Diese Arbeit geht der Frage nach, in welchem Ausmaß die politische Ökonomie der SPD in der Corona-Pandemie von nachfrageorientierten Policies nach Keynes und Polanyi geprägt ist. Durch Darlegung der Thesen und Empfehlungen dieser Ökonomen und einer Analyse der formulierten und implementierten Policies seit Ausbruch der Pandemie wird deutlich, dass Denkmuster von Polanyi, in Bezug auf die fiktiven Waren im Kapitalismus im Bereich Gesundheitspolitik und der Frage des Wertes der Arbeit, durch die Pandemie in der SPD wiederzufinden sind. Darüber hinaus sind die Maßnahmen der Bundesregierung, vor allem in den SPD-Ministerien Finanzen, Arbeit & Soziales und Familie, Senioren, Frauen & Jugend, keynesianisch geprägt. Besonders auffällig ist das vorübergehende Aufgeben der „schwarzen Null“, also erstmalige Nettokreditaufnahmen durch den Bund seit 2014. Außerdem wird durch einen Vergleich der Policies der SPD vor der Pandemie mit denen danach, deutlich, dass ein grundsätzlicher Wandel in der Ausrichtung der, vor allem ökonomischen, Policies erfolgte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung: Wissenschaftliche Relevanz, Vorstellung des Themas, der Forschungsfrage und des aktuellen Forschungsstands; Erläuterung Vorgehensweise
1. Theoretische Grundlagen
2.1 Karl Polanyi
2.2 John M. Keynes
2.3 Bisheriger Einfluss von Keynes & Polanyi auf sozialdemokratische Wirtschaftspolitik in Deutschland
2. Bisherige ökonomische Ausrichtung der SPD & Auswirkungen der Pandemie
3.1 Ökonomische Policies der SPD vor der Corona‐Pandemie
3.2 Auswirkung der Pandemie auf die konjunkturelle Entwicklung
4. Analyse
4.1 Ökonomische Policies der SPD seit Ausbruch der Krise
4.2 Einfluss Polanyi auf ökonomische Policies der SPD
4.3 Einfluss Keynes auf ökonomische Policies der SPD
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, in welchem Maße die politische Ökonomie der deutschen Sozialdemokratie seit Beginn der Corona-Pandemie durch nachfrageorientierte Ansätze von Karl Polanyi und John M. Keynes beeinflusst wurde. Ziel ist es, einen möglichen grundlegenden Wandel in der ökonomischen Policy-Ausrichtung der SPD nachzuweisen.
- Analyse der theoretischen Grundlagen nach Keynes und Polanyi
- Untersuchung der wirtschaftspolitischen Ausrichtung der SPD vor und während der Pandemie
- Vergleich der staatlichen Interventionsmaßnahmen mit keynesianischen Konjunkturkonzepten
- Identifikation von Denkmustern zu "fiktiven Waren" in der aktuellen Gesundheitspolitik
- Darstellung der Abkehr von der "schwarzen Null" als Paradigmenwechsel
Auszug aus dem Buch
2.1 Karl Polanyi
Karl Polanyi studierte Philosophie und Jura, und war Aktivist in der sozialistischen Bewegung. Seine zentralen Werke sind „Ökonomie und Gesellschaft“ (1974), „Trade and Markets in the Early Empires“ (1957) und „The Great Transformation“ (1944). In letzterer Schrift beklagt Polanyi (1944: 81), dass die Wirtschaft nicht mehr in die sozialen Beziehungen eingebettet, sondern die sozialen Beziehungen in das Wirtschaftssystem eingebettet sind. In Marktwirtschaften werden Produktion und Distribution von Gütern ausschließlich durch Preise gesichert: „Dementsprechend gibt es Märkte für alle Wirtschaftsfaktoren, nicht nur für Güter (immer mit Einschluss der Dienstleistungen), sondern auch für Arbeit, Boden und Geld, deren Preise jeweils Warenpreise, Löhne, Bodenrente und Zins genannt werden (Polanyi 1944: 95).
Er führt weiter aus, dass der Marktmechanismus über den Begriff der Ware mit den verschiedenen Elementen der gewerblichen Wirtschaft verzahnt ist, wobei Waren hier empirisch als Objekte definiert werden, die für den Verkauf auf dem Markt erzeugt werden (Polanyi 1944: 98). Dadurch, dass wiederum Märkte als tatsächliche Kontakte zwischen Käufern und Verkäufern definiert werden, wird angenommen, dass jegliches Erzeugnis der gewerblichen Wirtschaft für den Markt produziert wurde, da es dann dem Angebots- und Nachfragemechanismus unterliegt, der wiederum mit dem Preis zusammenwirkt (Polanyi 1944: 99). Polanyi (1944: 99) kritisiert, dass Arbeit, Boden und Geld zwar wesentliche Elemente der gewerblichen Wirtschaft darstellen, also als Waren behandelt werden, empirisch aber nicht als solche hingenommen werden dürfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Wissenschaftliche Relevanz, Vorstellung des Themas, der Forschungsfrage und des aktuellen Forschungsstands; Erläuterung Vorgehensweise: Das Kapitel begründet die Relevanz der Untersuchung des pandemiebedingten wirtschaftspolitischen Wandels der SPD unter Berücksichtigung theoretischer Konzepte.
1. Theoretische Grundlagen: Hier werden die zentralen wirtschaftstheoretischen Thesen von Karl Polanyi (fiktive Waren) und John M. Keynes (effektive Nachfrage, Globalsteuerung) dargelegt.
2. Bisherige ökonomische Ausrichtung der SPD & Auswirkungen der Pandemie: Dieses Kapitel analysiert die angebotsorientierte Phase der SPD vor 2020 und skizziert die ökonomischen Folgen des durch die Pandemie verursachten exogenen Schocks.
4. Analyse: Die Kernanalyse vergleicht die konkreten Regierungsmaßnahmen der SPD während der Corona-Krise mit den zuvor erläuterten Theorien von Polanyi und Keynes.
5. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass eine deutliche Abkehr von der "schwarzen Null" und eine Hinwendung zu keynesianisch geprägten Interventionsmodellen erfolgt ist.
Schlüsselwörter
SPD, Corona-Pandemie, John M. Keynes, Karl Polanyi, Politische Ökonomie, Nachfrageorientierung, Fiskalpolitik, Schwarze Null, Schuldenbremse, Sozialdemokratie, Fiktive Waren, Konjunkturpaket, Wirtschaftspolitik, Interventionismus, Arbeitsmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht den wirtschaftspolitischen Kurswechsel der deutschen Sozialdemokratie unter dem Eindruck der Corona-Pandemie und deren Bezugnahme auf etablierte ökonomische Theorien.
Welche wissenschaftlichen Theorien bilden den Rahmen?
Die Analyse stützt sich primär auf die Konzepte von John M. Keynes zur makroökonomischen Globalsteuerung und Karl Polanyi zur Einbettung der Wirtschaft in soziale Strukturen sowie dessen Kritik an "fiktiven Waren".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, inwieweit die von der SPD in der Pandemie implementierten Policies eine bewusste oder unbewusste Rückkehr zu keynesianischen und polanyischen Denkmustern darstellen.
Welche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive Darlegung der theoretischen Grundlagen, gefolgt von einer Analyse der aktuellen ökonomischen Policies der SPD durch einen Vergleich mit der Zeit vor der Pandemie.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Hauptteil?
Behandelt werden unter anderem die Fiskalpolitik, die Gesundheitspolitik, der Arbeitsmarkt und die staatliche Rolle in der Investitionslenkung.
Welche Rolle spielt die "schwarze Null" für die Argumentation?
Das vorübergehende Aufgeben der "schwarzen Null" dient als zentrales Indiz für den vollzogenen Wandel hin zu einer antizyklischen, keynesianischen Ausrichtung.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Fleischindustrie?
Die Fleischindustrie wird als Fallbeispiel für die Polanyi-Thesen genutzt, da hier der Schutz von Arbeitnehmern vor extremen Marktmechanismen politisch forciert wurde.
Warum wird die Gesundheitspolitik in diesem Kontext analysiert?
Die Pandemie machte deutlich, dass Gesundheit als öffentliches Gut nicht primär nach Effizienz- und Rentabilitätskriterien gesteuert werden sollte, was eine Parallele zu Polanyis Kritik an der Kommodifizierung grundlegender Lebensbereiche aufweist.
- Arbeit zitieren
- Christian Ramspeck (Autor:in), 2020, Der Einfluss von Keynes und Polanyi auf die politische Ökonomie der deutschen Sozialdemokratie in der Corona-Pandemie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1150916