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Wie spiegeln sich Gender und Kulinarik in der höfischen Kultur des Mittelalters wider?

Die Relation von Macht und Sexualität der Geschlechterrollen in "Die halbe Birne" von Konrad von Würzburg

Title: Wie spiegeln sich Gender und Kulinarik in der höfischen Kultur des Mittelalters wider?

Term Paper (Advanced seminar) , 2021 , 19 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Louisa Borgolte (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Gender und Kulinarik im Mittelalter anhand Konrad von Würzburgs „Die halbe Birne“ mit der Fragestellung, in welcher Relation Sexualität und Macht das weibliche und männliche Geschlecht zueinanderstehen. Im Weiteren wie die Rittermahle zu Hofe - und die Nahrung, welche dort angereicht wurde - als sexuelles Zeichen fungierte. „Die halbe Birne“ ist eine Märe, welche circa 1300 von dem mittelalterlichen Autor, welcher auch als Lyriker, Dichter und Epiker bekannt war, verfasst wurde.

Das Zubereiten von Mahlzeiten und der gemeinsame Verzehr dieser ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil aller Kulturen und Gesellschaften der Welt. Somit ist die Kulinarik also nicht nur eine lebensnotwendige Pflicht. Sie hat auch andere Zwecke, wenn man einen Blick in die höfische Kultur des Mittelalters wirft. Denn dort wurde das gemeinsame Verspeisen von Lebensmitteln auch als Einleitung eines folgenden Sexualakts zwischen einem Paar angesehen. Dabei geht es auf der einen Seite um das gemeinsame Essen als Akt der Intimität, der an der Tafel und im Schlafzimmer erlebt werden kann und auf der anderen Seite um die Funktion von Nahrung als Metapher der Intimität.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Gender

3. Untersuchung des Textes

3.1. Kulinarische Szene

3.2. Sexeskapade

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das komplexe Spannungsverhältnis von Macht und Sexualität in der mittelalterlichen Märe „Die halbe Birne“ von Konrad von Würzburg, wobei insbesondere die Rollen von Gender und kulinarischen Praktiken analysiert werden, um aufzudecken, wie diese als Werkzeuge zur Konstituierung von Machtansprüchen fungieren.

  • Analyse des Zusammenhangs zwischen Gender und Kulinarik in der höfischen Kultur.
  • Untersuchung der Bedeutung von Tischsitten als Identitäts- und Machtmarker.
  • Dekonstruktion der Geschlechterrollen in der Märe „Die halbe Birne“.
  • Analyse der Kammerszene als triebgesteuerter, nicht-höfischer Raum.
  • Erforschung von Rachebegehren als Antrieb für narrative Handlungsverläufe.

Auszug aus dem Buch

3.2. Die Sexeskapade

Beim Lesen des Werks ist auffällig, dass es sich um einen obszönen Text mit eklatantem, sexuellem Input handelt. Man könnte auch sagen, dass die Märe auf ihre Art und Weise „schmutzig“ ist. So kommentiert Klaus Grubmüller: „Konrad von Würzburg macht darauf aufmerksam, dass zivilisiertes Benehmen nicht formalistisch auf bestimmte Sektoren, also z.B. auf Speisesitten, einzugrenzen ist, sondern sich als Formung des Lebens jederzeit zu bewähren und gegen die triebhafte Natur durchzusetzen hat. Geschieht das nicht, kann sich die höfische Gesellschaft auch nicht mehr auf ihre Kulturleistung berufen: sie verliert ihre Ehre.“ Auch andere Autoren betiteln das Werk als „schwankhaft-deftige Unterhaltung“ oder „drastischen Elementen in der Erzählung“. Diese Einschätzungen kommen daher, dass die im eben erwähnte Schmutzigkeit, nicht nur als Mittel zu verstehen ist. Vielmehr soll aus dem Inneren heraus der Umgang der Geschlechter untereinander, am mittelalterlichen Hofe kompromittiert und als Schein aufgedeckt werden. Diese Spannung wird von sublimierter Triebhaftigkeit, ritualisierten Werben (Brautwerbungschema) und Begehren konstituiert.

Im Märe, wird deutlich, dass – wie bereits festgestellt - Macht und Sexualität in einem Abhängigkeitsverhältnis stehen. Doch wie sehr der Aspekt der Sexualität - in räumlich abgegrenzter Struktur - mit dem Machtgefüge verknüpft ist, wird im Folgeszenario, der sogenannten „Sexeskapade in „der halben Birne“ konkretisiert. Die Bearbeitung setzt nun dort an, wo im vorherigen Kapitel aufgehört wurde. Der Knappe Heinrich gibt seinem Herrn den Rat, sich als Narr zu verkleiden, sich schwarz anzumalen und so zu tun als wäre er verrückt. Arnolt ging diesem Rat nach, legte sich vor die Kammer der Königstochter und wartete bis er ihren Ruf schädigen konnte. Durch die Verkleidung würde die Königstochter und die Menschen am Hof den Ritter nicht erkennen und er kann ihr nahekommen. Die Schande, die er durch die Maskerade bekommen könnte, tritt hinter sein Rachebegehren zurück.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Bedeutung der Ernährung im mittelalterlichen Kontext und stellt die Fragestellung bezüglich der Relation von Macht und Sexualität in Konrad von Würzburgs „Die halbe Birne“ vor.

2. Gender: Das Kapitel definiert den Begriff Gender in Abgrenzung zu Sex und diskutiert seine Bedeutung als Strukturkategorie in der höfischen Kultur sowie seine Relevanz für die Analyse der vorliegenden Märe.

3. Untersuchung des Textes: Die Untersuchung analysiert literarische Begehrensstrukturen unter den Gesichtspunkten von Geschlecht, Körper und Stand in den Handlungsräumen des Hofes.

3.1. Kulinarische Szene: Hier wird der Bruch mit höfischen Tischsitten am Beispiel des Essens einer Birne analysiert, welcher als Ausgangspunkt für die Rachehandlungen und die Bloßstellung des Ritters dient.

3.2. Sexeskapade: Dieses Kapitel untersucht die Kammerszene und die dort stattfindende Umkehrung von Machtverhältnissen, bei der die Frauen als Subjekte agieren und Sexualität als machtdurchsetztes kulturelles Produkt erscheint.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie Macht, Sexualität und Raum in der Erzählung interagieren und betont, dass der Text als Zeugnis instabiler Geschlechterverhältnisse und bewusster Grenzübertritte gegenüber Gattungskonventionen fungiert.

5. Literaturverzeichnis: Auflistung der für die Hausarbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Konrad von Würzburg, Die halbe Birne, Gender, Kulinarik, Macht, Sexualität, Märe, höfische Kultur, Begehrensstrukturen, Ritter, Geschlechterrollen, Rache, âventiure, Schwank, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die Märe „Die halbe Birne“ von Konrad von Würzburg im Hinblick auf die Verknüpfung von Machtverhältnissen und Sexualität in der höfischen Kultur des Mittelalters.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen sind das Gender-Verständnis im Mittelalter, die Bedeutung von Kulinarik und Tischsitten sowie die Darstellung von Macht und Begehren in literarischen Räumen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage untersucht, in welcher Relation Sexualität und Macht innerhalb der Geschlechterrollen in der Märe stehen und wie Rittermahle sowie Nahrung als sexuelle Zeichen fungieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden literaturwissenschaftliche Methoden der mediävistischen Forschung angewandt, insbesondere die Analyse von Begehrensstrukturen sowie die Einbettung in kulturwissenschaftliche Kontexte.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zum Gender-Diskurs und eine detaillierte Textanalyse der kulinarischen Szene sowie der sogenannten Sexeskapade.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Gender, Kulinarik, Macht, Sexualität, höfische Kultur, Geschlechterrollen und narrative Konventionen.

Welche Bedeutung kommt der kulinarischen Szene für den weiteren Handlungsverlauf zu?

Der Verstoß gegen die Tischsitten bei der Birne markiert den entscheidenden Bruch mit der höfischen Norm, der beim Ritter ein Rachebegehren auslöst und somit die gesamte narrative Schwankhandlung initiiert.

Wie werden die Frauen in der Kammerszene charakterisiert?

In der Kammerszene agieren die Frauen als handelnde Subjekte, die sich in einer Machtposition gegenüber dem verkleideten Ritter befinden und ihre sexuellen Bedürfnisse aktiv ausleben.

Warum wird der Ritter Arnolt in der Erzählung als Narr verkleidet?

Die Verkleidung als Narr dient Arnolt dazu, unbemerkt in die Kammer der Königstochter zu gelangen, um Rache an ihr zu üben und ihren Ruf durch die damit verbundene Schande zu schädigen.

Welches Fazit zieht die Autorin über das Geschlechterverhältnis in der Märe?

Die Autorin schließt, dass das Geschlechterverhältnis durch ein komplexes, instabiles Machtgefälle geprägt ist, in dem der Mann zwar eine Fehler begeht, aber durch die Inszenierung des weiteren Textes und die gesellschaftliche Zwangslage der Frau letztlich seine Machtstellung wieder festigt.

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Details

Title
Wie spiegeln sich Gender und Kulinarik in der höfischen Kultur des Mittelalters wider?
Subtitle
Die Relation von Macht und Sexualität der Geschlechterrollen in "Die halbe Birne" von Konrad von Würzburg
College
University of Göttingen  (Germanistische Mediävistik)
Course
Vormoderne Kulinarik. Literarische Realisation von "spîse" und die Kulturgeschichte des Essens
Grade
2,0
Author
Louisa Borgolte (Author)
Publication Year
2021
Pages
19
Catalog Number
V1151192
ISBN (eBook)
9783346539236
ISBN (Book)
9783346539243
Language
German
Tags
Mediävistik Kulturgeschichte Essen Kulturgeschichte des Essens Germanisitk Konrad von Würzburg Die halbe Birne Konrad von Würzburgs die halbe Birne Sexualität Geschlechterrollen Gender höfische Kultur Minnesang Gender und Kulinarik Mittelhochdeutsch Deutsche Philologie Germanistische Mediävistik Historische und systematische PErspektiven Relation Macht und Sexualität Geschlechterrollen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Louisa Borgolte (Author), 2021, Wie spiegeln sich Gender und Kulinarik in der höfischen Kultur des Mittelalters wider?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151192
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