1 Einleitung
Johann Amos Comenius (1592 – 1670) versuchte bereits im 17. Jh. das Lehren und Lernen zu fördern (vgl. De Witt, Czerwionka, 2007, S. 25ff).
Im 20. Jh. wurden zahlreiche Modelle entwickelt, um die Didaktik als Wissenschaft vom Lehren und Lernen zu unterstützen. Heute prägen Begriffe, wie lebenslanges Lernen, selbstgesteuertes, multimediales und interaktives Lernen die Wissensgesellschaft. Das Lernen wurde komplexer. Die Menschen benötigen folglich auch komplexere Fähigkeiten, um den Anforderungen der Gesellschaft gerecht zu werden.
Die vorliegende Arbeit wird sich im praktischen und theoretischen Teil mit der Vertiefung des Vier-Komponenten-Instruktionsdesign Modells (engl: four-component instructional design model - 4CID) beschäftigen. Es wurde von van Merriënboer zur Entwicklung von komplexen kognitiven Fähigkeiten für Lernende entwickelt.
Im praktischen Teil wird anhand des Beispiels „Bildungwissenschaftler im Bereich Drogenhilfe“ ein Lehrplanentwurf unter Zuhilfenahme des 4CID-Modells entwickelt.
In Kapitel 3 dieser Arbeit werden lerntheoretische Überlegungen diskutiert und das Modell in einen mediendidaktischen Kontext eingeordnet. Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung.
In der männlichen Form angegebene Personenbezeichnungen verstehen sich als geschlechtsneutral, und sind ausschließlich der Sprachökonomie und Einfachheit halber verwandt worden.
2 Anwendung des 4CID-Modells in der Praxis
Beim 4CID-Modell nach Merriënboer steht die Vermittlung von Handlungswissen im Vordergrund (vgl. van Merriënboer et al., S. 39ff).
Instruktion wird verstanden als ein […] systematisches Arrangement von Umgebungsbedingungen, das geeignet ist, Kompetenzen zu för-dern (vgl. Resnick, 1987, S. 51, zitiert nach Niegemann et. al., 2004, S. 19) …[und] damit deutlich weiter gefasst als „Unterricht“ oder „Lehre“ (Niegemann et. al., 2004, S. 19). Die Grundlage dieses Modells basiert auf vier interdependenten Entwurfskomponenten, eines sog. Blueprints (Lehrplanentwurf).
Im Vordergrund stehen hierbei die Lernaufgaben (learning tasks), welche so konzipiert sein sollen, dass sie die Lernenden durch authentische Problembeschreibungen ganzheitlich bei ihrer mentalen Schemakonstruktion unterstützen und dabei ausgewähltes Wissen vermittelt wird.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Anwendung des 4CID-Modells in der Praxis
2.1 Analyse der Kompetenz: Entwurf einer Fertigkeitenhierarchie
2.2 Bildung von Aufgabenklassen durch vereinfachende Annahmen
2.3. Entwicklung von Lernaufgaben
2.4 Unterstützende Informationen
2.5 Just-in time-Informationen
3 Lerntheoretische Überlegungen zum 4CID –Modell und Aspekte des situierten Lernens
3.1 Didaktische Szenarien zur Integration des 4CID Modells
3.2 Medien zur Unterstützung des Blueprints
4 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit verfolgt das Ziel, das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell (4CID) theoretisch zu erläutern und praxisnah auf das Berufsfeld der Bildungswissenschaft in der Drogenhilfe anzuwenden. Dabei wird untersucht, wie komplexe kognitive Fähigkeiten durch strukturierte Lehrplanentwürfe (Blueprints) und eine zielgerichtete Integration von Medien gefördert werden können.
- Grundlagen und Entwurf einer Fertigkeitenhierarchie nach dem 4CID-Modell
- Methodik der Aufgabenklassenbildung durch vereinfachende Annahmen
- Entwicklung realitätsnaher Lernaufgaben und Scaffolding-Strategien
- Bedeutung unterstützender sowie einsatzsynchroner (Just-in-time) Informationen
- Lerntheoretische Einordnung und mediendidaktische Szenarien
Auszug aus dem Buch
2.1 Analyse der Kompetenz: Entwurf einer Fertigkeitenhierarchie
Den Ausgangspunkt bildet die Analyse der Lerninhalte, also die Verhaltensweise, die am Ende der Bildung notwendig ist, um eine kompetenzbasierte Schulung oder Ausbildung zu entwerfen (Bastiaens, Deimann, Schrader, Orth 2006, S. 94).
Diese Fertigkeitenhierarchie beschreibt zwei grundlegende Arten von Beziehungen zwischen konstituierenden Fertigkeiten, die zusammen die Kompetenz gestalten. Das Ergebnis wird in Form einer hierarchischen Darstellung abgebildet und stellt die ganzheitliche Kompetenz des Bildungswissenschaftlers im Bereich Drogenhilfe dar. Die horizontale Beziehung zwischen den nebeneinander geordneten Fertigkeiten erfolgt von links nach rechts und bestimmt die temporäre Relation, die gleichzeitig oder sequentiell ausgeführt werden kann. Die vertikale Beziehung, welche von unten nach oben verläuft, beschreibt die konditionalen Relationen der Fertigkeiten. Diese Beziehung bedeutet, dass die Fertigkeiten, welche weiter unten in der Hierarchie angesiedelt sind, die Vorbedingung für das Erreichen und Erlernen der nächsthöheren Ebenen sind. Mit der Zerlegung der Kompetenz in Teilkompetenzen können dann für alle konstituierenden Fertigkeiten Leistungsziele formuliert werden, welche Basis für die zu entwickelnden Lernaufgaben sind .Um diese qualitativ unterschiedlichen Leistungsziele zu identifizieren, werden die konstituierenden Fertigkeiten entweder in wiederkehrende oder nicht wiederkehrende Fertigkeiten eingeteilt.
Von nicht wiederkehrenden Fertigkeiten spricht man, wenn das Vorgehen in unterschiedlichen Problemsituationen immer wieder anders ausgeführt und reflektiert werden muss. Wiederkehrende Fertigkeiten werden in allen Situationen gleich ausgeübt und zeichnen sich durch einen hohen Automatisierungsgrad aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Entwicklung komplexer Lernmodelle ein und stellt das 4CID-Modell als Werkzeug zur Förderung kognitiver Fähigkeiten im Kontext der Drogenhilfe vor.
2 Anwendung des 4CID-Modells in der Praxis: Hier wird die praktische Umsetzung des Modells beschrieben, angefangen bei der Fertigkeitenhierarchie über die Bildung von Aufgabenklassen bis hin zu den verschiedenen Informationsarten für Lernende.
3 Lerntheoretische Überlegungen zum 4CID –Modell und Aspekte des situierten Lernens: Dieses Kapitel verknüpft das Modell mit behavioristischen, kognitivistischen und konstruktivistischen Ansätzen sowie der Theorie des situierten Lernens und diskutiert passende mediale Unterstützungsmöglichkeiten.
4 Zusammenfassung und Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Effektivität des Modells beim Training komplexer Fähigkeiten und betont die Notwendigkeit eines durchdachten, mediendidaktischen Gesamtkonzepts.
Schlüsselwörter
4CID-Modell, Instruktionsdesign, Bildungswissenschaft, Drogenhilfe, Fertigkeitenhierarchie, Aufgabenklassen, Lernaufgaben, Scaffolding, Just-in-time-Informationen, situierters Lernen, Mediendidaktik, Kompetenzentwicklung, Wissenskonstruktion, kognitive Belastung, Blueprint.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Anwendung des Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modells (4CID) zur Gestaltung von Lernumgebungen, beispielhaft dargestellt am Berufsbild von Bildungswissenschaftlern in der Drogenhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Analyse von Kompetenzen, die Strukturierung von Lernaufgaben durch Aufgabenklassen, die Bereitstellung unterstützender Informationen sowie die theoretische Einbettung in die Mediendidaktik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen Lehrplanentwurf für die Ausbildung im Bereich der Drogenhilfe mittels des 4CID-Modells zu entwickeln und zu zeigen, wie dieses Modell zur Bewältigung komplexer kognitiver Anforderungen beiträgt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse und der Anwendung des 4CID-Modells nach van Merriënboer zur Erstellung eines spezifischen didaktischen Lehrplanentwurfs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die vier Entwurfskomponenten des Blueprints – Lernaufgaben, unterstützende Informationen, Just-in-time-Informationen und Part-Task Practices – detailliert auf das Praxisbeispiel übertragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie 4CID-Modell, Instruktionsdesign, Kompetenzentwicklung, Lernaufgaben und situierters Lernen charakterisiert.
Wie unterscheidet das Modell zwischen Lernaufgaben und unterstützenden Informationen?
Lernaufgaben dienen der ganzheitlichen Anwendung und Schemakonstruktion, während unterstützende Informationen als Theoriebausteine dienen, um das Verständnis von Sachverhalten und mentalen Modellen zu stützen.
Welche Rolle spielt die "Fertigkeitenhierarchie" im 4CID-Modell?
Sie dient als Basis für den Entwurf, indem sie konstituierende Fertigkeiten in logische (vertikale) und temporäre (horizontale) Beziehungen setzt, um so systematisch Leistungsziele für die Lernaufgaben abzuleiten.
Wie wird mit der unterschiedlichen Komplexität der Anforderungen umgegangen?
Durch die Bildung von Aufgabenklassen, die nach vereinfachenden Annahmen sequenziert sind, werden Lernende ausgehend von einfachen Anforderungen schrittweise an komplexere Beratungssituationen herangeführt.
Warum ist die Wahl der Medien für den Blueprint entscheidend?
Die Medien müssen passend zur jeweiligen Komponente (Lernaufgabe vs. unterstützende Information) gewählt werden, um den Lernprozess effektiv zu fördern und die kognitive Belastung für die Lernenden in authentischen Situationen zu steuern.
- Citar trabajo
- Doris Geldhaeuser (Autor), 2008, Das 4CID-Modell am Beispiel BildungswissenschaftlerIn im Bereich Drogenhilfe, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115103