Der Diskurs um das Otaku-Phänomen

Der Idol-Otaku


Seminararbeit, 2008

12 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Otaku – Das erwachsene Kind?
2.1 Der Begriff Otaku.
2.2 Das Massenphänomen Otaku
2.3 Die Attraktivität des Otakus als Soft Power- Konzept.

3. Idol – Faszination an synthetischen Stars
3.1 Hamasaki Ayumi, Utada Hikaru, Morning Musume und Co
3.2 Idolemania – Der obszöne Blick

4. Fazit

5. Lektüreverzeichnis

1. Einleitung

Produkte der japanischen Massenkultur prägen das gegenwärtige Japan und erfahren auch im Ausland stetig wachsendes Interesse. Manga (漫画), Anime (アニメ) und japanische Videospiele gehören auch bei uns beinahe wie selbstverständlich zur Jugendkultur. Dabei sind sie nur ein Teil der eigentlichen japanischen Populärkultur. Diese ist gekennzeichnet durch vielfältige Ausprägungen und eine hohe Diversität. Vor allem im Bereich der Musikindustrie ist diese zurück zu finden. Teenie- Sänger und Sängerinnen aus der Retorte prägen das Bild der Musiklandschaft und bieten für jeden Geschmack eine entsprechende Indentifikationsmöglichkeit. In einer derart pluralisierten Populärkultur, die bestimmt wird durch die Konsum und Informationsgesellschaft, finden sich jedoch auch innerhalb der Konsumenten stark divergierende Ausprägungen. Während die einen lediglich konsumieren und Teile der Jugendkultur in ihr Leben integrieren, richten andere ihr Leben ausschließlich auf ihre favorisierte Kategorie der Jugendkultur. Durch ihre Lebensweise distanzieren sie sich von ihren Altersgenossen, ihrem sozialen Umfeld und anderen für sie uninteressanten Kulturgütern.

Dieses Phänomen der japanischen Otakus wurde zu Beginn der 1980er Jahre zum ersten Mal publik und ist heute eines der meist diskutierten Themen im zeitgenössischen Japan. Dabei ergeben sich spezielle Ausprägungen wie etwa den Idol- Otaku (アイドルお宅), der seine Leidenschaft allein auf die schon erwähnten Pop- Sänger und Sängerinnen richtet. Doch was fasziniert beispielsweise den Idol- Otaku an Pop- Sängerinnen, die in der Regel nach einem einzigen Titel wieder vom Markt verschwinden? Was empfinden Otaku, wenn sie auf der Foto- Jagd nach ihren Idolen sind? Was charakterisiert den Otaku neben seiner Leidenschaft und welche gesellschaftliche und soziale Position nimmt er ein? Diese Arbeit widmet sich anhand dieser Fragen dem Diskurs über das Otaku- Phänomen. Dazu muss zunächst eine Begriffsbestimmung erfolgen, um den Terminus Otaku abzugrenzen und für diese Arbeit verfügbar zu machen. Danach wird das Massenphänomen innerhalb der japanischen Gesellschaft eingeordnet und vorgestellt, bevor die Position der japanischen Regierung berücksichtigt wird. Hauptteil dieser Arbeit bildet die Betrachtung des Idol- Otakus anhand der genannten Fragestellungen.

3. Otaku – Das erwachsene Kind?

2.1 Der Begriff Otaku

In den 1980er Jahren wurde die Weltöffentlichkeit mit dem Otaku- Phänomen konfrontiert.[1] Mitte der 70er Jahre, als die erfolgreiche Manga- Serie „ Weltraum-Schlachtschiff Yamato“ (Uchû Senkan Yamato) als Zeichentrickfilm in die Kinos kam und ein unerwarteter „ Yamato-Boom “ einsetzte, wurde die japanische Öffentlichkeit auf die Otaku aufmerksam. Sie standen für eine neue Art des Lebensstils jedoch noch ohne diese Bezeichnung.[2] Sie gaben sich als Fans und Anhänger von Zeichentrickfilmen und Science- Fiction- Filmen zu erkennen und traten in großer Zahl in der japanischen Gesellschaft in Erscheinung. Für die Jugendkulturen, von denen hier die Rede ist, ist die Distanz nicht nur zu anderen Kulturelementen sondern auch die Distanz zu ihren Altersgenossen für diese Jugendkulturen zum Namensgeber geworden.[3] 1983 verwendete Nakamori Akio die Bezeichnung Otaku zum ersten Mal in einer Artikelserie zum Thema „Otaku- Forschung“ (otaku no kenkyû お宅の研究) für Anhänger und Fans von Manga und Anime.[4] Der Begriff Otaku bezeichnet in der japanischen Sprache ursprünglich das „Haus“ bzw. „Ihr Haus“. Darüber hinaus kann auch die Familie des Gesprächspartners gemeint sein. Der Begriff wird unter anderem als eine sehr förmliche Form der Anrede verwendet.[5] Er kennzeichnet einen Kommunikationsstil, der besonders auf die Wahrung von Distanz und auf den Schutz der eigenen Privatsphäre zielt. Der Begriff Otaku bezeichnet jedoch auch Personen, die von etwas derart besessen sind, in der Regel einer Art Sammlung, dass sie den Großteil ihrer Zeit zu Hause ihrer Leidenschaft widmen und keine persönlichen Beziehungen eingehen. Die Verwendung des Wortes „Otaku“ als Personalpronomen „Du“ oder „Deine“ setzte sich in den achtziger Jahren bei Jugendlichen durch. „Zeig mir bitte deine (otaku-no お宅の) Sammlung“ drückt nicht nur ein Grundgefühl von Distanz aus, sondern ist neutral höflich und bei Unsicherheiten über die richtige Verhaltens- und Kommunikationsweise (Höflichkeit, Vertrautheit, Unterordnung) ein geeigneter Ausdruck, um eine Person anzusprechen.[6] Japaner greifen auch auf diesen Ausdruck zurück, wenn sie mit jemandem kommunizieren, mit dem sie keine nähere Bekanntschaft eingehen wollen. Der eigentliche Wortstamm „Haus“ assoziiert gleichzeitig auch das zu Hause bleiben des Otakus. Diese Herleitung scheint ironisch zu klingen, ist aber nicht abwegig. Sie verbindet eher eines der Charakteristika des Otakus, das Zurückziehen aus der Öffentlichkeit und die daraus resultierende Abkehr des sozialen Umfeldes, mit der ursprünglichen Bedeutung. Der Begriff Otaku eignet sich dazu, die eigene Position deutlich zu bestimmen und gleichzeitig andere Personen auf Distanz zu halten. Die Bezeichnung genießt jedoch in Japan wenig Ansehen. Der gewollte Ausschluss aus der Öffentlichkeit und aus Gruppenverbänden bedeutet für Japaner die gänzliche Abgrenzung aus der japanischen Gesellschaft und somit den Verlust des eigenen Ichs. Dies ist womöglich auf die Säulen der japanischen Gesellschaft zurück zu führen, die auf Harmonie, Stabilität und einer stark hierarchischen Gesellschaftsstruktur ausgerichtet ist.[7]

[...]


[1] Manfé 2005: 13.

[2] Oberländer 2006: 101.

[3] Grassmuck 1999: 157-177.

[4] Oberländer 2006: 101.

[5] Oberländer 2006: 101.

[6] Grassmuck 1999: 157-177.

[7] Manfé 2005: 16.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Diskurs um das Otaku-Phänomen
Untertitel
Der Idol-Otaku
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Veranstaltung
Theorien und Texte zur japanischen Gesellschaft - Der Diskurs um das Otaku-Phänomen
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
12
Katalognummer
V115115
ISBN (eBook)
9783640167104
ISBN (Buch)
9783640167265
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
8 Einträge im Literaturverzeichnis, davon 4 Internetquellen.
Schlagworte
Diskurs, Otaku-Phänomen, Theorien, Texte, Gesellschaft, Diskurs, Otaku-Phänomen
Arbeit zitieren
Sibylle Herden (Autor:in), 2008, Der Diskurs um das Otaku-Phänomen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115115

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