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Patientensicherheit durch ein Critical Incident Reporting System für Notfallsanitäter in der präklinischen Versorgung

Eine integrative Literaturarbeit

Titel: Patientensicherheit durch ein Critical Incident Reporting System für Notfallsanitäter in der präklinischen Versorgung

Bachelorarbeit , 2021 , 96 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: B.A. Michael Jünger (Autor:in)

Medizin - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Beruf der Notfallsanitäter_Innen ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer Professionalisierung des Rettungsdienstes, welcher gleichzeitig mit einem großen Kompetenz- und Verantwortungsgewinn verbunden ist. In diesem Rahmen sind die Notfallsanitäter_Innen verpflichtet, eigenverantwortlich invasive Maßnahmen durchzuführen, wodurch auch die Gefahr aufkommen kann, die Patientensicherheit mit den neuen Möglichkeiten zu gefährden.

Durch diese Literaturarbeit möchte der Autor den Nutzen eines Critical Incident Reporting System identifizieren und eine Verbindung zur präklinischen Patientensicherheit bei der Behandlung durch Notfallsanitäter_Innen herstellen. Dabei steht der pädagogische Lernansatz mit einer offenen Fehlerkultur im Vordergrund.

Bei dieser integrativen Literaturarbeit ist eine Recherche internationaler Literatur durchgeführt worden. Der Ausschluss von Studien wird mittels Prisma Flow Diagramm dargestellt. Mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Elo und Kyngäs (2008) wurden die Studien offen kodiert, in Kategorien eingeteilt und induktiv abstrahiert. Abschließend wurde die Studienqualität anhand von Dixon-Woods (2006) auf ihre Güte hin beurteilt.

Es konnten 15 Publikationen identifiziert werden. Hier stellten 12 einen direkten Bezug zur präklinischen Versorgung dar. Die Studien legen nahe, dass das Personal in knapp ⅔ aller Fälle für vermeidbare, fehlerhafte Handlungen verantwortlich ist. Ein anonymes Critical Incident Reporting System hilft Fehlermuster und -ursachen aufzudecken, sowie organisatorische Sicherheitsrisiken festzustellen. Der Autor regt an, dass eine offene Fehlerkultur eingeführt und gelebt werden müsste, um Lern- und Lösungsansätze zu suchen und das „Name-Blame-Shame-Paradigma“ zu beenden.

Ein anonymes Fehlermeldesystem kann organisatorische Schwachstellen aufzeigen, woraus sich Chancen für ein bisher ungenutztes Verbesserungspotential ergeben. Kommunikation und Umgang mit Medikamenten sind Fehlerschwerpunkte, die sich mit Aus- und Fortbildung verhindern lassen. Ein offener Umgang mit Fehlern kann die Patientensicherheit steigern.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Problemstellung

2 Theoretischer Hintergrund und Bezugsrahmen

2.1 Notfallsanitäter

2.1.1 Rechtlicher Hintergrund

2.1.2 Kompetenzen und Grenzen

2.2 Patientensicherheit

2.2.1 Definition von Patientensicherheit

2.2.2 Gefährdung durch Fehler

2.3 Critical Incident Reporting System

2.3.1 CIRS als Instrument des Risikomanagements

2.3.2 Chancen und Risiken

3 Ziele und Fragestellung

4 Methodisches Vorgehen

4.1 Datenbanken

4.2 Suchbegriffe und Recherche

4.3 Ein- und Ausschlusskriterien

4.4 Bewertung der Studienqualität

4.5 Vorgehen bei der Analyse

5 Ergebnisse

5.1 Eingeschlossene Studien bzw. Literatur

5.2 Ergebnisse der Analyse

5.3 Zusammenfassung der Ergebnisse

5.4 Ergebnisse in zyklischem Bezug zu den Forschungsfragen

6 Diskussion

6.1 Diskussion der Ergebnisse

6.2 Diskussion des methodischen Vorgehens

7 Schlussfolgerungen

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit zielt darauf ab, den Nutzen und die Risiken eines Critical Incident Reporting Systems (CIRS) zur Steigerung der Patientensicherheit in der präklinischen Notfallversorgung durch Notfallsanitäter zu identifizieren. Dabei wird insbesondere der pädagogische Lernansatz einer offenen Fehlerkultur untersucht, um durch die systematische Aufarbeitung fehlerhafter Handlungen einen Beitrag zur Vermeidung zukünftiger kritischer Ereignisse zu leisten.

  • Professionalisierung des Rettungsdienstes und Verantwortung von Notfallsanitätern
  • Grundlagen der Patientensicherheit und Fehlerklassifikation in Hochrisikobereichen
  • Chancen und Limitationen von CIRS als Instrument des Risikomanagements
  • Analyse der Fehlerursachen (Kommunikation, Medikamente, Ausstattung)
  • Einfluss einer offenen Fehlerkultur auf die Meldebereitschaft des Personals

Auszug aus dem Buch

2.2.2 Gefährdung durch Fehler

Der Begriff „Fehler“ wird in der Literatur häufig inflationär benutzt und meist nicht eingehend unterteilt; dabei ist genau dies ein relevantes Detail bei der Fehlerursache. Dementsprechend gibt es keine komplett deckungsgleichen Definitionen und der Diskurs hängt von der Betrachtung der Fachexpertise ab (Holländer, 2020, S. 23). Eine erste treffende Definition aus der präklinischen Notfallversorgung von Badke-Schaub, Hofinger und Lauche aus dem Jahr 2012 besagt dazu: „Fehler sind eine Abweichung von einem als richtig angesehenen Verhalten oder von einem gewünschten Handlungsziel, das der Handelnde eigentlich hätte ausführen bzw. erreichen können“ (S. 40). Marx spricht 2017 dabei von einem Fehler, wenn eine Tätigkeit oder eine Entscheidung, oder das Unterlassen dieser, zu einem unerwünschten Resultat führt. Dabei unterscheidet er im Weiteren zwischen latenten und aktiven Fehlern. Latente Fehler beschreibt er als latentes Versagen oder auch als Systemfehler, was als Resultat aus einer strukturellen Schwäche auf Führungs- oder Organisationsebene zu erkennen ist. Ein aktiver Fehler hingegen beschreibt die unumwundene fehlerhafte Tätigkeit oder Entscheidung von mindestens einer Person, was zu einem Versagen der eigentlichen Absicht führt (Marx, 2017, S. 77–78).

Mittlerweile wurden diese zentralen Definitionsansätze noch von St. Pierre und Hofinger im Jahre 2020 konkretisiert. Ein „Fehler“ wird von ihnen unterdessen als das unerwünschte Ergebnis von Handlungen definiert. Dabei steht die Sichtweise auf das Resultat und die Konsequenzen einer Handlung im Vordergrund. Die Sichtweise wird von der Hypothese geleitet, dass es eine qualitative Korrelation zwischen einer Ursache und deren Wirkung gibt. Im Zentrum dieser Kontemplation steht der Weg, der zum Zwischenfall bzw. zum Unfall geführt hat. Um den gesamten Prozess zu verstehen und sich auf die neuen Ansätze konzentrieren zu können, muss man die Frage, wer denn schuld war, verlassen. Hierbei rücken vier Fragen in den Vordergrund gerückt, die zur Weiterentwicklung von bedeutendem Nutzen sind. 1. Was genau wurde falsch gemacht? War also der Denkprozess oder doch die Ausführung einer Handlung betroffen? 2. Warum ist etwas nicht richtig gemacht worden? Welche psychischen Mechanismen waren bei der Entstehung beteiligt? 3. Warum war es aus der Sicht der handelnden Person angemessen und ideal, so zu handeln? 4. Welche Kontextfaktoren und Voraussetzungen waren übergeordnet?

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung und Problemstellung: Einführung in die Thematik der Patientensicherheit im Rettungsdienst und die Rolle der Notfallsanitäter sowie Definition der Problemlage.

2 Theoretischer Hintergrund und Bezugsrahmen: Darstellung der rechtlichen Grundlagen, der Definition von Patientensicherheit sowie des Konzepts von CIRS als Risikomanagementinstrument.

3 Ziele und Fragestellung: Definition der Forschungsziele und der zentralen Fragen hinsichtlich der Chancen und Risiken von CIRS für Notfallsanitäter.

4 Methodisches Vorgehen: Beschreibung des integrativen Literaturreviews, der Suchstrategien und der Kriterien zur Studienauswahl und -bewertung.

5 Ergebnisse: Präsentation der 15 identifizierten Publikationen und Analyse der Fehlermuster, Ursachen und Barrieren in der präklinischen Versorgung.

6 Diskussion: Kritische Reflexion der Ergebnisse und des methodischen Vorgehens unter Einbeziehung internationaler Forschungsergebnisse.

7 Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse mit Empfehlungen zur Implementierung einer offenen Fehlerkultur und eines gelebten Risikomanagements im Rettungsdienst.

Schlüsselwörter

Patientensicherheit, Notfallsanitäter, Rettungsdienst, CIRS, Critical Incident Reporting System, Fehlerkultur, Risikomanagement, Human Factors, Medikamentenverwechslung, Kommunikation, Fehleranalyse, prähospitale Versorgung, Fehlermeldesystem, Patientenversorgung, Qualitätsmanagement.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Einfluss eines anonymen Fehlermeldesystems (CIRS) auf die Patientensicherheit in der präklinischen Notfallversorgung durch Notfallsanitäter.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Fehlerklassifikation, die Fehlerursachen im Rettungsdienst, die Bedeutung einer offenen Fehlerkultur sowie die Möglichkeiten des Risikomanagements durch ein CIRS.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, den Nutzen und die Risiken eines CIRS für Notfallsanitäter zu identifizieren und aufzuzeigen, wie durch eine offene Fehlerkultur Fehler prospektiv vermieden werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor führt ein integratives Literaturreview durch, um internationale wissenschaftliche Erkenntnisse aus den Jahren 2011 bis 2021 zu analysieren und auf den deutschen Kontext zu übertragen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen, die methodische Vorgehensweise bei der Literaturanalyse, die detaillierte Darstellung und Diskussion der Ergebnisse sowie deren kritische Reflexion.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Patientensicherheit, Notfallsanitäter, CIRS, Fehlerkultur, Risikomanagement und Kommunikation im Rettungsdienst.

Warum spielt die Kommunikation bei der Fehleranalyse eine so große Rolle?

Die Analysen zeigen, dass fast zwei Drittel der fehlerhaften Handlungen im Rettungsdienst auf Kommunikationsdefizite im Team oder bei der Übergabe an das Krankenhaus zurückzuführen sind.

Welche Rolle spielt die Anonymität in einem CIRS?

Die Anonymität ist essenziell, um die Angst vor strafrechtlichen oder beruflichen Konsequenzen zu minimieren und das Personal zu motivieren, kritische Ereignisse offen zu melden.

Warum wird das „Name-Blame-Shame-Paradigma“ kritisiert?

Es wird kritisiert, da die Schuldzuweisung an Einzelpersonen verhindert, dass die zugrunde liegenden systemischen Fehler erkannt und langfristig durch Prozessänderungen gelöst werden.

Wie unterscheidet sich die Situation der Notfallsanitäter von der bisherigen Rolle der Rettungsassistenten?

Notfallsanitäter tragen durch ihre erweiterte Ausbildung mehr Eigenverantwortung bei invasiven Maßnahmen, was eine professionellere Fehleraufarbeitung und Sicherheitsstrategie dringend erforderlich macht.

Ende der Leseprobe aus 96 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Patientensicherheit durch ein Critical Incident Reporting System für Notfallsanitäter in der präklinischen Versorgung
Untertitel
Eine integrative Literaturarbeit
Hochschule
Fliedner Fachhochschule Düsseldorf
Veranstaltung
Pädagogik für den Rettungsdienst
Note
1,3
Autor
B.A. Michael Jünger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
96
Katalognummer
V1150929
ISBN (eBook)
9783346537744
ISBN (Buch)
9783346537751
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Notfallsanitäter CIRS Patientensicherheit Rettungsdienst Abschlussarbeit Integrative Literaturarbeit
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
B.A. Michael Jünger (Autor:in), 2021, Patientensicherheit durch ein Critical Incident Reporting System für Notfallsanitäter in der präklinischen Versorgung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1150929
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Leseprobe aus  96  Seiten
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