Internet, Interaktion und Informationsaustausch oder Utopie einer Informationsgesellschaft?


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

26 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Zur Entwicklung eines globalen Netzes

Das Internet – die mediale Bedeutung
Neues Medium oder mediale Neuigkeit?
Text und Bild im Internet
Sender sucht Empfänger und umgekehrt
Information und Desinformation

Internet: Medienutopie oder Instrument der Informationsgesellschaft?

Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Nach einem kurzen Einblick in die Entstehung und Entwicklung des Mediums Internet, soll in dieser Arbeit untersucht werden, inwieweit sich eine Medialität für das Internet formulieren lässt und welche Folgen der Umgang mit dieser Einrichtung haben kann. Ziel dieser Arbeit soll u.a. sein, festzustellen, ob sich im Zusammenhang mit dem Internet hier eine Medienutopie entwickelt oder entwickelt hat und in welchem Zusammenhang sie zur heutigen Gesellschaft steht.

Im Hinblick auf die mediale Bedeutung des Internets, werden Aspekte betrachtet, die sich mit dem Erscheinungsbild, der Struktur und der Verwendung bzw. dem Gebrauch des Internets näher befassen. Das Gewicht liegt hierbei auf der Auseinandersetzung mit der technischen Umwandlung bisheriger Medien – speziell der Schrift (Text) und des Bildes – und deren Visualisierung im Internet sowie der daraus resultierenden Bedeutung und des Status dieser Medien.

. Ausgehend von Überlegungen über Möglichkeiten und Realisierungen des Internets, stellt sich die Frage nach einer Kommunikation zwischen den Mitgliedern des globalen Netzwerks. Was ist das Neue am Internet und worin unterscheidet es sich von anderen Kommunikationsmitteln? Findet ein Kommunikationsprozess zwischen Sender und Empfänger statt? Kann es diesen unbeeinflusst und zielgerecht geben? Welche Gefahren sind mit der freien Informationsvermittlung verbunden? Diskutiert werden soll inwieweit Informationsanhäufung und fehlende Selektivität von Informationen Einfluss auf gesellschaftliches Verhalten haben kann.

Abschließend soll diskutiert werden, in wie fern sich ein Utopieverständnis für das Medium Internet herausbildet bzw. herausbilden und dieses Einfluss auf die Gesellschaft und ihre Kommunikation nehmen kann.

2. Zur Entwicklung eines globalen Netzes

Der Beginn des kalten Krieges setzte einen technologischen Wettlauf der damals kontrahierenden Großmächte UdSSR und USA in Gang, der durch die Angst vor einem atomaren Angriff des Gegners angetrieben wurde und seit dem Ende des zweiten Weltkriegs zu intensiven Bemühungen beider Parteien führte, die mögliche Durchführung eines Angriffs und dessen Abwehr zu perfektionieren.[1]

Als es 1957 der ehemaligen UdSSR gelang, einen künstlichen Erdsatelliten in einen Orbit um die Erde zu schießen, wuchs die Angst bei den Amerikanern, im Kriegsfall einem technologischen Vorsprung der Russen ohne ausreichende Verteidigungs- und Schutzmaßnahmen ausgeliefert zu sein. Dieselben Raketen, die fähig waren Satelliten in eine Umlaufbahn zu bringen, wären auch in der Lage atomare Sprengköpfe über die USA zu tragen. Als Folge dieses „Sputnik-Schocks“ wurde das amerikanische Verteidigungsministerium um eine Abteilung unter dem Namen Advanced Research Projects Agency (ARPA)erweitert, die durch die Bereitstellung einer einzigartigen Forschungsinfrastruktur mit wissenschaftsstrategischen und –politischen Aufgaben betraut wurde:

„Als Kind des kalten Krieges stand die ARPA unter der Vorgabe, im Dienste der Landesverteidigung den technologischen Vorsprung der Vereinigten Staaten durch Förderung hierzu geeigneter Projekte zu sichern. Ausdrückliche Zielsetzung der ARPA war es, neue, innovative Technologien zu entwickeln und dabei auch nach Visionen und ungewöhnlichen Ideen Ausschau zu halten, um sie auf ihre Realisierbarkeit zu prüfen.“ (J. Musch,)[2]

Die Förderungen zahlreicher Projekte kamen sowohl aus dem militärischen Sektor als auch aus universitären Einrichtungen und der Industrie. Dabei unterlagen die Forschungsstadien und Ergebnisse – auch die der militärischen Projekte – keinerlei Einschränkungen bezüglich ihrer Veröffentlichung oder Bekanntgabe. Die Wirtschaft und das Militär partizipierten finanziell an erfolgreichen technologischen Entwicklungen der ARPA und förderten die Umsetzung der daraus resultierenden Produkte. Daten und Informationen, die während zahlreicher Projekte von den – für damalige Verhältnisse – leistungsstarken Rechnern erstellt und verarbeitet wurden, konnten nur mit Hilfe von physischen Datenträgern (Magnetbänder und Lochkarten) zu anderen Computersystemen transferiert werden. Hinzu kam die Einschränkung, dass nur die Rechner desselben Herstellers oder Typs untereinander kompatibel waren.

Dass mit umfangreichen numerischen Kalkulationen, zu deren Verarbeitung die Computer der 60er Jahre ausschließlich genutzt wurden, bei weitem das Potential dieser Maschinen nicht ausgeschöpft wurde, erkannte J.C.R. Licklider[3], der aufgrund seiner Bemühungen hinsichtlich informationsverarbeitender Technologien mit der Leitung der von der ARPA für diese Zwecke gegründeten Behörde IPTO (Information Processing Techniques Office) betraut wurde.

„Zu den Visionen, die Licklider realisieren wollte, gehörten der interaktive Umgang mit Rechnern anstelle der mühsamen und zeitaufwendigen Vorbereitung von Lochkarten im Stapelbetrieb, die Entwicklung maschinenunabhängiger Hochsprachen, bessere und benutzerfreundliche Ein- und Ausgabegeräte und eine effizientere Nutzung bestehender Hardwareressourcen. Die Vernetzung von Computern erschien ihm dabei als wesentlicher evolutionärer Schritt in der Rechnerentwicklung“ (J. Musch)[4]

Im Rahmen der Projekte, die die „effizientere Nutzung bestehender Hardwareressourcen“ umfassten, richtete sich besondere Aufmerksamkeit auf die Entwicklung eines Time-Sharing -Betriebssystems, mit dessen Hilfe es möglich war, die Ressourcen eines Hardware-Systems (z.B. die Rechenzeit eines zentralen Prozessors) mehreren Benutzern eines Rechners gleichzeitig zugänglich und nutzbar zu machen. In der Entwicklung der Vernetzung von Computern wurde diese Technologie derart erweitert und implementiert, dass die in einem Netzwerk integrierten Rechner aufeinander zugreifen und einen Datentransfer mit Computern über große Distanzen durchführen konnten. Bei der Umsetzung eines solchen Netzwerks, stellte sich anschließend die Frage nach einer idealen, möglichst störungsresistenten Topologie der Verbindungen der zu vernetzenden Rechner. Es wurden Ideen formuliert, die einen leistungsstarken Zentralrechner (Host) als Knotenpunkt eines Netzwerks zum Ziel hatten (à sternförmige Topologie), dessen Steuerung der Host übernahm und über den auf andere angeschlossene Rechner zugegriffen werden konnte. Die Nachteile einer solchen Anordnung waren schnell deutlich, da zum einen der Ausfall des Zentralrechners zum Ausfall des gesamten Netzwerks führte und zum anderen eine rasche Überlastung des Systems, bei der Zuschaltung weiterer Rechner, erreicht werden würde.

Dass diese Eigenschaften besonders in Zeiten des Kalten Krieges unakzeptabel waren, war ein weiterer Grund, dem Vorschlag Paul Barans (1964) nachzugehen, einem Mitarbeiter der RAND Corporation, eine spinnennetzförmige Verbindung zwischen den Computern zu errichten, so dass die Notwendigkeit eines zentralen Host entfiele und die Datenmenge auf die Rechner verteilt wäre. Der totale Ausfall des Systems konnte somit nur bei der Unterbrechung aller möglichen Verbindungen eintreten.

1966 unternahm die IPTO den Versuch nach den Ideen und Vorschlägen Barans alle ARPA-Computerzentren miteinander zu vernetzten. Eine wichtige, zuvor entwickelte Innovation Paul Barans war dabei die packet-switching- Technologie[5], mit deren Hilfe Daten beim Sender in kleine Pakete zerteilt und beim Empfänger wieder zusammengesetzt werden konnten. Ziel war es, vollkommen heterogene Hardwaresysteme in das entstehende Netzwerk zu integrieren, so dass ein ungehinderter Datenaustausch zwischen Rechnern unterschiedlicher Herkunft durchgeführt werden konnte.

1969, schließlich, wurde mit der Vernetzung der ARPA-Forschungseinrichtungen begonnen. Die anfänglichen Bedenken hinsichtlich des großen Aufwands, alle angeschlossenen Rechner mit der benötigten Netzsoftware zu versorgen, zerschlugen sich mit der Lösung Wesley Clarks (Washington University, St. Louis), einen Minicomputer als Interface zum Netzwerk an jeden Rechner anzuschließen. Die Paketverteilung übernahm ein integriertes Programm, das für den Interface Message Processor (IMP) des Minicomputers nur einmal entwickelt werden musste und somit als Universalmodul für den Netzzugang fungierte.

Um die Steuerung entfernter Rechner im Netz zu ermöglichen und den Datentransfer zwischen den Geräten durchführen zu können, wurde die Software „Telnet“ (telecommunications network) und „FTP“ (File Transfer Protocol) entwickelt und somit zu den ersten Anwendungen des ARPANETs. An größter Bedeutung sollte allerdings eine Anwendung gewinnen, die ursprünglich zur reinen Verwaltung des Netzes konzipiert war: die elektronische Post oder „E-Mail“. Durch die Möglichkeit Informationen in Form von seitenlangen elektronischen Briefen über beliebige Entfernungen in kürzester Zeit (die Übertragungszeit steht selbstverständlich in Relation zur Datenmenge) übermitteln zu können, avancierte das ARPANET schnell zu einem Kommunikationsmedium.

Parallel zu den Entwicklungen des ARPANET entstanden andere Netwerke in den Vereinigten Staaten und Europa und die Initiative der Betreiber drängte nach einer Vereinheitlichung aller Netze zu einem globalen Netzwerk. Wiederum stellte sich hier das Problem der Heterogenität einzelner Teilnetze, deren Kompatibilität zueinander durch unterschiedliche Hardware, Software und Netzstruktur behindert wurde. Es bestand somit die Notwendigkeit nach einem einheitlichen Netzwerkprotokoll, das ohne zusätzlichen Aufwand einen Kommunikations- und Informationstransfer zwischen den einzelnen Netzwerken steuern sollte. 1975 wurden das Transmission Control Protocol (TCP) und das Internet Protocol (IP) als neuer offizieller Standard für das ARPANET eingeführt und ermöglichten über sog. Gateways die Verbindung heterogener Netze untereinander. Mit der Einführung kommerzieller Versionen dieser Protokolle Mitte der 80er Jahre, stand der Geburt des eigentlichen Internets (im heutigen Sinne!) nichts mehr im Wege.

In den folgenden Jahren entwickelt die NSF (National Science Foundation) ein leistungsstärkeres Netz als das ARPANET und nutzte auf TCP/IP Basis die Infrastruktur des ARPANETs. Aufgrund der höheren Kapazität des NSFNETs und finanzieller Hintergründe entschied die ARPA „deshalb 1990, dass das ARPANET überflüssig geworden war, und deinstallierte die ARPANET-Hardware.“[6] Dadurch gelangte das Internet in eine neue Generation, dessen heutige Popularität und Medienwirksamkeit mit einem bereits 1989 entwickeltem Konzept schlagartig anstieg: Das world-wide-web (kurz: www). Das von Tim Berners Lee umgesetzte, dem www zu Grunde liegende Hypertextsystem ermöglichte den Schritt zur Einbindung von Interaktivität innerhalb der sog. Hypertextdokumente. Querverweise, Bilder und Musik waren nun per Knopfdruck parallel zur Lektüre aufrufbar und keiner geographischen oder zeitlichen (hinsichtlich der Verfügbarkeit und nicht der Übertragungsgeschwindigkeit!) Beschränkung unterworfen.

„Unter dem world-wide-web [...] muss man sich einen globalen distribuierten Hypertext vorstellen, dessen Elemente auf allen Hostrechnern dieser Welt verteilt auf lokalen Rechnern angezeigt werden. Das, was dort zu einer riesigen Bibliothek zusammenwächst, ist nicht mehr allein ein Gewebe aus Texten, sondern beinhaltet außerdem stille und bewegte Bilder, Musik und Echtzeitunterhaltungen. [...] Zu all dem sind keine Großrechner oder Workstations mehr nötig, der Heim-PC wird zum Element dieser weltweiten Struktur, die immer mehr kommerzielle und private Anwendungen findet.“ (W.R. Halbach)[7]

Durch Interaktion mit einem einfachen graphischen Interface (à Browser), war es schließlich jedem Computerbenutzer möglich am world-wide-web teilhaben zu können und die Dienste des Internets in Anspruch zu nehmen. Diese Voraussetzungen und der einfache Zugang in das globale Netzwerk positionierten das Internet schnell in den Rahmen der „Alltagsmedien“ (Funk, Fernsehen, Printmedien, Computer – außerhalb eines Netzwerkverbundes), wo, beschleunigt durch den technologischen Fortschritt und der Unmittelbarkeit und Kurzlebigkeit von Information im stetigen Datenfluss des Internets, nicht mehr von Medien gesprochen werden kann, sondern nur von einem Medium.

[...]


[1] Vgl. Halbach

[2] S. 15, Musch

[3] „Nach seinem Studium der Physik, Mathematik und Psychologie an der Universität von Washington und seiner Promotion in Psychologie an der Universität in Rochester wurde Licklider Professor in Harvard und lehrte am MIT Psychoakustik. Als er zum ersten Mal einen Rechner sah, begann ihn die Vorstellung von Computern als einem die menschlichen Möglichkeiten erweiternden Denkwerkzeug zu faszinieren. [...] Licklider entwickelte am Lincoln Laboratorium, einer Einrichtung des MIT, die für das US-Verteidigungsministerium arbeitete, Computerdisplays. Dort kam er mit jenen Leuten in Kontakt, die ihn später für die ARPA gewannen.“ S.16, ebd.

[4] S.17, ebd.

[5]packet switching: Refers to protocols in which messages are divided into packets before they are sent. Each packet is then transmitted individually and can even follow different routes to its destination. Once all the packets forming a message arrive at the destination, they are recompiled into the original.” Eintrag bei http://www.webopedia.com unter http://www.webopedia.com/TERM/P/packet_switching.htm, (23.10.2002) siehe auch: http://www.pbs.org/opb/nerds2.0.1/geek_glossary/packet_switching_flash.html (23.10.2002)

[6] S.30, Musch

[7] S. 290, Halbach

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Internet, Interaktion und Informationsaustausch oder Utopie einer Informationsgesellschaft?
Hochschule
Universität Konstanz  (FB Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Medienutopien
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
26
Katalognummer
V11507
ISBN (eBook)
9783638176514
ISBN (Buch)
9783638641890
Dateigröße
621 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Internet, Interaktion, Informationsaustausch, Utopie, Informationsgesellschaft, Medienutopien
Arbeit zitieren
Matthias Andrzejewski (Autor), 2003, Internet, Interaktion und Informationsaustausch oder Utopie einer Informationsgesellschaft?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11507

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