Ababa von Palindromien - Leben und Ansichten einer berühmten Zahl, in Wort und Bild aufgezeichnet von einem ihrer Verehrer


Fachbuch, 2008

75 Seiten, Note: " - "


Leseprobe

Inhalt

Das Dekret

Die Generalprobe

Otto

Die Eröffnung

Minister Etsinim

Prominenz Kanzler Elznak Kaplan Alpak NATO-Wotan

Dr. O. Lesser, Presselord Regisseur Dr. U. Essiger

Berufe

Reporter E. Troper Kassierer Eissak Akrobat Aborka Klavierlehrer Helrei-Valk Skilehrer Heliks

Sonstige

Aktivist Sivitka Genosse Jessoneg Herr Reh

Der Freibier-Fred Apoll-Opa Rebell Leber

Das Dekret

Palindromien ist ein Land des Wundersamen. In Raum und Zeit erstreckt es sich ins Unermeßliche. Menschen und Zahlen wohnen in ihm in trauter Gemeinschaft.

Von den Menschen geht jeder seiner täglichen Arbeit nach, und alles ist, wie wir es kennen: Das Wachen und das Schlafen, das Gehen und das Stehen, das Essen und das Trinken, das Leiden und das Hoffen, das Lieben und das Hassen, und auch die Art, Nachkommen zu zeugen. Der Zauber, der über Palindromien liegt, bewirkt aber, dass in ihm Menschen auch Zahlen hervorbringen können.

Denn auch die Zahlen haben Leben. Sie kennen Neigung und Freundschaft, Missgunst und Neid; sie gehen miteinander einheitliche oder unterschiedliche Beziehungen ein, leben in Gruppen oder einzeln, verhalten sich bald so, bald so, und erzeugen Nachkommen, indem sie sich verknüpfen.

Für die Zahlen in Palindromien gilt jedoch eine strenge Regel: Jede muss es vermögen, sich umzukehren und mit ihrer Umkehrung eine Verbindung per Addition oder Subtraktion einzugehen. Nachkommen sollen nur aus solchen Verbindungen erwachsen.

Im Lande regierte König Pal I. Er war jung und stark, und alle liebten ihn wegen seines freundlichen Wesens und seiner Güte. Doch sah man ihn bisweilen traurig und gesenkten Hauptes durch die palindromischen Gefilde reiten, denn er und seine Frau, die Königin Palina, wünschten sich nichts sehnlicher als ein Kind, das ihnen jedoch schon viele Jahre versagt blieb.

„Ach, wenn wir doch ein Kindlein hätten“, sprach die Königin zu ihrem Gemahl, „wie wollte ich es herzen und lieben.“

„Wär`s ein Knabe, so sollte er nach unserem Tode das Königreich mit starker Hand regieren. Wär`s ein Mädchen, so würde ihm ein würdiger Freier zuteil, der an seiner Seite das Land vor feindlichem Begehren schützen könnte“, pflichtete der König bei.

Es vergingen noch mehrere Jahre, bis ihr Wunsch endlich in Erfüllung ging und die Königin ein Mägdelein gebar. Im ganzen Land herrschte Freude und Festtagsstimmung. Es war ein fröhliches Umkehren und Addieren und Subtrahieren unter den Zahlen, das allerorten die Straßen und Plätze erfüllte und an dem alle Bewohner Palindromiens – Menschen wie Zahlen gleichermaßen - freudigen Anteil nahmen.

Die Prinzessin war klein und zierlich. Die Eltern nannten sie Ababa. Der Name war sorgsam gewählt. „Ababa ist ein Palindrom“, ließ Pal I. verlauten. „So wird vor aller Welt dokumentiert, dass die Prinzessin zum Geschlecht derer von Palindromien gehört. Und weil er ein Palindrom ist, kann man ihn auch rückwärts lesen oder sprechen, ohne dass eine Umkehrung ihn je verändern könnte.“

Ababa war eine Zahl; sie bestand aus nur vier Ziffern, die zudem als farbige Pixel verkleidet waren. Doch besaß sie die wundersame Eigenschaft, in Abhängigkeit von ihrem Alter in verschiedenen Gestalten auftreten zu können. Am besten gefiel sie sich, wenn sie als ihre ersten beiden Ziffern die Eins und die Null tragen durfte, denn das waren die zwei einzigen

Ziffern, die in jedem Zahlensystem vorkommen. Die beiden letzten Ziffern Ababas aber waren die beiden Vorgängerinnen derjenigen Jahreszahl, die ihr jeweiliges Alter angab. Als sie drei Jahre zählte, hatte sie mithin die Gestalt 1012, mit zehn Jahren sah man sie als 1089 usw. Wie wir Menschen auch, so veränderte sie sich also mit zunehmendem Alter.

Doch besaß sie darüber hinaus die erstaunliche Fähigkeit, mit jeder beliebigen Zahl a zu beginnen, wenn diese nur kleiner war als die Zahl b ihrer Jahre. Diese Eigenschaft bewirkte, dass Ababa immer in der Gestalt a(a – 1)(b – a- 1)(b – a) erschien.

Was alle Bewohner Palindromiens an ihr aber am meisten bewunderten, war, dass sie immer gerade so alt war, wie sie es wollte. War sie ihren Gespielinnen gestern noch als vierzehn- jährige Teenagerin in den Gestalten 10(12)(13) oder 21(11)(12) oder 32(10)(11) bis hin zu (13)(12)01 erschienen, so konnte sie heute als Dreijährige den Kindergarten in den Gestalten 1012 und 2101 betreten, und morgen als zweiunddreißigjährige erfolgreiche Managerin ihre Mitarbeiter bald als 10(30)(31) oder 21(29)(30) oder 32(28)(29) bis hin zu (31)(30)01 befehligen.

Die Vielfalt möglicher Gestalten machte Ababa begehrenswert für viele Verehrer. Aus allen Teilen Palindromiens und auch von außerhalb des Landes strömten sie herbei, um ihre Kunst und ihre Anmut zu preisen und um ihre Hand anzuhalten. König Pal I. und Königin Palina wähnten sich ins menschliche Mittelalter versetzt, in die Zeit der Minnesänger und Troubadure und deren späteren Nachfolger. Sie sannen deshalb darüber nach, wie das Werben um die Prinzessin in geregelte Bahnen gelenkt werden könne. Sie waren sich einig, dass jeder Freier sich einer strengen Prüfung unterziehen müsse.

Die Königin, die alle Märchen der Brüder Grimm auswendig kannte, schlug vor, Ababa solle so vorgehen, wie die übermütige Königstochter aus dem Märchen „Das Rätsel“.

„Diese“, erklärte sie dem König, der sich in Märchen weit weniger auskannte als im guten Regieren, „hatte bekannt machen lassen, wer ihr ein Rätsel vorlege, das sie nicht erraten könnte, der sollte ihr Gemahl werden. Sie war aber so klug, dass sie immer die vorgelegten Rätsel in einer Frist von drei Tagen erriet, worauf dem Bewerber das Haupt abgeschlagen wurde.“ Ein unfehlbare Prozedur, den Richtigen zu ermitteln, befand die Königin.

Der König hatte jedoch Bedenken. Sollte Ababa so klug sein wie die Königstochter aus dem Märchen, und daran war nicht zu zweifeln, wo sollte er mit den vielen abgeschlagenen Köpfen hin? Im Operntheater der Hauptstadt Palindromiens hatte neulich eine Mozart-Oper viel Staub aufgewirbelt, weil am Ende die abgeschlagenen Köpfe dreier Religionsstifter auf der Bühne präsentiert wurden. Natürlich richtete sich die Empörung der palindromischen Öffentlichkeit nicht gegen Mozart, dem diese Gräulichkeit fremd gewesen war; im Gegenteil, Mozart erfreute sich bei ihnen großer Beliebtheit, weil er neben seinen großen und weltweit bekannten Werken auch kleinere mit einer palindromischen Struktur komponiert hatte, die sich vorwärts wie rückwärts spielen ließen und dabei einmal wie das andere Mal gleich gut klangen.

Pal I., der schon zu seinen Lebzeiten „der Gutmütige“ genannt wurde, gab Königin Palina weiter zu bedenken, dass unter den Rätseln, die Ababa zu lösen hätte, auch solche sein könnten, die voll und ganz der subjektiven Erlebniswelt des Bewerbers entsprangen, so dass sie nur zu erraten waren, wenn man den Betreffenden im Schlafe belauschte und ihn in diesem Zustand zum Sprechen brachte.

Palina erinnerte sich, dass der Königssohn im Märchen der Brüder Grimm der Königstochter das Rätsel aufgegeben hatte: „Was ist das: Einer schlug keinen und schlug doch zwölfe.“ Die Königstochter hatte das Rätsel nur lösen können, indem sie den jungen Herrn im Schlafe befragte und er ihr das Erlebnis freiwillig preisgab, aus dem er das Rätsel geschöpft hatte:

„Einer schlug keinen – das ist ein Rabe, der von einem toten und vergifteten Pferde fraß und davon starb. Und schlug doch zwölfe – das sind zwölf Mörder, die den Raben verzehrten und daran starben.“

Nein, von der Art sollte die Prüfung nicht sein, der sich die Freier in Palindromien unterziehen sollten.

Das Lösen von Rätseln als Voraussetzung für ein erfolgreiches Werben um eine schöne und kluge Königstochter war in der Literatur überhaupt nicht selten anzutreffen.

„Wie war das doch mit Turandot, der einzigen Tochter des Kaisers von China?“, fragte der König seine Gemahlin. „Ging es da nicht auch um drei Rätsel?“

„O ja, mein Lieber,“ stimmte Palina ein und nutzte sogleich die Gelegenheit, ihre tiefe Verehrung für Friedrich von Schiller kund zu tun. „Im Falle von Turandot ist das Verhältnis von Rätsel-Lösen und Hochzeit-Machen genau umgekehrt wie bei den Brüdern Grimm. Während bei denen die Freier die Rätsel vorlegen müssen und sie enthauptet werden, wenn die Prinzessin das jeweilige Rätsel löst, ist es Turandot, welche selbst das Rätsel aufgibt. Löst der Bewerber drei Rätsel, so sollte er ihre Hand und mit derselben Krone und Reich empfangen; löst er sie nicht, war sein Haupt dem Schwerte verfallen.“

„Entsetzlich!“, stöhnte der König. „Und die Köpfe wurden, wenn ich mich recht erinnere, als Zierat symmetrisch auf dem Stadttor von Peking aufgepflanzt.“

„Gewiss, die beste Art der Entsorgung war das nicht“, entgegnete Palina, „aber immerhin sollten dadurch stets neue Bewerber davon abgehalten werden, ihr Leben aufs Spiel zu setzen.“

„Trotzdem, das ist barbarisch, rasend, toll und unvernünftig“, wandte ihr königlicher Gemahl ein. „Wo hat man je gehört, dass man den Leuten den Hals abschneidet, weil sie schwer begreifen? Und auch noch so viele Feiertage wie viele Köpfe? Nein, das ist nicht mein Fall.“

„Nun ja“, gab die Königin zu bedenken, „es widerstrebte der Prinzessin eben, mit einem Mann vermählt zu werden, der zwar – so war die Bedingung – ein Königssohn war, den sie aber nicht lieben konnte, weil er nicht einmal imstande war, einfache Rätsel zu lösen. Und die drei Rätsel, die sie dem Prinzen Kalaf aufgab, waren ja nachweislich so leicht, dass er sie im Handumdrehen löste. Erinnere Dich bitte: Der Baum, der den Menschen das Alter aller Dinge anzeigt, ist natürlich das Jahr, was denn sonst? Und der Kristall, dem an Wert kein Edelstein gleicht, der leuchtet, ohne zu brennen, der das ganze Weltall einsaugt und oft Schöneres von sich strahlt als was er empfängt, was kann das anderes sein als das Auge? Das Ding aber, das nur wenige schätzen, das aber des größten Kaisers Hand ziert, das Leben sanft und leicht macht, die größten Reiche gegründet und die ältesten Städte erbaut hat, und - merke auf ! – doch niemals Kriege entzündet hat, das ist natürlich der Pflug. Oder?“

„Du hast gut reden, meine Liebe. Ich muss gestehen, wenn ich nicht Dich, oh Königliche Lieblichkeit, früh zur Gemahlin erkoren und statt dessen im fernen China um Turandots Hand angehalten hätte, so würde mein Kopf neben vielen anderen das Stadttor von Peking zieren.

Du kannst sagen, was Du willst: Turandot war die Ausgeburt der Grausamkeit. Ich bin froh, dass unsere Ababa nicht auch solche Allüren zeigt.“

„Grausam war sie nur gegen Männer, die um sie warben. Im Grunde aber war sie gütig gegen alle Welt. Sie wollte frei sein und sich nicht binden. Allein ihr Stolz war das einzige Laster, das sie schändete.“

„Unsere Ababa ist ebenfalls eine stolze Königstochter. Zu Recht ist sie stolz auf ihre Eltern, auf das Königreich, das ihr einst gehören wird, auf die vielen Bewohner unseres Landes, die mit unermüdlichem Eifer dabei sind, sich zu palindromisieren, indem sie sich umkehren und sich mit ihrer Umkehrung durch Addition oder Subtraktion verbinden. Stolz muß kein Laster sein, das schändet. Ababa darf stolz sein, dem Stamme der Palindromier anzugehören. Das gibt ihr jedoch nicht das Recht, über Leben und Tod anderer – und seien es auch Königssöhne

– zu befinden.“

„Gut, wenn Du meinst“, gab Palina klein bei. „Trotzdem sollten wir es künftigen Freiern nicht zu leicht machen, Ababa in den Hafen der Ehe zu führen. Man muss ihnen ja nicht gleich den Kopf abschlagen, wenn sie die Prüfung nicht bestehen; aber des Landes verweisen sollten wir sie auf jeden Fall, sonst verleitet ihr Frust sie womöglich zu irgendwelchen Böswilligkeiten, die sie in unserem geliebten Palindromien anstellen.“

„So lass uns überlegen, welche anderen, weniger blutrünstige Arten es gibt, Ababas Freier zu prüfen, ob sie ihrer würdig sind“, beschloss Pal I.

Königin Palina hatte auch für diesen Fall ein Angebot parat.

„Ich erinnere mich des Teufels Großmutter, die dem Teufel, während er schlief, drei goldene Haare nacheinander auszupfte und ihn damit jedesmal bewog, Antworten auf drei Fragen zu geben, die einem Glückskind, das sie als Ameise in ihrer Rockfalte verborgen hielt, aufgegeben waren und die nur allein der Teufel zu beantworten wusste. Und da Ababa als unsere Tochter natürlich ein Glückskind ist, hätte sie alle Chancen, die ihr aufgegebenen Fragen zu beantworten, und müsste sich dabei nicht einmal als Ameise in der Rockfalte von des Teufels Großmutters verbergen.“

Doch auch diese Art des Lösens von Rätseln war nicht nach Pal Indroms frommen Geschmack.

„Mit dem Teufel ist nicht gut Kirschen essen“, überlegte er. „Und wenn wir schon den Teufel bemühen, dann nur, wenn auch Gott in dem Rätsel vorkommt.“

Er hatte gut reden, denn vor kurzem hatte ihm ein befreundeter Monarch das Rätsel aufgegeben:

„Was ist es?

Es ist größer als Gott. Es ist böser als der Teufel. Die Armen haben es. Die Reichen brauchen es.

Und wenn Du es isst, stirbst Du.“

Der König war stolz darauf, das Rätsel nach einigem Hin- und Her-Überlegen geknackt zu haben, indem er sich an der Frage festbiss: „Was ist größer als Gott?“ Die einzige Antwort, die ihm darauf einfiel, war: „Nichts“. Und sobald er das gefunden hatte, stand alles an seinem Platz: „Nichts ist größer als Gott. Nichts ist böser als der Teufel. Die Armen haben nichts. Die Reichen brauchen nichts. Und wenn Du nichts isst, stirbst Du.“

„Doch warum müssen es immer Rätsel sein?“, fragte er sich und seine Gemahlin. An langen Winterabenden, wenn es kalt und dunkel war in Palindromien, lösten sie beide gewöhnlich Kreuzworträtsel. Wie verzwickt sich manche auch zeigten, so gab Palina doch nie Ruhe, bis alle Felder richtig und stimmig ausgefüllt waren. Besonders bei Fragen nach Nebenflüssen ihr ohnehin schon unbekannter Flüsse war sie mitunter am Verzweifeln, doch die reiche Bibliothek des Königs half ihr immer wieder über alle Schwierigkeiten hinweg. Pal I. hingegen, der außer dem eigentlich Raten auch noch alles zu notieren hatte, war mit seinen Gedanken nicht immer voll bei der Sache, weil das Regieren ja seine ganze Aufmerksamkeit und Konzentration beanspruchte.

„Was gibt es in den Märchen noch alles an Prüfungen zu bestehen, die nicht auf das Lösen von Rätseln hinauslaufen und bei denen das Nichtgelingen nicht zur Tötung führt?“, begehrte er von der Königin zu wissen.

„Da wäre zum Beispiel das tapfere Schneiderlein, das drei Heldentaten vollbringen musste, bevor es die einzige Tochter des Königs zur Gemahlin und das halbe Königreich zur Ehesteuer dazu bekam,“ erinnerte sie sich. „Es musste als erstes drei Riesen überwinden und töten, die im Lande hausten und mit Rauben und Morden, Sengen und Brennen großen Schaden stifteten. Als zweite Heldentat sollte es ein Einhorn einfangen, das den Wald verwüstete. Und die dritte Forderung war, ein Wildschwein einzufangen. Das kleine, schwächliche Schneiderlein löste alle drei Aufgaben mit List. Es ließ die Riesen sich gegenseitig verprügeln, so dass sie entkräftet ins Gras sanken und leicht zu töten waren. Das Einhorn ließ es sein Horn in einen Baum spießen und das Wildschwein in eine Kapelle rennen, in der er es sofort einsperrte. So wurde aus einem Schneider ein König.“

„Auch hier wird getötet und werden Tiere des Waldes misshandelt,“ lehnte der König jedoch Palinas Angebot ab.

Dero Königliche Lieblichkeit überlegte ungewöhnlich lange, ging im Geiste noch einmal die ihr bekannten Grimmschen Märchen durch und fand, dass es gar nicht einfach sei, eines zu finden, in dem nicht irgendwelche hässlichen und verwerflichen Grausamkeiten geschahen. Schließlich hellte sich ihr Antlitz auf; sie glaubte gefunden zu haben, wonach der König suchte.

„Es war einmal eine Frau Füchsin,“ begann sie ihre Rede, „deren alter Herr Fuchs, welcher über neun Schwänze verfügt hatte, gestorben war. Weil die Frau Füchsin bald wieder heiraten wollte, bewarb sich ein junger Freier nach dem anderen bei ihr, doch sie wurden alle abgewiesen, weil keiner soviel schöne Zeiselschwänze aufzuweisen hatte, wie ihr verstorbener seliger Herr Gemahl.“

„Ja, das gefällt mir schon eher,“ räumte der König ein. „Was mich dabei stört, sind nur die Schwänze. Woher soll denn einer neune davon nehmen?“

„Es geht nicht um die Schwänze,“ nahm sich Palina die Freiheit, ihren Gemahl zu korrigieren.

„Was ich sagen will ist, dass man die Freier auf irgendeine Eigenschaft hin beurteilen könnte. Die Schwänze sind doch nur ein Beispiel, wenn auch ein nicht uninteressantes. Es gibt übrigens noch eine andere Version dieses Märchens. In dieser sind es nicht Schwänze, welche die Freier auszeichnen mussten, sondern rote Höslein und ein spitzes Mäulchen. Alle, die sich um die Füchsin bewarben – Wolf, Hund, Hirsch, Hase, Bär, Löwe und nacheinander alle Waldtiere – wurden abgewiesen, denn es fehlte ihnen immer eine von diesen guten Eigenschaften.“

Doch auch diese Lösung konnte Pal I. nicht befriedigen. „Niemand kann etwas dafür, wie er gebaut ist und wie der liebe Gott ihn erschaffen hat, ob mit neun Schwänzen oder mit einem spitzen Mäulchen. Viel wichtiger wäre, was ein Freier vermag, über welche Fähigkeiten er verfügt, ob er zum Beispiel in der Lage ist, durch seine Liebe unserer Ababa, welche klein und zierlich ist, anmutige Form und Figur zu verleihen, sie zu solcher Schönheit erstrahlen zu lassen, dass alle Welt sie preisen und loben wird.“

„Wie sollt ein Freier das bewirken?“, zögerte Palina.

Pal I. legte die Stirn in Falten; das tat er immer, wenn er ganz intensiv nachdachte. Als die Stirn sich wieder glättete, sprach er aus, was er erdacht hatte:

„Ein Freier sollte durch und durch ein Palindromier sein. Das würde ich als erstes und oberstes Gebot verfügen. Er müsste es also auf vorzügliche Art vermögen, sich umzukehren und sich durch Addition oder Subtraktion mit seiner Umkehrung zu verbinden. Und das müsste er mit allen Zahlen, die er dabei als Ergebnisse erhält, immer wiederholen.“

„Das kann doch jeder hier in Palindromien,“ wandte die Königin ein. „Was ist daran Besonderes?“

„Er soll es ja nicht in erster Linie mit sich selbst tun können, sondern Ababa dazu bringen, sich umzukehren und zu ... ach sagen wir doch einfach: sich zu palindromisieren. Je nachdem, welche Abfolge von Additionen und Subtraktionen er vorschlägt, wird Ababa diese oder jene Gestalt annehmen. Wenn wir diese Abfolge den Modus, nämlich den Palindromisierungs- modus nennen wollen, so lautet die Forderung an den Freier, einen solchen Modus vorzuschlagen, der Ababa zu einzigartiger Schönheit und Eleganz verhilft.“

„Das funktioniert aber nur,“ setzte sie als folgsame Frau Gemahlin seinen Gedankengang fort,

„wenn er alle Ergebnisse von Umkehrung und Addition beziehungsweise Subtraktion, also die Ergebnisse jedes Palindromisierungsschrittes, in der Form farbiger Pixel zentriert untereinander anordnet, so dass ein flächiges buntes Pixelgemisch entsteht.“

„Eben,“ griff Pal I. den Faden wieder auf. „So würde er Ababa, die ein eindimensionales Wesen ist, eine zweite Dimension verleihen, und wir könnten beurteilen, ob auf diese Weise ein Muster entsteht, dessen Reiz und Anmut unserer Ababa würdig wäre.“

Und er fügte hinzu: „Wir könnten ihm ja erlauben, dabei nach seinem Belieben entweder vom Ergebnis jedes Palindromisierungsschrittes Gebrauch zu machen oder auch nur von dem jedes zweiten oder jedes vierten oder jedes n-ten Schrittes. Auch sollte er selbst wählen dürfen, in welchem Alter und in welcher Ausgangsgestalt er sie palindromisieren möchte. Sollte er Ababa dazu bewegen können, bei dieser Prozedur eine gefällige zweidimensionale Gestalt anzunehmen, so möge er in die engere Wahl kommen, aus der sodann durch Stichwahl der letztlich Glückliche ermittelt werden würde. Sollte einer von ihnen Ababa aber straucheln lassen und sie in ein wildes Durcheinander von farbigen Pixeln versetzen, so soll er im Vollbesitz seines Hauptes sogleich des Landes verwiesen werden.“

Königin Palina nickte zustimmend und ging noch einen Schritt weiter: „Reiz und Anmut, Eleganz und Schönheit sind hoch zu lobende Eigenschaften. Kaum jemand vermag jedoch mit Bestimmtheit zu sagen, was Schönheit ist. Du, mein lieber Pal, weißt es natürlich, sonst hättest Du mich nicht zu Deiner Gemahlin erkoren.. Doch was für den einen schön ist, muss es nicht auch für den anderen sein. Was einer reizvoll findet, kann für den anderen grässlich

sein. Schuster und Schneider haben eine Vorstellung von Eleganz, Mathematiker eine ganz andere. Wie sollen wir wissen und gerecht entscheiden können, ob ein Bewerber Ababa zu wünschenswerter Eleganz und Schönheit führt?“

Pal I. bestätigte seiner Gemahlin, dass sie nicht nur schön und anmutig sei, sondern auch klug, denn natürlich müsse man eine klare Vorstellung davon haben, welche Formen, Muster, Figuren für Ababa als annehmbar gelten sollen.

„Wozu haben wir an unserer Universität einen Lehrstuhl für Palindromik?“, überlegte er.

„Sollen die uns doch sagen, welche Vielfalt an Mustern möglich ist und welche davon wir den Freiern als Aufgabe stellen sollten.“

Noch am selben Tage wurde ein Bote zur Universität gesandt und eine Sondersitzung des Senats anberaumt, auf der das Problem besprochen wurde. Bei seiner Rückkehr überbrachte der Bote neben den untertänigsten Verbeugungen der Herren Professoren deren Empfehlung, man möge den Freiern die Strukturtypen PER, SIM und SIER empfehlen.

Nun musste nur noch Ababa selbst zu diesem Vorhaben gehört werden. Die Freier seien ihr egal, sagte sie. „Nicht rote Höslein oder spitze Mäulchen erwarte ich, und vor neun- schwänzigen Freiern möge man mich bitte verschonen. Den Tieren des Waldes wird von mir und meinen Entscheidungen keine Unbill widerfahren. Und was die Rätsel angeht, so würden sie durch Ihr weises Dekret, Herr Vater und Frau Mutter, zu der Erwartung gemildert, einen Modus vorzuweisen, der mir genehm ist und aus mir ein zweidimensionales Wesen mit holder Anmut macht. Wenn die Herren Professoren von der Universität meinen, die Strukturtypen PER, SIM und SIER seien bestens geeignet, eben dies zu leisten, dann soll es so sein. Doch eines wünsche ich mir: Jeder Freier möge mit einem artigen Sprüchlein vor mir knien und mir den Hof machen, wie einst die Minnesänger und Troubadure bei den Menschen ihre angebeteten Damen besangen.“

So wurde es denn beschlossen und in ganz Palindromien verkündet:

Wer um Prinzessin Ababas Hand anhält, muss des Minnesangs und der Liebeslyrik kundig sein und dies durch einen Poeten seiner Wahl trefflich bezeugen. Er muss zudem einen Modus vorweisen, der sie zu einem zweidimensionalen Wesen von erhabener Eleganz und Schönheit werden lässt. Aus der Schar derer, die dies vermögen, wird der eine und einzige ausgewählt werden, der mit ihr das Hochzeitsbett teilen und das Königreich Palindromien sein eigen nennen darf. Welchem Kriterium diese engere Wahl unterworfen sein wird, bleibt bis dahin königliches Geheimnis. Wer den Bedingungen nicht genügt, wird mit sofortiger Wirkung und für immer des Landes verwiesen werden.“

Kaum war das Dekret erlassen, strömten von nah und fern die Freier heran, die sich um Ababas Gunst und Hand bewarben. Ein großes Gebäude wurde für sie errichtet, das mehrere Gigabit umfaßte, und in dem sich jeder auf seinen großen Auftritt vorbereiten konnte. In der geräumigen Königlichen Bibliothek wurde alles zur Ansicht und zum Gebrauch ausgelegt, was die Literaturgeschichte an alter und neuerer Liebeslyrik kennt.

Die Reihenfolge, in der die Freier auftreten würden, sollte durch das Los bestimmt werden. An jedem Tag sollte nur eine Vorstellung stattfinden.

Die Generalprobe

Auf dem großen, einem Amphitheater gleichenden, ovalen Platz vor dem Königlichen Palast herrschte reges handwerkliches Treiben. Tribünen wurden gebaut und die Königliche Loge bereitet. Längs des eigens für die Freier hergerichteten Gebäudes hatte man Bänke und Tische aufgestellt. Auf der der Königlichen Loge gegenüber liegenden Seite des weiten Platzes war eine riesige Bildleinwand errichtet worden, denn der Wettbewerb um Ababas Hand sollte in aller Öffentlichkeit stattfinden.

Die Zeremonie sah vor, dass jede Präsentation in zwei Teilen zu erfolgen hatte. Zunächst sollte jeder Freier, nachdem er aufgerufen war, vor die Prinzessin treten, um, ihr zu Ehren, wenn auch kein Preislied, so doch einige Strophen eines kunstvollen Gedichtes vorzutragen. Welchem Poeten und welcher Gedichtform er dabei den Vorzug gab, stand ihm frei. Je nach dem, wen oder was er rezitierte, würde die Prinzessin eine dazu passende und möglichst aus derselben Quelle stammende Erwiderung sprechen. Dieser letzte Punkt war zwischen den königlichen Herrschaften nicht unumstritten gewesen. Dem König wollte es nämlich nicht gefallen, dass die Prinzessin nicht das erste Wort haben und sogar auf eine Vorgabe eingehen sollte, die sie nötigte, ihr Gedächtnis in einer vielleicht unstatthaften Weise zu strapazieren.

„Und was ist, wenn sie auf einen ausgefallenen Poeten, den außer dem betreffenden Freier niemand kennt, nichts zu erwidern hat?“, gab er der Königin zu bedenken. „Sie müsste vor Scham erröten, und auch wir müssten es, denn sie ist unsere Tochter; ihre hohe Herkunft muss untadelig sein.“

Doch Palina hatte volles Vertrauen in die Prinzessin: „Eben weil sie unsere Tochter und von hoher Herkunft ist, vertraue ich auf ihre Souveränität. Sie hat an unserem Hofe eine überaus gediegene Bildung erhalten, und ihr besonderes Interesse galt schon von klein auf der klassischen und mittelalterlichen Literatur, insbesondere der deutschen und französischen. Keinem der Freier dürfte es gelingen, sie durch seinen Vortrag aus der Fassung zu bringen.“

„Und wenn doch?“

„Nun, für diesen Fall habe ich vorgesorgt. Wir werden den Dekan der Literaturwissenschaft- lichen Fakultät als Mitglied in die Jury berufen und ihn an meiner Seite platzieren, damit er mir ins Ohr flüstert, wer oder was der eine oder andere Freier vorträgt. Ich gebe diese Information dann unbemerkt von der Öffentlichkeit an Ababa weiter, die ja unmittelbar vor unserer Loge steht.“

„Also ein Trick?“ Den König überzeugte diese Lösung sichtlich nicht.

„Wenn Gefahr im Verzuge ist, muss man gelegentlich auch tricksen, lieber Pal. Im übrigen dürfte es kaum Sängerwettbewerbe gegeben haben , bei denen nicht irgendwelche Intrigen gesponnen wurden, um den begehrten Preis zu erringen. Selbst der Sängerkrieg auf der Wartburg kam nicht ohne den der schwarzen Magie mächtigen Zauberer Klingsor aus. Und stahl nicht gar der Beckmesser in den „Meistersingern von Nürnberg“ das Preislied des Walther von Stolzing, um es als sein eigenes auszugeben? Wir hingegen, Königliche Hoheit, betreiben weder schwarze Magie, noch stehlen wir etwas. Ich gebe nur an Ababa weiter, was mir der Herr Dekan ins Ohr flüstern wird.“

Pal I. gab darauf hin seinen Widerstand auf.

Für den Ablauf des zweiten Teils der Präsentation war in der großen Ratsversammlung, die unter dem Vorsitz des Königs tagte, beschlossen worden, dass jedem Freier ein leistungsfähiger Laptop zugewiesen werde. Ein in der Nähe lebender Wolf, der auf den Namen Uwe hörte, hatte ein Programm ausgearbeitet, das es jedem gestattete, mit Ababa als Ausgangszahl einen Palindromisierungsprozeß – fortlaufende Umkehrung und Addition/Subtraktion – in Gang zu setzen, bei dem die Ergebnisse zentriert und in Farbe untereinander angeordnet werden.

Jeder Bewerber durfte drei Wünsche äußern: In welchem Alter die Prinzessin sich ihm zeigen sollte; mit welchem Modus er sie zu palindromisieren gedenkt, und die Zykluslänge, welche angibt, das wievielte Ergebnis jeweils angeschrieben werden soll. Hatte er diese der Jury vorgelegt, durfte er mit seinem Laptop an einem der Tische Platz nehmen. Die Bildleinwand übertrug dann für alle sichtbar, zu welcher Gestalt er der Prinzessin verhalf.

Die Jury bestand aus elf Experten, zumeist Professoren der Universität: Dem Dekan der Fakultät für Palindromik, Prof. Dr. Reger, und zwei weiteren Mitgliedern des Fakultätsrates, dem Dekan der Literaturwissenschaftlichen Fakultät, den seine Studenten nur den Leseesel nannten, dem Biologen Prof. Dr. Salamander Fred Namalas, zwei Physikern, Prof. Dr. Radar und Dr. Reni Artunak, der Chemikerin Frau Prof. Dr. Nire Kina Grona, einer in ihren Kreisen hoch geschätzten Anorganikerin, dem Mathematiker Prof. Dr. Ibn Sin Usunis, dem Philosophen Prof. Dr. Sahnenhas und der Kunsthistorikerin Fräulein Dr. Lieseseil.1 Jeder Tag sollte im Zeichen eines bestimmten der von ihnen vorgeschlagenen Strukturtypen PER, SIM und SIER stehen.

Die Medien kündigten das bevorstehende Ereignis als den Wettstreit der „Meisterfreier von Palindromien“ an. Photos von Ababa erschienen in allen Zeitungen und Zeitschriften des Landes. Sie zeigten die Prinzessin in allen ihren Altersstufen, von frühester Kindheit an über blühende Jugend bis in die reiferen Jahre, und zudem in jedem Lebensjahr b mit a und (a – 1) an der ersten Stelle bei a < b, und (b – a - 1) sowie (b – a) an den beiden letzten Stellen.. Mutmaßungen wurden angestellt, welcher Freier welchen Strukturtyp wählen und den ersehnten Preis erringen würde. In der Hauptstadt schossen Wettbüros wie Pilze nach einem warmen Regen aus dem Boden. Das Freiergebäude war schon Tage vor Beginn des Wettstreits von Reportern umlagert, die danach strebten, ihren Redaktionen Photos und Interviews von diesem oder jenem der Bewerber zu beschaffen.

Auf der großen Bildleinwand gegenüber der Königlichen Loge und von jedem Platz auf dem weiten Oval gut einsehbar prangte drei Tage und drei Nächte vor der Eröffnung des Wettbewerbs neben einem Bildnis der Prinzessin das Lied aus den „Carmina burana“:

„Floret silva nobilis floribus et foliis. Ubi est antiquus meus amicus?

Hinc equitavit,

eia, quia me amabit?“

Für die des Lateinischen unkundigen Freier und Zuschauer waren auf kleinen Tischen Handzettel ausgelegt, auf denen der Text in den Sprachen der mit Palindromien befreundeten Staaten zu lesen war.2

Königin Palina ließ sich eigens für das Fest eine neue Robe mit passendem Mantel schneidern. Das Kleid war in den Farben Blau und Gold gehalten, der Mantel in Weiß, abgesetzt mit dunklem Nerz. Der Königliche Kämmerer riet ihr außerdem zu einem leichten Hut, dessen breite Krempe das königliche Antlitz vor allzu starker Sonneneinstrahlung schützen sollte. Bei Regen sollte der Wettstreit ohnehin nicht stattfinden.

Drei Tage vor Beginn der Festivität hatte Pal I. eine öffentliche Generalprobe angesetzt. Deren Ziel war es zu prüfen, ob das Programm einwandfrei arbeitet und die Verbindung zwischen Laptop und Bildwand intakt ist. Der Dekan der Literaturwissenschaftlichen Fakultät erhielt die Order, einen Studenten zu benennen, der einen Freier simulieren sollte. Das Königspaar nahm an dieser Generalprobe allerdings nicht teil. Auch wurde auf allen äußeren Prunk verzichtet.

Als die Zeit heran war, schritt der von der Fakultät benannte Student namens Otto durch das Tor, das den Palast der Freier von dem Festplatz trennte, verneigte sich vor der leeren Königlichen Loge, wandte sich sodann der Prinzessin zu, kniete vor ihr nieder und deklamierte:

„Sagt, teure Dame, dünkt Euch gut, Soll Eurethalb ein Freund verderben? Ich mach, dass Ihr fortan nicht ruht,

Wenn ohne Hoffnung ich müsste sterben, Verschmäht, an meiner Glut.

Bedenkt, was Ihr mir Armen tut,

Der stirbt, erhört Ihr nicht sein Werben.“

Der Herr Dekan hatte sich wegen der Abwesenheit der Königin in unmittelbarer Nähe hinter der Prinzessin postiert und flüsterte ihr zu:

„Blondel de Nesle; französicher Troubadur; 12. Jahrhundert.“ Und er gab auch gleich noch das Stichwort für die Erwiderung: „Mein Glück lässt mich singen ...“.

Ababa schaute dem Studenten freundlich in die Augen und antwortete mit einem anderen Lied des Trouvère aus der Pikardie:

„Mein Glück lässt mich singen: Das Frühjahr begann.

Mein Herz will erklingen, Recht ist, was es sann.

Nichts werd ich vollbringen, Was nicht in ihm begann.

Des Werk wird gelingen, Der Freude gewann.

Ergebene Liebe Zur Freude gehört, Die willige Gabe, Dem Rechten beschert, Und höfischer Geist, Dem Edlen gewährt.

Nie irrt, wer diese Drei Wege verehrt.“

Der Juryvorsitzende gab das Zeichen, dass der erste Teil der Präsentation damit erfolgreich verlaufen sei und wies dem Studenten nun seinen Platz an dem mittleren Tisch vor dem Freiergebäude an

.„In welchem Alter wünschen Sie die Prinzessin zur Palindromisierung zu führen?“, richtete er an ihn die Frage.

Im Grunde war die Frage überflüssig, denn der König hatte sich ausbedungen, dass Ababa auf der Generalprobe nicht im Alter unter zehn Jahren auftreten dürfe.

„Ich wäre glücklich, eine zehnjährige Prinzessin palindromisieren zu dürfen“, kam denn auch prompt Ottos Antwort.

„Welchen Modus dürfen wir registrieren?“, wollten die Herren der Jury als nächstes wissen. Wieder war für die Generalprobe verabredet, weder den rein additiven noch den rein subtraktiven Modus zuzulassen, sondern allein einen kombinierten.

„Der Modus m , von dem ich mein höchstes Glück erhoffe“, haspelte Otto eine der vorgeschriebenen Formeln für die Vorstellung des Modus herunter, „sei m = s9a5(a3s3)7(56).“

Diese Form der Benennung des Modus war von der Fakultät für Palindromik seit deren Bestehen als verbindlich erklärt worden. „s9a5“ z. B. bedeutete, daß Ababa zunächst neun Umkehrungen und Subtraktionen, also neun subtraktive Palindromisierungsschritte, ausführen möge und danach fünf additive; sodann sollte sie gemäß (a3s3)7 drei additive und drei subtraktive Schritte absolvieren, und das siebenmal hintereinander. Das waren insgesamt 56 Schritte, die am Ende des Modus in Klammern angegeben und die Moduslänge genannt wurden. Im Normalfall wurde dann das Ergebnis jedes 56-ten Schrittes auf der Bildwand angezeigt. Die Herren sprachen in diesem Falle davon, dass die Zykluslänge gleich der Moduslänge sei. Dem Freier war jedoch freigestellt, eine Zykluslänge zu wählen, die ein ganzzahliges Vielfaches der Moduslänge betrug oder auch nur die Hälfte oder ein Drittel usw. derselben.

„Welche Zykluslänge wünscht der junge Herr?“, erging deshalb die dritte Frage. Otto entschied sich für eine Zykluslänge, die gleich der Moduslänge ist.

Nachdem diese Modalitäten geklärt waren, begann die eigentliche Zeremonie. Der Bewerber gab die Daten – Ababas Alter, sie selbst, den Modus und die Zykluslänge – in seinen Laptop ein und ließ das von Uwe, dem Wolf, ausgearbeitete Programm laufen.

Die Prinzessin, die sich dieser Prozedur das erstemal unterzog, strauchelte während der ersten acht Zyklen ein wenig, so dass auf der Breitwand ein chaotisches Pixelgemenge erschien. Die für die Generalprobe zugelassenen Zuschauer, die sich vor Entsetzen von ihren Sitzen erhoben hatten, weil sie den sofortigen Abbruch der Veranstaltung fürchteten, nahmen jedoch bald wieder Platz, denn nun zeichnete sich vor ihren Augen ein einzigartiges Schauspiel ab.

Ababa entfaltete sich in zwei Dimensionen. Sie zeigte sich in Dreiecken, in kleineren und größeren, die zeitlich aufeinander folgten. Das Muster wuchs sich zu einem gigantischen Gemisch aus Dreiecken aus, in dem allerdings eine gewisse Symmetrie um die Mittelachse nicht zu übersehen war (Abb. 1). Nach vierhundert Zyklen, so hatte es der Wolf in seinem Programm vorgesehen, war die Vorstellung zu Ende.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Die Herren der Jury zeigten zufriedene Gesichter, denn alles hatte wunderbar geklappt, und das Ergebnis brauchte heute ja nicht bewertet zu werden. Auch das Publikum war gebeten worden, von Beifalls- wie von Mißfallenskundgebungen abzusehen, denn heute wurde nur das Wie geprobt, das Was aber nicht erwogen.

Dem König wurde gemeldet, die Generalprobe sei ohne Zwischenfälle verlaufen und die Prinzessin habe sich ihrer hohen Herkunft würdig erwiesen. Ihr leichtes Straucheln zu Beginn der Präsentation wurde in dem Bericht nicht erwähnt, um die Königlichen Hoheiten nicht zu beunruhigen. Pal I. und Königin Palina durften dem Wettstreit der Meisterfreier von Palindromien in froher Erwartung entgegensehen. Die Prinzessin aber freute sich auf die vielen schönen Verse, die sie zu hören bekäme und auf die vielen neuen Muster, in die sie die Freier versetzen werden.

Auf dem Weg in die Herberge der Jurymitglieder beschlossen die Herren Professoren Salamander Fred Namalas, der Biologe, und Reni Artunak, der Physiker, im Casino „Zum durstigen Palindrom“ noch ein Bier zu trinken. Es blieb nicht nur bei einem und auch nicht nur beim Bier. Die Herren waren stark im Trinken, doch als eine Stunde vergangen war - Prof. Artunaks Augen waren schon etwa glasig -, gestand er dem Kollegen, seit der Generalprobe heute morgen sähe er nur noch „Me – me – meniskusinsta – stabilitä – täten.“

„Und ich – Rhi – rhi – zome“, brachte Salamander heraus. Beide schauten sich in die irrlichternden Augen. Keiner verstand, wovon der andere sprach.

„Ach was, gehen wir nach Hause“, sagten sie im Chor.

Die Eröffnung

Am Tag nach der Generalprobe erschien der „Palindrome-Spiegel“, eine der führenden Zeitungen Palindromiens, mit der Schlagzeile „Ein Universum von Dreiecken – Generalprobe für die ‚Meisterfreier von Palindromien‘ erfolgreich“. Die „Palindromische Rundschau“ meldete: „Student als Versuchsobjekt – Die Freier schauten zu – Der König fehlte“. Die

„Palindromische Allgemeine“ offenbarte ihren Lesern: „Prinzessin Ababa strauchelt bei Generalprobe – Ende gut, alles gut“. Und die „Welt der Palindrome“ verblüffte die Öffentlichkeit mit „Ababa und Otto – Unser neues Traumpaar?“ In das gleiche Horn stieß

„Palindrome im Bild“ mit einem ganzseitigen Photo des Studenten und der Schlagzeile „Otto Superstar eröffnet die ‚Meisterfreier von Palindromien‘.“

Einzig das „Neue Palindromien“ enthielt sich jeder enthusiastischen, wie auch bissigen Wertung. Es beschränkte sich auf die Mitteilung, dass jeder Freier zwei Chancen habe, die Gunst der Prinzessin zu erringen, eine literarische und eine technische bzw. eine verbale und eine praktische. Dabei würdigte das Blatt vor allem, dass die Teilnehmer am Wettstreit nicht befürchten müssen, wegen eventueller mangelnder Leistung Kopf und Kragen zu riskieren, sondern jeder von ihnen hoffen darf, den ersehnten Preis davonzutragen und später das gesamte Königreich noch dazu zu bekommen. Und zum Zeichen dessen, dass der Minnesang seit jeher und in allen Landen als ein hoch geschätztes Kulturgut gepflegt wurde, brachte die Zeitung auf ihrer Titelseite einen Auszug aus Heinrich Heines Gedicht „Die Minnesänger“:

„Zu dem Wettgesange schreiten Minnesänger jetzt herbei;

Ei, das gibt ein seltsam Streiten, Ein gar seltsames Turnei!

Phantasie, die schäumend wilde, Ist des Minnesängers Pferd,

Und die Kunst dient ihm zum Schilde, Und das Wort, das ist sein Schwert.

Und wem dort am besten dringet Liederblut aus Herzensgrund, Der ist Sieger, der erringet

Bestes Lob aus schönstem Mund!“

Die Bewerber nutzten die beiden freien Tage bis zur offiziellen Eröffnung des Wettstreites, um ein weiteres Mal die „Grundlagen der Palindromik“ zu repetieren, ein Werk des Dekans der Fakultät für Palindromik, Prof. Reger, das gerade rechtzeitig vor dem großen Ereignis erschienen und schon als Lehrbuch in der dritten Klasse der Grundschule eingeführt worden war. Jeder ging noch einmal jeden der Strukturtypen durch, die ihnen für die nächsten Wochen aufgegeben waren, denn jeder musste, wie ein Student in der Prüfung, auf das gesamte Pensum vorbereitet sein; er konnte ja nicht im vorhinein wissen, ob das Los ihn mit PER, SIM oder SIER treffen würde. Natürlich waren ihnen die Grundcharakteristika jedes Typs bekannt und geläufig: PER bedeutete „Periode“ und beinhaltete eine identische und periodische Wiederholung einer oder mehrerer Sequenzen; SIM dagegen bestand nur aus einer similaren Wiederholung, bei der ein flächiges Muster sich nicht identisch und auch nicht periodisch wiederholte, sondern in wachsender Größe und in immer größer werdenden Zeitabschnitten; SIER schließlich war der interessanteste, wenn auch am schwierigsten zu erzeugende Strukturtyp, in ihm traf man sowohl identische als auch similare Wiederholungen flächiger Muster, meistens von Dreiecken, an.

Die Freier probierten auf ihren Zimmern die verschiedensten Modi im Hinblick auf ihre Strukturfreudigkeit; sie studierten, welche Sonderfälle in den einzelnen Strukturtypen angetroffen werden können und welche wohl die größte Aussicht hätten, im Wettstreit zu bestehen, so dass der, der sie erzeugt, sich der Hand der Prinzessin und der Gunst des Königspaares am nächsten wähnen durfte. Auch war ihnen der Zugang zur Königlichen Bibliothek erlaubt worden, die eine ziemlich komplette Sammlung deutscher und französischer mittelalterlicher und neuerer Literatur enthielt.

Endlich war der ersehnte Tag gekommen. In der Nacht zuvor waren starke Regengüsse auf die Hauptstadt Palindromiens niedergegangen. Im Lichte der aufgehenden Sonne sah man deshalb zahlreiche Putzkolonnen, die alle Bänke, Tische und Sitzreihen auf dem weiten Platz vor dem Königspalast sorgfältig zu trocknen hatten. Die überdachte Königsloge, die nur von den engsten Leibwachen Pal I. betreten werden durfte, war als erstes von den Schäden der regenreichen Nacht befreit worden.

Punkt zehn Uhr, zum festgesetzten Zeitpunkt der Eröffnung der „Meisterfreier von Palindromien“, ertönen drei Fanfarenstöße. Sie signalisieren den Tausenden auf den Rängen, dass König Pal I. und Königin Palina in diesem Moment die Loge durch das eigens dafür vorgesehene Tor betreten. Jubel brandet den Regenten entgegen. Rufe ertönen: „Vive le Roi!“, „Palina – We love you!“, „Hoch die aufgeklärte Monarchie!“. Das Royal Sinfonic Orchestra intoniert die palindromische Nationalhymne, welche bei Auftritten des Königspaares immer einmal vorwärts und dann noch einmal rückwärts gespielt wird.

Es beginnt der Einzug der Meisterfreier. Ihre Zahl ist schwer zu schätzen; es können ca. 30, aber auch mehr sein. Sie schwenken ihre Hüte und Barette über ihren Häuptern und nehmen an der Tischreihe Aufstellung. Noch weiß keiner von ihnen, wem das Los bestimmen wird, am heutigen Tag der Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit zu sein.

Die Prinzessin verharrt geduldig in ihrem Gemach. Denn erst, nachdem die Jury bekannt gegeben hat, welcher Strukturtyp heute zu absolvieren ist, und der durch das Los bestimmte Bewerber benannt ist, wird sie den Palast verlassen und in der Arena erscheinen.

Pal I. gibt nun mit erhobener Hand der Jury und dem gesamten Oval zu verstehen, dass man beginnen möge. Der Vorsitzende der Jury, Prof. Reger, erhebt sich und verkündet:

„Im Namen unseres erlauchten Königs Pal I. und seiner Gemahlin, Königin Palina, eröffne ich den Wettstreit der Meisterfreier von Palindromien. Wir begrüßen alle Freier, die zu den bekannten Bedingungen um die Hand der Prinzessin Ababa anhalten. Laut Beschluss der Jury steht der heutige Tag im Zeichen des Strukturtyps PER. Als ersten Kandidaten hat das Los den Minister Etsinim ermittelt. Er trete vor und begebe sich an Tisch Nr. 1 und den Laptop daselbst.“

Der Herr Minister, der offensichtlich schon früh in Königlichen Diensten Karriere gemacht hatte, trat vor, verbeugte sich tief vor der Königlichen Loge, neigte das Haupt gegen die Mitglieder der Jury und schritt zu Tisch Nr. 1. Es ertönte ein Gong, der bis in die letzten Reihen des weiten Platzes den Zuschauern in die Ohren drang. Noch bevor er verklungen war, öffnete sich die Tür unterhalb der Königlichen Loge und die Prinzessin betrat die Bühne. Der Herr Minister schritt auf sie zu und kniete vor ihr nieder. „Mein schönes Fräulein“, begann er seine Rede.

„Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, Meinen Arm und Geleit ihr anzutragen?“

Die Königin glaubte, ihren Ohren nicht trauen zu dürfen.

„Er will ihr seinen Arm antragen, Pal, hast Du das gehört? Was bildet sich dieser Staatsdiener ein? Statt um sie werben, um ihre Hand anzuhalten und ihre Tugenden zu preisen, trägt er sich ihr an!“

Auch Ababa schien überrascht von der kurzen und bündigen Werbung, wenn man sie überhaupt so nennen konnte.

„Hätte er wenigstens noch hinzugefügt“, dachte sie im Stillen:

‚Beim Himmel, dieses Kind ist schön! So etwas hab‘ ich nie gesehn.

Sie ist so sitt- und tugendreich,

Und etwas schnippich doch zugleich ...‘ Doch vielleicht hat er es wegen dieser einen letzten Zeile unterlassen.“ So aber antwortete sie ebenso kurz und bündig, und eigentlich abweisend:

„Bin weder Fräulein, weder schön, Kann ungeleitet nach Hause gehen.“

Denn natürlich war ihr die Szene bekannt, in der Faust das erste Mal Gretchen begegnet. Die Königin war entsetzt:

„Was redet sie da? Natürlich ist sie ein Fräulein, sogar eines aus dem Hochadel, und auf Schönheit kommt es überhaupt nicht an. Und haben wir sie schon jemals ohne Geleit, nicht begleitet von ihrer Leibgarde, spät nachts aus der Disco nach Hause kommen lassen? Pal, bitte, unternimm etwas!“

Doch Pal I. winkte ab:

„An dem Auftritt ist nichts auszusetzen, meine Liebe. Du weißt so gut wie ich, dass der Minister nur den auch bei uns in Palindromien hoch geschätzten Herrn Goethe zitiert hat. Ich finde das absolut in Ordnung, denn als Minister kann er sich nicht auf irgendeinen hergelaufenen Verseschmied berufen, der vielleicht im Hauptberuf noch Schuhmacher oder Schneider ist, sondern nur auf jemand, mit dem er sich auf gleicher Augenhöhe befindet, nämlich mit einem ihm ebenbürtigen Minister. Und wenn er den Faust bemüht, dann zeugt es von Ababas hohem Bildungsstand, dass sie ihm sogleich mit der Fortsetzung des Textes antwortet. Kommen wir also zum zweiten Teil der Präsentation.“

Auf sein Zeichen hin verlas Prof. Reger die Formel:

„Herr Minister, in welchem Alter wünschen Sie Prinzessin Ababa zu palindromisieren?“ Etsinim erbat Ababa im Alter von zwölf Jahren.

„Für welchen Modus haben Sie sich entschieden?“

„Ich bin glücklich, mit dem Modus m = a1s4(5) um die Hand der Prinzessin werben zu dürfen. Die Zykluslänge möge gleich der Moduslänge sein.“

„Na endlich“, atmete die Königin auf, „jetzt hat er sich wohl besonnen.“

Der Juryvorsitzende gab alles zu Protokoll. Ababa aber verschwand in einer Kabine, die man am Rande der Bühne aufgestellt hatte. Nach wenigen Sekunden entstieg sie ihr wieder, diesmal als zwölfjährige Prinzessin und in einem schlichten Gewand (Abb. 2),

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2, das der Sequenz 10(10)(11) entsprach.

Sie nahm vor dem Kandidaten Aufstellung. Er bat sie, sich umzukehren und sich mit ihrer Umkehrung durch Addition zu verbinden. Als das geschehen war, sollte sie das Ergebnis der ersten Übung wiederum umkehren und beide diesmal durch Subtraktion miteinander verbinden. Letztere Übung führte sie gemäß dem Modus viermal hintereinander aus. Auf dem Bildschirm des Laptops und zugleich auf der Bildleinwand gegenüber der Königlichen Loge erschien nun die Sequenz 7(11)(11)(11)4. Aller Augen richteten sich auf die große Leinwand und verfolgten gespannt, wie sich diese Sequenz unter 10(10)(11) anordnete.

Im nächsten Zyklus, der wiederum aus den fünf Schritten des vereinbarten Modus bestand, fügte sich die Sequenz 43(11)(11)78 unter den beiden ersten an. Als mit den nächsten drei Zyklen die Sequenzen 837(11)384, 4(11)(11)37008 und 47(11)000038 erschienen, gab es erste Unmutsbekundungen im Publikum. Ließ der Minister die Prinzessin etwa straucheln wie auf der Generalprobe der Student? Von einem Kandidaten, der sich ernsthaft um die Prinzessin bewirbt, konnte man wahrlich größere Meisterschaft erwarten, und von einem Minister zudem.

Doch plötzlich schlug die Stimmung um, denn als nächste Sequenz erschien 838 0000 374, dann 838 00000 374 und so weiter in schönster Regelmäßigkeit: Mit jeder neuen Sequenz fügte sich zu den in der Mitte bereits vorhandenen Nullen eine weitere an. Auf dem Bildschirm und der Leinwand stellte sich das so dar, dass sich eine dreieckige Fläche aufbaute, die nur aus schwarzen Nullen bestand und links von der dreistelligen Sequenz 838, rechts von der ebenfalls dreistelligen Sequenz 374 begrenzt wurde (Abb. 3).

Ein imposantes Bild, ohne Zweifel. Doch wie üblich, wenn die Neuinszenierung einer Oper über die Bühne geht, gab es neben lauten Bravo-Rufen auch kräftige Buh-Rufe. Diejenigen Zuschauer, die des Ministers Werk bejubelten, fanden es einzigartig und in höchstem Maße gelungen, wie ihr Kandidat die Prinzessin in lauter Nullen, in ein von einer dünnen Außenhaut begrenztes Nullkontinuum verwandelt hatte. Seine Kritiker hingegen fanden genau das geradezu ungeheuerlich: Wie konnte er es wagen, aus der Prinzessin ein Sammelsurium von Nullen zu machen?

[...]


1 Die bei erster Nennung in Kursiv gesetzten und palindromisch strukturierten Namen sind dem „Pendelbuch für Rechts- und Linksleser“ von Hansgeorg Stengel „Annasusanna“ (München/Leipzig 1995) entnommen.

2 Der deutsche Text lautete: „ Es grünt der Wald, der edle, mit Blüten und mit Blättern. Wo ist mein Vertrauter, mein Geselle? Er ist hinweg geritten! Eia, wer wird mich lieben?“

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Ababa von Palindromien - Leben und Ansichten einer berühmten Zahl, in Wort und Bild aufgezeichnet von einem ihrer Verehrer
Note
" - "
Autor
Jahr
2008
Seiten
75
Katalognummer
V115062
ISBN (eBook)
9783640156221
ISBN (Buch)
9783640160433
Dateigröße
1257 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ababa, Palindromien, Leben, Ansichten, Zahl, Wort, Bild, Verehrer
Arbeit zitieren
Prof. Dr. Günter Kröber (Autor:in), 2008, Ababa von Palindromien - Leben und Ansichten einer berühmten Zahl, in Wort und Bild aufgezeichnet von einem ihrer Verehrer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115062

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