Sprache und Gewalt. Wird gewaltvolle Kommunikation durch Soziale Netzwerke wie Facebook begünstigt?


Hausarbeit, 2021

28 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zum Begriff „Gewalt“

3. Verbale Gewalt
3.1. Die Verletzbarkeit der Sprache
Interpretationsabhängigkeit
Gefühlsabhängigkeit
3.2. Formen verbaler Gewalt
Mittel der Grammatik
Schimpfwörter
Verschleierte Wortwahl
Gewalt beschreibende Wörter
Gewaltsam wirkende Äußerungen

4. Verbale Gewalt in Sozialen Netzwerken
4.1. Sprache und Kommunikation im Internet
4.2. Facebook als ein Raum der Öffentlichkeit
4.3. Beispiele verbaler Gewalt auf Facebook
Beispiel 1: Kommentar zu einem öffentlichen Beitrag
Beispiel 2: Kommentare unter einem Beitrag der BILD
Beispiel 3: Post einer Privatperson und Kommentare unter dem Originalbeitrag
Beispiel 4: Beitrag einer öffentlichen Facebook-Gruppe und dazu verfasster Kommentar
Beispiel 5: Post einer Privatperson
Beispiel 6: Kommentaraustausch unter einem öffentlichen Beitrag

5. Fazit und didaktischer Ausblick

6. Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Hassrede und Soziale Netze

Abbildung 2: Facebook-Screenshot Nr. 1

Abbildung 3: Facebook-Screenshot Nr. 2

Abbildung 4: Facebook-Screenshot Nr. 3

Abbildung 5: Facebook-Screenshot Nr. 4

Abbildung 6: Facebook-Screenshot Nr. 5

Abbildung 7: Facebook-Screenshot Nr. 6

Abbildung 8: Facebook-Screenshot Nr. 7

1. Einleitung

Sprache ist für die zwischenmenschliche Kommunikation nicht wegzudenken. Der Gebrauch einer normierten Sprache hebt die Menschheit von anderen Lebewesen ab und stellt ein wesentliches Mittel des Verstehens und Verständigens dar (vgl. Schlobinski & Tewes, Sprache und Gewalt. Einführung in das Themenheft, 2007, S. 2). Durch die Fähigkeit des Sprechens sind Menschen dazu in der Lage, sich über Bedürfnisse, Ideen, Gefühle oder andere Informationen auszutauschen und es ermöglicht ihnen ein zivilisiertes und gesellschaftsfähiges Zusammenleben. Blutige Kämpfe um Rangordnungen, Reviere oder Nahrung gehören somit der Vergangenheit der Menschheit an und gelten heutzutage als typische Verhaltensweisen, die aus der Tierwelt bekannt sind. Sprache kann demnach als Mittel der Macht angesehen werden, welches dazu in der Lage ist, Gewalt zu verhindern (vgl. ebd. S. 2).

Gleichzeitig kann Gewalt aber auch durch Sprache zum Ausdruck kommen, z.B. wenn Menschen zu keiner Übereinkunft kommen, aneinander geraten und sich gegenseitig als Kontrahänt*innen gegenüber stehen. Gerade durch die Fähigkeit des Sprechens ergibt sich für Menschen, anstelle des körperlichen Gewalteinwirkens, die Möglichkeit, Gewalt durch Sprache auszuüben. Bestimmte Wendungen, wie sich ein Wortgefecht liefern, deuten an, dass Sprache und Gewalt durchaus miteinander verbunden sein können. Das Ausüben verbaler Gewalt geht häufig einher mit Respektlosigkeit, Hetze, Hass sowie der Diskriminierung und Kränkung anderer, die dadurch ebenso verletzt werden können, wie durch das Einwirken physischer Gewalt. Dieses Phänomen ist heutzutage besonders häufig im Internet, vor allem in den sogenannten Sozialen Netzwerken zu beobachten (vgl. Arbeitsgemeinschaft Kinder und Jugendschutz (AJS) Landesstelle NRW e. V. und Landesanstalt für Medien Nordrhein­Westfalen (LfM) , 2016, S. 3). Gerade dort, wo Menschen die Möglichkeit gegeben wird, ihre Meinung zu bestimmten Themen frei zu äußern, kann dies beobachtet werden: Die Grenzen der Meinungsfreiheit werden überschritten, indem Redefreiheit in Hassrede übergeht (vgl. ebd. S. 3).

In dieser Arbeit soll daher vor allem thematisiert werden, inwiefern Soziale Netzwerke zu gewaltvoller Kommunikation beitragen. Dabei wird zunächst erläutert, inwiefern Sprache und Gewalt zusammenhängen bzw. wie Gewalt durch Sprache zum Ausdruck kommen kann. Zuvor soll der Begriff „Gewalt“ erläutert werden. Anschließend wird ein kurzer Einblick in die Besonderheiten der Online-Kommunikation, d.h. der Kommunikation im Internet mit Fokus auf Soziale Netzwerke wie Facebook gegeben. Hierbei spielen bestimmte Faktoren eine Rolle, wenn Meinungsfreiheit in Hassrede übergeht, die ebenfalls in einem eigenen Kapitel thematisiert werden sollen. Das Soziale Netzwerk Facebook wird dann als anschauliches Beispiel verwendet, indem selbst ausgewählte Kommentare oder Beiträge von Facebook- User*innen veranschaulicht und hinsichtlich sprachlicher Mittel der Gewalt analysiert werden.

2. Zum Begriff „Gewalt“

In diesem Kapitel sollen zunächst die konkreten Merkmale und Charakteristika sprachlicher bzw. verbaler Gewalt herausgestellt werden. Doch was ist eigentlich unter Gewalt im Allgemeinen zu verstehen? Es handelt sich hierbei (zumindest im deutschsprachigen Raum) um einen recht unscharfen Begriff, da dieser in vielen unterschiedlichen Kontexten verwendet wird (vgl. Imbusch, 2018, S. 151). Zunächst muss zwischen rechtmäßiger, also Gewalt, die Recht zu sprechen vermag, und unrechtmäßiger Gewalt unterschieden werden (vgl. Krämer, 2010, S. 23). Für diese Arbeit ist besonders die Art der Gewalt relevant, die mit einem Verletzungs- und Zerstörungspotenzial einhergeht und sich auf gewalttätige Handlungen, die an anderen ausgeübt werden, bezieht und eine rechtswidrige Form von Gewalt darstellt (vgl. ebd. S. 23). Diese Art von Gewalt wird als eine Machtaktion verstanden, die die prinzipielle Verletzbarkeit von Menschen sowie die Verletzungsmächtigkeit von Individuen impliziert (vgl. Imbusch, 2018, S. 151). Gewalt wird also von Personen auf Personen oder Dinge und mithilfe verschiedenster Mittel ausgeübt, um bestimmte angebbare Folgen hervorzurufen (vgl. ebd. S. 151). Schlobinski spricht in diesem Zusammenhang ebenfalls von Gewalt als eine Machtaktion bzw. -Ausübung durch Personen, die zu einer Verletzung jeglicher Art von anderen Personen führt (vgl. Schlobinski, Grundfragen der Sprachwissenschaft, 2014, S. 198).

Wie bereits angedeutet, kann Gewalt verschiedene Formen annehmen. Für diese Arbeit ist besonders die Unterscheidung von physischer (körperlicher) und psychischer (verbale) Gewalt interessant. Imbusch merkt hierzu an, dass die psychische Gewalt zwar für Opfer nicht weniger grausam sein mag als die physische Gewalt, allerdings hängt ihre Wirkung von verschiedenen Faktoren bzw. Mechanismen ab und ist somit weniger berechenbar (vgl. Imbusch, 2018, S. 151). Gewalt kann des Weiteren auf internationaler Ebene, aus (gesellschaftlichen) Gruppedynamiken oder einzelnen Individuen heraus entstehen (vgl. ebd. S. 152). Gewalt ist dementsprechend in der Lage, den Körper und die Psyche einzelner, soziale Beziehungen oder gar das ganze Beziehungsgeflecht von Gesellschaften zu zerstören (vgl. Beck & Schlichte, 2014, S. 22).

Ein von Imbusch vorgestellter Fragekatalog gibt einen zusammenfassenden Überblick über die Faktoren, die bei Gewalthandlungen zusammenspielen: die Gewaltausübenden bzw. Täter*innen, bei denen es sich um Einzelpersonen, Gruppen, Organisationen oder Institutionen handeln kann, die konkrete Gewalthandlung, die als solche klassifiziert wird, die Gewaltmittel, d.h. wie Gewalt ausgeübt wird, die Opfer von Gewalthandlungen und deren Funktion für die Gesellschaft, der Grund bzw. die Ursachen der Gewaltausübung, die verfolgten Ziele der Gewaltausübenden sowie Legitimitätsaspekte bzw. -Strategien, die die Gewalthandlungen rechtfertigen sollen (vgl. Imbusch, 2018, S. 153).

3. Verbale Gewalt

Im Folgenden wird der Fokus vor allem auf verbaler Gewalt liegen, d.h. Spache wird als Mittel der Gewalt thematisiert. Dabei ist besonders die Frage interessant, wie bzw. in welcher Form Sprache eingesetzt werden kann, um Personen zu verletzen bzw. an ihnen Gewalt auszuüben.

3.1. Die Verletzbarkeit der Sprache

Das menschliche Zusammenleben wäre ohne Sprache kaum denkbar, denn Sprache ist das Mittel der menschlichen Kommunikation, das sich vor allem im Übertragen von Informationen äußert (vgl. Schlobinski, Grundfragen der Sprachwissenschaft, 2014, S. 63). Sprachliche Äußerungen dienen aber nicht lediglich der Verbreitung von Informationen, sondern sind performativ, d.h. mit Sprache kann etwas getan werden, indem etwas befohlen, versprochen, behauptet, angewiesen oder erklärt wird (vgl. Tophinke, 2014, S. 5). Sprache ist außerdem Ausdruck unseres Denkens und Handelns, kann positive oder negative Gefühle wecken oder übertragen und zwischenmenschliche Beziehungen aufbauen oder diese zerstören (vgl. Landeskommission Berlin gegen Gewalt, 2005, S. 1).

Es ist daher nicht wenig verwunderlich, dass Sprache als Mittel der Gewalt eingesetzt werden kann, wie phraseologischen Formen wie die Zunge ist schärfer als das Schwert oder sich ein Wortgefecht liefern schnell erahnen lassen (vgl. Schlobinski & Tewes, Sprache und Gewalt. Einführung in das Themenheft, 2007, S. 2). Krämer geht sogar soweit, Sprache als die am häufigsten eingesetzte Waffe zu bezeichnen, um Menschen zu verletzen und zu kränken (vgl. Landeskommission Berlin gegen Gewalt, 2005, S. 4) Das Ausüben von Gewalt mithilfe sprachlicher Zeichen wird als verbale oder sprachliche Gewalt verstanden und grenzt sich von körperlicher bzw. physischer Gewalt ab. Wie kann es durch das Fehlen der Körperlichkeit gelingen, anderen Menschen Leid zuzufügen? Krämer betont hierbei die Doppelkörperlichkeit von Menschen, d.h. dass die Körperlichkeit eines Menschen zum einen eine physische (körperliche), zum anderen eine symbolische Dimension birgt, die unter anderem auch Sprache miteinschließt (vgl. Krämer, 2010, S. 34). So wie der physische Körper durch das Einwirken von Gewalt verletzt werden kann, so bewirkt symbolische Gewalt die Verletzung der Ehre, Würde, Wertschätzung und Integrität einer Person (vgl. ebd. S. 34). Der Begriff der Doppelkörperlichkeit bezieht sich in diesem Zusammenhang darauf, dass die Person, durch das Einwirken symbolischer Gewalt, einen veränderten Platz im sozialen Raum zwischenmenschlicher Beziehungen einnimmt (vgl. Krämer, 2010, S. 34). Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal physischer (körperlicher) und symbolischer (verbaler) Gewalt zeigt sich besonders bei der Wirkung auf die Menschen, an denen Gewalt ausgeübt wird: Während physische Gewalt immer eine Wirkung erzielt, hängt diese bei verbaler Gewalt von bestimmten Faktoren ab, wie bereits an anderer Stelle angedeutet wurde (vgl. ebd. S. 34). Für die erfolgreiche Wirkung verbaler Gewalt sind die Täter*innen auf das Mitwirken ihrer Opfer angewiesen, die sich einerseits auf die Interpreattionsabhängigkeit und andererseits auf die Gefühlsabhängigkeit aller Formen verbaler Gewalt bezieht (vgl. ebd. S. 35).

Interpretationsabhängigkeit

Zunächst besteht die Voraussetzung andere mit Worten zu können darin, dass sie derselben Sprachgemeinschaft angehören, sich gegenseitig verstehen und eine Adressierung der zu verletzenden Person vorliegt (vgl. ebd. S. 35). Daneben kommt dem Verletzunspotenzial dieser eine große Bedeutung zu, welches von der jeweiligen Wirkkraft der Gewaltausübung abhängt, die sich vor allem aus dem jeweiligen Kontext ergibt (vgl. ebd. S. 35-36). Der Sinn einer Äußerung ergibt sich dabei durch das Zusammenspiel von, durch die Geschichte sedimentierten Praktiken im Umgang mit der Sprache, den aktuellen kulturellen Gepflogenheiten sowie den individuellen Absichten von Sprecher*innen einerseits und den subjektiven Dispositionen der Angesprochenen andererseits (vgl. ebd. S. 36). Worte können also dann verletzend wirken, wenn eine Verletzungsmacht zum einen und eine Verstehbarkeit zum anderen, die mit einer bestimmten Deutungsweise einhergeht, vorliegt (vgl. ebd. S. 36). Zusammenfassend bedeutet dies, dass für das gezielte Wirken verbaler Gewalt das Mispielen der Personen, an die sie adressiert ist, unerlässlich ist (vgl. ebd. S. 38). Eine wichtige Rolle kommt dabei außerdem der Empfindungsdimension zu, die für die Wirkung verbaler Angriffe ausschlaggebend ist (vgl. ebd. S. 38).

Gefühlsabhängigkeit

Gefühle und Empfindungen beschreiben mentale Zustände, die in gewisser Weise in der menschlichen Macht liegen: Verletzlichkeit bedeutet, dass verbale, gewaltvolle Äußerungen emotional aufgenommen und diesen auf verschiedenen Wegen begegnet wird (vgl. ebd. S. 38). D.h es liegt in der Macht des Opfers verbaler Gewalt, sich betroffen zu fühlen oder nicht. Die Verletzung durch Sprache wird dabei nicht alleine durch die Gefühlsdimension des Opfers bestimmt, sondern ist dabei auch abhängig von den Gefühlen der Täter*innen, die sie im Vollzug ihrer gewaltvollen Äußerungen entwickeln (vgl. Krämer, 2010, S. 39). Einer verbalen Verletzung wird demnach vorausgesetzt, dass auch die Täter*innen eine Art Lustgewinn bzw. Befriedigung empfinden (vgl. ebd. S. 39). Dieses Phänomen kann vor allem bei Formen verbaler Gewalt erkannt werden, die auf eine Demütigung des Gegenübers abzielen. Die erzeugten Gefühle durch die Gewalthandlung seitens des Opfers stellen außerdem, anders als bei physischer Gewalt, die notwendige Bedingung dafür da, dass überhaupt ein Akt symbolischer Gewalttätigkeit vorliegt (vgl. ebd. S. 39). Verbale Gewalt kann demnach auch - anders als physische Gewalt, bei der immer ein Machtungleichgewicht entsteht -ins Leere laufen (vgl. ebd. S. 40).

3.2. Formen verbaler Gewalt

Im vorherigen Kapitel wurde thematisiert, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, um Menschen mit Worten verletzen zu können. Dennoch gibt es bestimmte Mittel verbaler Gewalt, die genutzt werden können, um andere zu verletzen. Dass Sprache und Gewalt miteinander verbunden sind, wird bereits an vielen weiteren Stellen in Wortschatz und Grammatik deutlich (vgl. Tophinke, 2014, S. 6). Einige Wörter, Wendungen und grammatische Konstruktionen können Äußerungen - und dies kann mehr oder weniger intensiv erfolgen - als gewaltsam markieren (vgl. ebd. S. 6). Obwohl sich physische und verbale Gewalt in vielen Punkten voneinander unterscheiden, kann physische Gewalt durch verbale Gewalt bspw. angedroht werden: „Ich geb‘ dir gleich eine!“ oder „Wenn du nicht tust was ich sage, dann setzt es was!“. Das Androhen von Gewalt bzw. Drohen allgemein kann als Form verbaler Gewalt angesehen werden wobei unzählige weitere Verben auf die verschiedensten Formen der verbalen Gewalt hindeuten: „Jemandem drohen, ihn herabsetzen, über ihn spotten, ihn verhöhnen, diffamieren, bloßstellen, sich über ihn lustig machen, ihn verunglimpfen - all dies sind oder können Formen verbaler Gewalthandlungen sein“ (Schlobinski, Grundfragen der Sprachwissenschaft, 2014, S. 198). Verbale Gewalt ist auch dann gegeben, wenn jemandem z.B. das Rederecht genommen wird, d.h. das Rederecht desjenigen missachtet wird und dieser unterbrochen oder am Sprechen behindert wird (vgl. ebd. S. 198). Diese und weitere Formen verbaler Gewalt sollen nun in den spezifischen Unterkapiteln thematisiert werden.

Mittel der Grammatik

Werden Menschen durch andere mithilfe von Sprache angegriffen, so sind bestimmte Crarakteristika der Grammatik erkennbar. Ein erstes Merkmale verletzender Rede ist der Versuch, sein Gegenüber zum Verstummen bzw. Schweigen zu bringen, ihn gewissermaßen mit Worten zu schlagen oder soweit zu provozieren, bis es zum nonverbalen Gewaltausbruch kommt (vgl. Landeskommission Berlin gegen Gewalt, 2005, S. 9). Mithilfe verbaler Gewalt können Sprecher*innen Wechselrede bzw. Dialog vermeiden oder zerstören (vgl. ebd. S. 10).

Ein weiteres Merkmal ist die Herabsetzung, Demütigung oder Herabwürdigung der Adressierten, wobei eine Ungleichheit - immer ausgehend von der Position der Person, von der der verbale Angriff ausgeht - zwischen Sprecherinnen und Angesprochenen entsteht (vgl. ebd. S. 10). Diskriminierende Rede zerstört diese Gleichheit in der zwischenmenschlichen Kommunikation und stellt gleichwohl einen Akt der Ausschließung dar: Wer andere durch verbale Gewalt verletzen möchte, zielt auf deren Ausschluss aus der Gemeinschaft, derer sie zugehörig sind (vgl. ebd. S. 10).

Eine weitere Besonderheit verbaler Gewalt stellt die gezielte Nutzung der Urteilsstruktur der Sprache dar, indem das adressierte Subjekt einer verunglimpfenden Kategoriesierung unterzogen wird (vgl. ebd. S. 11). D.h. Eigennamen werden durch das Ersetzen von Schimpfnamen außer Kraft gesetzt, wodurch eine Bewertung oder Beschreibung der Adressierten erfolgt (vgl. ebd. S. 11). Der eingesetzte Schimpfname dient dabei der Schädigung des Rufes und ist daher ein bewährtes Mittel verletzender Rede (vgl. ebd. S. 11).

Schimpfwörter

Das Beschimpfen von Personen stellt wahrscheinlich eine universelle sprachliche Praktik dar und Schimpfwörter sind vermutlich in allen Sprachen zu finden (vgl. Tophinke, 2014, S. 6). Besonders Kinder kommen früh mit dem Beschimpfen bzw. dem spielerischen Erproben der Wirkung eigener Schimpfwort-Neuschöpfungen in Kontakt (vgl. ebd. S. 6). Schimpfwörter werden in der Regel dazu eingesetzt, andere Menschen zu beleidgen, bloßzustellen oder abzuwerten, indem diesen oftmals negative Attribute zugeschrieben werden (vgl. Geck, 2014, S. 12). Das Schimpfwortinventar von Sprachen untersteht dabei einem konstanten Wandel und kann in der Regel verschiedenen Zeitgeschichten zugeordnet werden: Schimpfwörter wie Schurke, Mistkerl oder Fiesling werden dementsorechend heutzutage eher selten bzw. kaum mehr verwendet (vgl. Tophinke, 2014, S. 6), während neue Schimpfwörter erfunden und verbreitet werden (vgl. Geck, 2014, S. 12). Schimpfwörter finden auch häufig Verwendung im Zusammenhang mit Diskriminierung und bestehenden Feindbildern (z.B. Rassismus) gegenüber anderen Menschen, die bspw. einer bestimmten Ethnie, Kultur, Volksgruppe, Rasse o.ä. angehören (vgl. Schlobinski & Tewes, Sprache und Gewalt. Einführung in das Themenheft, 2007, S. 2). Das N-Wort oder die Bezeichnung als Kanake wären Beispiele für verwendete Begriffe, die heutzutage häufig zur in abwertenden Kontexten verwendet werden. Derartige abwertende Schimpfwörter tauchen aber auch bei der Diskriminierung anderer Gruppen auf, z.B. von Homosexuellen (z.B. Lesbensau), Behinderten (z.B. Krüppel oder Spast) oder sozial Deklassierten (vgl. Schlobinski & Tewes, Sprache und Gewalt. Einführung in das Themenheft, 2007, S. 2).

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Details

Titel
Sprache und Gewalt. Wird gewaltvolle Kommunikation durch Soziale Netzwerke wie Facebook begünstigt?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg  (Sprachen)
Veranstaltung
Sprache und Gewalt
Note
1,5
Autor
Jahr
2021
Seiten
28
Katalognummer
V1150153
ISBN (eBook)
9783346538307
ISBN (Buch)
9783346538314
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprache und Gewalt, Sprache, Gewalt, Facebook, Kommunikation, Soziale Netzwerke, Social Media
Arbeit zitieren
Elena Bock (Autor:in), 2021, Sprache und Gewalt. Wird gewaltvolle Kommunikation durch Soziale Netzwerke wie Facebook begünstigt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1150153

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