Kleiderordnungen können eine „symbolisch repräsentative“ Gruppenzugehörigkeit signalisieren und somit bereits optisch die Zugehörigkeit zu bestimmten Ständen anzeigen. Auch im Mittelalter wurden Kleider als Repräsentationsform genutzt, unter anderen für die Gelehrten. So wurden sie zum Beispiel erst durch das Anlegen bestimmter Kleidung oder Kleidungselemente “gesellschaftsfähig”. Zu den Gelehrten des Mittelalters zählten beispielhaft Professoren, Lehrer, Juristen, Theologen oder Mediziner (oder Kleriker). Adlige gehörten wiederum einem eigenen Stand an und hatten nicht die gleichen Vorschriften wie die Gelehrten, was sich auch in der spezifischen Kleiderordnung des Adels spiegelte. Man ordnete sich also mittels festgelegter Kleidungsstücke einer Gruppe zu, war damit ein Teil dieser Gruppe und hob sich somit gleichermaßen von anderen ab. Die Kleidung diente jedoch nicht nur der äußerlichen Repräsentation, sie stiftete auch Identität, schaffte Werte und war Träger dieser Werte. Es konnten einzelne Kleidungsbestandteile sein, die repräsentativ für die Gelehrten standen, es konnten aber auch ganze Kleidungskombinationen sein.
Es stellt sich nun die Frage, welche Merkmale die Kleidungsstücke der Gelehrtenkleidung hatten? Gab es bestimmte Verzierungen, Aufsätze, Farben oder Zuschnitte, die eine Person zu einer bestimmten Gruppe zugehörig machten? Um dies zu erfahren, muss man Bildquellen und auch schriftliche Quellen analysieren und vergleichen. Eine der wichtigsten schriftlichen Quellen für Gelehrtenkleidung aus dem Mittelalter sind die Statuten der Universitäten. Wenn es Vorschriften für die Gewänder der Gelehrten gab, dann wurden sie in diesen Statuten dargelegt. Merkmale wie Gewandlänge, Farbe, Schnitt, Anlässe, zu denen die Kleidung getragen werden durfte, sowie die Personen, denen es erlaubt war, sie zu tragen .
Im weiteren Verlauf werde ich näher auf die Modeerscheinungen der Adligen und die charakteristische Kleidung der Gelehrten aus dem Mittelalter eingehen. Dabei werde ich Bild- wie auch Textquellen analysieren und aus deren Erkenntnissen Schlüsse über die typischen Kleidungsstile aus dem Mittelalter gewinnen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kleiderordnungen für Gelehrte
3. Kleiderordnungen für Adlige und Reiche
3.1. Venedig
3.2. Mittel- und Oberdeutschland
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung mittelalterlicher Kleiderordnungen als Instrumente der Gruppenrepräsentation und Identitätsstiftung. Dabei wird analysiert, wie Kleidung einerseits bei Gelehrten als normiertes Statussymbol fungierte und andererseits bei Adligen und Reichen in Venedig sowie Deutschland als luxuriöses Ausdrucksmittel diente, das durch gesetzliche Verbote reguliert werden sollte.
- Analyse der Gelehrtenkleidung als Ausdruck eines akademischen Selbstverständnisses
- Vergleich der Kleidermode und Reglementierungen in Venedig und Deutschland
- Untersuchung von Statussymbolen wie Pelzverzierungen und Kopfbedeckungen
- Auswertung von historischen Bildquellen und universitären Statuten
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen Luxusstreben und gesetzlichen Verboten
Auszug aus dem Buch
3. Kleiderordnungen für Adlige und Reiche
Im Spätmittelalter war Venedig die Modemetropole, wo edle, feine und teure Stoffe aus der Levante importiert wurden und sich ein enormer Kleiderluxus ab dem 15. Jahrhundert entwickelte. Jedoch wurde versucht, durch päpstliche Verordnungen das Tragen dieser edlen Stoffe einzudämmen oder zu verbieten. Es wurde als Beleidigung Gottes angesehen, luxuriöse Kleider zu tragen.
Ein Beispiel für ein solches Verbot ist die päpstliche Verordnung im Jahre 1430, in der es Frauen untersagt wurde, Plateauschuhe mit einem halben Meter Absatz zu tragen. Dieses Verbot gibt einen Einblick in die Mode der Adligen in Venedig zu dieser Zeit. Es kam also vor, dass Frauen Plateauschuhe mit einem ungewöhnlich hohen Absatz trugen. 1437 wurde es Frauen verboten Gold, Silber, Seide oder ähnliches zu tragen. Die meisten Verbote wurden nur gegenüber Frauen ausgesprochen, demnach war es also üblich, dass hauptsächlich Frauen einen luxuriösen und außergewöhnlichen Kleiderstil hatten. Erst 1455 wurde das Verbot auf Männer und Kinder erweitert. Einzelne Frauen wollten den Luxus aber nicht aufgeben und waren bereit, Zahlungen auf sich zu nehmen, um Luxuskleider weiterhin tragen zu dürfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der mittelalterlichen Kleider- und Polizeiordnungen ein und stellt das Ziel der Untersuchung dar, die Repräsentationsfunktion von Kleidung bei verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen zu beleuchten.
2. Kleiderordnungen für Gelehrte: Das Kapitel erläutert die stetige Entwicklung der Gelehrtenkleidung, ihre Bedeutung als Uniform zur Identitätsbildung und ihre Funktion als Statussymbol, das insbesondere in den Universitätsstatuten verankert war.
3. Kleiderordnungen für Adlige und Reiche: Dieses Kapitel vergleicht die luxuriösen Modeerscheinungen in Venedig und Deutschland sowie die darauf reagierenden gesetzlichen Verbote, welche den gesellschaftlichen Status und die geschlechtsspezifische Kleiderwahl regulieren sollten.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Kleiderordnungen, Gelehrtenkleidung, Venedig, Deutschland, Spätmittelalter, Gruppenrepräsentation, Statussymbol, Mode, Kleiderluxus, Bildquellen, Universitätsstatuten, Identität, Kleidungsvorschriften
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse mittelalterlicher Kleiderordnungen und deren Funktion als soziale Distinktionsmerkmale und Identitätsmarker innerhalb der damaligen Gesellschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kleidung von Gelehrten, der Kleiderluxus des Adels, die Unterschiede zwischen den Modezentren Venedig und Deutschland sowie die Bedeutung von gesetzlichen Verboten für das Tragen bestimmter Stoffe.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Kleidung dazu diente, Gruppenzugehörigkeiten optisch zu signalisieren und Werte innerhalb spezifischer Stände wie den Gelehrten oder dem Adel zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden historische Bildquellen sowie schriftliche Dokumente, insbesondere universitäre Statuten und Kleiderordnungen, analysiert und miteinander verglichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Beschreibung spezifischer Kleiderordnungen für Gelehrte, der Analyse des Kleiderluxus in Venedig und der Untersuchung von Modeerscheinungen und Verboten in Mittel- und Oberdeutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Mittelalter, Kleiderordnungen, Gelehrtenkleidung, Gruppenrepräsentation, Statussymbol und Mode sind die wesentlichen Begriffe, die den Inhalt definieren.
Warum galt Venedig im Spätmittelalter als modisches Zentrum?
Venedig fungierte als Modemetropole durch den Import edler Stoffe aus der Levante, was dort zu einem frühzeitigen und ausgeprägten Kleiderluxus führte.
Welche Rolle spielten die Universitätsstatuten für die Kleidung der Gelehrten?
Die Statuten legten Gewandlängen, Farben und Schnitte fest, um ein einheitliches, dem akademischen Grad angemessenes Erscheinungsbild zu gewährleisten und die Gelehrten als geschlossene Gruppe zu repräsentieren.
Warum wurden Verbote für luxuriöse Kleidung oft nur gegenüber Frauen ausgesprochen?
Historische Quellen deuten darauf hin, dass Frauen im Spätmittelalter als primäre Trägerinnen eines außergewöhnlichen und luxuriösen Kleiderstils wahrgenommen wurden, weshalb viele der frühen Verbote speziell ihre Garderobe adressierten.
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- Anonym (Author), 2018, Kleiderordnungen für Gelehrte, Adlige und Reiche im Mittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151016