischen Fragen verflochten sind und somit eine eigene politische Wirkung entfalten.

    Was ist der Fokus dieser wissenssoziologischen Arbeit?

    Die Arbeit analysiert das Feld der Stammzellforschung und untersucht, wie die Stammzelle als Objekt in Forschung, Politik und Öffentlichkeit verhandelt wird.

    Welche Theorien von Pierre Bourdieu werden angewendet?

    Es werden die Konzepte des wissenschaftlichen Feldes, des Kapitals (insbesondere soziales Kapital) und des Habitus genutzt, um Machtstrukturen in der Medizin zu erklären.

    Warum wird der Körper in der Stammzellforschung als "Black Box" bezeichnet?

    Weil die genaue Funktionsweise und die langfristigen Reaktionen von Stammzellen im menschlichen Körper oft noch unsicher und nicht vollständig erforscht sind.

    Wie ist die gesetzliche Lage zur Stammzellforschung in Österreich?

    Die Arbeit beleuchtet die spezifischen rechtlichen Rahmenbedingungen und ethischen Debatten, die die Forschung an embryonalen Stammzellen in Österreich regulieren.

Excerpt out of 152 pages  - scroll top

Details

Title
"Kleine, unspektakuläre Zellen" - vom Rasieren haariger Objekte
Subtitle
Eine qualitative Analyse des Feldes der Stammzellforschung
College
University of Vienna  (Institut für Wissenschaftsforschung)
Course
Diplomarbeit
Grade
1,00
Author
Mag. Andrea Schikowitz (Author)
Publication Year
2006
Pages
152
Catalog Number
V115009
ISBN (eBook)
9783640153886
ISBN (Book)
9783640155491
Language
German
Tags
Kleine Zellen Rasieren Objekte Diplomarbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mag. Andrea Schikowitz (Author), 2006, "Kleine, unspektakuläre Zellen" - vom Rasieren haariger Objekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115009
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  152  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Imprint
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint