Es werden aktuelle Forschungsergebnisse zu der Bedeutung des Merkmals "Gender" in der deutschsprachigen, alltäglichen Kommunikation und Sprache erläutert. In Bezug auf diese Ergebnisse wird der Einfluss des Merkmals auf den Beratungsprozess dargestellt. Dazu werden zunächst die einzelnen Schritte des Prozesses untersucht. Nachfolgend wird dargestellt, wie Beratung gendersensibel gestaltet werden kann. Im Anschluss folgt eine Beschreibung der Merkmale feministischer Beratung. Untersucht wird in der Diskussion, ob sich die feministische Beratungsform dazu eignet, dem Gleichstellungsauftrag der Sozialen Arbeit als Profession zu entsprechen und ob sich die Orientierung am Konzept der feministischen Beratungsform dazu eignet, gendersensibel zu beraten. Dazu werden die Chancen und Risiken der feministischen Beratungsform im Kontext des Gleichstellungsauftrags und der Gendersensibilität gegenübergestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1. Gender
2.2. Doing Gender
2.3 Gender-Stereotyp
3. Einflüsse auf alltägliches Handeln und Sprache
4. Einflüsse auf den Beratungsprozess/Psychotherapieprozess
5. Gendersensibel Beraten
6. Feministische Beratung
7. Diskussion
8. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung des Merkmals „Gender“ in der psychosozialen Beratung. Dabei wird analysiert, wie geschlechtsspezifische Stereotype den Beratungsprozess beeinflussen und welche Anforderungen sich daraus an eine gendersensible sowie feministische Beratungspraxis ergeben, um dem Gleichstellungsauftrag der Sozialen Arbeit gerecht zu werden.
- Bedeutung des Merkmals „Gender“ in der Alltagskommunikation und Beratung
- Einfluss von Geschlechterstereotypen auf Wahrnehmungs- und Interaktionsprozesse
- Anforderungen an die gendersensible Beratungskompetenz (Wissen, Wollen, Können)
- Prinzipien und Praxis der feministischen Beratung
- Diskussion der Vereinbarkeit von feministischen Beratungsansätzen mit den Standards der Sozialen Arbeit
Auszug aus dem Buch
2.2. Doing Gender
„Doing Gender“ ist die Inszenierung des Merkmals „Gender“. Es beschreibt den Prozess der Herstellung des sozialen Konstrukts „Frau“ bzw. „Mann“ in Bezug auf die Selbst- und Fremdzuordnung. Das soziale Geschlecht- „Gender“- setzt sich aus dem biologischen Geschlecht und erlernten Verhaltensweisen bzw. Verhaltenserwartungen zusammen. Diese erlernten Verhaltenserwartungen bzw. Verhaltensweisen beschreiben das Phänomen „Doing Gender“. „Doing Gender“ beschreibt den Prozess der aktiven Übernahme von Erwartungen und die damit einhergehende Formung der Identität. Dies hat die Reproduktion der Genderstereotype zur Folge. (vgl. Kero (2019): 7) „Wer sich mit doing gender beschäftigt, will beschreiben, wie sich Menschen performativ als männlich oder weiblich zu erkennen geben und mittels welcher Verfahren das so gestaltete kulturelle Geschlecht im Alltag mit Bedeutung aufgeladen wird.“ (Kotthoff (2003): 1)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema im Kontext der Sozialen Arbeit, erläutert die Relevanz des Diversitätsmerkmals Geschlecht und definiert das Ziel, die Forschungslücke der feministischen Beratung zu beleuchten.
2. Definitionen: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundbegriffe „Gender“, „Doing Gender“ und „Gender-Stereotyp“ definiert, um eine Basis für die weitere Analyse zu schaffen.
3. Einflüsse auf alltägliches Handeln und Sprache: Es wird dargelegt, wie „Gender“ als soziales Konstrukt unser Denken, Handeln, unsere Sprache und Mediennutzung beeinflusst und gesellschaftliche Ungleichheiten reproduziert.
4. Einflüsse auf den Beratungsprozess/Psychotherapieprozess: Dieses Kapitel untersucht, wie „Gender“ und unbewusste Erwartungshaltungen die Dynamik in Beratungs- und Therapiegesprächen zwischen Fachkräften und Adressat*innen beeinflussen.
5. Gendersensibel Beraten: Hier werden Anforderungen an eine gendersensible Beratung erarbeitet, die sich insbesondere auf die Reflexionsfähigkeit der Berater*innen und die Kompetenzbereiche „Wissen, Wollen und Können“ stützen.
6. Feministische Beratung: Das Kapitel führt in das Fachgebiet der feministischen Beratung ein, erläutert deren Prinzipien wie Macht und Empowerment sowie die Bedeutung des politischen Mandats.
7. Diskussion: Es findet eine kritische Auseinandersetzung darüber statt, ob die feministische Beratung den Anforderungen des Gleichstellungsauftrags der Sozialen Arbeit entspricht und wie sie sich zur gendersensiblen Beratung verhält.
8. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung, in der die Stärken und Grenzen der feministischen Beratungspraxis reflektiert werden.
Schlüsselwörter
Gender, Doing Gender, Geschlechterstereotype, Soziale Arbeit, Beratung, Feministische Beratung, Gendersensibilität, Empowerment, Machtverhältnis, Reflexion, Diversität, Intersektionalität, Gleichstellungsauftrag, Identitätsbildung, Beratungsprozess
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss von Geschlecht und Gender auf die psychosoziale Beratung im Kontext der Sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die theoretische Fundierung von Gender-Konzepten, deren Auswirkungen auf die Beratungspraxis sowie die Prinzipien feministischer Beratung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es zu klären, wie Beratung gendersensibel gestaltet werden kann und inwiefern feministische Beratungsansätze den professionellen Standards der Sozialen Arbeit entsprechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine tiefgehende Literatur- und Theorieanalyse bestehender Konzepte der Sozialen Arbeit, Psychologie und Gender-Forschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Auswirkungen von Gender auf Kommunikation und Beratungsprozesse, erarbeitet Kompetenzkriterien für gendersensibles Handeln und diskutiert die Konzepte der feministischen Beratung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen unter anderem Gender, Doing Gender, Empowerment, Machtverhältnis, Gendersensibilität und Feministische Beratung.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Beratung in der Sozialen Arbeit und Psychotherapie?
Die Autorin grenzt die Professionen voneinander ab, indem sie betont, dass Soziale Arbeit einen parteilichen, sozialpolitischen Auftrag verfolgt, während Psychotherapie stärker auf die Veränderung des individuellen Persönlichkeitssystems abzielt.
Welche Rolle spielt die Reflexion für die gendersensible Beratung?
Reflexion ist das zentrale Instrument, um eigene unterbewusste Vorurteile, Zuschreibungen und das Handeln in Machtstrukturen zu erkennen und zu minimieren.
Warum wird die feministische Beratung in der Diskussion kritisch hinterfragt?
Kritisch betrachtet wird insbesondere die Problematik, dass feministische Beratung teils unterfinanziert ist, das Theoriegebilde heterogen bleibt und der Ausschluss anderer Geschlechter teilweise im Widerspruch zu allgemeinen diskriminierungskritischen Prinzipien stehen kann.
- Arbeit zitieren
- Marie Laué (Autor:in), 2021, Feministische Beratung im Kontext der Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1151271