Das Problem, zu dem diese Proseminararbeit hinführen will, stellt sich mit der erkenntnistheoretischen Frage, ob und inwiefern induktive Schlüsse unser Wissen erweitern. Diese behandelt Hume in seiner Untersuchung über den menschlichen Verstand, wenn gleich Hume darin nicht (wie Kant vor allem) nach den Bedingungen, sondern nach der Entstehung von Erkenntnis fragt.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Ursprüngliche und ursprünglichere Erfahrungen
2. Mathematisches und weniger mathematisches Denken
3. Das Problem der Kausalität
4. Der Widerspruch als Unterscheidungskriterium
5. Erkenntnisquellen
6. Das Problem der Induktion
7. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht David Humes Erkenntnistheorie, insbesondere sein "Problem der Induktion", und hinterfragt kritisch, inwiefern induktive Schlussfolgerungen zu einer echten Wissenserweiterung beitragen können.
- Unterscheidung zwischen Eindrücken (impressions) und Vorstellungen (ideas)
- Differenzierung zwischen Relations of Ideas und Matters of Fact
- Analyse der kausalen Verknüpfung von Ereignissen durch Gewohnheit
- Kritik an der erkenntnistheoretischen Rechtfertigung der Induktion
Auszug aus dem Buch
6. Das Problem der Induktion
Neben diesen beiden hier kurz erläuterten Arten von Schlüssen gibt es noch eine dritte Art, die sich im alltäglichen Gebrauch häufig durchsetzt, die sich aber – wie Hume zu zeigen versucht – nicht rechtfertigen lässt. Diese dritte Art (für Hume eine Unart) der Schlussfolgerung ist die der Induktion. Hume versucht gegen die alltägliche Meinung, dass induktive Schlüsse zielführend und hilfreich sind, zu zeigen, warum die Induktion als rationalistischer, logisch notwendiger und erfahrungserweiternder Schluss unmöglich ist.
A: Xanthippe ist ein Mensch. B: Alle Menschen sind sterblich. Ergo C: Xanthippe ist sterblich. In diesem Fall sprechen wir von einem deduktiven, wahrheitserhaltenden Schluss ohne Erkenntniserweiterung, insofern der Schluss C schon in Aussagen A und B enthaltet ist. Logisch falsch wäre (auch wenn C als Tatsachen nicht als falsch wäre) der Schluss: A: Xanthippe ist ein Mensch. B: Xanthippe ist sterblich. Ergo C: Alle Menschen sind sterblich. Dieser Schluss ist weder intuitiv, noch demonstrativ und insofern unlogisch, als C in den Aussagen A und B nicht enthaltet ist.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Einführung in die Fragestellung, ob induktive Schlüsse unser Wissen erweitern können, und Humes Fokus auf die Entstehung von Erkenntnis.
1. Ursprüngliche und ursprünglichere Erfahrungen: Analyse der Differenzierung zwischen impressions und ideas sowie der Kritik an der unmittelbaren Wahrnehmung.
2. Mathematisches und weniger mathematisches Denken: Unterscheidung zwischen Relations of Ideas und Matters of Fact und deren jeweilige Anforderungen an Beobachtung und Erfahrung.
3. Das Problem der Kausalität: Erläuterung, warum Kausalität als bloßes Nacheinander von Ereignissen wahrgenommen und durch Gewohnheit konstruiert wird.
4. Der Widerspruch als Unterscheidungskriterium: Abgrenzung von logisch notwendigen Aussagen gegenüber Tatsachenbehauptungen anhand des Widerspruchs-Prinzips.
5. Erkenntnisquellen: Untersuchung der Grundlagen von Wissen durch Erfahrung gegenüber Vernunftbeziehungen.
6. Das Problem der Induktion: Kritische Darlegung der Unmöglichkeit, die Induktion logisch oder empirisch als verlässliche Erkenntnisquelle zu begründen.
7. Ausblick: Zusammenfassung der Thematik mit Verweis auf spätere Lösungsansätze wie den Deduktivismus von Popper.
Schlüsselwörter
David Hume, Induktionsproblem, Erkenntnistheorie, Impressionen, Ideen, Kausalität, Relations of Ideas, Matters of Fact, Erfahrung, Gewohnheit, Deduktion, Wissenserweiterung, Wahrheitskonservierung, Empirismus, Vernunft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit Humes Erkenntnistheorie, insbesondere mit der kritischen Untersuchung, wie Menschen zu Erkenntnissen über die Welt gelangen und warum dabei insbesondere das Induktionsprinzip problematisch ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Unterscheidung zwischen Wahrnehmungen (Eindrücke und Vorstellungen), die Natur der Kausalität, das Unterscheidungskriterium zwischen logischen und faktischen Aussagen sowie die Grenzen der Induktion.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, Humes Skepsis gegenüber der rationalen Rechtfertigung von Induktionsschlüssen aufzuzeigen und zu erläutern, warum wir diese Schlüsse trotz ihrer logischen Unbegründbarkeit im Alltag verwenden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine textanalytische Methode, indem sie Humes "Untersuchung über den menschlichen Verstand" interpretiert und dabei mit philosophischen Kommentaren (z.B. von Wiesing oder Stegmüller) in Dialog tritt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung von Ideen, die Unterschiede zwischen mathematischem Denken und Erfahrungswissenschaften sowie die Herleitung des Kausalitätsproblems und der Induktionsproblematik.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Kausalitätsprinzip, Induktionsproblem, David Hume, Erkenntnistheorie und Erfahrungswissen beschreiben.
Warum hält Hume das Kausalitätsprinzip für problematisch?
Weil wir laut Hume nie eine direkte "Kraft" zwischen Ursache und Wirkung wahrnehmen, sondern lediglich eine zeitliche Abfolge, die wir aufgrund von Gewohnheit als kausal interpretieren.
Was bedeutet die "Copy-These" bei Hume?
Sie besagt, dass Vorstellungen (ideas) lediglich Abbilder unserer ursprünglichen, lebhaften Sinneseindrücke (impressions) sind.
Warum ist laut Hume kein Wissen über zukünftige Ereignisse möglich?
Weil jede Schlussfolgerung über die Zukunft voraussetzt, dass die Zukunft der Vergangenheit gleicht, was selbst wieder eine unbewiesene induktive Annahme ist.
- Arbeit zitieren
- Renate Enderlin (Autor:in), 2008, Woraus Hume keine Schlüsse zieht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/115141