Das Ziel dieser Untersuchung besteht darin, zu ermitteln, ob und inwieweit Unterricht einen Weg bieten kann, reflektiertes Geschichtsbewusstsein bei Schülern und Schülerinnen der Jahrgangsstufe 10 zu fördern.
Geschichte, das sind immer auch die Geschichten von handelnden Menschen und nicht nur eine bloße chronologische Abfolge von Ereignissen. Betrachtet man diese individuellen und vielseitigen Geschichten, ergibt Geschichte nicht mehr so einfach Sinn und stellt sich nicht mehr als so vorherbestimmt und zwangsläufig dar.
Geschichte ist ein Konstrukt. Sie ergibt sich aus Fragen, die aus der Position der Gegenwart an die Vergangenheit gestellt und mithilfe von Überbleibseln aus dieser – also historischen Quellen – zu beantworten versucht werden. Dabei kann die Antwort kaum objektiv sein, hängt sie doch von zahlreichen Variablen, beispielsweise der genauen Forschungsfrage, den Einstellungen des Fragenden und nicht zuletzt von der herangezogenen Quelle ab.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen zur Genese von Geschichtsbewusstsein
2.1 Definitionen und Modelle
2.2 Förderung von Geschichtsbewusstsein im (idealtypischen) Unterricht
2.3 Einfluss von Interesse auf Geschichtsbewusstsein und historisches Lernen
2.4 Epistemologische Überzeugungen als Ausdruck von reflektiertem Geschichtsbewusstsein
3 Herleitung der Fragestellung
4 Das „Kohlengräberland“
5 Fragestellung und Hypothesen
6 Methode
6.1 Konzeption des Fragebogens
6.2 Durchführung
7. Ergebnisse
7.1 Deskriptive Ergebnisse
7.1.1 Ergebnisse des gesamten Jahrgangs
7.1.2 Ergebnisse der „Kohlengräber“ im Vergleich
7.2 Analyse der Ergebnisse hinsichtlich der aufgestellten Hypothesen
7.3 Diskussion der Ergebnisse
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen lebensnahem, regionalgeschichtlichem Unterricht und der Ausprägung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins bei Schülern der 10. Jahrgangsstufe. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, ob ein projektorientierter Ansatz, der individuelle Interessen und den Lebensweltbezug der Lernenden integriert, die historische Kompetenzentwicklung fördert.
- Analyse der Genese von Geschichtsbewusstsein und epistemologischer Überzeugungen
- Einfluss von individuellem Interesse auf das historische Lernen
- Evaluation des innovativen Unterrichtsfachs „Kohlengräberland“
- Empirische Untersuchung der Korrelation zwischen Geschichtsinteresse und reflexiven Fähigkeiten
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
„Ohne Erinnerung hat die Geschichte kein Gesicht“.
Mit diesen Worten eröffnete Horst Spieckermann, seines Zeichens Mitkoordinator der alljährlichen Zeitzeugengespräche an der Gesamtschule, sein Vorwort zum vergangenen Zeitzeugengespräch. Sich erinnern, der Geschichte ein Gesicht geben und sie damit als Teil der Gegenwart verstehen – was so einfach klingt, gestaltet sich in der Umsetzung oftmals komplexer. „Geschichte ist doch vorbei, was geht uns das an?“ fragen sich viele. Die Frage ergibt sich jedoch nur, wenn man Geschichte auf das reduziert, was sie in Schulbüchern oder Wikipedia zu sein scheint: zwangsläufig und unabänderlich so geschehen, wie sie geschrieben ist. Aber Geschichte, das sind immer auch die Geschichten von handelnden Menschen und nicht nur eine bloße chronologische Abfolge von Ereignissen. Betrachtet man diese individuellen und vielseitigen Geschichten, ergibt Geschichte nicht mehr so einfach Sinn und stellt sich nicht mehr als so vorherbestimmt und zwangsläufig dar.
Geschichte ist ein Konstrukt. Sie ergibt sich aus Fragen, die aus der Position der Gegenwart an die Vergangenheit gestellt und mithilfe von Überbleibseln aus dieser – also historischen Quellen – zu beantworten versucht werden. Dabei kann die Antwort kaum objektiv sein, hängt sie doch von zahlreichen Variablen, beispielsweise der genauen Forschungsfrage, den Einstellungen des Fragenden und nicht zuletzt von der herangezogenen Quelle ab. Das Wissen um diesen Umstand bildet die Grundlage für kritisch reflektiertes Geschichtsbewusstsein, welches das Ziel des modernen Geschichtsunterrichts darstellt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Geschichtsbewusstseins ein und begründet das Ziel der Untersuchung, die Wirksamkeit von projektorientiertem Unterricht zu prüfen.
2 Theoretische Grundlagen zur Genese von Geschichtsbewusstsein: Dieses Kapitel erläutert die geschichtsdidaktischen Konzepte von Rüsen, Pandel und der „FUER“-Gruppe sowie die Bedeutung von Interesse und epistemologischen Überzeugungen.
3 Herleitung der Fragestellung: Hier wird der Bedarf für einen stärkeren Lebensweltbezug im Unterricht unter Verweis auf die Regionalgeschichte und die Erinnerungskultur herausgearbeitet.
4 Das „Kohlengräberland“: Das Kapitel stellt das innovative, seit 20 Jahren bestehende Unterrichtsfach an der Gesamtschule als praktisches Beispiel für schülerzentrierten Geschichtsunterricht vor.
5 Fragestellung und Hypothesen: Basierend auf den Vorüberlegungen werden die Hypothesen formuliert, die einen Zusammenhang zwischen dem Unterrichtskonzept, dem individuellen Interesse und einem reflektierten Geschichtsbewusstsein annehmen.
6 Methode: Hier wird die Konzeption und Durchführung der Befragung von 88 Schülern zur Erhebung ihrer epistemologischen Haltungen und ihres Interesses beschrieben.
7. Ergebnisse: Die Ergebnisse werden deskriptiv dargestellt und hinsichtlich der aufgestellten Hypothesen statistisch analysiert.
8 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und bestätigt die Wirksamkeit des projektorientierten Ansatzes für die Förderung eines reflektierten Geschichtsbewusstseins.
Schlüsselwörter
Geschichtsbewusstsein, Geschichtsdidaktik, Kohlengräberland, historisches Lernen, Lebensweltbezug, epistemologische Überzeugungen, Schülerinteresse, Regionale Identität, Erinnerungskultur, Projektorientierter Unterricht, Nationalsozialismus, empirische Forschung, Bildungsstandards, Kompetenzerwerb, Zeitzeugen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie durch einen projektorientierten, regionalgeschichtlich verankerten Unterricht das reflektierte Geschichtsbewusstsein bei Schülern gefördert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit verknüpft die theoretischen Konzepte der Geschichtsdidaktik mit der praktischen Anwendung im Unterrichtsfach „Kohlengräberland“ und der empirischen Erfassung von Schülerinteressen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist zu ermitteln, ob die Teilnahme am Unterrichtsfach „Kohlengräberland“ zu einem höheren Geschichtsinteresse und einer differenzierteren epistemologischen Haltung (criterialist stance) führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein Fragebogen mit 85 Items konzipiert, der Likert-Skalen zur Erfassung von Einstellungen und epistemologischen Überzeugungen nach Maggioni nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Vorstellung des Kohlengräberland-Projekts sowie die methodische Durchführung und statistische Auswertung der Befragung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Geschichtsbewusstsein, Kohlengräberland, epistemologische Überzeugungen, Lebensweltbezug und historisches Lernen.
Welche Rolle spielen die „Kohlengräber“ in der Untersuchung?
Die „Kohlengräber“ dienen als Vergleichsgruppe, an der die Wirksamkeit des projektorientierten Lernansatzes im Vergleich zu Schülern mit regulärem Unterricht gemessen wird.
Welches zentrale Ergebnis liefert die Arbeit?
Es zeigt sich eine stark positive Korrelation zwischen dem individuellen Interesse, der direkten persönlichen Erfahrung mit historischen Inhalten und einer hohen Ausprägung von reflektiertem Geschichtsbewusstsein.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2021, Reflektiertes Geschichtsbewusstsein. Interesse und Lebensweltbezug als Grundlage, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1150270