Asset-Backed Securities für Schweizer KMU

Chancen und Risiken der Asset-Backed Securities-Finanzierung für Schweizer KMU als Originatoren


Wissenschaftliche Studie, 2008

29 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die ABS-Transaktion
2.1 Ein vereinfachtes Modell
2.2 Ein erweitertes Modell
2.2.1 Das Credit- und Liquidityenhancement
2.2.2 Die Rating-Agenturen

3 Gründe für die Entwicklung der Asset-Backed Securities
3.1 Mortgage-Backed-Securities
3.2 Der Globalisierungstrend

4 Die Entwicklung in Europa und in der Schweiz
4.1 Die ABS-Entwicklung in Europa
4.2 Die ABS-Entwicklung in der Schweiz
4.2.1 Die Grundsatzentscheidung der Schweizer Börse
4.2.2 Der aktuelle Stand der ABS-Entwicklung

5 Die Definition von KMU in der Schweiz

6 Die Chancen der ABS-Finanzierung für Schweizer KMU
6.1 Umgehung der Bankfinanzierung
6.2 Besseres Rating der Asset-Backed-Securities
6.3 Liquiditätsgewinn und Verbesserung der Unternehmensbilanz
6.4 Aufbau eines effizienteren Forderungsmanagements
6.5 Übertragung des Kreditausfallrisikos auf die Investoren

7 Die Risiken der ABS-Finanzierung für Schweizer KMU
7.1 Die Kosten einer ABS-Transaktion
7.1.1 Einmalige Kosten
7.1.2 Laufende Kosten
7.1.3 Kosten als zentraler Entscheidungsfaktor
7.2 Die Investoren als Käufer der Asset-Backed Securities

8 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Was wäre die Schweiz ohne ihre kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU)? Auf diese Frage will man keine Antwort finden, denn die Folgen für die Schweizer Wirtschaft wären verheerend. Schweizer KMU stellen mit 99,7% den Großteil der marktwirtschaftlichen Unternehmen dar und repräsentieren 2/3 der in der Schweiz angebotenen Arbeitsplätze. Sie sind somit der Träger der Schweizer Wirtschaft. Diese Schweizer KMU finanzieren sich zum Großteil über den klassischen Weg der Bankkredite, doch kommt es in Zukunft zu einer restriktiveren Kreditvergabepolitik der Banken könnten viele KMU vor Finanzierungsproblemen und vor der Insolvenz stehen.

Das Forschungsinteresse der vorliegenden Seminararbeit richtet sich auf die Finanzierungsalternative der Asset-Backed-Securities (ABS). Im Vordergrund steht dabei steht dabei der Versuch, die folgende Forschungsfrage zu beantworten: Welche Chancen und Risiken ergeben sich für Schweizer KMU als Originatoren über eine ABS-Finanzierung? Die hierfür vorgeschlagene Methodik soll an dieser Stelle kurz erläutert werden. Das hiesige Vorgehen besteht darin den zentralen Ablauf einer ABS-Transaktion darzustellen, um dann aus Sicht eines KMU die verschiedenen Chancen und Risiken aufzuzeigen, die sich durch eine derartige Finanzierungsalternative ergeben könnten.

Dieser Ansatz führt zu folgender Gliederung der Seminararbeit: In einem ersten Teil wird versucht ein Grundverständnis für ABS zu schaffen. Ferner soll in einem zweiten Teil die Entwicklung der ABS aufgezeigt und die aktuelle Situation in der Schweiz dargestellt werden. In einem vierten Teil soll kurz auf die Definition von KMU in der Schweiz eingegangen werden, bevor im fünften Teil mögliche Chancen und im sechsten Teil mögliche Risiken dieser Finanzierungsalternative für Schweizer KMU aufgezeigt werden. Schließlich wird im Schlusswort ein Fazit gezogen und auf andersartige Untersuchungen hingewiesen.

2 Die ABS-Transaktion

ABS können beschrieben werden als „eine innovative Finanzierungstechnik, bei der ein (meist) diversifizierter Pool von Finanzaktiven aus der Bilanz einer Bank oder eines Unternehmens ausgegliedert, in einem Special Purpose Vehicle rechtlich verselbstständigt, und von diesem über die Ausgabe von Wertschriften an den internationalen Geld- und Kapitalmärkten refinanziert wird.“ (Bär, 2000, S.35) Diese Definition soll im folgenden Abschnitt genauer erläutert werden, um ein Verständnis für die ABS zu schaffen.

2.1 Ein vereinfachtes Modell

Am Anfang jeder Asset Securities-Transaktion steht der sogenannte Originator, der „die gesamte Transaktion . . . nach seinen eigenen Interessen ausrichtet“ (Bellmann, 2002, S.17). Der Originator wählt aus seinen Aktiven Vermögenswerte aus, die Cash-Flows generieren und bündelt diese in einem sogenannten Pool. Ziel des Originators ist es, die Vermögenswerte „rechtlich zu verselbstständigen und deren Refinanzierung getrennt vom ursprünglichen Eigentümer der Aktiven über die Ausgabe von Wertschriften an den internationalen Finanzmärkten zu ermöglichen“ (Bär, 1997, S. 28). Durch eine derartige Transaktion ist der Originator in der Lage sich direkt, in Form von Wertpapier-Emissionen, über den Kapitalmarkt zu finanzieren und kann somit die Finanzierung durch klassische Bankdarlehen umgehen respektive ergänzen.

In einem zweiten Schritt verkauft der Originator seine Aktiven an eine Einzweckgesellschaft, oder aber auch Special Purpose Vehicle (SPV) genannt. Durch den Verkauf der Aktiven wird die angestrebte „rechtliche Verselbstständigung der Forderungen praktisch umgesetzt“ (AKM, 2005, S.4). Dem Originator werden die Aktiven aus seinem Verfügungsbereich entzogen und damit „vom allgemeinen Geschäfts- und Managementrisiko . . . losgelöst“ (Bär, S. 28). Das SPV wiederum finanziert den Kauf der Aktiven, indem es die Vermögenswerte in Form von Wertpapieren auf dem Kapitalmarkt und somit den Investoren anbietet. Demnach tritt das SPV „gegenüber dem Originator als Käufer . . . und gegenüber dem Investor als Emittent auf“ (Bellmann, S. 19).

Der vom Originator gegründete Asset-Pool dient gegenüber den Investoren nun als Haftungssubstrat, jedoch müssen die sich im Pool befindlichen Aktiven „gut prognostizierbare Zahlungsströme generieren“ (Bellmann, S. 24), denn der von den Aktiven ausgehende Cash-Flow, sprich der Zufluss von liquiden Mitteln aus einer Geschäftstätigkeit, wird verwendet um Zins- und Tilgungszahlungen an die Investoren zu leisten.

Durch eine derartige Asset Securities-Transaktion entstehen also Wertpapiere, die durch die Aktiven des Originators gesichert sind, oder kurz genannt ABS (Asset-Backed Securities). Der Begriff ‘ Asset ‘ steht für Aktiva, ‘ Backed ‘ für gedeckt und ‘ Securities ‘ für Wertpapiere, sprich „durch Aktiven gedeckte Wertpapiere“ (Bär, S. 29).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: ABS-Transaktion

2.2 Ein erweitertes Modell

Eine ABS-Transaktion besteht aber nicht nur aus drei Akteuren, es ist vielmehr eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure an einer derartigen Transaktion beteiligt. Im nun folgenden Abschnitt soll aber nur auf die Akteure eingegangen werden, die im späteren Verlauf der Arbeit eine gewisse Bedeutung bei der Darstellung der Chancen und Risiken für KMU haben.

2.2.1 Das Credit- und Liquidity Enhancement

Die Credit- und Liquidity Enhancer sind Sicherheitsmaßnahmen, die die Investoren vor Verlusten und Risiken schützen und die Attraktivität der emittierten Wertpapiere erhöhen sollen. Diese Sicherheitsmaßnahmen treten aber erst dann in Kraft, wenn die Ansprüche der Investoren nicht mehr sichergestellt sind.

„Rechtlich betrachtet, haftet das SPV für Zins und Tilgung der ABS“ (Bartelt, 1999, S.150), dadurch dass der Originator seine Forderungen durch den Verkauf an das SPV überträgt. Das SPV verfügt neben dem Pool an gekauften Assets aber über keine eigenen Vermögenswerte beziehungsweise nur über einen unbedeutenden Eigenkapitalanteil. Bei möglichen Zahlungsausfällen für die Investoren hat das SPV nicht die Mittel, um Ausgleichszahlungen

zu vollziehen. Das SPV fällt somit als Sicherheitengeber aus, und es ist Aufgabe des Originators oder externer Dritter Sicherheitsmaßnahmen bereitzustellen. Man unterscheidet demnach zwischen internen und externen Credit- und Liquidity Enhancements.

Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Enhancement-Techniken, auf die nicht alle eingegangen werden kann. Deshalb soll an dieser Stelle exemplarisch eine interne und eine externe Enhancement-Technik dargestellt werden. Die Spread-/Reserve Accounts sind eine Art der Absicherung durch den Originator, bei der ein Reservekonto gebildet wird, das aus „der Differenz zwischen den Zahlungseingängen und den Zahlungsverpflichtungen während der Laufzeit der Transaktion“ (Wolf, Hill & Pfaue, 2003, S.187) gespeist wird. Das Geld, welches sich auf diesem Konto ansammelt wird bei möglichen Zahlungsausfällen zu deren Deckung verwendet. Bei externen Credit Enhancement-Techniken treten oftmals Banken oder Versicherungen als Geldgeber auf, so zum Beispiel bei der sogenannten Financial Guaranty Insurance (FGI) bei der ein „bonitätsmässig erstklassiges Versicherungsunternehmen eine Garantieverpflichtung“ übernimmt, „für die Zins- und Tilgungszahlungen des Asset-Backed Securities einzutreten“ (Bär, 1997, S.216).

Eine erhöhte Sicherheit für Investoren durch Credit- und Liquidity Enhancements schlägt sich, wie im folgenden Teil deutlich wird, auch in der Bewertung der ABS durch die Rating-Agenturen nieder.

2.2.2 Die Rating-Agenturen

Den Rating-Agenturen kommt im Zusammenhang mit ABS-Transaktionen eine ganz zentrale Aufgabe zu. Wie das Wort ‘ Rating ‘ schon ahnen lässt, übernehmen diese Agenturen die Bewertung der ABS und zwar die Bewertung der Bonität, sprich die Zahlungsfähigkeit der verbrieften Aktiven. Aufgrund der sehr komplexen Konstruktion der ABS ist „die Bonität einer Asset-Backed Securities-Emission für den aussenstehenden Investor im allgemeinen nicht abschätzbar“ (Bär, 1997, S. 30). Da die verbrieften ABS in Form von Wertpapieren auf dem Kapitalmarkt platziert werden, bedarf es einer Bewertung, da Investoren sonst in ein Wertpapier investieren würden, das ein erhebliches Ausfallrisiko beinhalten könnte. Rating-Agenturen machen nichts anderes, als das Risiko für einen Investor anhand einer Beurteilung und Analyse der Wertpapiere festzustellen, „das bedeutet dass mittels statistischer Methoden die Forderungen auf ihre Rückzahlungswahrscheinlichkeit überprüft werden“ (AKM, 2005, S.3). Die Rating-Agenturen verteilen nach der Beurteilung Noten, die das Risiko des Wertpapiers einstufen. Die Noten reichen von sehr gut bis zahlungsunfähig und werden in Form von Buchstaben ausgedrückt. So ist ein Wertpapier mit der Bonitätseinstufung AAA, ein Wertpapier bei dem es praktisch kein Ausfallrisiko gibt, also ein mit sehr gut eingestuftes Papier. Eine Wertpapier mit der Note CCC spiegelt eine Bonitätseinstufung niedrigster Qualität wider und bei derartigen Wertpapieren herrscht „geringster Anlegerschutz“ mit einer akuten „Gefahr eines Zahlungsverzuges“ (Keiner, 2001, S.129).

3 Gründe für die Entwicklung von Asset-Backed Securities

Ausschlaggebend für die Entwicklung von Asset-Back Securities, ist die Verlagerung weg von der klassischen Kreditfinanzierung, hin zur Finanzierung über die Geld- und Kapitalmärkte. Es gibt zwei grundlegende Entwicklungen, die zur Entstehung von Asset-Backed Securities geführt haben. Als erstes soll auf die Mutter der heutigen Asset-Backed Securities eingegangen werden, die ihren Ursprung im Jahre 1970 in den U.S.A. haben, die Mortgage-Backed Securities. Als zweites soll auf den Trend der Globalisierung eingegangen werden, der zu einer Vernetzung der internationalen Finanzmärkte führte und von einem „vorher eher binnenmarktorientierten Einlagen- und Kreditgeschäft in Richtung internationaler Finanzvermittlung über die Ausgabe von Wertpapieren“ (Bär, S. 21) führte.

3.1 Mortgage-Backed Securities

Mortgage-Backed Transaktionen verlaufen ähnlich wie Asset-Backed Transaktionen, mit dem Unterschied, dass bei Mortgage-Backed Transaktionen nur Hypotheken zur Deckung der ausgegebenen Wertpapiere dienen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Verkauf Emission

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Mortgage-Backed Transaktion

Bei einer Mortgage-Backed Transaktion gewährt die Bank Kredite an ihre Kunden für die Finanzierung von Immobilien. Diese Kredite werden durch eine Grundschuld auf die Immobilie sichergestellt. Das bis hierhin Beschriebene entspricht einer klassischen Kreditfinanzierung, bei der der Kunde der Bank Kapital und Zinsen schuldet.

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Details

Titel
Asset-Backed Securities für Schweizer KMU
Untertitel
Chancen und Risiken der Asset-Backed Securities-Finanzierung für Schweizer KMU als Originatoren
Hochschule
Universität St. Gallen  (Institut für Volkswirtschaftslehre)
Note
1,5
Autor
Jahr
2008
Seiten
29
Katalognummer
V115054
ISBN (eBook)
9783640156191
ISBN (Buch)
9783640156306
Dateigröße
694 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Asset-Backed, Securities, Schweizer
Arbeit zitieren
Eric Schmidgall (Autor), 2008, Asset-Backed Securities für Schweizer KMU, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115054

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