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Politizid, Ethnozid und Gynozid

Ein kurzer Überblick

Title: Politizid, Ethnozid und Gynozid

Term Paper , 2008 , 21 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Wolfgang Müller (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
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Genozid. Ein Wort, konstruiert von Raphael Lemkin, einem in die Vereinigten Staaten eingewanderten Juristen, aus dem griechischen Wort »genos« für Stamm und dem Suffix »cide« des lateinischen Wort »caedere« für morden, im deutschsprachigen Raum auch unter Völkermord bekannt, ist durch seine vielseitige Bedeutung in seinem gleichnamigen, interdisziplinären Forschungsbereich, Genozidforschung, höchst umstritten und wird kontrovers diskutiert. Auch wenn ihnen das nicht immer glücklich gelingt, so versuchen Genozidforscher seit Jahrzehnten sich mittels verschiedener Auslegungen und Neudefinitionen, die Handhabung dieses schwierigen Begriffes zu erleichtern sowie neue Begrifflichkeiten einzuführen, um ein differenziertes wissenschaftliches Arbeiten zu gewährleisten.
Diese neuen Begrifflichkeiten stellen auch den Kern dieser Arbeit dar. Zuerst soll in einem allgemeinen Abschnitt begründet werden, weshalb es zu einer solchen hohen Anzahl von Definitionen kam, welche Rolle dabei die Genozidkonvention der Vereinten Nationen spielt und worin die Bedeutung solchen Vorgehens liegt. Des Weiteren soll angerissen werden, wie Genozidforschung erfolgen müsste, was die Anliegen der Forscher sind und nach welchen Kriterien sie eine Eingrenzung und Kategorisierung ihres Forschungsfeldes vollzieht, welche Gefahren und Bedingungen sie zu berücksichtigen haben sowie welche Funktion das wissenschaftliche Gebiet der Rassismusforschung und deren Arbeitsweisen für sie hat.
Im Kapitel Formen, dem Hauptteil dieser Arbeit, werden dann drei Arten von Genozidformen dargestellt. Die Wahl fiel dabei, um die Weite des Forschungsfeldes und ihre unterschiedlichen Möglichkeiten darzustellen, auf den Politizid, den Ethnozid und den Gynozid. Bei jeder dieser drei Formen wird anhand eines historischen Beispiels veranschaulicht, wie sie definiert werden, welche Probleme auftreten, beziehungsweise welche Vorteile sie bieten und worin sie sich voneinander unterscheiden oder Gemeinsamkeiten aufweisen sowie in welchem Gegensatz sie zu der Definition der Genozidkonvention stehen beziehungsweise was sie mit dieser verbindet.
Gegenstand dieser Arbeit soll jedoch nicht die genauere Analyse dieser Fälle in ihren Ursprüngen und Abläufen sein und auch nicht die Fragestellung, ob diese drei angeführten historischen Beispiele tatsächlich Genozidfälle darstellen oder nicht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines

3. Formen

3.1. Politizid

3.2. Ethnozid

3.3. Gynozid

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Anwendung wissenschaftlicher Kategorisierungen innerhalb der Genozidforschung, um die Grenzen der restriktiven Genozidkonvention der Vereinten Nationen zu überwinden und historisch komplexe Verbrechen differenzierter analysieren zu können.

  • Kritik an der Genozidkonvention der Vereinten Nationen
  • Notwendigkeit von Kategorisierung und Unterscheidung in der Forschung
  • Analyse der Konzepte Politizid, Ethnozid und Gynozid
  • Die Rolle des Rassismus als treibender Faktor für Genozide
  • Untersuchung historischer Beispiele wie der Entkulakisierung in der Sowjetunion, der Unterdrückung der Kurden in der Türkei und der Vergewaltigungen in Nanking

Auszug aus dem Buch

3.1. Politizid

Völkermord an politischen Gruppen, die Thematik von Politizid, ist in der Konvention nicht enthalten. Zwar wären nach einer Reihe von Unterausschüssen der Vereinten Nationen politische Gruppen in der Konvention zur Berücksichtigung vorgesehen gewesen, jedoch wurde, um die Gefahr der Nichtratifizierung der Konventionen, im Falle eines Verbleibes der politischen Gruppen, durch Länder wie die Sowjetunion und ihre Verbündeten zu vermeiden, davon abgesehen und sie endgültig aus dem Artikel II. der Konvention entfernt. Als Hauptargument wurde angeführt, und ähnlich argumentiert auch Hans-Joachim Heintze für die Nichtberücksichtigung dieser in der Legaldefinition, wenn er schreibt: »In politischen Gruppen könne der einzelne zudem aufgrund persönlicher Entscheidungen ein- und austreten[…]«. Diesem Ansichtspunkt widersprechen unter anderem Gellately und Kiernan, indem sie meinen: »They are “political” groups only in the mind or the propaganda of the perpetrator but are therefore most difficult of all for their members to abandon«. Damit weisen sie darauf hin, dass sich politische Gruppen nicht immer aus eigenem freien Willen bilden müssen und dass dabei keine hohe soziale Mobilität besteht, worauf aber später am Beispiel der Kulaken noch näher eingegangen wird.

Um nun die Vorfälle mit politischem Hintergrund und mit genozidärem Verdacht nach wissenschaftlichen Kriterien untersuchen zu können, bedienen sich einige Forscher des Begriffs Politizid und verändern beziehungsweise passen die Genoziddefinition nach ihren Bedürfnissen an.

Rudolph J. Rummel versteht zum Beispiel unter Politizid den »Mord an Personen oder Völkern durch eine Regierung aufgrund ihrer politischen Überzeugung oder für politische Ziele«. Gunnar Heinsohn definiert Politizid in seinem Lexikon für Völkermorde ebenfalls nur knapp: »Tötung einer Gruppe, die durch politische Überzeugungen miteinander verbunden ist«. Und Barbara Harff beschreibt Politizid folgendermaßen:

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Genozid-Begriffes ein, erläutert die Herausforderungen der wissenschaftlichen Forschung und umreißt die Untersuchung der Formen Politizid, Ethnozid und Gynozid.

2. Allgemeines: Dieses Kapitel thematisiert die Beschränkungen der UN-Genozidkonvention sowie die Notwendigkeit, Genozidforschung durch vergleichende Kategorisierungen und eine fundierte Rassismusanalyse methodisch zu erweitern.

3. Formen: Der Hauptteil stellt die drei Konzepte Politizid, Ethnozid und Gynozid anhand historischer Fallbeispiele vor und analysiert deren Nutzen sowie die Schwierigkeiten ihrer Definition im Vergleich zur UN-Konvention.

4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass das Feld der Genozidforschung ein breites Spektrum abdeckt und Wissenschaftler dazu übergehen müssen, präzisere analytische Werkzeuge zu entwickeln, anstatt an einem zu weit gefassten, utopischen Begriff festzuhalten.

Schlüsselwörter

Genozidforschung, Völkermord, Politizid, Ethnozid, Gynozid, Genozidkonvention, Rassismus, Kategorisierung, Historische Analyse, Identität, Soziale Konstruktion, Politische Gruppen, Kulturelle Vernichtung, Sexualisierte Gewalt, Menschenrechte

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Weiterentwicklung der Genozidforschung, indem sie alternative Kategorisierungsbegriffe zur UN-Genozidkonvention untersucht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Kritik der bestehenden Konvention, der Bedeutung des Rassismus und der detaillierten Analyse spezifischer Genozidformen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie durch eine Differenzierung in Politizid, Ethnozid und Gynozid eine präzisere wissenschaftliche Analyse von Völkermorden ermöglicht wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein vergleichender Ansatz gewählt, der die Definitionen verschiedener Forscher analysiert und anhand historischer Fallbeispiele deren Anwendbarkeit prüft.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Politizid am Beispiel der Kulaken, Ethnozid am Beispiel der Kurden in der Türkei und Gynozid am Beispiel des Massakers von Nanking.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Genozidforschung, Politizid, Ethnozid, Gynozid, Rassismus, kulturelle Identität und die UN-Genozidkonvention.

Warum kritisieren die Forscher die UN-Definition des Genozids?

Die Definition gilt als zu starr und unpräzise, da sie wichtige Bereiche wie politische Gruppen, kulturelle Vernichtung oder geschlechtsspezifische Gewalt nicht ausreichend abdeckt.

Welche Rolle spielt das Beispiel der Kulaken für den Begriff Politizid?

Das Beispiel verdeutlicht, dass Politizid nicht nur aktiven Widerstand erfordert, sondern auch Gruppen treffen kann, die nur fiktiv als "Klassenfeinde" konstruiert wurden, um politische Ziele zu erreichen.

Wie unterscheidet sich der Ethnozid vom allgemeinen Völkermord?

Beim Ethnozid steht nicht die physische Ausrottung der Individuen im Vordergrund, sondern die gezielte Zerstörung einer Kultur, Sprache oder Identität.

Warum ist die Erforschung von Gynozid so schwierig?

Die Gynozidforschung ist komplex, da der Gender-Aspekt in der bisherigen Genozidforschung stark vernachlässigt wurde und Definitionen oft zu sehr auf das bloße Töten fokussieren, statt auf systematische Demütigung und Vergewaltigung.

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Details

Title
Politizid, Ethnozid und Gynozid
Subtitle
Ein kurzer Überblick
College
University of Hamburg  (Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Course
Politische Soziologie
Grade
1,0
Author
Wolfgang Müller (Author)
Publication Year
2008
Pages
21
Catalog Number
V115129
ISBN (eBook)
9783640167364
ISBN (Book)
9783640167456
Language
German
Tags
Politizid Ethnozid Gynozid Politische Soziologie Völkermord Genozid Genozidforschung Forschung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Wolfgang Müller (Author), 2008, Politizid, Ethnozid und Gynozid, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115129
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